Drachenzähmen leicht gemacht 3 Die geheime Welt filmkritik

Drachenzähmen leicht gemacht 3: Die geheime Welt – Filmkritik

„Die wichtigste Lektion des Drachen-Trainings“

Zur Einstimmung etwas Hintergrundinformation aus der Welt der Filmbesprechungen: Wenn ein großer Film wie DRACHENZÄHMEN LEICHT GEMACHT 3 fürs Kino ansteht, kommt man als Filmkritiker, Journalist oder selbsternannter Filmblog-Betreiber in den Genuss, diesen schon etwas eher, zu sogenannten Pressevorstellungen, zu sehen. Meist am Vormittag trifft sich in den Großstädten der Republik ein nerdiger Haufen zu so einer Veranstaltung. Viel Platz im Kinosaal, kein Gefresse um einen herum, kein ablenkendes Gelaber und keine Werbung, nur der Film und meist beste Kinotechnik. Da kann es auch mal vorkommen, dass nach 10 Minuten die junge Influencer-Generation aus den hinteren Reihen angemotzt wird, dass sie gefälligst ihr Smartphone ausmachen sollen: „… blendet doch der Mist“. Es geht verdammt noch mal um Kunst. Richtig so, hier steht noch der Film ohne Ablenkung im Mittelpunkt.

Drachenzähmen leicht gemacht 3 Die geheime Welt filmkritik
© Universal Pictures International

Aber wie ist das jetzt bei Kinderfilmen? Da greifen die betreuenden Agenturen zu besonderen Tricks und mischen die grummelige, stille Meute etwas auf.  Da wird auch mal eine Pressevorstellung mit einer Schulklasse aufgefüllt oder es wird gleich die ganze Familie zum Termin eingeladen. So bekommt der gemeine Filmkritiker auch abseits des normalen Kinogeschäfts mit, ob der Film bei der Zielgruppe gut ankommt. Für mich ein schöner Zug, denn Kinder verbreiten mit Popcorn und Limo genau die richtige gute Laune für solche Filme. Diese „öffentlichkeitswirksame Maßnahme“ ist auch mit DRACHENZÄHMEN LEICHT GEMACHT 3 geschehen. Ich freute mich auf meinem Außenplatz über die Vorfreude der Kleinen und ihr Glück, den Animationsfilm ohne nervenzerrendes 30-minütiges Trailergeballer im Gegensatz zu ihren Altersgenossen ab dem 7. Februar im Kino zu sehen. Ein Drachenkostüm konnte ich auch erspähen. Also los geht‘s in das dritte Abenteuer mit Hicks, Ohnezahn, Astrid und dem Rest der Wikingerbande.

Drachenzähmen leicht gemacht 3 Die geheime Welt filmkritik
© Universal Pictures International

Handlung

Hicks und seine Crew von Drachenrettern befreien immer wieder die geflügelten Monster mit dem weichen Herz aus den Fängen von Drachenhändlern. Dies gelingt mehr oder minder gut, aber ihre schuppigen Freunde, angeführt vom Alpha-Drachen Ohnezahn, hauen sie immer wieder aus brenzligen Situationen heraus. Das heimische Dörfchen Berg quillt so langsam vor lauter liebenswerten Monstern über und die Bewohner kommen kaum noch mit der Pflege der Neuankömmlinge nach. Einen Bösewicht gibt es natürlich auch: Grimmel. Der hat so gut wie jeden Nachtschatten auf dem Gewissen und will den Letzten auch noch erlegen, aber dafür braucht er ein Weibchen, um Ohnezahn in eine Falle zu locken. Ohnezahn verliebt sich natürlich bis über beide Flügel in seine schimmernd weiße Artgenossin: Ein sogannter Tagschatten. Nun muss er sich entscheiden, was wichtiger ist: Freundschaft oder Liebe?

