Ghostbusters: Legacy (2021) – Filmkritik

„Totgesagte leben länger“

Man wollte die Hoffnung schon fast aufgeben. Nach Jahren in der Produktionshölle und einem kontroversen Reboot, welches dann der endgültige Sargnagel zu sein schien, erwartet uns nun tatsächlich eine Fortsetzung zu den beiden originalen GHOSTBUSTERS-Filmen. Doch zauberte Regisseur Jason Reitman (JUNO) hier kein konventionelles „GHOSTBUSTERS 3“ auf die Leinwände, sondern eine herzliche Hommage um einen frischen Cast vor neuer Kulisse.

© 2021 Sony Pictures Entertainment Inc. All Rights Reserved.

Nachdem die völlig abgebrannte Callie (Carrie Coon) ein verfallenes Farmhaus von ihrem entfremdeten Vater erbt, zieht es die alleinerziehende Mutter mit ihrer Tochter Phoebe (Mckenna Grace) und Sohn Trevor (Finn Wolfhard) auf das Land nach Summerville, Oklahoma. Vor Ort freundet sich die wissenschaftsbegeisterte Phoebe mit dem quirligen Klassenkameraden Podcast (Logan Kim) an, Trevor zeigt sich schnell an der jungen, im Diner arbeitenden Lucky (Celeste O’Connor) interessiert und auch Callie baut eine Bindung zu Phoebes Aushilfelehrer Mr. Grooberson (Paul Rudd) auf. Schon bald geschehen merkwürdige Dinge, denn ein dunkles Geheimnis aus der Vergangenheit droht über die verschlafene Kleinstadt hereinzubrechen. Währenddessen macht Phoebe erstaunliche Entdeckungen über die Identität ihres Großvaters und dem großen Vermächtnis, welches damit einhergeht.

Ghostbusters: Legacy (2021)

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Bei GHOSTBUSTERS: LEGACY, welcher im Original den Titel AFTERLIFE trägt, handelt es sich um keine Fortsetzung im klassischen Sinne. Der Film spielt zwar in der gleichen Welt, bedient sich der gleichen Mythologie und auch Ikonografie, er variiert diese bekannten Motive allerdings zu einer nostalgischen Entdeckungsreise mit einem Charme, welcher nicht unähnlich zu Spielbergs ehemaligen Amblin Entertainment Produktionen ausfällt. So werden teils wohlige Erinnerungen an Klassiker wie E.T. (1982) oder auch DIE GOONIES (1985) geweckt. Die Geschichte dreht sich hier um die uns vorgestellte Familie, allen voran Tochter Phoebe, welche das Erbe ihres verstorbenen Großvaters, sowie dessen Verbindung zu den Ereignissen in New York vor über dreißig Jahren entdeckt. Die Taten der einstigen Geisterjäger sind mittlerweile, vor allem bei der jüngeren Generation, beinahe in Vergessenheit geraten. Nicht unähnlich zu einem STAR WARS: DAS ERWACHEN DER MACHT (2015) geht es daraufhin sowohl für die Figuren des Films, als auch das Publikum selbst auf Spurensuche in die Vergangenheit. Dies funktioniert gerade für junge Zuschauer, welche die Geschichte aus den Augen der eigenen Altersgruppe miterleben darf. Erfreulicherweise bleibt es, ein paar kleinere „Ausrutscher“ ausgenommen, erzählerisch bei der nötigen Ernsthaftigkeit, sodass GHOSTBUSTERS: LEGACY ebenfalls mit teils etwas kitschigen, aber dennoch schönen emotionalen Momenten aufwarten kann. Das ist vor allem dem Dank geschuldet, dass der Film sich zu Beginn ungewöhnlich viel Zeit für die Einführung seiner Charaktere nimmt. Dementsprechend holprig dürfte der Einstieg für manche Zuschauer ausfallen, doch glücklicherweise sind die Figuren sympathisch und interessant genug, um bis zum Beginn der Geisterjagd bei Laune zu halten.

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Dank des Umstandes, dass Jason Reitman der Sohn von GHOSTBUSTERS (1984) und GHOSTBUSTERS 2 (1989) Regisseur Ivan Reitman ist, konnte man sich schon im Vorfeld einer würdevollen Aufarbeitung der beiden Kultklassiker sicher sein. Dieser Respekt zur Vorlage ist es dann auch, welcher in einer beeindruckenden Detailverliebtheit mündet. Dennoch schafft es Reitman bei all seiner Liebe und Huldigung nicht, die Mythologie des Originals sinnvoll zu erweitern. Während der Laufzeit verliert sich der Film etwas in der Wiederholung altbekannter Motive – ein Problem, welches auch schon der zuvor erwähnte STAR WARS von J. J. Abrams plagte. Nichtsdestotrotz besitzt GHOSTBUSTERS: LEGACY aufgrund seiner Neuausrichtung noch genügend eigene Identität, um sowohl alte Hasen, als auch junge Hüpfer gemeinsam begeistern zu können.

