Gangstas 4 Life (OT: Patser) – Filmkritik

Drogen, Geld und Macht in Antwerpen

Die Beneluxstaaten sind in Deutschland nicht unbedingt für zahlreiche Filme bekannt. Die Nachbarländer haben eher den Ruf einer Party- und Gute-Laune-Nation bekommen. Besonders die NEW KIDS-Filme haben dieses Bild in den letzten Jahren geprägt. Sieht man sich das Filmplakat und den in goldener Schrift posierenden Titel GANGSTAS 4 LIFE an, kommt man schnell auf den Gedanken, es handelt sich um eine belgische NEW KIDS 2.0-Version. Die jungen Regietalente Adil El Arbi und Bilall Fallah schrecken definitiv nicht vor dem Einsatz schlechten Geschmacks zurück. GANGSTAS 4 LIFE, im Original Patser (niederländisch für Poser, Protzer), hat trotz seines ersten abschreckenden Eindrucks ganz andere Qualitäten. Seit dem 23.10.2018 gibt es den Film als DVD und Blu-ray für zu Hause.

Regisseure Adil El Arbi & Bilall Fallah © A TEAM PRODUCTIONS

Inhalt

Adamo (Matteo Simoni) ist in einem Randbezirk von Antwerpen aufgewachsen. Hier herrscht Arbeitslosigkeit, Rassismus und Perspektivlosigkeit. Seine Kindheit verbringt er mit Computerspielen und seiner Clique. Diese besteht aus vier Freunden, die sich jederzeit den Rücken decken, sie sind der Halt und die Familie. Um seinen Lebensalltag zu bestreiten, fährt Adamo als Pizzalieferant für seinen Onkel (Noureddine Farihi). Dieser hat sich unter dem Deckmantel einer Pizzeria ein kleines Drogenimperium aufgebaut. Durch den Verkauf von Gras lebt die Familie gut, aber unscheinbar. Trotzdem träumt Adamo von mehr, mehr Geld, mehr Respekt und mehr Gangstertum. Seine Chance sieht er gekommen, als der größte Drogenboss (Werner Kolf) aus Amsterdam bei seinem Onkel im Laden steht, um ihm ein Geschäft vorzuschlagen. Adamo zögert nicht und willigt hinter dem Rücken seines Onkel und Mentors ein. Doch mit mehr Geld, mehr Drogen und mehr Aufmerksamkeit kommen auch mehr Probleme. Schnell wächst das Ganze den Freunden über den Kopf und sie geraten zwischen die Fronten des Drogenkartells und der korrupten Polizei.


© A TEAM PRODUCTIONS

Rasanter Trip

GANGSTAS 4 LIFE wechselt zwischen schlechtem Geschmack und interessantem Milieu-Film. Während man in der einen Szene noch Adamo und seine Freunde in Jogginghose Party machen und rumalbern sieht, wird in der Nächsten der organisierte Handel von Drogen über niederländische Frachthäfen erklärt. Das macht den Film überraschend unterhaltsam und spannend. Die Charaktere sind alle etwas überzeichnet, aber nie bis zu dem Grad, dass sie nicht mehr glaubwürdig wären. Wirklich eine gute Leistung sieht man hier von dem jungen Schauspieler Matteo Simoni. Als Adamo spielt er den jungen Mann, dessen Träume plötzlich nicht wie erwartet in Erfüllung gehen, sehr beeindruckend. Ein Lob haben sich auch die beiden Regisseure Adil El Arbi und Bilall Fallah verdient. Sie inszenieren teilweise drogenwahnhafte Sequenzen, in denen sich die Parallelwelt des Drogenhandels abspielt. Diese Szenen sind dann laut, farblich überdreht und durch schnelle Bildschnitte völlig durcheinander. Gleichzeitig finden sie aber immer wieder ruhige und klare Momente, in denen das Geschehen verarbeitet werden kann. Hier wird der Farbton plötzlich wieder realitätsnah und auch das Schnitttempo schaltet einen Gang zurück.

Matteo Somoni als Adamo © A TEAM PRODUCTIONS

Nicht alles glänzt

Ganz rund ist GANGSTAS 4 LIFE trotzdem nicht. Die Geschichte wird in einzelnen Episoden bzw. Level erzählt. Diese Level werden dann in greller Neon-Schrift vorgestellt, der Videospielbezug wirkt dann doch zu sehr aufgesetzt. Mal abgesehen davon, dass Adamo und seine Freunde viel gezockt haben, hat der komplette Film nichts mit Games zu tun. Leider fehlt, besonders den Freunden von Adamo, Charaktertiefe, dass sie seine Familie und sein Leben sind, wird gesagt, aber am Ende wirkt es belanglos und austauschbar. Eine kleine Ausnahme ist die taffe Badia (Nora Gharib), sie dient als love interest und Motivation für unsere Hauptfigur. Vorrangig kann man dem Film Verharmlosung von Drogenkonsum und kriminellen Machenschaften vorwerfen. Natürlich geraten die Charaktere durch den Drogenhandel in große Schwierigkeiten, aber schwerwiegende Konsequenzen für die Gangster werden kaum gezeigt und die Folgen des Drogenhandels bleiben aus. Konstant ist nur der Eindruck: Drogen sind einfach eine große Party. Die vom Film angesprochenen sozialen Probleme fallen schnell unter den Tisch, um Platz für Unterhaltung zu machen, ein kritischer Blick auf die Thematik fehlt gänzlich. Besonders gut hingegen ist die musikalische Untermalung, die zwischen retrohafter Synthesizer-Musik, elektronischer House-Musik und modernem Hip Hop fließend wechselt. Die verschiedenen Musikstile werden gut und nicht zu häufig in Szene gesetzt. Auch interessant sind einzelne Stilelemente wie schwarze Balken vor Gesichtern der kolumbianischen Mafia, dies und auch andere kleine humorvolle Momente erzeugen viel Charm.

Fazit

Persönlich bin ich sehr überrascht wie gut GANGSATS 4 LIFE funktioniert. Ein Milieufilm der etwas anderen Art mit ein paar Ecken und Kanten, aber guter Unterhaltung. Für einen lockeren Abend kann der Film durchaus herhalten, es ist natürlich kein Meisterwerk, aber das möchte GANGSTAS 4 LIVE auch gar nicht sein.

Titel, Cast und Crew

Gangstas 4 Life (2018)
OT: Patser

Poster

Film Poster

Kinostart/
Veröffentlichung

Kino: 24.01.2018
Blu-ray: 23.10.2018

Regisseur

Adil El Arbi
Bilall Fallah

Trailer

Besetzung

Matteo Simoni (Adamo)
Said Boumazoughe (Volt)
Eric Corton (Mathijs Steensma)
Eduardo Almeida (Extra)
Ali B. (Hassan)
Nabil Mallat (Yasser)
Werner Kolf (Orlando)

Drehbuch

Nabil Ben Yadir
Adil El Arbi
Bilall Fallah
Bram Renders
Kobe Van Steenberghe
Hendrik Verthé

Kamera

Robrecht Heyvaert

Musik

Hannes De Maeyer

Schnitt

Adil El Arbi
Bilall Fallah
Thijs Van Nuffel
Kobe Van Steenberghe

Filmlänge

125 Minuten

FSK

ab 16 Jahren
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20

Fragt sich, ob DIE NACKTE KANONE noch eine Chance auf einen Oscar hat / kann Käsekuchen nicht widerstehen / sollte ohne Korrekturlesen nichtmal ‘ne SMS schreiben.

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