Downton Abbey (2019) – Filmkritik

„ … forget all your cares and go Downton!“

Zu Beginn, eine Erklärung: DOWNTON ABBEY ist eine der besten Serien aller Zeiten, ein Meilenstein der TV-Geschichte!

Jede ihrer sechs Staffeln ist großartig. Es gibt keinen Tiefpunkt, vermutlich nicht mal eine schlechte Folge und vor allem nicht eine einzige schwache schauspielerische Darbietung in ihrem gewaltigen Cast. In schwelgerisch detaillierter Ausstattung erzählt DOWNTON ABBEY in gleicher Weise ausgiebig vom Leben der privilegierten Adelsbewohner wie auch der arbeitsamen Angestellten des namensgebenden britischen Anwesens im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts. Die vielen kleinen und großen Geschichten über die bunte Charakterriege sind mal anrührend, mal lustig, oft romantisch, tief humanistisch, unverblümt pathetisch und immer unglaublich unterhaltsam. Im authentischen Kleid der Zeitepoche gewandt ist sie zudem ein Fest für Kostüm- und Ausstattungsfans. So gelingt DOWTON ABBEY ein Balanceakt, den nur wenige vollbringen: Kitsch mit Klasse.

© Universal Pictures

Alle diese Eigenschaften vereint nun auch die Kino-Fortsetzung des Fernsehepos, welche in Erzählstruktur und Qualität nahtlos an dessen letzte Folge anknüpft. Hierin liegt vielleicht aber auch der größte (und wohl einzige) Kritikpunkt, denn DOWTON ABBEY, der Film ist nicht wirklich mehr als eine Serienepisode in Doppellänge.

Inhaltlich rechtfertigt sich die Leinwandadelung recht plakativ: Es herrscht große Aufregung auf Downton, im Jahre 1927. König und Königin werden auf einer längeren Reise durch ihr Reich auch im Anwesen der Crawleys nächtigen. Der hohe Besuch und sein Gefolge wirbelt das Leben der Familie und ihrer Bediensteten ganz schön durch.

© Universal Pictures Credit: Jaap Buitendijk / Focus Features

Aus dieser Prämisse entspinnen sich abermals viele kleinere und größere Handlungsstränge, von denen hier keiner gespoilert werden soll. Nur soviel: Alle werden befriedigend zu Ende erzählt, keiner ist langweilig. Allerdings zeigt sich doch ein wenig der Nachteil des Filmformats. So finden einige Geschichten leider etwas zu schnell zu ihrer Auflösung und werden nicht so tiefgehend behandelt wie es über mehrere Folgen innerhalb der Serie möglich gewesen wäre. Generell steht auch nicht viel auf dem Spiel, was die Fingernägel der Zuschauer gefährdet. Den Mangel an Drama macht der Film aber durch eine gesteigerte Portion Humor und eine durchgehend vergnügliche Attitüde wett. Das bringt uns direkt zu Maggie Smith, dem britischen Staatsschatz. Einfach jede Sekunde mit ihr ist goldwert. Ihre legendären Wortkriege mit Cousine Isobel (Penelope Wilton) haben nichts an Schärfe eingebüßt. Allein für sie lohnt der Kinobesuch.

© Universal Pictures Credit: Jaap Buitendijk / Focus Features

DOWTON-ABBEY-Fans werden auf diesen sowieso nicht verzichten und mit großer Sicherheit beglückt den Saal verlassen. Man muss es den Autoren hoch anerkennen wie sie es vermochten, nach dem runden Eierkuchen-Ende der Serie, nochmal fast die gesamte Besetzung plus einige neue Persönlichkeiten in einem Zwei-Stunden-Ereignis unterzubringen, dabei praktisch keine Figur zu vernachlässigen, alte Bekannte teilweise sogar noch weiterzuentwickeln und obendrein das gewohnt enorm hohe Niveau durchweg zu halten.

© Universal Pictures

Ankreiden muss man hingegen, dass aber eben auch nicht mehr versucht wurde, etwas das DOWTON ABBEY in seiner Bedeutung hervorhebt, außer eine Couchhopping-Möglichkeit für das Königspaar darzustellen. So wie es einst in Staffel 2 als Genesungsheim im Ersten Weltkrieg genutzt wurde. Auch sein immer wieder angesprochener schwindender Status beim Übergang in ein moderneres Zeitalter sowie die Vorwehen des aufkommenden Nationalsozialismus in Deutschland, welche in der Serie bereits angedeutet wurden, finden im Film kaum bis gar keine Beachtung. Selbst im (ohnehin hochklassigen) Produktionswert bezüglich Kulissen oder visueller Umsetzung sind keine Steigerungen zur Serie auszumachen. Man kann die Leinwandadaption also etwas unambitioniert und definitiv risikoscheu finden. Doch wie soll man böse sein, wenn das Gezeigte dennoch so verteufelt viel Spaß macht?

Fazit

Wie nach Hause kommen: DOWTON ABBEY ist ein durchweg vergnüglicher Wohlfühl-Nachklapp für Serienfans. Der enorm hohe Unterhaltungswert dürfte auch Uneingeweihte abholen.

Titel, Cast und CrewDownton Abbey (2019)
Poster
ReleaseKinostart: 19.09.2019
RegisseurMichael Engler
Trailer
BesetzungTuppence Middleton (Lucy Smith)
Michelle Dockery (Lady Mary Talbot)
Maggie Smith (Violet Crawley)
Matthew Goode (Henry Talbot)
Allen Leech (Tom Branson)
Robert James-Collier (Thomas Barrow)
Max Brown (Richard Ellis)
Elizabeth McGovern (Cora Crawley)
Laura Carmichael (Lady Edith)
Kate Phillips (Princess Mary)
Imelda Staunton (Maud Bagshaw)
Joanne Froggatt (Anna Bates)
Raquel Cassidy (Miss Baxter)
Sophie McShera (Daisy Mason)
Geraldine James (Queen Mary)
DrehbuchJulian Fellowes
KameraBen Smithard
MusikJohn Lunn
SchnittMark Day
Filmlänge123 Minuten
FSKab 0 Jahren

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