Hotel Artemis Jodie Foster

Hotel Artemis – Filmkritik

„Die Türen in die Realität“

Originelle Kinofilme haben es derzeit schwer eine Finanzierung auf die Beine gestellt zu bekommen. Originell meine ich nicht im Sinne einer einziartigen Idee, ohne eine Filmreihe, eine Neuverfilmung, eine Comic- bzw. Buchvorlage oder sogar ein Spielwarenprodukt als Grundlage. Eine Geschichte, die nur als Film erzählt wird und in sich geschlossen ist. HOTEL ARTEMIS ist ein Film, der es ohne großen Hype-Train, PR-Schlacht oder Schlagzeilen in unsere Kinos geschafft hat. Und dies mit einer ganz speziellen Mischung aus Thriller und Sci-Fi-Dystopie. Drew Pearce, Drehbuchschreiber für IRON MAN 3, PACIFIC RIM und GODZILLA hat mit dieser kleinen aber großartig besetzten Indie-Produktion seinen Regie-Einstand gegeben. So viel sei verraten, dies ist ihm geglückt, aber auch durch ein tolles Team vor und hinter der Kamera

Inhalt „Hotel Artemis“

Das Los Angeles der Zukunft. Verbrechen und Menschenunruhen haben die Stadt fest im Griff, zudem haben sich die Straßen in eine Kampfarena zwischen Polizei und Demonstranten entwickelt. Währenddessen kann das professionelle Verbrechen ungestört im Hintergrund agieren. Aus der Not und neuen Gesellschaftsordnung werden auch neue Geschäftsmodelle erfunden. Das HOTEL ARTEMIS ermöglicht all seinen Mitgliedern einen Aufenthalt bei Verletzungen ohne die Polizei zu informieren. Um diesen Dschungel von angeschossenen und schwachen Kriminellen unter Kontrolle zu halten, hat die Chefin (Jodie Foster), welche nur „Schwester“ genannt wird, ein paar Regeln aufgestellt. Dazu gehören ein Waffenverbot und kein Besuchszeiten für Nichtmitglieder. Als ein Bankraub-Brüderpaar eincheckt, ist das letzte Zimmer belegt. Als die Schwester zusammen mit ihrem Pfleger, gespielt von Dave Bautista (GUARDIANS OF THE GALAXY, AVENGERS: INFINITY WAR) die Beiden wieder zusammenflickt, kündigt sich der Chef von L.A. – der „Wolfking“ – als nächster Gast an. Willkommen in einer Zukunftsvision von 2028. Es hört sich verdammt stark nach abgefahrener Science-Fiction an, ist aber nur 10 Jahren von unserer Zeit entfernt.


© Concorde

Der Tanz mit der Wirklichkeit

Als ich in der Kinovorstellung saß, wusste ich zum Abspann des Films, dass es über diesen Film keine lobpreisenden Kritiken geben wird, keine überdurchschnittliche Ticketverkaufszahlen werden in den News auftauchen und ich bin mir unsicher, ob HOTEL ARTEMIS es zu Ende des Jahres in irgendwelche Toplisten schaffen wird. Dies liegt aber nicht am Film. Er ist handwerklich sehr gut inszeniert, die Schauspieler spielen ihre Rollen perfekt, das Drehbuch hat geradezu einen penetrant guten Realismus mit einer glaubhaften Science-Fiction Komponente und das Ganze spielt auch noch in der schön eingefangenen Requisite eines Art déco-Hotels Anfang des 20. Jahrhunderts. Der Fehler ist hier eindeutig bei uns zu suchen, den Filmkritikern, sowie den Filmsüchtigen. Wir gieren förmlich nach Schlagzeilen, nach möglichen Fortsetzungen und visuellen Durchbrüchen. Das Kino im Jahr 2018 ist schon lange im festen Griff von Superlativen und wir gießen weiterhin Öl ins Feuer. Wie kann ich euch als Lesern ein Argument bieten diesen Film zu schauen, der sicherlich mittlerweile schon den ein oder anderen Kritiker-Tiefschlag erhalten hat und beim Schreiben dieser Review bereits zu Unrecht auf IMDb bei 6,3/10 Punkten angelangt ist? Zwei Worte: Jodie Foster.


