Dreamkatcher (2020) – Filmkritik

Gerade der US-amerikanische Horrorfilm hat sich in der letzten Zeit wieder vermehrt auf die größte und zahlungskräftigste Zielgruppe eingeschossen: die Teenager. Monat für Monat belegen zahlreiche Neuveröffentlichungen diesen Trend der einen ordentlichen Profit, trotz der schwierigen Zeiten, verspricht und ständig nach mehr verlangt. Die Qualität ist da eher zweitrangig. Der Debütfilm DREAMKATCHER des kanadischen Regisseurs Kerry Harris ist genau auf diese Zielgruppe abgestimmt.

Wer sich nun noch die Mühe macht und bei IMDb nach dem Begriff DREAMCATCHER (zu deutsch: Traumfänger) sucht, findet dort zahlreiche Einträge. Alle schreiben sich jedoch mit einem C für das englische „catcher“ (zu Deutsch: Fänger). Bekanntes Beispiel wäre da die US-Produktion von Lawrence Kasdan aus dem Jahre 2003 oder der 2021 entstandene DREAMCATCHER von Jacob Johnston. Wer nun folgerichtig darüber grübelt, warum Kerry Harris Debütfilm mit einem K und nicht wie üblich mit einem C schreibt, dem sei versichert, dass vor Beginn der eigentlichen Handlung eine Erklärung beider Begriffe folgt.

© Koch Films

Handlung

Der 10-jährige Josh (Finlay Wojtak-Hissong) zieht mit seinem Vater Luke (Henry Thomas) und dessen neuer Freundin Gail (Radha Mitchell) aufs Land. Genau an den Ort, an dem zwei Jahre zuvor seine Mutter im nahe gelegenen See ertrank. Traumatisiert vom Tod seiner Mutter plagen Josh nächtens üble Alpträume. Als Luke für ein paar Tage zurück in die Stadt muss, nutzen Gail und Josh die Zeit, um sich besser kennenzulernen. Auf einer Wanderung treffen sie auf die mysteriöse Ruth (Lin Shaye), die einen kleinen Laden mit allerhand Hokuspokus betreibt. Dort entdeckt Josh zum ersten Mal einen Traumfänger. Angespornt von den Geschichten die Ruth dem kleinen Josh bei seinem Besuch darüber erzählt, klaut der ein paar Tage später einen der Traumfänger in der Hoffnung, seine Alpträume endlich zu besiegen. Doch gerade dieser spezielle Traumfänger löst eine Welle des Schreckens aus und erweckt etwas Böses, dass alles und jeden in den Tod reißen will.

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Zwischen Traum und Realität

Leider verrät Regisseur Harris in seiner Einführung zu DREAMKATCHER schon so einiges von dem, was in der sich darauf entwickelnden Story den Zuschauer erwartet. Dadurch verlieren sich viele Spannungselemente im Nirwana und der Ablauf der Handlung ist fest vorgezeichnet. Wie ein Monsun fluten kurz darauf zahlreiche Klischees und Stereotypen auf den geneigten Betrachter ein. Wieder einmal ist das altbekannte und abgelegene Landhaus der Ort des Schreckens. Und als wäre das noch nicht genug Klischee, wird kompromisslos der Topos des Horrorgenres bis aufs Blut geplündert: Die typisch junge Familie, die aus den Fugen geraten ist; der schwer arbeitende Mann, dessen Frau vor einigen Jahren unter mysteriösen Umständen verstarb; die neue Freundin, die nur mit Mühe einen Zugang zum einzigen Kind ihres Freundes sucht, trotz ihrer Ausbildung als Kinderpsychologin und eben jenes Kind, dass verständlicherweise den Tod seiner Mutter noch nicht verarbeitet hat und der neuen Frau misstraut.

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Diese komplizierte Dreiecksbeziehung versucht in gut 85 Minuten in der Einsamkeit der Natur zueinanderzufinden. Dass dann auch noch der Mann kurzfristig für ein paar Tage in die Stadt muss, kennen wir spätestens seit THE LODGE (2019), wie auch die folgenden Probleme, die durch das entstehende Vakuum seiner Abwesenheit vor Ort entstehen. Nicht zu vergessen wären da noch die Alpträume, die den Schrecken ohne jeden Umweg direkt ins Schlafzimmer transportieren, was schon vor Jahren in der Elm Street zu zahlreichen Toten führte. Das Ganze entwickelt sich dann zu einem psychologischen Ringkampf zwischen Gail und Josh, was phasenweise etwas zu sehr in die Länge gezogen und nur oberflächlich abgehandelt wird.

