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Fantasy Filmfest 2022 – Vorschau und Tipps

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Was wir uns vom Fantasy Filmfest 2022 erwarten

Das Horrorgenre diente schon immer dazu, einer Gesellschaft ihre gegenwärtigen Ängste zu vergegenwärtigen, bzw. in mal mehr oder weniger subtilen visuellen Metaphern zu travestieren. Und wo könnte man sich besser über die aktuellen Ängste informieren als beim alljährlichen Fantasy Filmfest? Ja ok, vielleicht in den Facebook-Kommentaren eines beliebigen Dorfgazettchens, aber das FFF dürfte da sicherlich mehr Nährwert bieten.

Schauen wir uns die 35 Filme des Festivals an, dann können wir festhalten, das Social Media Nutzung endgültig in der Mitte des Horrorfilms angekommen ist. Gleich zwei Horrorfilme behandeln explizit die Auswirkungen von TikTok, Instagramm und Co. auf die menschliche Psyche. SISSY verhandelt dabei Dialektik des Influencer:innentums, indem die Facelifting-Filter und Follower:innen als Prothese für ein sonst einsames (und aus der Vergangenheit heraus noch nicht austherapiertes) Leben herhalten. Auch THE SEED stellt die Obsession nach Fame und Ansehen in den Mittelpunkt seines blutigen Geschehens und dürfte wohl, ob seiner herrlich krösigen Effekte, gerade Oldschool Splatterfans an vergangene VHS-Abende erinnern.

Wenig Worte verlieren muss man über DON’T WORRY DARLING. Der (Negativ?)-Hype um Olivia Wildes zweiten Film erreichte durch die Berichterstattung der letzten Tage derart absurde Ausmaße, dass man mittlerweile fast lieber eine HEARTS-OF-DARKNESS-artige Doku über die Dreharbeiten sehen will als den eigentlichen Film. Aber nur fast, denn auch wenn sich der Film in den internationalen, ersten Pressestimmen gerade etwas schwertut, so muss man doch alleine ob des Faszinosums wegen herausfinden, was genau hinter DON’T WORRY DARLING steckt. Diese Art von Film gab es häufig auf dem Filmfest (im letzten Jahr natürlich prominent bekleidet durch THE SADNESS), doch war der Hypegenerator häufiger das Versprechen megalomanischer Gewalt oder ungeahnten psychischen Abgründen und weniger unser geballtes gesellschaftliches Interesse am Gossip. Die bereits jetzt in den meisten Spielorten ausverkauften Kinosäle des FFF bestätigen auf jeden Fall die discourses bereits erwähnter SISSY und THE SEED.

Vordergründig intellektuelle Stimulation bietet sicherlich AFTER YANG. Regisseur Kogonada fiel bereits mit seinem hervorragenden Film COLUMBUS (2017) auf – und natürlich als Verfasser zahlreicher faszinierender Videoessays. Ob dessen dürfte AFTER YANG für Freunde der Filmanalyse sicher wieder ein großes Fest werden – und Hauptdarsteller Colin Farrell entwickelt sich ja sowieso immer mehr zum Garantieschauspieler für sehenswerte Arthouse-Produktionen.

Von einem Garantieschauspieler zum Nächsten: Franz Rogowski, der unumstrittene König des Arthousekinos, hat bisher in keinem einzigen uninteressanten Film mitgespielt. FREAKS OUT kommt darüberhinaus auch noch mit besten Empfehlungen aus Stitges und verspricht, eines der absoluten Highlights des Filmfestes zu werden.

Der Fluxkompensator freut sich zudem noch auf SOMETHING IN THE DIRT, den neuen Film von Justin Benson und Aaron Moorhead (ihr stimmungsvoller THE ENDLESS ist zusätzlich noch als Teil eines Special Screenings in Berlin zu sehen), sowie THE PRICE WE PAY von Altmeister Ryûhei Kitamura.

Was macht uns Angst und wann beschäftigt und als Gesellschaft? Der Fluxkompensator ist gespannt, dass seit dem 07.09. in München und Berlin herauszufinden und zu diskutieren – und ab dem 14.09. in Hamburg, Stuttgart und Köln, sowie ab dem 21.09. in Frankfurt und Nürnberg.

© Fynn

Hier geht es direkt zur Programmübersicht des Fantasy Filmfest 2022.

 

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