FluxScorseseMasterclass Filmchallenge 1. Satz DER LEOPARD, DER PROZESS, SEHNSUCHT

#1 FLUXScorseseMasterclass – Der Leopard, Der Prozess & Sehnsucht

Der Leopard (1963) von Luchino Visconti

Die Challenge hat nun offiziell begonnen und ich habe mit einem Film begonnen, der schon zwei Mal mit mir umgezogen ist, ohne jemals gesehen zu werden: DER LEOPARD von Luchino Visconti. Die Süddeutsche Zeitung hatte vor gut 10 Jahren eine Reihe mit Filmklassikern als Cinemathek auf DVD herausgebracht. Eigentlich wollte ich mir damals alles holen, was ich nicht schon selbst hatte. Im aktuellen Blu-ray-Zeitalter bin ich sehr glücklich darüber, es nicht getan zu haben, sonst hätte ich einfach zu viel erneuern müssen. Die Qualität der DVD war okay, leider waren manche Teile im italienischen Original mit pixeligen deutschen Untertiteln, was am Director’s Cut lag. Aber was man hat, muss man nicht unbedingt noch einmal neu kaufen. Wer es dennoch möchte, sollte zur aktuellen Blu-ray Version von Koch Films greifen. Es gibt ab dem 08.11.2018 eine Remastered Edition mit neuem 4K-Master ebenfalls von Koch Films.

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DER LEOPARD ist die Geschichte über ein sizilianisches Adelshaus und noch viel mehr ein Portrait über den Fürst von Selina, Don Fabrizio Corbera, verkörpert von Burt Lancaster. Der Film spielt in der politisch wechselreichen Zeit Mitte des 19. Jahrhunderts: Die Wirren des Risorgimento. Eine politisch anspruchsvolle Geschichte wird aber nicht geboten, viel mehr wird das etwas eintönige Leben des italienischen Adels und der Wechsel einer Generation dargestellt. Der Leopard, Spitzname der Hauptfigur Don Fabrizios (Burt Lancaster), ist eine spannende Figur mit viel gedanklichem Tiefgang. Die Zeit schwebt zwischen dem Alten – Lancaster – und dem Neuen – personifiziert durch seinen Neffen Tancredi Falconeri (Alain Delon), der sich in die wunderschöne Angelica Sedara (Claudia Cardinale) verliebt. Cardinale bringt übrigens das einzige sizilianische, wie auch italienische, Blut in dieses Hauptrollen-Trio der Besetzung.

Der Leopard Szenenbild Burt Lancaster
Don Fabrizio Salina (Burt Lancaster) // © Koch Films

Der Film ist äußerst opulent inszeniert. Die Kamera von Giuseppe Rotunno wird nie langweilig und die schönen Außenaufnahmen in Italien, sowie die Palastaufnahmen haben 50 Jahre später immer noch ihren Reiz. Das Schauspiel überzeugt genauso wie die Filmmusik von Nino Rota. Insgesamt war der Film mir persönlich ein Tick zu lang, vor allem der Ball zum Ende wirkt etwas künstlich in die Länge gezogen. DER LEOPARD hatte aber auch ein paar unerwartete Lacher zu bieten und einen Nebendarsteller mit schönen blauen Augen, den ich so nicht erwartet hatte: Mario Girotti, uns eher als Terence Hill bekannt. Eine Empfehlung mit Filmgeschichte!

Der Leopard Terence Hill als Mario Girotti
Terence Hill als Mario Girotti in DER LEOPARD

Der Prozess (1962) von Orson Welles

Ich muss gestehen, sehr blauäugig an DER PROZESS herangegangen zu sein. Ich wusste, es handelt sich um eine Verfilmung von Franz Kafkas gleichnamigen Roman, mit dem man zu Schulzeiten gequält wurde. Ich bin mir sicher es gelesen zu haben, konnte mich aber nicht mehr an den Inhalt erinnern. Die erste Überraschung nach dem Beginn mit opulenten Bildern in schwarzweiß mit messerscharfen Kontrastbereichen verfliegt und mir kommt der Gedanke: Sieht aus wie ein Film von Orson Welles. Schande über mein Haupt, es war einer und dann gleich die zweite Überraschung: Anthony Perkins (PSYCHO) als Hauptdarsteller, der Joseph K. verkörpert.

Der Prozess (1962) Orson Welles
Anthony Perkins und Romy Schneider // © Studiocanal

K (Anthony Perkins) wird unsanft von Beamten aus dem Bett gerissen und mit den unsinnigsten Fragen bombardiert. Somit möchten einen gleich die ersten Filmminuten zum Durchdrehen bringen. Aber K meistert die Fragen mit talentiertem Verstand und steht dennoch unter Arrest. Weshalb, erfährt er nicht und beginnt auf der Suche danach sich durch einen Moloch von Justiz-Instanzen zu wühlen. Dies alles geschieht in riesigen Hallen, von einem umgebauten Flugzeughangar bis zum Jugendstil-Bahnhof. Ein juristisches Labyrinth durch Architektur von Orson Welles greifbar gemacht. Das Ganze ist garniert mit einem koketten Auftritt von Romy Schneider als leichtzuhabende Krankenschwester und Welles als Anwalt ohne Gewissen.

