Frankensteins Kampf gegen die Teufelsmonster (1971) – Filmkritik & Blu-ray-Review

…oder „Godzilla gegen die Umweltverschmutzung“ – jetzt in HD!

Einer der umstrittensten Godzilla-Filme überhaupt erhält in Deutschland eine Neuauflage und ist damit nun erstmals hierzulande in HD verfügbar. FRANKENSTEINS KAMPF GEGEN DIE TEUFELMONSTER betreibt wie viele Teile der Reihe mal wieder besten Etikettenschwindel, denn von einem Frankenstein fehlt hier natürlich jede Spur und bei den reißerisch betitelten „Teufelsmonstern“ handelt es sich, wie der japanische Titel GOJIRA TAI HEDORA bereits suggeriert, um Godzilla im Kampf gegen dessen neuen Gegenspieler: Hedorah, dem Smog Monster.

Die Handlung

Eine kaulquappenartige Larve des teuflischen Monsters, welches in der deutschen Synchronfassung nun unerklärlicherweise den Namen „Hydrox“ trägt, wird von einem Fischer in der Bucht von Tokyo gefunden und zur Untersuchung zu Dr. Yano und dessen kleinen Sohn Ken gebracht. Diese erkennen auf Anhieb die Gefahr, doch das Monster hat sich im Meer bereits zu einem weitaus größeren Ungetüm entwickelt und es dauert auch nicht lange, bis es nach weiteren Transformationen ebenfalls Land und Luft terrorisiert. Geboren durch die starke Umweltverschmutzung ernährt es sich nun ebenso von dieser, labt sich an Industrieschornsteinen und verspeist etliche Autos, während sein schlammiger Leib und seine gasigen Ausdünstungen unzählige Menschen und Tiere vergiftet und tötet. Aber der junge Ken weiß: Godzilla ist bereits auf dem Weg um den Kampf aufzunehmen.

Hintergrund

GODZILLA VS. THE SMOG MONSTER, so der passende amerikanische Erstaufführungstitel, ist der insgesamt elfte Teil der Reihe und der erste von fünf Filmen, welche in den Siebziger Jahren entstanden sind, bevor der atomare Dinosaurier nach 1975 eine neunjährige Pause einlegen würde. Zu jener Zeit steckte das Franchise, als auch die gesamte japanische Kinoindustrie in einer Krise, unter anderem ausgelöst durch die starke Verbreitung von Fernsehgeräten in den japanischen Haushalten, was dazu führte, dass sich die Besucherzahlen verglichen mit den vorangegangenen Jahrzehnten annähernd halbierten. Fernsehserien wie ULTRAMAN, welche in den Sechzigern vom ehemaligen Godzilla-Special-Effects-Regisseur Eiji Tsuburaya geschaffen wurde, erfreuten sich vor allem bei Kindern größter Beliebtheit und so kam es, dass die Godzilla-Filme der Toho allmählich eine Infantilisierung durchlebten, wie sie zuvor bereits das Konkurrenz-Monster „Gamera“ erfuhr.

Die Männer hinter den Monstern

Nachdem Tsuburaya im Januar 1970 verstarb und auch Godzilla-Stammregisseur Ishirō Honda dem Regiestuhl den Rücken kehrte (1975 sollte er beim Staffelabschluss „Die Brut des Teufels“ noch einmal Platz nehmen), wollte Produzent Tomoyuki Tanaka die Reihe unbedingt mit frischen Blut wiederbeleben lassen und so verpflichtete man den noch recht unerfahrenen Yoshimitsu Banno als Autor (zusammen mit Takeshi Kimura) und Regisseur. Da Tanaka zum Zeitpunkt der Produktion im Jahre 1971 im Krankenhaus lag, genoss man hier ziemlich viele Freiheiten. So durfte zwar Darsteller Haruo Nakajima erneut ins Godzilla-Kostüm schlüpfen (die Rolle sollte er für jeden Film bis „Frankensteins Höllenbrut“ in 1972 übernehmen), weitere Stammschauspieler des Studios sucht man hier allerdings vergebens. Ebenso wenig erwartet einen der ikonisch markante Score eines Akira Ifukube, stattdessen durfte erstmalig Riichirō Manabe für einen Godzilla-Film komponieren. Verglichen mit den Arbeiten seines berühmten Vorgängers sind Manabes Stücke eher jazziger Art und fangen den Zeitgeist wunderbar ein, wirken aber durchaus befremdlich in einem japanischen Monsterfilm. Frühere Traditionen des Studios über Bord werfend, verabschiedete Banno – vermutlich budgetbedingt – das Konzept Handlungs- und Effektszenen von verschiedenen Regisseuren unabhängig voneinander drehen zu lassen (wie beispielsweise bei Honda und Tsuburaya zuvor) – er inszenierte FRANKENSTEINS KAMPF GEGEN DIE TEUFELMONSTER stattdessen mit nur einer Crew.

