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Hope (2026) – Filmkritik

„Einmal alles bitte“

Der koreanische Regisseur Na Hong-jin gilt hierzulande immer noch als kleiner Geheimtipp. Das liegt vor allem an den international sehr erfolgreichen Kollegen wie Park Chan-wook und Bong Joon-ho aus seinem Heimatland, aber auch an seinem übersichtlichen Filmoutput. Seine Filme THE CHASER (2008) und THE WAILING (2016) kann man kaum vergessen, wenn man sie einmal erlebt hat. Sie sind intensiv, komplex und fühlen sich stets wie ein Halbmarathon an, einer der zermürbenden Sorte. Auch HOPE (2026) dehnt wieder die Spannung ins Unermessliche, ohne zu nerven, und das Drehbuch verweigert sich jeder filmwissenschaftlichen Schablone. Besonders auffällig ist, dass sich Na Hong-jin lieber für die einfache, südkoreanische Arbeiterklasse interessiert. Die Fischer, die Händler, die Landwirte müssen sich Ausnahmesituationen wie zum Beispiel dem organisierten Verbrechen, Serienkillern oder bösartigen Geistern stellen. Die Polizei ist keine Hilfe und stets überfordert. Mit wenig Einfluss und einem derben Humor kämpfen ebenfalls die Protagonisten von HOPE gegen eine riesige Bedrohung, die kaum übermenschlicher sein könnte.

© PLUS M ENTERTAINMENT

Handlung

An der Grenze zu Nordkorea liegt die südkoreanische Stadt Hope Harbour. Die jahrzehntelange Bedrohung durch Spionage und Minenfelder an der demilitarisierten Zone hat der Bevölkerung keinerlei Wohlstand gebracht. Die alltäglichen Probleme sind auf das Wesentliche begrenzt. Der Polizist Bum-seok (Hwang Jung-min) legt großen Wert auf sein von Hollywoodfilmen inspiriertes Auftreten. Als Sung-ki mit seinen Jägerfreunden eine tote Kuh mitten auf der Straße findet, sind sie sich nicht wirklich sicher, welches Tier sie getötet hat. Die Polizei weiß auch nicht weiter. Tiefe Fleischwunden sind zu erkennen, für einen Tiger oder Bären vielleicht etwas zu groß? Doch das Unaussprechliche wird lieber gleich wieder zur Seite geschoben; es muss ein Bär oder ein anderes Raubtier gewesen sein. Während die Hobbyjäger in der Wildnis nach weiteren Spuren suchen – sie werden jede Menge davon finden – erhält Polizist Bum-seok einen Notruf. Etwas treibt auf dem Marktplatz sein Unwesen. Als er in der kleinen Stadt wieder eintrifft, herrscht bereits Ausnahmezustand. Diejenigen, die nicht bereits tot oder geflohen sind, haben sich bis auf die Zähne bewaffnet und jagen etwas extrem Schnelles, Starkes und enorm Wütendes. Polizeikollegin Sung-ae (Jung Ho-yeon) rettet ihm das Leben und beide können mit jeder Menge Feuerkraft und viel Glück das Wesen erlegen. Ist es menschlich? Und die viel wichtigere Frage: War es allein?

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Vollgas

Nach etwas Vorgeplänkel darüber, in welch einfachen Verhältnissen HOPE spielt, geht es direkt in die Vollen. Schnell wird klar: Die Männer sind nicht vorbereitet auf das, was kommen wird. Wie in einem Videospiel erkunden wir die verwüstete Stadt. Immer wieder tauchen Explosionen über den Häusern auf. Schüsse sind zu hören. Ab und zu fahren vollbesetzte Transporter mit bis auf die Zähne bewaffneten Menschen durch den verlassenen Ort. Wo ist der Rest der Einwohner? Ein paar Leichen sind am Straßenrand zu sehen, meist wurden sie mit Gegenständen erschlagen oder von etwas Großem förmlich zerrissen. Das Wesen ist nicht auf Nahrungssuche, es ist stinksauer. Man leidet zu Beginn etwas mit dem unfähigen Polizisten Bum-seok. Die Todesangst hat ihn erfasst und er trifft nicht immer die besten Entscheidungen, wie zum Beispiel auf alles zu schießen, was sich bewegt.