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© Universal Pictures International

Ideenreich mit Schwächen im Drehbuch

Die Persönlichkeit des besagten Bösewicht Grimmel hat etwas arrogant Mittelalterliches und dennoch Unverbrauchtes an sich. Auch wenn sein Quadrocopter-Flugdrachen-Gefährt sehr lächerlich erscheint, ist er dennoch mit starken Persönlichkeitseigenschaften ausgestattet: Schnell, kaltherzig und clever. Das strafft den Spannungsbogen der Geschichte, weil ein schwieriger Gegner bei einem Animations-Abenteuer immer schon die halbe Miete ist. Die Freunde von Hicks sind jedoch anstrengend wie nie geworden: Die Zwillinge Raffnuss und Taffnuss nerven auf einem inflationärem Level ohne Witz, Rotzbakke versucht sich niveaulos an Hicks Mutter ranzuschmeißen und Fischbein kommt als Drachenbabysitter gar nicht zu Wort. Grobian macht als ratsame Nebenfigur und Vaterersatz für Hicks noch die beste Figur. Mutter Valka ist zu still und glänzt mit passiver Esoterik.

Drachenzähmen leicht gemacht 3 Die geheime Welt filmkritik
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Aber wir wollen schließlich alle Ohnezahn sehen und bei DRACHENZÄHMEN LEICHT GEMACHT 3 soll er sich ja verlieben. Sein Balzverhalten muss er noch lernen und hier haben die Animatoren sich am Verhalten verschiedenster Tieren orientiert, von der Taube bis zum Pferd. Spätestens jetzt konnte auch jeder herzlich lachen, ob groß oder klein. Wenn Ohnezahn und seine neue Liebe sich in der Filmmitte etwas rarmachen, merkt man, wie das eigene Interesse an der Geschichte sinkt. Denn die Liebe zwischen Hicks und Astrid ist einfach zu oberflächlich erzählt, als dass sie Aufmerksamkeit auf sich zieht. Was aber auch daran liegen könnte, dass in diesem Teil der Außenseiter-Status von Hicks verlorengegangen ist. Er ist jetzt der Chef, hat die hübsche Astrid um den Finger gewickelt und beide sind auch noch verdammt cool angezogen. Das Extravagante, vor allem von Hicks, wird leider kaum noch erwähnt und der Gedanke kommt auf, dem coolesten Pärchen der Schule beizuwohnen. Das war in den vorherigen Teilen wesentlich lebendiger und interessanter erzählt.

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© Universal Pictures International

Fazit

Wie bei einem guten Drei-Gänge-Menü, ist das Wichtigste der Nachtisch und bei DRACHENZÄHMEN LEICHT GEMACHT 3 wird das Finale noch einmal richtig spannend, imposant spektakulär und mit einem sinnvollen Abschluss belohnt. Die Geschichte nimmt zum Ende eine selbstbewusste Entwicklung an und hat eine passende Aussage zur Freundschaft mit einem Drachen. Die DRACHENZÄHMEN-Trilogie schließt somit ganz herzlich und tierfreundlich ab, so dass selbst Väter, die während der Vorstellung auf ihr Handy schauen müssen, vielleicht noch etwas lernen könnten, wenn sie ihre volle Aufmerksamkeit auch einmal der Welt ihrer Kinder schenken würden.

Titel, Cast und CrewDrachenzähmen leicht gemacht: Die geheime Welt (2019)
OT: How to Train Your Dragon: The Hidden World
PosterDrachenzähmen leicht gemacht 3 Die geheime Welt filmkritik
Kinostart/
Veröffentlichung
07.02.2019
RegisseurDean BeBlois
Trailer
OriginalsprecherJay Baruchel (Hicks)
America Ferrera (Astrid)
Cate Blanchett (Valka)
Kit Harington (Erit)
Kirsten Wiig (Raffnuss)
Jonah Hill (Rotzbacke)
Christopher Mintz-Plasse (Fischbein Ingerman)
BuchvorlageNach dem Buch "How to Train Your Dragon" von Cressida Cowell
DrehbuchDean DeBlois
KameraGil Zimmerman
MusikJohn Powell
SchnittJohn K. Carr
Filmlänge104 Minuten
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