Haze Filmkritik

Haze – Filmkritik

„Ein Universum des Schreckens“

Der Japaner Shin‘ya Tsukamoto veröffentlichte mit HAZE einen weiteren Beitrag zu seinem Lieblingsthema: Die Stadt und die Menschen die darin leben. Seine bekanntesten Filme dürften unter anderem TETSUO von 1989 und VITAL aus dem Jahre 2004 sein. Tsukamoto versucht immer wieder so wenig Dialog wie möglich in seine Filme zu packen. Sein Ziel ist es, den Zuschauern mit zum Teil drastischen Bildern sein Anliegen visuell zu verdeutlichen, so auch in dem hier vorliegenden Werk. Wer Probleme mit Klaustrophobie hat und schon bei Filmen wie THE DESCENT und KATAKOMBEN die Luft anhält und Schweißausbrüche bekommt, der sollte wohl besser die Finger von HAZE lassen, denn hier gibt es Klaustrophobie nonstop.

Inhalt

Ein Mann (Shin‘ya Tsukamoto) wacht ohne Erinnerung in einem finsteren Betonlabyrinth auf. Er hat keinerlei Ahnung, wie er dort hineingekommen ist, wo er sich befindet und wie er aus dieser finsteren Hölle entkommen kann oder wer ihm das angetan hat. Stehen ist in der Enge nicht möglich, die Decken und Wände lassen nur einen geringen Spielraum für Bewegung zu. Verängstigt arbeitet er sich nur sehr langsam durch die klaustrophobische Enge, von einem rätselhaften Raum in den nächsten bis er plötzlich eine Frau (Kaori Fujii) trifft, die auch in dieser Hölle gefangen ist. Gemeinsam versuchen sie, einen Ausweg zu finden und das Rätsel dieses schrecklichen Orts zu lösen.

Stadt und Körper

Der Film beginnt ohne jede Erklärung oder Einleitung, es geht gleich zu einhundert Prozent in die Vollen. Auch wenn man zu Anfang glauben mag, es handelt sich um einen weiteren Ableger von SAW oder HOSTEL, täuscht man sich. Schon in seinem vorherigen Film VITAL versuchte Tsukamoto das Bewusstsein und Verhältnis zum Körper im Film darzustellen. Dort suchte er nach dem Sinn des Lebens und den Launen, die selbiges zu bieten hat. In HAZE geht er einen Schritt weiter, denn die Zuschauer tauchen direkt in das Bewusstsein der Hauptfigur ein. Ohne zu viel verraten zu wollen, aber man könnte sagen, Tsukamoto möchte uns bildlich zeigen, dass selbst schlimmste Ereignisse im Leben verarbeitet und vergessen werden können, um danach ein ganz neues Leben zu beginnen. Es ist ein Neuanfang, auch wenn es manchmal sehr schwerfällt. Ich würde HAZE auch noch eine zweite Botschaft anheften: Das hermetische und beengte Leben in den japanischen Großstädten. Für unsere Verhältnisse sind es zum Teil schwierige Lebensbedingungen der Bewohner, die bemüht sind ihr Leben auf engstem Raum zu führen. Wer diesen Druck nicht aushält, wird dem gigantischen Fleischwolf „Stadt“ irgendwann zum Opfer fallen.

Interessant ist ebenfalls die Tatsache, dass Regisseur Tsukamoto selbst an Klaustrophobie leidet, wie er auf dem beiliegenden Interview der DVD verrät. Außerdem hatte er zum Zeitpunkt der Dreharbeiten starke Rückenschmerzen, was die Probleme in den beengten Sets für ihn noch zusätzlich erhöhte, da er gegenüber seinem Team keinerlei Schwäche zeigen wollte, typisch Japaner eben. Wer den wenigen, aber verwirrenden Dialogen des Films aufmerksam bis zum Ende folgt, kann in dem Ganzen sicherlich einen Sinn erkennen.

Fazit

Wahrhaftig ist HAZE weder leicht zu verarbeiten, noch einfach zu verstehen. Wer ihn gesehen hat, dem wird er auch noch lange im Gedächtnis haften bleiben, wie ein Schlag in die Magengrube. Dass dies kein Mainstream-Film ist, sollte mittlerweile jedem Leser klar sein, aber es ist auch kein reiner Horror-Film. Ich würde es eher als einen abstrakten Experimental-Psycho-Horror bezeichnen, wobei eine exakte Gruppierung letztendlich weder möglich, noch sinnvoll ist. Es würde das Ganze nur unnötig einschränken. Wie bei vielen Filmen aus Japan, sollte auch hier der Rezipient nicht mit der Werte- und Moralvorstellung unserer westlichen Welt herangehen, ein gewisses Grundwissen, was das Leben und die Kultur in Japan ausmacht, sollte auf jeden Fall vorhanden sein. Für Leute, die etwas Außergewöhnliches suchen, ist HAZE genau das Richtige.

Zur DVD

Das DVD Cover © Rapid Eye Movies

Sehr interessant fand ich das Making-of, in dem ausführlich gezeigt wird, wie die Sets des Films entstanden sind. Die Bildqualität ist für eine DVD sehr gut, an einigen Stellen ist etwas Filmkorn zu erkennen, aber ich vermute mal, das war vom Regisseur so beabsichtigt, denn es passt sehr gut zur klaustrophobischen Atmosphäre. Die Synchro für Deutschland ist in Dolby Digital 5.1 oder auch DTS-ES verfügbar und das Japanisch kommt nur in Dolby Digital 2.0 Stereo. Die Untertitel gibt es in Deutsch. Auf den Extras der DVD von 2006 gibt es noch ein Making-of, ein Interview mit Shin‘ya Tsukamoto, einen Kinotrailer und ein Poster. Alles verpackt in einem feinen Pappschuber mit ansprechenden Covern dank Rapid Eye Movies.

Titel, Cast und CrewHaze (2005)
PosterKinoposter Haze

Release
auf DVD erhältlich
Bei Amazon kaufen (Affiliate Link)
RegisseurShin'ya Tsukamoto
DarstellerShinya TSUKAMOTO
Kahori FUJII
Takahiro KANDAKA
Takahiro MURASE
Mao SAITO
Masato TSUJIOKA
DrehbuchShin'ya Tsukamoto
MusikChu Ishikawa
KameraShin'ya Tsukamoto
SchnittShin'ya Tsukamoto
Filmlänge49 Minuten
FSKab 18 Jahren
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