Finale (2018) – Filmkritik

Das Dänemark nicht gerade zu den ersten Adressen für Horrorfilme zählt, dürfte die wenigsten verwundern. Doch gerade in den letzten Jahren überraschten immer wieder einige junge Filmemacher aus dem Wikingerland mit außergewöhnlichen Themen, wie zum Beispiel MIDSUMMER (MIDSOMMER, 2003), RESTLESS SOULS (BAG DET STILLE YDRE, 2005), WHEN ANIMALS DREAM (NAR DYRENE DROMMER, 2014) oder WHAT WE BECOME (SORGENFRI, 2015). Der im Oktober 1963 in Dänemark geborene Soren Juul Petersen versucht mit seinem Torture-Porn-Debütfilm FINALE, aus dem Jahr 2018, daran anzuknüpfen. Das Drehbuch basiert auf dem bekannten Roman des Autors Steen Langstrup, der als „Stephen King Dänemarks“ gefeiert wird.

© Pierrot Le Fou

Handlung

Die Straßen Dänemarks sind wie leergefegt. Die Nationalmannschaft hat es überraschend ins Finale geschafft und jeder der kann, verfolgt das Geschehen vor dem heimischen Fernseher. Nahe der deutschen Grenze, in einer abgelegenen Ecke, befindet sich eine Tankstelle. Dort bestreiten an diesem Abend die beiden Frauen Agnes (Anne Bergfeld) und Belinda (Karin Michelsen) die langweilige Spätschicht. Zuerst läuft es wie erwartet, alles bleibt ruhig. Als dann doch einige skurrile Kunden in der Tankstelle auftauchen, wird aus Langeweile schnell Angst und Panik.

Nachts an der Tankstelle

Dem erfahrenen Horrorfan kommt der Prolog sofort bekannt vor: Und tatsächlich finden wir in James Whales FRANKENSTEIN (1931) das prominente Vorbild zu diesem ungewöhnlichen Beginn. Die nächste Hommage geht an einen weiteren Klassiker: SPURLOS VERSCHWUNDEN (SPOORLOOS, 1988) von George Sluizer. Das Sportereignis, das im Hintergrund gelegentlich zu hören ist, kommentiert das Geschehen an der Tankstelle und nimmt einen Teil der Handlung vorweg. Bei Sluizer diente eine Etappe der Tour de France als Parallelebene, bei FINALE wird der Sport zwar nicht genannt, vermutlich handelt es sich jedoch um Fußball. Ebenso ist der Titel des Films zweideutig; auf der einen Seite das Sportereignis, auf der anderen Seite Agnes und Belinda, die sich ebenfalls im Finale des Folterzirkus befinden.

© Pierrot Le Fou

Eindrucksvoll und spannend setzt Petersen die Nachtschicht an der Tankstelle in Szene, die den größten Teil der Handlung einnimmt. Die Stimmung lebt von der Stille und Leere der Straße, die Dunkelheit jenseits der spärlichen Zeichen von Zivilisation in dieser kleinen Oase des Lichtes. Ein unangenehmes Gefühl von Paranoia, erzeugen die vereinzelt eingestreuten Aufnahmen der Überwachungskameras beim Betrachter. Eine interessante Leseart dieser Bilder entsteht, wenn wir uns die stetig wachsende Überwachung der Bevölkerung im öffentlichen Raum vor Augen führen. Die anonymen Augen stehen jedem technisch versierten Hacker jederzeit zur Verfügung. Gut erinnere ich mich an eine Sendung im deutschen Fernsehen, in dem sich ein IT-Experte die uneingeschränkte Kontrolle über ein vernetztes „Haus der Zukunft“, nur durch die Gartenbeleuchtung, verschaffte. Ich wünsche angenehme Träume.

© Pierrot Le Fou

Neben den Bildern der Überwachungskameras wird die eigentliche Handlung von kurzen Szenen unterbrochen, in denen wir Agnes zuerst eingesperrt und später in einer Arena auf einem Stuhl gefesselt sehen. Diese Sequenzen nehmen vorweg, was uns im letzten Drittel erwartet. Durch die Nähe der Kamera zu den beiden Protagonistinnen versucht Petersen, eine Intimität zu erzeugen, um uns, dem Rezipienten, dass Grauen und die Schmerzen intensiver erfahren zu lassen, was aber nur bedingt gelingt.