Der Wandel zum Schmunzelmonster

Wie bereits erwähnt, fand zu jener Zeit eine Infantilisierung der Reihe, als auch des gesamten „Kaijū eiga“-Genres statt. Einer der Hauptprotagonisten ist nun ein kleiner Junge, der Sohn des Wissenschaftlers, welcher selbst großer Godzilla-Fan ist. So sieht man ihn mit Figuren der Monster spielen (der erste Einsatz von Merchandise-Product-Placement in einem japanischen Monsterfilm, da diese Figuren damals tatsächlich vertrieben wurden) und zudem scheint er auf irgendeine Art eine nicht näher erklärte telepathische Verbindung zu seinem Helden zu besitzen. Vorbei waren die Zeiten, in denen das Monster als unbändige Naturgewalt und wandelnde Atombombenmetapher Städte zerstörte. Inzwischen sympathisierte es im Kampf mit anderen Ungetümen (erstmals in FRANKENSTEINS MONSTER IM KAMPF GEGEN GHIDORAH, 1964), wurde Papa (FRANKENSTEINS MONSTER JAGEN GODZILLAS SOHN, 1967) und schließlich auch Liebling der Kinder, sowie selbsternannter Beschützer der Erde. Die Wandlung zum guten Monster war nun endgültig abgeschlossen und dieses Image sollte er auch über die Siebziger Jahre beibehalten.

Zwischen Tradition und Hippiekultur

Doch was für ein Film ist nun schlussendlich aus der von Toho erhofften Wiederbelebung ihres Franchises geworden? Nun, obwohl sein Regisseur hier mit vielen Traditionen brach, so war „Teufelsmonster“ im Kern doch tatsächlich näher am Originalfilm von 1954, als all seine bis zu jenem Zeitpunkt hervorgebrachten Fortsetzungen. Die Angst vor der atomaren Bedrohung wich hier der zu jener Zeit aktuelleren Thematik der Umweltverschmutzung, doch beide Filme verbindet ein ähnliches Motiv von der Natur, welche sich anhand eines durch die Ignoranz der Menschheit erweckten Monsters an ihr rächt. Zudem ziehen sich einige visuelle Zitate zu Hondas Werk durch den Film, am offensichtlichsten an Dr. Yanos Fischtank, welcher Erinnerungen an das Labor eines Dr. Serizawa weckt.

Besonders auffällig ist die Darstellung von Toten – Leblose, aus giftigem Monsterschlamm herausragende Arme, sowie Menschen, die sich zu Skeletten zersetzen, sind einige der doch recht heftigen Bilder, welche es in vergleichbarer Form seit dem Originalfilm nicht mehr gegeben hatte, da das Studio entsprechend drastische Bilder offenbar untersagte. Somit haben wir es hier mit einem mitunter düsteren und pessimistischen (Horror-)Film zu tun, welcher aber dennoch seine offensichtliche Hauptzielgruppe, die Kinder, nicht außer Acht lässt. Gelegentliche Zeichentrick-Sequenzen, welche einzigartig innerhalb der Reihe sind, erinnern durchaus an Schullehrfilme und es lässt sich mutmaßen, ob die Einbindung ebendieser eventuelle Kostengründe hatte. Es sind Szenen wie die eben erwähnten, welche den Film unter der Godzilla-Serie herausstechen lassen, aber auch von einigen Fans kritisiert werden. So bekommen wir außerdem noch einen mit Popmusik untermalten und äußerst farbenfrohen Vorspann präsentiert, welcher wie aus einem James-Bond-Film zu sein scheint, einen psychedelischen Discobesuch, inklusive tanzender Skelette-Projektion, schrillen Outfits und wilden Drogenhalluzinationen, und vor allem die wahrscheinlich berüchtigtste Szene aller Godzilla-Filme: Um die Verfolgung seines flüchtigen Widersachers aufzunehmen, benutzt Godzilla kurzerhand seinen atomaren Atem, um abzuheben und anschließend rückwärts durch die Lüfte zu fliegen. Das muss man gesehen haben, um es zu glauben. Aber selbst nach der Sichtung des fertigen Filmes wollte Produzent Tomoyuki Tanaka seinen Augen wohl nicht so recht trauen und war angeblich so erbost über Bannos Arbeit, dass er ihn anschließend keinen Film mehr drehen ließ. Pläne für eine etwaige Fortsetzung zu „Teufelsmonster“ kursierten aber dennoch, in welcher die beiden Monster in Afrika noch einmal aufeinandertreffen sollten.

