Godzilla: king of Monsters (2019)

Godzilla 2: King of the Monsters (2019) – Filmkritik

„Familientherapie: Weltuntergang“

Für viele ist das ja alles Quatsch: Riesige Monster, die sich über Großstädte hermachen und dann dort noch einen Zweikampf austragen. Mit ihren unbändigen Kräften und ihrer tierischen Gestalt überzeugen sie sicher nur diejenigen, die immer noch mit Kinderaugen ins Kino gehen. Aber für viele, da gehöre ich dazu, sind die Monster um Godzilla und vor allem er selbst, ein natürlicher Richter über die Menschheit. Umweltverschmutzung, Maßlosigkeit und Ignoranz gegenüber dem Planeten, der den Menschen ein Zuhause gibt, werden durch ihn abgestraft. Aber auch seine Präsenz hat sich in der aktuellen Filmgeschichte geändert. Seine Masse vernichtet immer noch Städte, aber er wurde mehr zur Trumpfkarte der Menschheit, wenn sie von anderen Monstern oder sogar Außerirdischen angegriffen wird. Ganz nach dem Motto: Godzilla rette uns! Aber dass er in GODZILLA 2: KING OF THE MONSTERS nun auch schon Beziehungstherapeut wird, das ist neu.

© 2019 WARNER BROS. ENTERTAINMENT INC. AND LEGENDARY PICTURES PRODUCTIONS

Handlung

San Francisco wurde beim letzten Kaiju-Kampf so gut wie völlig zerstört. Viele Menschen wurden bei der Vernichtung der Stadt getötet. So auch Andrew, Sohn von Dr. Mark (Kyle Chandler) und Emma Russell (Vera Farmiga). Die Ehe scheitert an diesem Verlust. Emma zieht mit ihrer Tochter Madison (Millie Bobby Brown) dem Godzilla treuem Unternehmen „Monarch“ nach, in die entlegensten Gebiete, wo weitere Monster gefunden wurden. Vater Mark konzentriert sich eher auf das Studieren von Lauten bei Wolfsrudeln. Er ist, wie auch die US-Regierung, der Meinung, dass die riesigen Monster eher getötet werden sollten, als eine Koexistenz anzustreben, wie es Monarch-Leiter Dr. Ishiro Serizawa (Ken Watanabe) anstrebt. Emma entwickelt einen Frequenzmodulator mit dem es möglich sein soll die Riesen zu leiten und sogar zu kontrollieren. Doch ausgerechnet dieser „Zauberkasten“ gerät in die falschen Hände, nämlich in die von Jonah Alan (Charles Dance).

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Fanservice

Beim vorherigen Teil GOZILLA (2014) wurde von vielen Zuschauern bemängelt, dass die Monsterkämpfe in der ganzen Handlung zu kurz kamen. Immer, wenn Godzilla auf ein Monster traf, schloss sich eine Tür vor der Kameralinse oder der Handlungsstrang wurde verlagert. Wenn man den Ansatz anstrebte, das Geschehen aus der Perspektive eines kleinen, verletzlichen Menschen zu zeigen, überzeugt der alte Teil, aber Actionfans kamen nicht auf ihre Kosten. Bei GODZILLA 2: KING OF THE MONSTERS sollen nun beide Ansprüche bedient werden, Einzelschicksal und apokalyptische Monsterkämpfe. Die Drehbuch-Mixtur geht definitiv auf. Das Klischee der waffengeilen Militärs und der unvernünftigen Regierung wurde schnell zu Beginn abgefrühstückt. „Sorry, Notfall, wir müssen dann mal weg.“

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Ab da agieren die Organisation Monarch und die Einsatzkräfte fast symbiotisch. Ein paar Soldaten bekommen einfache aber präsente Auftritte (zum Beispiel Ice Cubes Sohnemann O’Shea Jackson Jr.). Die Armee agiert eben, wie es in solchen Weltuntergangsfilmen sein sollte: effektiv, aber unauffällig. Vor allem die fliegende Kommandozentrale im übergroßen Stealth-Fighter-Format (Typ: Northrop B-2) von Monarch wird schön in Szene gesetzt. Da schätzt man auch als Pazifist ein bisschen Rüstungswerbung. Details zu den Monsterkämpfen und welcher Gigant noch aus der filmgeschichtlichen Spielzeugkiste ausgegraben wurde, verraten wir nicht. Kaiju-Fans kommen definitiv auf ihre Kosten und es lohnt sich bei manch seltsamer Szene (z. B. Dr. Ilene Chen und Dr. Ling als Zwillings-Wissenschaftlerinnen) Rat bei den nerdigen Experten der Filmreihe zu suchen. Das macht GODZILLA 2: KING OF THE MONSTERS neben der spektakulären Optik auch zur Motivation, ein bisschen Forschung in der Filmreihe zu unternehmen, welche bereits seit Jahrzehnten über die Leinwände und Fernseher flimmert.