Der Prozess (1962) Orson Welles
Szenebild aus DER PROZESS mit Anthony Perkins als Joseph K. // © Studiocanal

Die erste Stunde des Films hat förmlich meine cineastischen Erfahrungen hinweggefegt. Was hatte Welles für ein Auge für das Kino! Die aufwändigen Requisiten: Berge von Akten, die Trennwände darstellen, Industriehallen ohne Anfang und Ende mit Licht und Schatten perfekt inszeniert. Für mich war die einprägsamste Stelle das „Büro“ von Joseph K. Dort saßen sicherlich 300 Menschen – wir befinden uns in der 60er-Filmjahren, das heißt: Da saßen beim Dreh auch 300 Menschen. Alle an einem eigenen Schreibtisch, dicht gedrängt, jeder hackt Buchstaben in eine Schreibmaschine und zusammen verursachen sie einen unerträglichen Lärm. Dann ist Feierabend und alle stehen auf und strömen zu den Ausgängen wie die Ameisen. Dies ist alles so bewegungsreich mit der Kamera gefilmt, dass man nur seinen Hut vor diesem über 50 Jahre alten Kunstwerk ziehen muss. Wow, hier hat sich das erste Meisterwerk in meine #FluxScorseseCallenge geschlichen, von dem ich ehrfürchtig begeistert bin.

Der Prozess Blu-Ray Studiocanal Arthaus
Die Blu-ray von Arthaus/Studiocanal

Den Film habe ich dank Arthaus von der Blu-ray aus dem Jahr 2013 gesehen. Es ist die ungekürzte Fassung, welche aber nicht über eine komplette deutsche Synchronisation verfügt. Jene Extra-Szenen sind aber mit deutschen Untertitel versehen. Auch wenn der Ton manchmal im Verständnis eine kleiner Herausforderung darstellt – was auch an den schnellen Dialogen liegt – ist dieses Bild über alles erhaben. Was für eine beeindruckenden Qualität in gestochen scharfem Schwarzweiß. Ausgezeichnete Arbeit an Arthaus / Studiocanal. Die Variante in der Studiocanal Collection wird für mich ein Pflichtkauf.

Sehnsucht (1954) von Luchino Visconti

Passend zu DER LEOPARD geht es mit dem Regisseur Luchino Visconti wieder ins 19. Jahrhundert von Italien zu Zeiten des Risorgimentos (Wikipedia). SEHNSUCHT ist aber bereits von 1954 und gehört zu den frühen Filmen Viscontis, der ebenfalls auch Theater- und Opernstücke inszenierte hatte. SEHNSUCHT beginnt passend mit einer Oper und bewegt sich fließend in die Zuschauerränge hin zu einer aufkeimenden Liebesaffäre der Baronin Livia Serpieri (Alida Valli) mit dem österreichischen Offizier Franz Mahler (Farley Granger). Wie auch bei Opern, ist dieser Film für mich so zäh wie eine alte Schuhsohle. Das Geschmachte zwischen den beiden „Verliebten“ ist zum Ermüden in die Länge gezogen und wird nur durch die schlechte Filmpräsenz der Hauptdarstellerin Alida Valli mit ein paar grotesken Gesten aufgelockert. Ihre Gesichtszüge geben dem Begriff Overacting ganz neue Dimensionen und das Im-Raum-Umherlaufen, um sich immer wieder emotional an irgendeinem Gegenstand festzuhalten, von ihr zur Perfektion getrieben. Nach 90 Minuten hin und her, verlässt der Film endlich Venedig und zieht in die Schlacht. Jetzt blitzt Viscontis geniale Inszenierung in den hügeligen Landschaften Italiens auf. Die Kämpfe wirken wie die Nachstellung der Gemälde alter Meister. Leider ist der Kameramann Aldo Graziati während der Dreharbeiten durch einen Autounfall gestorben und Robert Krasker übernahm die letzten Aufnahmen. Zum Filmfinale gibt es den nicht nachzuvollziehenden großen Knall zwischen dem Liebespaar und die SEHNSUCHT wird durch Gewehrschüsse beendet. Eine Film-Challenge muss auch anstrengend sein. Diese zwei Stunden, abgesehen von den Außenaufnahmen, waren es auf jeden Fall und ich muss somit die erste Gurke in Martin Scorseses 85 Filmempfehlungen ausmachen: SEHNSUCHT.

Sehnsucht (1954) Martin Scorsese Filmchallenge
Sehnsucht (1954) // © Studiocanal
Sehnsucht Blu-Ray Studiocanal Arthaus
Die Blu-ray von Arthaus/Studiocanal

Den Film habe ich dank Arthaus von ihrer 2009er Blu-ray gesehen. Es ist eine toll restaurierte Veröffentlichung geworden und der Film, der nun fast ein halbes Jahrhundert alt ist, hat in Farbe und Schärfe selten so geglänzt. Selbst der Ton in Stereo ist klar zu verstehen. Wer den Film kennt und mag, kann bei dieser Blu-ray – es gibt auch ein Version in der Studiocanal Collection im Mediabook – getrost zugreifen.

 

Ein Gedanke zu “#1 FLUXScorseseMasterclass – Der Leopard, Der Prozess & Sehnsucht

  1. DER LEOPARD ist großartig, den haben wir damals in der Schule gesehen. DER PROZESS wollte ich schon ewig mal sehen, der kommt jetzt auch endlich mal auf meine Einkaufsliste, danke. Und um SEHNSUCHT werde ich dann wohl mal einen Bogen schlagen…

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