Stille Qualitäten

Sollte man von japanischen Monsterfilmen in erster Linie aufgrund von genretypisch exzessiven Zerstörungen von Miniaturstädten angetan sein, so wird einen GOJIRA TAI HEDORA wahrscheinlich enttäuscht zurücklassen. Die Kloppereien finden hier nur in einem Industriegebiet und hauptsächlich sogar nur auf dem kargen Land statt. Auch dies war vermutlich dem vergleichsweise geringen Budget geschuldet und so erreichen die Effekte von Special-Effects-Regisseur Teruyoshi Nakano niemals die Qualität von Tsuburayas Arbeiten. Dennoch besitzt das Dargebotene eine Menge Charme, sofern man sich von solch schwer gealterten bunten Spezialeffekten begeistern lassen kann. Besonders hervorzuheben ist hier das Design von Hedorahs verschiedenen Evolutionsstufen. So unfassbar albern es auch aussieht, so erstaunlich unheimlich wirkt es zugleich, wenn es aus seinen riesigen unheilschwangeren Augen schaut.

Dramaturgisch gesehen hat der Film nicht allzu viel zu bieten. Die Geschichte ist doch eher dünn, die Charaktere sind blass, großartige Wendungen bleiben aus und Spannung kommt wenn dann höchstens ein wenig in den Monsterkämpfen auf. Bei einem solchen Film stehen aber ganz klar die Schauwerte im Vordergrund, die Nostalgie des Handgemachten, sowie die Kunst, selbst den größten Blödsinn über knapp neunzig Minuten glaubhaft erscheinen zu lassen. Filme wie dieser sind Kinder ihrer Zeit, nehmen uns mit auf eine persönliche Zeitreise und wir erinnern uns daran, wie wir damals aufgeregt unser Kinoticket einlösten oder auch das Sonntag-Nachmittags-Programm im Fernsehen verfolgten.

Trotz der zuvor genannten Schwächen handelt es sich bei GODZILLA VS. HEDORAH (internationaler Titel) um ein kleines Highlight in der Godzilla-Filmographie. Ist er ein guter Einstieg für Godzilla-Neulinge? Auf keinen Fall. Haben wir es hier mit einem verkannten Meisterwerk zu tun? Nein, qualitativ ist man hier meilenweit von Ishirō Hondas Original GOJIRA entfernt. Was man dafür bekommt ist eine kleine Kuriosität, dramaturgisch geradezu langweilig, aber als Gesamtwerk dennoch höchst unterhaltsam, eine Wundertüte voll wilder Ideen und ein Rebell aus einem sonst so streng geregelten Studio-System. Gelegentliche Behauptungen, es handle sich hier um den schlechtesten Godzilla-Film oder gar einen der schlechtesten Filme aller Zeiten sind völlig aus der Luft gegriffen. Als geneigter Genre-Fan darf man also gerne einen Blick riskieren und, wer weiß, entdeckt für sich vielleicht sogar eine kleine „Kaijū“-Perle.

