Gans im Glück – Filmkritik

Was Trumps USA und China derzeit nicht so richtig hinbekommen, schafft diese amerikanisch, chinesische Filmproduktion für Leinwand und Heimkino: einen gemeinsamen Film zum Thema Gemeinschaft und der Kraft der Familie.

Die Handlung

Ein draufgängerischer Gänserich wird zum unfreiwilligen Retter zweier Entenküken und findet dadurch den Weg zum wahren Glück.

Wir befinden uns in China. Der fliegende Hans Dampf über allen Wolken, Peng, hält so gar nichts von Formationsflügen im V Stil. So nutzt er jede Gelegenheit seine eigene Flugshow vor seinen Mitfliegern und besonders vor seinem eigenen Schwarm, der hübschen Junggans Chin zu demonstrieren. Das weckt bei der eigentlich vorbildlichen Formationsfliegerin ein neugieriges Interesse für den fast schon klassischen bad guy. Ihr Vater und gleichzeitig Oberst der Staffel hat wenig Verständnis für die individuellen Ausreißmanöver des Staffelclowns. Sein Mahnen, dass nur Disziplin und das Füreinander „einfliegen“ die Gemeinschaft dem nahenden Winter entkommen lässt, stößt bei Peng auf taube Flügel. Doch unser „Federkleid Steve McQueen“ erhält für seine „Freiheit vor alles“ Attitüden schon bald die erste Quittung.

© Original Force Ltd. / © Wild Bunch Germany

Einer seiner Imponiergehabe-Einlagen führt dazu, dass er eine Gruppe Entenküken „sprengt“, die gerade von einem Hirten über eine Straße geführt werden. Dabei gehen die Geschwister Lissy und Lucky verloren. Die Enten waren alle auf dem Weg zu einem besonderen Ort namens Pleasant Land, zu dem sie sich nun alleine durchschlagen müssen. Durch weitere Aktionen in Selbstüberschätzung verletzt sich Peng den rechten Flügel und verpasst so seinen Abflug mit den übrigen Gänsen Richtung sommerlichem Winterquartier.
Seiner selbstverliebten Flugkunst beraubt muss er sich zu Fuß auf den Weg machen, um dem drohenden Winter zu entkommen. Schnell finden er und die beiden Küken zu einer kleinen Schicksalsgemeinschaft zusammen. Doch nicht weil er sie beschützen will, sondern weil er hofft, dass die beiden vor ihm einem möglichen Fressfeind zum Opfer fallen. Als ein solcher zeigt sich schon vor ihrem gemeinsamen Weg ein schizophren gollumartiger Wildkater, der das Trio nun auf Schritt und Tritt verfolgt. In seiner schrullig diabolischen Art erinnert er ein wenig an den Kater mit der Augenklappe aus DAS LETZTE EINHORN. Auf der langen und teilweise recht abenteuerlichen Reise wird aus dem egoistischen Einzelkämpfer nach und nach eine mitfühlende Vaterfigur für die beiden…

© Original Force Ltd. / © Wild Bunch Germany

Kritik

Vor einer wirklich sehr schön animiert chinesischen Bergwelt agieren nicht nur unsere Helden in mittlerweile schon gewohnt perfekt gerechneten Handlungen. Immer wieder werden sie von einigen liebevoll skurrilen Nebenfiguren begleitet. Da ist eine alte wirklich langsame Schildkröte, die sogar eine Schnecke vorbeiziehen lassen muss. Dann treffen wir immer wieder auf zwei seltsam bayrisch und wienerisch palavernde Kraniche, die das Geschehen aus ihrer etwas skurrilen Perspektive kommentieren müssen, wie auch auf ein sehr entspannt agierendes „Flughörnchen“, im Stile eines Adventure-Survival-Gurus mit einem Talent für gut funktionierende Fluggeräte. Und wir sehen jede Menge Frösche, die auch schon mal als beleuchtete Startbahn Markierungen für die Gänsestaffel fungieren. Das ist szenenweise ganz nett und witzig umgesetzt, aber im Ganzen irgendwie unrund. Vieles wirkt eher wie eine Aneinanderreihung von flotten, nicht immer ganz gelungenen Sketchnummern.

