Harpoon (2019) – Filmkritik

Ahoi Matrosen. Alle Mann und natürlich auch Frau an Bord, wir legen ab. Wer aber jetzt glaubt, wir machen eine gemütliche Rundfahrt und treffen den Fliegenden Holländer, die Elizabeth Dane, den Luxusliner Antonia Graza oder gar den alten Raimund “Wolf Larsen“ Harmstorf, den muss ich leider enttäuschen. Nein, in dem kanadischen Low-Budget-Indie-Filmchen HARPOON geht es wesentlich bodenständiger zur Sache, so ganz ohne paranormale Erscheinungen. Besonderes Augenmerk legten Regisseur Rob Grant und sein Drehbuchautor Mike Kovac auf Freundschaften und Beziehungen. Dass der Mantel der Zivilisation sehr dünn gestrickt ist, dürfte kein großes Geheimnis sein, und das Freundschaften oftmals betrogen oder hintergangen werden, ist auch nichts Neues. Diese kritischen Komponenten haben die beiden Allroundtalente Grant und Kovac in ihrem neusten Film zu einer sehr garstigen, kleinen Komödie vermengt. Doch dem geneigten Zuschauer wird das ein oder andere Mal das herzhafte Lachen im Hals stecken bleiben, garantiert.

Harpoon (2019)
© Koch Films

Handlung

Richard (Christopher Gray) prügelt seinen besten Freund Jonah (Munro Chambers) brutal zusammen, weil er glaubt, er hat etwas mit seiner Freundin Sahsa (Emily Tyra). Schnell klärt sich der Verdacht als Missverständnis auf und alle vertragen sich wieder. Als kleine Wiedergutmachung lädt Richard die beiden Gepeinigten auf seine kleine Jacht ein, doch das Misstrauen bleibt. Als es zu einer weiteren Konfrontation kommt, eskaliert die Situation. Zu allem Übel streikt auch noch der Motor der Jacht und die drei Freunde sitzen auf dem offenen Meer fest. Zu dumm nur, dass bei dem Streit zuvor das Funkgerät zu Bruch ging. Die Situation spitzt sich weiter zu, denn nun gehen auch die Vorräte zu Neige.

Harpoon (2019)
© Koch Films

Eine Seefahrt die ist lustig, eine Seefahrt …

Ein wunderbarer Einfall ist der unsichtbare und anonyme Sprecher bei HARPOON, der wie ein allmächtiger Gott über allem schwebt und den Zuschauer mit nützlichen Hinweisen und Informationen versorgt. Er ist es auch, der uns zu Beginn die drei Arten einer Freundschaft nach dem bekannten Griechen Aristoteles erklärt: Es gibt die Freundschaft aus Sympathie, zum persönlichen Nutzen oder die aus Liebe. Diese drei Möglichkeiten wird Rob Grant im Laufe seines Filmes genauer unter die Lupe nehmen und geschickt mit seiner Story verweben.

Harpoon (2019)
© Koch Films

Dieses äußerst illustre Kammerspiel wird von den drei Darstellern brillant dargebracht: Zum einen haben wir Richard, er ist ein reicher verwöhnter Schnösel, der genau wie sein Vater zu extremen Wutausbrüchen neigt. Tief in sich hegt er ein extremes Misstrauen gegen seine Freunde Jonah und Sasha. Doch nicht nur Richard wird von negativen Gefühlen zerfressen, seine beiden Freunde stehen ihm da in nichts nach. Jonah ist der typische Loser, der nichts auf die Reihe bekommt, weder beruflich noch privat. Er ist zwar Richards bester Freund, aber insgeheim wird er vom Neid auf das sorglose Leben, was sein reicher Kumpel führt, zerfressen. Schließlich ist da noch der unvermeidliche „love interest“, der als kritische Masse zwischen den beiden Extremen fungiert: Sasha, die Geliebte von Richard. Sie fühlt sich zu beiden hingezogen und muss immer wieder zwischen den Streithähnen vermitteln. Eine klassische Dreiecksbeziehung, wie sie im Buche steht, nur das keiner der Protagonisten mit offenen Karten spielt, bis zum bitteren Ende.

Mediabook-Cover

Im Verlaufe von HARPOON fällt es nicht schwer, jeden Charakter als unsympathischen Zeitgenossen zu entlarven. Dazu kommt, dass niemand von ihnen ehrlich ist, was immer wieder zu erschreckenden Wendungen innerhalb der Story führt. Dem Betrachter bleibt es dadurch verwehrt, eine positive Identifikationsfigur für sich zu finden, was ihn in die Position versetzt, dass Treiben aus einer gewissen Distanz zu begutachten. Ganz sicher wird der ein oder andere Rezipient im Nachhinein seine eigenen Freundschaften kritisch hinterfragen oder zumindest in einem ganz neuen Licht begutachten.

Harpoon (2019)
© Koch Films

Trotz der beengten Kulisse auf dem kleinen Boot gibt es immer wieder Überraschungen innerhalb der famosen Story. Ein besonderes Lob gebührt den drei Darstellern, denn ohne sie würde der Film zu keiner Zeit funktionieren. Jeder von ihnen geht perfekt in seiner Rolle auf und präsentiert uns eine herausragende Leistung. Die wenigen blutigen Effekte sind geschickt verteilt und äußerst effektiv, woran auch die Harpune aus dem Titel ihren Anteil hat. Ein weiteres Lob gebührt der präzisen Kamera des Charles Hamilton, der uns jederzeit hautnah am Geschehen teilhaben lässt. Trotz der beengten Verhältnisse liefert er uns jederzeit fantastische, farbenfrohe und sehr authentische Bilder.

© Koch Films

Fazit

Rob Grants Film HARPOON ist ein kleines Miststück, das bestens unterhält. Die knapp 83 Minuten verfliegen im Nu, während menschliche Abgründe aufgedeckt werden und die Protagonisten in einen Strudel aus Hass, Neid und Gewalt versinken lassen. HARPOON ist ganz sicher kein reinrassiger Horrorfilm, eher eine Drama-Komödie mit einigen wenigen Horrorelementen, die perfekt und äußerst blutig inszeniert wurden.

© Stefan F.

Titel, Cast und CrewHarpoon (2019)
Poster
Releaseab dem 24.09.2020 als DVD, Blu-ray und zwei Mediabookvarianten

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RegisseurRob Grant
Trailer
BesetzungMunro Chambers (Jonah)
Christopher Gray (Richard)
Emily Tyra (Sasha)
Brett Gekman (Sprecher / Narrator)
DrehbuchRob Grant
Mike Kovac
KameraCharles Hamilton
FilmmusikMichelle Osis
SchnittRob Grant
Filmlänge83 Minuten
FSKab 18 Jahren

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