John Wick: Kapitel 3 (2019) – Filmkritik

„Das Action-Kino ist tot, lang lebe das Action-Kino“

Seit seinem Zenit in den 80er Jahren kämpft das Action-Kino immer wieder um seine Daseinsberechtigung. Filme, die sich ausschließlich auf Erwachsene ausrichten, können doch nicht mehr funktionieren. Lang ist es her, dass TERMINATOR oder STIRB LANGSAM die Kinokassen zum Glühen gebracht haben. Damit ein Film beim Publikum ankommt, braucht er eine breite Zielgruppe und darf dann gern auch laut und brutal sein, aber eben nicht nur laut und brutal. Erwachsenes Action-Kino verschwindet immer mehr aus den Kinos hin zur DVD- und Blu-Ray-Ecke. Mitte der 2000er kämpft sich das Genre langsam seinen Weg zurück an die Kinokasse. Ganz vorn dabei sind Hits wie THE RAID oder ONG-BAK. Obwohl sie kommerziell keine Rekorde brechen, zeigen sie doch eins: Das Konzept geht auf. Dass es auch richtig gut mit einem bekannten Schauspieler aus dem Hause Hollywood funktioniert, beweist JOHN WICK im Jahr 2015. Die simple Idee des Autors Derek Kolstad und Regisseur Chad Stahelski trifft den Nagel des Genres auf den Kopf. JOHN WICK platziert sich mit einem Paukenschlag ganz vorn in den Ranglisten der besten Actionfilme.

Auch das dritte Kapitel der Filmreihe setzt auf altbekannte Erfolgsrezepte und versucht jedoch einiges anders zu machen als die beiden Vorgänger.

Inhalt

Nachdem John Wick (Keanu Reeves) im zweiten Teil eines der grundlegenden Gesetze seiner Zunft missachtet, wird er vom Jäger zum Gejagten. Der Auftragskiller wird exkommuniziert, das heißt, er verliert seinen Status und seine Privilegien. Damit nicht genug, wird auf ihn ein Kopfgeld von 14 Millionen US-Dollar ausgesetzt. Mit einem Schlag ist scheinbar die ganze Welt hinter John her. Es gibt nur noch eine Chance zu überleben: John braucht eine Audienz beim obersten Führer der hohen Kammer. Nur die Chefetage des Killer-Netzwerks kann sein Kopfgeld aussetzen und somit sein Leben auf der Flucht beenden.

© Concorde Filmverleih

Kaum Zeit zum Atmen

Ohne unnötige Zeit zu verlieren, schließt das dritte Kapitel der John-Wick-Saga direkt an das Ende von Kapitel 2 an. Somit könnte man theoretisch alle drei Teile als großen, nie enden wollenden Actionfilm sehen. Jedenfalls, wenn man den dafür ausreichenden Atem hat. Wie bereits in seinen beiden Vorgängern wird auch in JOHN WICK: KAPITEL 3 nicht lang gefackelt. Ohne Verschnaufpause stürzt er sich in den Kampf ums Überleben. Dementsprechend wird dem Publikum kaum Handlung und nötiges Hintergrundwissen aus den Vorgängerfilmen erklärt. Es ist daher durchaus notwendig, die Kapitel 1 und 2 zu kennen. Diejenigen, die mit der Geschichte bereits vertraut sind, sollten sich ab der ersten Minute wie zu Hause fühlen. Es wird genau das geliefert, was bereits die ersten beiden Filme vorgemacht haben. Nur hat dieser Teil von allem eine Schippe mehr. Das Killer-Ballett, welches Regisseur Chad Stahelski und sein Stunt-Team hier auf die Beine stellen, ist einfach fantastisch. Besonnene Bildschnitte lassen zu jedem Zeitpunkt erkennen, was auf der Leinwand passiert. Gnadenlos und hart stehen die Kämpfe in ihrer Ästhetik für sich. Dafür benötigen die Szenen nicht einmal musikalische Untermalung. Set-Design, Sound und Beleuchtung sind auf höchstem Niveau und erschaffen eine durchgestylte Gewalt-Achterbahn.

Keanu gibt alles

Keanu Reeves verkörpert wieder einmal wunderbar den unaufhaltsamen Profikiller, der den Albträumen der bösen Jungs entstiegen ist. Was für eine Arbeit der erfahrene Schauspieler in diese Rolle steckt, konnte man bereits vorab in unzähligen YouTube-Videos sehen: Auf dem Schießstand neben ehemaligen Navi-Seals oder auf der Kampfmatte – der Mann gibt immer 100 %. All sein Einsatz und die Hingabe täuschen trotzdem nicht über eins hinweg: Auch an Keanu Reeves sind die Jahre nicht spurlos vorübergegangen. Wenn John Wick rennt, sieht das streckenweise sehr steif aus und auch sonst stimmt bei einigen Kampfeinlagen das Timing nicht mehr ganz so perfekt.