© Concorde

Der Sprung über den eigenen Schatten

Es gibt in aktuellen Filmproduktionen kaum noch Rollen für Frauen ab Mitte dreißig und aufwärts, es sei denn man heißt Meryl Streep. Die wenigen weiblichen Filmrollen in diesem Alter sind bereits an eine Handvoll Frauen vergeben und wenn es um eine Hauptrolle gehen soll, wird es noch schwieriger. Jodie Foster (geb. 1962) hat politisch und gesellschaftlich selten ein Blatt vor den Mund genommen und immer ein feinfühliges Händchen für ihre Filmrollen bewiesen. Für HOTEL ARTEMIS hat sie sich sogar noch etwas älter schminken lassen und eine resolute Hotelmanagerin ist dabei herausgekommen. Sie hat Everest, ihren Pfleger, fest im Griff, aber was uns ihre Figur so nah bringt, ist ihre verletzliche und ängstliche Seite. Die wird durch das feine Drehbuch simpel, aber ehrlich erzählt. Keine an den Haaren herbeigezogenen Wendungen nur um des Twists Willen. An ihrer Seite glänzt der restliche Cast gleich mit, ganz im Art déco-Stil des Hotels ein bisschen auffällig, aber stimmig. Einzig Zachary Quinto als Sohn Crosby wirkt etwas zu lammfromm für einen Schurken. Besonders toll agieren Dave Bautista, der bereits in seinem kleinen Auftritt in BLADE RUNNER 20149 mit einer neuen Facette beeindruckt hatte und Sofia Boutella (KINGSMAN, STAR TREK: BEYOND) als Nice. Alle Gäste des Hotels haben als Codenamen die Namen ihrer Hotelzimmer und Boutella spielt eine französische Profikillerin. Sie sieht in diesem Film nicht nur fantastisch aus, sondern kann auch in Nahaufnahmen ordentlich austeilen ohne sich auf ein Stuntdouble zu berufen. Neben diesem exzellent arbeitenden Filmteam ist der Kameramann Chung Cung-hoon (OLDBOY, DIE TASCHENDIEBIN) zu nennen, der schöne Bilder in den ruhigen Momenten schafft und sich sonst dezent zurücknimmt. Er komplettiert den Kreis aus Profis.

Trailer


© Concorde

Fazit

Seit MOLLY’S GAME ist ein Regiedebüt eines Drehbuchautors nicht mehr so gut gelungen wie HOTEL ARTEMIS. Pfeift auf die durchschnittlichen Meinungen der Anderen und schaut euch einen einfachen und sehr guten Film im Kino an.

Titel, Cast und Crew

Hotel Artemis (2018)

Poster

Hotel Artemis Kinoplakat deutsch

Kinostart

26.07.18

Regisseur

Drew Pearce

Trailer

Besetzung

Jodie Foster (The Nurse)
Sterling K. Brown (Waikiki)
Sofia Boutella (Nice)
Jeff Goldblum (Niagara)
Zachary Quinto (Crosby Franklin)
David Bautista (Everest)
Brian Tyree Henry (Honolulu)
Jenny Slate (Morgan)
Charlie Day (Acapulco)

Drehbuch

Drew Pearce

Kamera

Chung-hoon Chung

Musik

Cliff Martinez

Schnitt

Gardner Gould
Paul Zucker

Filmlänge

94 Minuten

FSK

ab 16 Jahren

 

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Chefredakteur

Kann bei ZURÜCK IN DIE ZUKUNFT mitsprechen / Liebt das Kino, aber nicht die Gäste / Hat seinen moralischen Kompass von Jean-Luc Picard erhalten / Soundtracks auf Vinyl-Sammler / Stellt sich gern die Regale mit Filmen voll und rahmt nur noch seine Filmposter

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