Zur Blu-ray

Die neue Blu-ray-Fassung bietet ein recht weiches Bild mit einem angenehmen Filmkorn, stellt aber keine High-Definition-Referenz dar welche mit modernen Produktionen mithalten könnte, was in Anbetracht des Alters mehr als verständlich ist. Im direkten Bildvergleich mit der ehemaligen und ebenfalls von Anolis veröffentlichten Premium DVD-Auflage der Kaiju-Classics-Reihe ist aber auf jeden Fall eine Steigerung der Schärfe zu erkennen. Vor allem aber profitiert man hier von einem weitaus besseren Kontrast als zuvor. Geboten wird einem übrigens die japanische Fassung des Films, welche im Prinzip inhaltsgleich zur deutschen Version ist. Hochauflösende Zweikanal-Mono-Tonspuren liegen sowohl in Deutsch, als auch Japanisch vor und sind wie zu erwarten klar verständlich.

Das Cover der Blu-ray von Anolis

Die Blu-ray im halbtransparent schwarzen Keep Case besitzt ein FSK-freies Wendecover, dessen Motiv an das ehemalige deutsche Kinoplakat angelehnt ist. Als Bonusmaterial bekommt man lediglich den japanischen Originaltrailer serviert, alle weiteren Extras der vorherigen Auflage, wie ein Booklet oder Audiokommentare, sind hier leider nicht mehr dabei. Dies macht durchaus Sinn, da so ehemalige Käufer nicht „vergrault“ werden –  Schade ist aber der Umstand, dass wenn man denn nun sowohl Wert auf die Extras der DVD, als auch auf das bessere Bild der Blu-ray legt, ein simples Upgrade nicht ausreichend ist und man sich somit beide Veröffentlichung ins Regal stellen muss. Dies ist nun aber auch wirklich Meckern auf hohem Niveau und davon ab, gibt es auch nichts an der neuen Blu-ray auszusetzen. Ganz im Gegenteil: Der Film sah bis heute noch nie so gut aus und es bleibt zu hoffen, dass Anolis Entertainment noch weiteren Filmen des Genres den HD-Stempel aufdrücken wird.

Fazit

Mit FRANKENSTEINS KAMPF GEGEN DIE TEUFELMONSTER legt Anolis einen äußerst kuriosen, zumindest für Fans aber sehr interessanten Teil in Godzillas Filmographie erneut auf. An diesem Werk scheiden sich wahrlich die Geister, aber mitnichten handelt es sich hier um einen schlechten, vielmehr einen doch recht kreativen und mutigen Film, welcher sich deutlich innerhalb der Reihe abhebt.

Aus technischer Sicht ist die Blu-ray sehr zu empfehlen und allen bisherigen Veröffentlichungen überlegen. Lediglich beim Bonusmaterial muss man Abstriche in Kauf nehmen, wird einem hier doch lediglich ein Trailer geboten. Wer hierauf nicht so viel Wert legt und sich mit dem eigentlichen Film zufrieden stellt, kann bedenkenlos zuschlagen. Alle Käufer der umfangreichen DVD-Erstauflage müssen abwägen, inwieweit sich ein Neukauf aufgrund des besseren Bildes für sie lohnt.

Titel, Cast und CrewFrankensteins Kampf gegen die Teufelsmonster (1971)
OT: Gojira tai Hedora
ゴジラ対ヘドラ
Poster

Release
seit dem 14.12.2018 auf Blu-ray erhältlich
Bei Amazon kaufen
RegisseurYoshimitsu Banno
Trailer
DarstellerAkira Yamanouchi (Dr. Yano)
Hiroyuki Kawase (Ken Yano)
Toshie Kimura (Toshie Yano)
Kaiko Hari Miki (Fujiyama)
Toshio Shibaki (Yukio Keuchi)
Yukihiko Gondō (General)
Eisaburo Komatsu (Fischer)
Tadashi Okabe (Wissenschaftler)
Wataru Ōmae (Polizist)
Susumu Okabe (Interviewer)
Haruo Nakajima (Godzilla)
Kenpachiro Satsuma (Hedora)
DrehbuchYoshimitsu Banno
Takeshi Kimura
MusikRiichirō Manabe
KameraYoichi Manoda
SchnittYoshitami Kuroiwa
Filmlänge96 Minuten
FSKab 12 Jahren

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