Exorzismus 2.0 (2019) – Filmkritik

DRACULAS BLUTHOCHZEIT MIT FRANKENSTEIN (DRACULA VS. FRANKENSTEIN, 1971) ist mit Abstand das schlechteste, was ich im Rahmen meiner Tätigkeit beim Fluxkompensator gesehen habe, daran besteht kein Zweifel. Doch der neue Exorzisten-Klamauk EXORZISMUS 2.0 reiht sich direkt dahinter ein. Allerdings, wie das so üblich ist im Leben, gibt es für alles eine Steigerung. Denn für den Preis „Gurke des Jahres 2020“ reicht es dann doch nicht ganz. Vor einigen Tagen hat sich ein neuer, heißer Anwärter auf der Bühne präsentiert: DER FLUCH DER REITENDEN LEICHEN – DIE RÜCKKEHR DER TEMPELRITTER (CURSE OF THE BLIND DEAD, 2020). Und so wie sich das Verfolgerfeld momentan präsentiert, werden die Tempelritter diese Auszeichnung am Ende ganz sicher einstreichen. Doch zurück zum eigentlichen Film: EXORZISMUS 2.0. Im Jahre 2016 drehten Regisseur Damien LeVeck und sein Drehbuchautor Aaron Horwitz THE CLEANSING HOUR als Kurzfilm, der durchgehend gute Kritiken einstreichen konnte. Die beiden US-Amerikaner waren davor überwiegend für das Fernsehen tätig, dazwischen drehten sie immer wieder mal den ein oder anderen Kurzfilm. Kurze Zeit später, setze sich LeVeck und Horwitz zusammen und entwarfen die Langversion der Story.

© Eurovideo Medien

Handlung

Die beiden Freunde Max (Ryan Guzman) und Drew (Kyle Gallner) verdienen ihr Geld mit einer Webshow namens „The Cleansing Hour“. In der Show unterhalten sie ihre Follower mit angeblich echten Exorzismen, die Live übertragen werden. Dahinter steht ein ganzes Team von Freunden, die für die Effekte und das Merchandising verantwortlich sind. Als eines Nachts die „besessene“ Schauspielerin ausbleibt, übernimmt kurzerhand Drews Verlobte Lane (Alix Angelis) den Job. Als jedoch nach Beginn der Übertragung ein echter Dämon Besitz von Lane ergreift, gerät die gestellte Situation schnell außer Kontrolle. „The Cleansing Hour“ hat einen neuen Regisseur, und der kommt direkt aus der Hölle.

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Wer mit dem Feuer spielt…

Seit William Friedkins DER EXORZIST (THE EXORCIST, 1973) die Leinwände weltweit unsicher machte, erscheinen in unregelmäßigen Abständen immer wieder neue teuflische Epigonen in den Kinos dieser Welt, mal mehr, mal weniger schlecht. Im Jahre 2005 startete Scott Derrickson solch eine neue Drangphase von Exorzistenfilmen mit DER EXORZISMUS VON EMILY ROSE (THE EXORCISM OF EMILY ROSE). Die Story von EXORZISMUS 2.0 ist schon tausend Meilen gegen den Wind vorhersehbar, es gibt weder außergewöhnliche Ereignisse noch irgendwelche Twists, die den Zuschauer überraschen können. Die Effekte sind schwach, obwohl überwiegend handgemacht und von Profis kreiert: Tom Woodruff Jr. (STARSHIP TROOPERS (1997) oder ALIEN – DIE WIEDERGEBURT (ALIEN: RESURRECTION, 1997)) und Adam Dougherty (PREDATOR – UPGARDE (THE PREDATOR, 2018) oder GODZILLA II: KING OF THE MONSTERS (2019)). Umso enttäuschender ist das hier Gezeigte. Entweder hatten die beiden einen schlechten Tag oder das Budget des Films lies nicht mehr zu. Von Grusel oder Schocks müssen wir erst gar nicht anfangen. Alles bewegt sich auf Kindergartenniveau und wird nur die wenigsten hinter dem Ofen hervorlocken. Auch wenn die Idee, altbekannte Horror-Muster mit dem modernen Social-Media-Hype zu vermischen gut ist, bleibt es bei einer Idee ohne Kreativität.

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Gesteht eure Sünden…

… euer ordinäres, scheinheiliges Leben, eure verlogenen Ansichten und Meinungen, mit denen ihr euch schmückt als wären es Auszeichnungen und Medaillen. Euer Wunsch nach dem perfekten Aussehen und dem angeblich perfekten Leben werdet ihr auf dieser Reise niemals finden. Diese Aussagen mit Gesellschaftskritik im Film ist das einzig Positive an EXORZISMUS 2.0. Damien LeVeck hält der scheinheiligen und arroganten „Facebook-Generation“ einen großen Spiegel vor ihr naives Gesicht und prangert ihre kritiklose Leichtgläubigkeit, sowie ihren unstillbaren Voyeurismus an. Menschen, denen die öffentliche Wahrnehmung wichtiger ist, als das echte Leben und die ohne Smartphone keine Minute lebensfähig wären. Diese technikverliebte Generation, die jeden neuen Follower und Influencer feiert wie einen Orgasmus, jedem neusten Trend hinterherhechelt, als wäre es die pure Erlösung. Das Sprichwort „Mehr Schein als Sein!“ passt hier zu 100%, auch wenn die meisten es nicht mehr kennen werden. Einer gewissen Ironie kann sich dabei LeVecks Film auch nicht entziehen, ob gewollt oder durch Zufall, denn auch EXORZISMUS 2.0 verspricht viel mehr, als er am Ende im Stande ist einzulösen.

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Fazit

Spätestens wenn die Blutwurst kreist, offenbaren sich die Schwachstellen des Films. Zum einen sind es, wie schon erwähnt, die Effekte, die sehr zu wünschen übriglassen, zum anderen die blödsinnige Story sowie schwache Darsteller, die es nicht schaffen, den Film über die komplette Laufzeit zu tragen. Lediglich Alix Angelis als vom Teufel Besessene Lane kann sich etwas von ihren Kollegen abheben. Regisseur Damien LeVeck lässt hier sehr zügig das Klischee-Karussell laufen, doch Spannung oder Grusel sucht der geneigte Zuschauer vergebens, nur um am Ende mitzuerleben, dass sich alle wieder liebhaben. Amen.

© Stefan F.

Titel, Cast und CrewExorzismus 2.0 (2019)
OT: The Cleansing Hour
Poster
Releaseab dem 20.08.2020 auf Blu-ray und DVD erhältlich.

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RegisseurDamien LeVeck
Trailer
BesetzungRyan Guzman (Max)
Kyle Gallner (Drew)
Alix Angelis (Lane)
Chris Lew Kum Hoi (Chris)
Daniel Hoffmann-Gill (Tommy)
Emma Holzer (Riley)
DrehbuchDamien LeVeck
Aaron Horwitz
KameraJean-Philippe Bernier
FilmmusikJuliette Beavan
Sean Beavan
SchnittDamien LeVeck
Filmlänge93 Minuten
FSKab 18 Jahren

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