© Concorde Filmverleih

Hilfe für den Baba Yaga

Der Fokus geht deutlich von John Wick ab und konzentriert sich auf die Erweiterung der Assassinen-Welt. Für alle, die jetzt misstrauisch werden, es bleibt trotzdem eine One-Man-Show. Bereits im zweiten Teil beschränkt sich die Unterwelt nicht mehr nur auf die Stadt New York, sondern enthüllt Figuren und Orte auf der ganzen Welt. Dieses Mal geht die Reise nicht nach Europa, sondern Richtung Afrika. Unter anderem bekommt der Zuschauer ein weiteres Continental Hotel vorgestellt. Der Standort Casablanca bietet seinen Gästen orientalischen Flair und hebt sich damit deutlich von den bisherigen Schauplätzen ab. Die Leitung des Hotels untersteht Sofia (Halle Berry). Mit ihren beiden Hunden wird sie John für kurze Zeit bei seiner Suche unterstützen und stellt damit die größte Neuerung gegenüber den bisherigen Filmen dar.


© Concorde Filmverleih

Bereits bekannte Gesichter wie Winston (Ian McShane) oder Bowery King (Laurence Fishburne) bekommen deutlich mehr Screen Time. Schließlich muss sich nicht nur John Wick für die letzten Ereignisse verantworten. Damit einhergehend gewinnt auch die hohe Kammer als die oberste Instanz an Bedeutung. Abseits der Figur John Wick entwickelt sich ein größerer Konflikt innerhalb des Systems. So richtig interessant wird diese übergeordnete Geschichte aber nicht, da sie für den aktuellen Film nämlich nicht relevant ist. Im Gegenteil, sie schadet viel mehr als dass sie eine sinnvolle Erweiterung darstellt. JOHN WICK wird keine Trilogie sein. Das wurde bereits in verschiedenen Interviews angedeutet und bestätigt sich. Damit übernimmt der dritte Teil das größte Problem des zweiten: Er findet kein Ende. Der finale Kampf ist nicht mehr oder weniger spektakulär wie die unzähligen davor. Es rollt einfach irgendwann der Abspann. Die von Anfang an einfache Idee hinter John Wick wird mit Kapitel drei also nur noch weiter ausgedehnt und aufgeblasen. Man fragt sich zu Recht: Wie lang soll das Spiel noch weitergetrieben werden? Der Mann in Schwarz verdient ein abschließendes und würdiges Ende.

© Concorde Filmverleih

Neue Elemente

Um diese Ermüdung der ausgedehnten Story zu umgehen, bedient sich Chat Stahelski einem neuen Element: Humor und Witz. Das mag dem ein oder anderen nicht schmecken, aber JOHN WICK: KAPITEL 3 ist punktuell verdammt lustig. Besonders Mark Dacascos als Gegenspieler Zero hat einige witzige und überraschende Momente. Verstärkt durch den Gewaltgrad und den ernsten Grundton des Films, wirken diese Momente besonders unerwartet und zeigen auf, wie absurd das Filmkonzept eigentlich ist. Die Jokes lockern die steife Geschichte immer wieder auf. Was dann aber der Strecke bleibt, ist die ernste Atmosphäre der Vorgänger. Nicht jeder wird damit glücklich sein.

Fazit

JOHN WICK: KAPITEL 3 ist wie seine Vorgänger: Action-Kino in reinster Form. Hier geht es Schlag auf Schlag durch die 130 Filmminuten, immer visuell beeindruckend und flüssig anzusehen wie es selten im Genre ist. Obwohl sich mit jedem Kapitel auch die Welt der Assassinen ein Stück erweitert, bleibt die Grundidee von JOHN WICK simpel. Eine komplexe Handlung sollte man auch im neusten Kapitel nicht erwarten. Die Entscheidung gegen eine abgeschlossene Trilogie zugunsten eines offenen JOHN-WICK-FRANCHISE ist jedoch ein Fehler, denn bereits jetzt werden Zuschauer und auch die Hauptfigur der ganzen Action langsam müde.

Titel, Cast und CrewJohn Wick: Kapitel 3 (2019)
OT: John Wick: Chapter 3 - Parabellum
PosterFilm Poster
Releaseab dem 23.05.2019 im Kino
ab dem 01.10.2019 auf 4K-UHD/Blu-ray oder DVD
Bei Amazon bestellen:

RegisseurChad Stahelski
Trailer
BesetzungKeanu Reeves (John Wick)
Halle Berry (Sofia)
Ian McShane (Winston)
Laurence Fishburne ( Bowery King)
Asia Kate Dillon (The Adjudicator)
Lance Reddick (Charon)
Jerome Flynn (Berrada)
DrehbuchDerek Kolstad
KameraDan Laustsen
MusikTyler Bates &
Joel J. Richard
SchnittEvan Schiff
Filmlänge130 Minuten
FSKab 18 Jahren

 

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