© Original Force Ltd. / © Wild Bunch Germany

Die Handlung kommt insgesamt eher holprig und bruchstückhaft daher. Viele Ideen und Aktionen werden angerissen, gehen aber unterwegs genau so verloren wie unsere Helden. So richtig rund will das eher einfache Drehbuch nicht werden. Bis auf eine wirklich mutig und spannend inszenierte Szene in Pleasant Land, in der Peng wirklich zum Helden wird, plätschert die Handlung fast episondenhaft dahin. Die eigentlich sehr schöne orchestrale Filmmusik von Score-Veteran Mark Isham, (ONCE UPON A TIME, AUS DER MITTE ENTSPRINGT EIN FLUSS, und dem mitreißenden IM RENNSTALL IST DAS ZEBRA LOS) muss scheinbar immer wieder von eher zweitklassigen, wohl kindgerechten Pop- und Rocksongs durchschnitten werden. Das untergräbt die eigentlich eher klassisch angelegte Szenerie. Insgesamt hätte auch die Grundidee des Films ein wenig mehr Brisanz hergegeben. Die Botschaft wird sehr schnell klar und wenig konterkariert.

© Original Force Ltd. / © Wild Bunch Germany

Doch ist das eher der erwachsene Blick auf einen Film, der in erster Linie für Kinder gemacht ist? Verhält es sich ein wenig so wie wenn man mit dem Nachwuchs am Sonntagnachmittag das neueste Kasperle-Theater im örtlichen Pfarrsaal besucht? Aus Sicht der Großen passiert dort vorne in dem kleinen Holzkasten wenig wirklich Spannendes. Doch die Kleinen, die fast bis ins Geschehen hineinsitzen, lassen sich von vielfach eher behaupteten Aktionen mitreißen und erleben zusammen mit ihren Puppenhelden ein großes Abenteuer. Ganz aufgeregt wollen sie das Geschehen so lange nicht mehr verlassen bis die Großmutter gerettet und der Räuber gefasst ist. Das ist das eigentliche Erlebnis. Und so erfreue ich mich eher daran wie sich meine 7jährige Tochter von slapstickartigen Momenten, flapsigen Sprüchen und kleinen Highlights beeindrucken und für den Moment in eine andere Welt entführen lässt. Das am Ende wenig bei ihr hängen bleibt, muss ich dem Film dann doch zu guter Letzt als Schwachpunkt ankreiden. Da hätte man sich von einem Animationsveteranen wie Christopher Jenkins, der als Animator in Filmen wie DER GLÖCKNER VON NOTRE DAME , DER KÖNIG DER LÖWEN oder ROGER RABBIT gearbeitet hat, ein bisschen mehr Substanz als Geschichtenerzähler von seinem Regiedebüt gewünscht.

© Original Force Ltd. / © Wild Bunch Germany

Fazit

GANS IM GLÜCK ist einer von aktuell recht vielen Animationsfilmen mit Vogelthematik (RIO I & II, PLOEY, ÜBERFLIEGER). Doch kann er diesem Subgenre keine wirklich aufregende Facette hinzufügen. Dafür geht er einfach nicht sorgfältig genug mit seinen Figuren und deren Geschichte um. Meilenweit entfernt von einem Meisterwerk wie MRS. BRISBY UND DAS GEHEIMNIS VON NIMH, kann dieses animierte Tierabenteuer allenfalls in Momenten unterhalten und den kleinen Zuschauern ein Lachen ins Gesicht zaubern. Richtig ins Schwärmen kommen sie aber wegen anderer Filme. So bleibt am Ende ein immerhin für die Kleinen kurzweiliger Ausflug in die Welt chinesischer Gänse mit amerikanischer Grundhaltung. Als Ergebnis einer chinesisch-amerikanischen Koproduktion ist dies allemal mehr wert als das plumpe Imponiergehabe eines US Präsidenten und einem immer noch schwer greifbaren Großchinakommunismus 4.0.

Titel, Cast und Crew

Gans im Glück (2018)
OT: Duck Duck Goose

Poster


Release

ab dem 07.12.2018 auf Blu-ray erhältlich
Bei Amazon kaufen (Affiliate Link)

Regisseur

Christopher Jenkins

Trailer

deutsche Sprecher

Ingo Albrecht (Banzou)
Frank Kirschgens (Bing)
Klaus-Peter Grap (Carl)
Antje Thiele (Edna)
Dirk Stollberg (Frazier)
Michael Ernst (Giles)

Drehbuch

Christopher Jenkins
Rob Muir
Scott Atkinson
Tegan West

Musik

Mark Isham

Schnitt

Lisa Lindner

Filmlänge

91 Minuten

FSK

ab 0 Jahren
Keinen Beitrag verpassen
error20

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.