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Aber HOPE verliert nie seinen Unterhaltungswert auch dank derben Humors, wenn der Metzger hinter der Tür auftaucht oder eine Gruppe Senioren mit enormer Feuerkraft den Cop per Anhalter mitnehmen. Das Monster ist die erste Filmstunde nicht zu sehen und wenn es erscheint, ist es garantiert nicht so, wie man erwartet. Es muss aber auch einen Helden oder eine Heldin in dieser Geschichte geben und das ist die extrem coole Polizistin Sung-ae. Sie fährt nicht nur wie eine Rallyefahrerin gekonnt durch die schmalen Straßen der Stadt – das Stuntteam hat hier ganze Arbeit geleistet – sie ist auch in ihrer fluchenden und durchgedrehten Art ein toller Gegensatz zum Aufschneiderkollegen, der oft einfach starr vor Angst ist. Aber auch er muss sich weiterentwickeln, denn das Drehbuch hat noch einiges mit ihm vor.

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Von der Katastrophe in eine andere Sphäre

Von der weiteren Geschichte soll hier gar nicht groß erzählt werden, damit der Überraschungseffekt noch richtig zündet, im Guten wie auch im Schlechten. HOPE spielt zwei Handlungsstränge gekonnt gegeneinander aus, um die Spannung zu steigern. Zwischen den Jägern auf Spurensuche im Wald und den polizeilichen Ermittlungen in der Stadt bekommen wir immer mehr Hinweise, was hier eigentlich passiert. HOPE ist trotz seines schwarzen Humors und der teilweise deftigen Splatterszenen auch am Rande gesellschaftskritisch. Die Menschen scheinen in der Bedrohung hilflos überfordert und wenn es zu einem Konflikt kommt, erhebt immer ein Mensch zuerst die Waffe, bevor es dann eskaliert. Man muss bei der Handlung im Wald unweigerlich an die Wildtiermärkte in China denken, aus denen mit hoher Wahrscheinlichkeit die Covid-19-Viren auf den Menschen übertragen wurden. Doch zum Finale wird es so fantastisch und absurd, dass man unweigerlich lachen muss angesichts der Geschichte, die wir hier zu sehen bekommen haben.

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Fazit

HOPE ist das Porträt der kleinen Statisten, die in großen Fantasy-Science-Fiction-Epen nur eine Randnotiz im Hintergrund sind. Es stilisiert weder seine Helden, noch versucht es auf eine große moralische Geste, zu setzen. HOPE ist genau der richtige Adrenalinkick für den Feierabend, aber Vorsicht, man muss sich danach dringend bewegen, um das ganze Adrenalin abzubauen, das man in den knapp drei Stunden gesammelt hat. Wer eine bunte Palette bestes Actionkinos mag und das alles nicht so ernst nimmt, braucht nicht mehr auf Hollywood zu hoffen, sondern muss diesen Film sehen.

© Christoph Müller

Titel, Cast und CrewHope (2026)
Poster
Releaseab 08.10.2026 im Kino
RegieNa Hong-jin
Trailer
BesetzungHwang Jung-min (Bum-seok)
Zo In-sung (Sung-ki)
Jung Ho-yeon (Sung-ae)
Taylor Russell (Ai'dovor)
Cameron Britton (Va'migere)
Alicia Vikander (J'aur)
Michael Fassbender (Ma'veyyo)
Um Mun-suk (Yang-bae)
DrehbuchNa Hong-jin
MusikMichael Abels
KameraHong Kyung-pyo
SchnittSun-min Kim
Filmlänge160 Minuten
FSKab 16 Jahren

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