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Die seltsamen Momente

Kommen wir zu den kleineren Problemen, die diesen Blockbuster nicht zu feinster Unterhaltung für jedermann werden lassen: Zuallererst ist die CGI-Optik etwas gewöhnungsbedürftig, vor allem im Real-3D. Viele Kämpfe gehen nicht nur in schlechten Wetterbedingungen unter, sondern auch leider in grober Pixeligkeit. Das lässt manche scharfen Szenen – unvergesslich Ghidorah mit seiner eigenen Klimakatastrophe – natürlich noch mehr erstrahlen. Auch Metal-Plattencover-Ästhetik kommt bei so mancher Einstellung beim Betrachten auf. Trotz allem bleibt das Gefühl einer zu gehetzten Animation, welche gar auf Sparmodus inszeniert wurde.

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Das menschliche Verbundstück mit Familie Russell wird für manche sicherlich zu einer Zerreißprobe. Nicht nur, dass Millie Bobby Brown (STRANGER THINGS) im Streit der Eltern kaum ihr ganzes schauspielerisches Können unter Beweis stellen kann, sondern auch die elterlichen Differenzen etwas fehl am Platz wirken. Mark Russell (Kyle Chandler) gibt meist den Ton an und hilft auch gerne mal dabei eine Hangar-Tür zu öffnen, aber so richtig Liebe zu seiner Tochter und die Verzweiflung über den Verlust des Sohnes kommt nicht rüber.

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Auch Vera Farmiga (UP IN THE AIR, THE DEPARTED) wird durch den Wechsel ihrer Überzeugungen unglaubwürdig und zum Lückenfüller zwischen dem Effekte-Feuerwerk. Wer bleibt da noch für Sympathiebekundungen außer einem 150.000 Tonnen schweren Urzeitwesen? Für mich war es, der vielleicht hier etwas passive, Ken Watanabe (THE LAST SAMURAI, INCEPTION) als Dr. Ishiro Serizawa. Mit seinen meditativen Sprüchen brachte er viel japanisches Flair in die Handlung. Außerdem muss die Filmmusik von Bear McCreary (COLOSSAL, BATTLESTAR GLACTICA) besonders hervorgehoben werden. Nicht nur, dass er für viele Original-Themen Platz machte ohne diese selbstinszenatorisch zu interpretieren, sondern er verleiht den beeindruckenden Szenen die Kraft, welche der Sound-Designer nicht fähig war einzubringen.

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Fazit

Für alle Godzilla-Fans ist GODZILLA 2: KING OF THE MONSTERS ein Dauerfeuer mit Referenzen ihrer Lieblingsfilmreihe und sicherlich viel zu schnell vorbei. Aber auch Cineasten kommen neben ein paar Filmklassiker-Zitaten (Outpost 32 in der Antarktis, THE THING) in zwei Stunden dröhnender Unterhaltung mit nihilistischen Theorien gegenüber unserer Weltbevölkerung auf ihre Kosten. Man darf gespannt sein, wie GODZILLA vs. KONG im Frühjahr 2020 den Kampf weiterführen wird. Die Hidden-Credit-Scene lässt Fans wissend mit den Kopf nicken. Bis dahin: Lang lebe der König!

Titel, Cast und CrewGodzilla II: King of the Monsters (2019)
OT: Godzilla: King of the Monsters
Poster
Releaseab dem 30.05.2019 im Kino
ab dem 31.10.2019 auf 4K-UHD, Blu-ray und DVD Ebenfalls im 4K-UHD-Steelbook oder 3D-Blu-ray-Steelbook
Bei Amazon bestellen:
RegisseurMichael Dougherty
Trailer
BesetzungKyle Chandler (Mark Russell)
Vera Farmiga (Dr. Emma Russell)
Millie Bobby Brown (Madison Russell)
Ken Watanabe (Dr. Ishiro Serizawa)
Ziyi Zhang (Dr. Ilene Chen and Dr. Ling)
Bradley Whitford (Dr. Rick Stanton)
Sally Hawkins (Dr. Vivienne Graham)
Charles Dance (Jonah Alan)
Thomas Middleditch (Sam Coleman)
Aisha Hinds (Colonel Diane Foster)
O'Shea Jackson Jr. (Chief Warrant Officer Barnes)
DrehbuchMichael Dougherty
Zach Shields
KameraLawrence Sher
MusikBear McCreary
SchnittRoger Barton
Bob Ducsay
Richard Pearson
Filmlänge131 Minuten
FSKab 12 Jahren

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