© Pierrot Le Fou

Zwischen den Zeilen

In HOSTEL (2005) fanden die Folterungen noch im abgeschlossenen, dunklen Zimmer statt. In SAW (2004) verlegte der Killer seine Exzesse in verlassene Gebäude, ebenfalls isoliert. In FINALE gibt es dieses Mal ein Publikum, das zudem Einfluss auf das Geschehen hat. Das ist der exklusive Snuff (kommt von „to snuff someone out“, zu Deutsch „jemanden auslöschen“). Keine billigen Filmchen, die unter der Hand für viel Geld vertrieben werden. Hier sitzt das Publikum vor Ort und ist in der Lage, dass blutige Spiel live und ohne Werbeunterbrechungen zu verfolgen, „Mitten drin statt nur dabei“ sozusagen. Natürlich gibt es auch die billigeren Plätze, für das Fußvolk. Die dürfen über das Internet den Handlungen beiwohnen. Bei der momentanen Entwicklung an absurden Game-Shows, die durch die Sendeanstalten weltweit wabern, gar nicht so unrealistisch.

© Pierrot Le Fou

Man denke nur an die deutsche Filmproduktion DAS MILLIONENSPIEL (1970) von Tom Toelle, dass auf der Kurzgeschichte des US-Autors Robert Sheckley „The Prize of Peril“ basiert. Oder an Scott Wipers DIE TODESKANDIADTEN (THE CONDEMNED, 2007) bei dem die Zuschauer, gegen Zahlung eines kleinen Geldbetrages, über das Internet dem zweifelhaften Spektakel beiwohnen können. Extreme Ausbrüche von Gewalt als Unterhaltung der Massen hat eine lange Tradition in der Geschichte der Menschheit: Die Menschenopfer der Mayas oder die Gladiatoren im alten Rom sind gute Beispiele dafür. Früher waren es die mächtigen, die solche Spiele in aller Öffentlichkeit veranstalteten. Heute sind es die Reichen und Gelangweilten, die sich daran ergötzen. Wie zur Bestätigung, dass diese blutige Zeit niemals aus unser aller Leben verschwunden ist, gibt es ein Gemälde in FINALE zu entdecken, auf dem Gladiatoren im Kampf abgebildet sind.

© Pierrot Le Fou

Fazit

Von den überzogenen Pressestimmen angeheizt, sollte der interessierte Rezipient sich nicht zu viel erhoffen. Für einen Film außerhalb Hollywoods ist der Härtegrad entsprechend und die wenigen Effekte wurden glänzend umgesetzt, soweit zu erkennen, ohne jeglichen CGI-Einsatz. Die Darsteller überzeugen mit soliden Leistungen, wie auch das gesamte Ambiente passend in Szene gesetzt wurde. Alles in allem ist FINALE jedoch nur Durchschnitt. Der Teil der Story, der in der Tankstelle spielt, wurde spannend umgesetzt, dem Rest fehlt es jedoch an Substanz und Ideen. Die Gewalt verkommt zum Selbstzweck und schafft es nicht, über das schwache Finale hinwegzutäuschen. Die Handlung bleibt bis zum Ende vorhersehbar und ist nicht im Mindesten überraschend.

© Stefan F.

Titel, Cast und CrewFinale (2018)

Poster
Releaseab dem 05.06.2020 im Mediabook (Blu-ray+DVD)

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RegisseurSoren Juul Petersen
Trailer
BesetzungAnne Bergfeld (Agnes Berger)
Karin Michelsen (Belinda Andersen)
Damon Younger (Zirkusdirektor)
Kristoffer Fabricius (Benjamin)
Mads Koudal (Kenny)
DrehbuchCarsten Juul Bladt
Steen Langstrup
Soren Juul Petersen
KameraTobias Scavenius
FilmmusikPeter K. Norgaard
SchnittJacob Kondrup
Filmlänge100 Minuten
FSKab 18 Jahren

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