Johnny English – Man lebt nur dreimal – Filmkritik

„Im Auftrag ihrer Majestät“

Für einen Schauspieler ist eine erfolgreiche und ikonische Figurenrolle Fluch und Segen zugleich. Einerseits bringt der Erfolg Aufmerksamkeit und Anerkennung, andererseits wird man oft nur noch mit dieser einen Rolle in Verbindung gebracht. Ein gutes Beispiel hierfür ist Rowan Atkinson. Der britische Komiker und Schauspieler ist und wird es auch immer für die meisten bleiben: Mr Bean. Trotz zahlreicher Erfolge am Theater und als Komiker verbindet ihn jeder mit seiner ikonischen Rolle des schrulligen Einzelgängers. Spürbaren Einfluss hat diese Rolle ebenfalls auf die bisherigen drei Ableger der Spionage-Parodie JOHNNY ENGLISH. Im dritten Anlauf rettet Atkinson wieder einmal im Namen ihrer Majestät die Welt und das mit viel Humor und Blödelei.

JOHNNY ENGLISCH // © UNIVERSAL PICTURES

Inhalt

Johnny English (Rowan Atkinson) ist nach seinen letzten beiden Abenteuern in den verdienten Ruhestand gegangen. So richtig abgelegt hat er sein Spionageleben jedoch nicht. Als Geografielehrer einer kleinen privaten Schule nutzt er seine Erfahrung als Agent, um neue potenzielle Kandidaten unter seinen jungen Schülern zu finden. Am anderen Ende von Britannien steht derweil der Premierministerin das Wasser bis zum Hals. Kurz vor einem wichtigen G6 Gipfel werden mehrere britische Regierungssysteme von einem Unbekannten gehackt. Dies hat neben großem Chaos auch zur Folge, dass alle Identitäten von aktiven Agenten der Krone enttarnt wurden. Die letzte Hoffnung dem Hacker auf die Schliche zu kommen und den Gipfel zu retten, ist nun Johnny English aus seinem Ruhestand wieder zu aktivieren.

 

JOHNNY ENGLISCH // © UNIVERSAL PICTURES

Alles bleibt beim Alten

Wer die ersten beiden Filme der Johnny English-Reihe nicht gesehen hat, kann sich beruhigt zurücklehnen. Vorwissen oder Bezug auf andere Filme nimmt JOHNNY ENGLISH 3 nicht. Die Geschichte um den tollpatschigen Agenten ist ohnehin Nebensache. Wer der Bösewicht ist, seine Ziele und Motivation sowie den Ausgang der Geschichte erkennen selbst normale Kinogänger schnell. Viel Überraschung bietet JOHNNY ENGLISH nicht. Dasselbe gilt auch für seinen Humor, der immer gleich aufgebaut ist. Auf der Suche nach dem Bösewicht, stürzt der von sich maßlos überschätzte Agent English seine Umgebung und alle darin in pures Chaos. Wie ein Mr Bean schafft es auch ein Johnny English bei den alltäglichen Aufgaben ein Durcheinander anzurichten, das seinesgleichen sucht. Rowan Atkinson hat dabei über die Jahrzehnte diesen Humor perfektioniert. Die Souveränität, mit der er die oft vor Fremdscham strotzenden Szenen spielt, ist ohne Frage beeindruckend. Der klassische und jugendfreundliche Humor ist Highlight und Schwachpunkt des Films zugleich. Ohne Frage ist der Film lustig, aber ein Witz wird nicht besser je häufiger man diesen erzählt. Nach gut der Hälfte des Films setzt ein Sättigungsgefühl ein und der Mangel an Spannung und Dynamik in Geschichte tritt in den Vordergrund. Es stellt sich die Frage, warum die Figur English nicht mehr Tiefe durch Charakterentwicklung bekommt.

© UNIVERSUM PICTURES

Verpasste Chance

Dass mit JOHNNY ENGLISH eine Parodie auf den üblichen Spion der 60’er geschaffen wurde ist klar. Sie funktioniert dafür auch ausgezeichnet, denn English ist alles, was ein James Bond nicht ist. Problematisch wird das Ganze nur, wenn trotz aller Hindernisse und Probleme, auf die English durch seine altmodischen Vorstellungen stößt, nicht einmal der Ansatz eines Einsehens entsteht. Ein Umdenken würde sich so gut in die Geschichte spinnen. Vor- und Nachteile der Technologisierung, alte Rollenbilder und generell der Konflikt Alt-Jung bietet viel thematische Vielfalt. Hier traut man der Figur und dem Zuschauer eindeutig zu wenig zu. Am Ende des Tages heißt es dann doch nur wieder: “Früher war alles besser und wir sollten zu den alten Zeiten zurück.”. Hier hätte aus einer soliden Komödie, die in der zweiten Hälfte stagniert, viel mehr werden können. Gern kann man dafür auch den 10-minütigen BMW Werbespot“ kürzen oder ganz entfernen. Eine Verfolgungsjagd zwischen English und seiner Zielperson Ophelia (Olga Kurylenko) wirkt Eins zu Eins aus der letzten BMW-Marketingstrategie entsprungen. Natürlich muss ein Film sich finanzieren, aber Produktplatzierung ging auch schon subtiler. Dass die Jagd dann nicht einmal sonderlich spannend ist, macht die Situation erst recht ärgerlich. Etwas mehr Action benötigt der Film generell, bis auf ein oder zwei steife Handkantenschläge überlässt Agent English das Kämpfen lieber der jüngeren Generation. Wirklich gut ist hingegen der Score von Howard Goodall, stimmig umrahmt er den kurzen und vielleicht letzten Trip von JOHNNY ENGLISH.

JOHNNY ENGLISCH // © UNIVERSAL PICTURES

Fazit

JOHNNY ENGLISH 3 ist ohne Frage einer der lustigsten Filme, die man bisher dieses Jahr im Kino sehen konnte. Die alte Mr Bean-Formel funktioniert auch noch 2018. Viel mehr als ein durchschnittlicher Film ist er dann aber auch nicht. Mit ein paar frischen Ideen und etwas mehr Tiefgang für den Charakter English hätte man deutlich mehr rausholen können. Besonders im Hinblick auf die kommende Konkurrenz der UNGLAUBLICHEN 2 im Sektor Familienunterhaltung sieht es für Johnny nicht gerade rosig aus.

 

Titel, Cast und Crew

(2018) Johnny English - Man lebt nur dreimal
OT: Johnny English - Strikes Again

Poster

Film Poster

Kinostart/
Veröffentlichung

18.10.2018

Regisseur

David Kerr

Trailer

Besetzung

Rowan Atkinson (Johnny English)
Jake Lacy (Jaso)
Ben Miller (Bough)
Emma Thompson (Prime Minister)
Olga Kurylenko (Ophelia)
Miranda Hennesy (Tara)

Drehbuch

William Davies

Kamera

Florian Hoffmeister

Musik

Howard Goodall

Schnitt

Tony Cranstoun
Mark Everson

Filmlänge

88 Minuten

FSK

ab 6 Jahren
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Fragt sich, ob DIE NACKTE KANONE noch eine Chance auf einen Oscar hat / kann Käsekuchen nicht widerstehen / sollte ohne Korrekturlesen nichtmal ‘ne SMS schreiben.

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