Ghostbusters: Legacy (2021)

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Die Besetzung ist durchweg gelungen. Mckenna Grace als „Phoebe“ ist ganz klar der Star des Films und ein junges Talent, das es im Auge zu behalten lohnt. Ebenso beeindruckt Newcomer Logan Kim als „Podcast“, welcher gerade im Zusammenspiel mit seiner jungen Schauspielkollegin richtig glänzen darf. Etwas schade ist es um Celeste O’Connor, welche zwar eine grundsolide Arbeit abliefert, ihre „Lucky“ bleibt im Vergleich zu den anderen Figuren allerdings verhältnismäßig blass charakterisiert und ihr Subplot mit Finn Wolfhards „Trevor“ scheint kaum von Relevanz. Anders sieht es zwischen „Callie“, gespielt von Carrie Coon und Paul Rudd als Aushilfslehrer „Mr. Grooberson“ aus. Die beiden haben eine tolle Chemie, Coon mimt gekonnt die gelegentlich verzweifelnde alleinerziehende Mutter und darf hier und da auch so manchen emotionalen Moment für sich verbuchen, während Rudd sich von seiner bekannten charmanten Seite zeigt und einige Lacher für sich beansprucht.

Ghostbusters: Legacy (2021)

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Dass seit dem letzten Abenteuer bereits einige Jahrzehnte vergangen sind, hat auch an der bekannten Ausrüstung Spuren hinterlassen. Neben viel Dreck und Rost hat diese aber auch einige kleine Neuerungen spendiert bekommen, welche wie eine logische Weiterentwicklung der Technik wirken. Gerade das Sound Design weiß hier auch zu gefallen und so ist es eine wahre Freude, wenn der Einsatzwagen „Ecto-1“ mit lauter Sirene über die Straßen prescht und ein Protonen Pack begleitet von lautem Summen eingeschaltet wird. Ein absolutes Highlight bilden selbstverständlich die vielen übernatürlichen Kreaturen des Films. Diese fügen sich bestens in den bestehenden Filmkosmos ein und können durch tolle Tricktechnik begeistern, denn tatsächlich hat man es geschafft, eine ausgewogene Mischung an durchweg guten digitalen und praktischen Spezialeffekten zu realisieren.

Ghostbusters: Legacy (2021)

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Nach Elmer Bernstein (GHOSTBUSTERS) und Randy Edelman (GHOSTBUSTERS II) ist es nun an Rob Simonsen (FOXCATCHER), das musikalische Erbe der Geisterjäger anzutreten. Sein Score ist eine der größten Überraschungen des Films, schafft er es doch gekonnt, die originalen Themen aus Bernsteins Kompositionen aufzugreifen und sie geschickt zu etwas Neuem zu variieren. Die Musik trägt somit einen entscheidenden Teil zur Nostalgie des Films bei, fühlt man sich in ihren besten Momenten doch an ehemalige Melodien eines Williams, Silvestri, oder auch Goldsmith erinnert.

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GHOSTBUSTERS: LEGACY ist ein kleines Wunder von einem Film, mit dem man eigentlich nicht mehr gerechnet hätte. Obwohl er durchaus seine kleinen Ecken und Kanten hat, besitzt er genügend Herz und Zauber, um begeistern zu können. Gelegentlich verliert sich Regisseur Reitman etwas in seiner Huldigung gegenüber dem Original, dennoch verfügt die charmante Geisterjagd noch über genügend Identität, um auf eigenen Beinen zu stehen. Dies ist vor allem dem Figuren- und Schauplatzwechsel zu verdanken, welche dem Franchise den nötigen Neuanstrich verpassen, um auch zukünftig noch von popkultureller Relevanz zu bleiben. Es bleibt spannend zu sehen, wohin diese Neuausrichtung führen mag, denn statt eines Übergangs ins Jenseits, erlebt GHOSTBUSTERS nun endlich seine für beinahe unmöglich gehaltene Wiedergeburt.

© Niels

Titel, Cast und CrewGhostbusters: Legacy (2021)
OT: Ghostbusters: Afterlife
Poster
RegisseurJason Reitman
ReleaseKinostart: 18.11.2021
ab dem 18.05.2022 auf UHD, Blu-ray und DVD

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Trailer
BesetzungFinn Wolfhard (Trevor)
Mckenna Grace (Phoebe)
Carrie Coon (Callie)
Logan Kim (Podcast)
Celeste O'Connor (Lucky)
Annie Potts (Janine Melnitz)
Oliver Cooper (Elton)
Sydney Mae Diaz (Swayze)
Marlon Kazadi (Thickneck)
Bokeem Woodbine (Sheriff Domingo)
Sigourney Weaver (Dana Barrett)
Bill Murray (Dr. Peter Venkman)
Dan Aykroyd (Dr. Raymond Stantz)
Ernie Hudson (Winston Zeddemore)
DrehbuchGil Kenan
Jason Reitman
KameraEric Steelberg
FilmmusikRob Simonsen
SchnittDana E. Glauberman
Nathan Orloff
Filmlänge124 Minuten
FSKAb 12 Jahren

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