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Trotz allem hat DREAMKATCHER ein gutes Tempo und verzichtet auf unnötige Längen. Das monströse Wesen aus Joshs Träumen macht dagegen eine sehr gute Figur, leider wird die Kreatur nur für wenige Sekunden sichtbar. Angepasst an die Zielgruppe kommt das Grauen extrem sparsam und äußerst blutarm für einen Horrorfilm auf unsere TV-Schirme. Der Plot wird durchzogen von wunderbaren Landschaftsaufnahmen, die uns die Einsamkeit und Abgeschiedenheit der ländlichen Gegend vor Augen führen sollen, wie auch das Grauen und die unterbewusste Angst, die uns alle in der Nähe eines dunklen, mysteriösen Waldes überkommt.

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Das Personal

Auf Seite der Schauspieler hat Regisseur Kerry Harris überaus erfahrene Gesichter verpflichtet. Angefangen bei der Australierin Radha Mitchell, die bereits in PITCH BLACK – PLANET DER FINSTERNIS (2000), SILENT HILL (2006) und OLYMPUS HAS FALLEN – DIE WELT IN GEFAHR (2013) überzeugen konnte. Neben ihr agiert der US-Amerikaner Henry Thomas, geboren in San Antonio, Texas. Schon in jungen Jahren durfte Thomas für E.T. – DER AUSSERIRDISCHE (E.T. THE EXTRA-TERRESTRIAL, 1982) vor der Kamera stehen. Weitere großartige Filme folgten, wie z. B. LEGENDEN DER LEIDENSCHAFT (LEGENDS OF THE FALL, 1994) oder DAS SPIEL (GERALD‘S GAME, 2017). Beeindruckend ist die Präsenz des jungen Finlay Wojtak-Hissong. Dieser besitzt die US-amerikanische wie auch die kanadische Staatsbürgerschaft. Schon im Alter von 8 Jahren bekam er seine erste Rolle im Film THE KIDNESS OF STRANGERS – KLEINE WUNDER UNTER FREUNDEN (2019). Danach stand er für THE BANANA SPLITS MOVIE (2019) und eben in DREAMKATCHER vor der Kamera. Neuste Projekte von Finlay sind das Drama LAND (2021) sowie der Thriller BLOOD, der gerade noch in Arbeit ist.

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Schon sehr lange in Hollywood präsent und in allen Genres zu Hause, egal ob Kinofilm oder TV-Serie, ist Lin Shaye. Mit dem Blockbuster INSIDIOUS (2010) dürfte die in Detroit, Michigan, geborene Amerikanerin den meisten Kinofreunden bekannt sein, ebenso wie ihre ausgefallenen Charaktere, die sie immer wieder brillant vor der Kamera in Szene setzt. Ihre gewaltige Filmografie umfasst aktuell 205 Einträge, darunter so bekannte wie NIGHTMARE – MÖRDERISCHE TRÄUME (A NIGHTMARE ON ELM STREET, 1984), RUNNING MAN (THE RUNNING MAN, 1987), DUMM UND DÜMMER (DUMB AND DUMBER, 1994), LAST MAN STANDING (1996) wie auch im fantastischen DEAD END (2003). Leider bekommt sie in ihrem neusten Film nur wenige Minuten Screen Time, die aber ausreichen, um einen starken Eindruck zu hinterlassen.

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Fazit

Letztendlich hinterlässt das Spielfilmdebüt von Regisseur Harris einen zwiespältigen Eindruck. Zum einen wird der Rezipient pausenlos daran erinnert, vieles aus DREAMKATCHER in Dutzenden, wesentlich besseren Filmen schon einmal gesehen zu haben. Zum anderen drängt sich die Gewissheit in den Vordergrund, da war wesentlich mehr möglich. Denn die Grundvoraussetzungen für einen spannenden Film sind vorhanden. Somit ist DREAMKATCHER zwar ein handwerklich solider Horrorfilm, der jedoch zu keiner Zeit überraschen oder gar verängstigen kann. Für die vorgesehene Zielgruppe ansprechend in Szene gesetzt, am Ende jedoch dürfte er seinen Eintrag in den Geschichtsbüchern lediglich unter Durchschnittskost wiederfinden und schnell vergessen sein.

© Stefan F.

Titel, Cast und CrewDreamkatcher (2020)
Poster
RegisseurKerry Harris
Releaseab dem 28.01.2021 auf Blu-ray und DVD.

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Trailer
BesetzungRadha Mitchell (Gail)
Henry Thomas (Luke)
Finlay Wojtak-Hissong (Josh)
Lin Shaye (Ruth)
Jules Willcox (Becky)
DrehbuchKerry Harris
Dan V. Shea
KameraGeorge Wieser
FilmmusikJoseph Bishara
SchnittCollin Kriner
Filmlänge85 Minuten
FSKAb 16 Jahren

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