Zum Inhalt springen

Don‘t Breathe 2 (2021) – Filmkritik

Nach dem durchschlagenden Erfolg des ersten Teils aus dem Jahre 2016 war es nur eine Frage der Zeit, wann endlich eine Fortsetzung folgen würde. Schnell distanzierte sich der in Uruguay geborene Fede Alvarez von dieser Idee und sein damaliger Co-Autor Rodo Sayagues übernahm den verwaisten Regiestuhl. Beide arbeiteten bereits beim Remake von EVIL DEAD (2013) zusammen, wo Alvarez zusätzlich die Regie übernahm. Als Autorenteam sind beide am neuen Remake des Films TEXAS CHAINSAW MASSACRE der für 2022 geplant ist, vertreten.
Bevor wir nun die Fortsetzung DON‘T BREATHE 2 näher beleuchten, werfen wir einen schnellen Blick zurück auf die Handlung aus dem Jahre 2016. Wie war das noch mal? Zum einen sind da drei vom Leben nicht gerade bevorzugte Teenies, die in Detroit ihr Geld mit Einbrüchen verdienen. Ebenfalls dort ansässig ist ein blinder Golfkriegsveteran, der angeblich eine große Summe Bargeld in seinem Haus verstecken soll. Das eigentliche Problem dieses Mannes ist nicht etwa seine Blindheit oder seine Erlebnisse aus dem Krieg. Nein, es ist der Verlust seines Kindes, das bei einem Autounfall verstarb. Das hat eine tiefe Wunde hinterlassen, die wie ein Krebsgeschwür in ihm wuchert. Doch auch die Einbrecher haben ihre Probleme mit der Vergangenheit und ihrer Sehnsucht nach einer besseren Zukunft. All das spitzt sich bei einem Überfall auf den angeblich hilflosen blinden Mann zu und hinterlässt am Ende nur Verlierer.

© 2021 DB2 Productions, LLC. & Sony Pictures Entertainment

Handlung

Der blinde Golfkriegsveteran Norman Nordstrom (Stephen Lang) lebt noch immer in seinem Haus am Rande von Detroit. Doch seit einiger Zeit hat er Gesellschaft von einem jungen Mädchen mit Namen Phoenix (Madelyn Grace). Somit hat sich Norman seinen Traum von einer neuen Familie endlich erfüllt, die vor einigen Jahren durch einen Autounfall so brutal zerstört wurde. Doch ihr ruhiges und beschauliches Leben hält nicht lange an, denn eine Gruppe Verbrecher hat es auf Phoenix abgesehen. Sie entführen schließlich das Mädchen und zwingen Norman mit aller Gewalt dagegen anzugehen.

© 2021 DB2 Productions, LLC. & Sony Pictures Entertainment

Auf den Kopf gestellt

Was ist denn nur aus unserem alten, verbitterten Misanthropen geworden? Der blinde Kriegsveteran hat sich um 180 Grad gewandelt und züchtet in seinem Haus Pflanzen. Ist das wirklich derselbe Charakter? Um es kurz zu machen, ja er ist es. Der aufmerksame Rezipient wird noch über weitere Ungereimtheiten und Szenen stolpern, die zum Teil 1:1 aus der ersten Fassung übernommen wurden. Weiterhin gibt es einige Punkte, an denen sich der gesunde Menschenverstand verwundert die Augen reiben wird, insbesondere an der Person unseres Kriegsveteran, der so langsam seinem Kollegen Rambo gleicht. Von daher überrascht es nicht weiter das zusätzlich an der Gewaltschraube gedreht wurde. Doch auch bei den Kriminellen vollzog sich ein Wandel, denn hier kommen durch die Bank nur noch echte Psychopathen zum Einsatz, was den Filmemachern wohl als Vorwand für die enorm gesteigerte Brutalität dient. Dagegen hatte die 2016er-Fassung sehr bodenständige Einbrecher zu bieten. Dieser Wandel schlägt sich ganz besonders in der Story nieder, die extrem überdreht und sehr artifiziell erscheint.

© 2021 DB2 Productions, LLC. & Sony Pictures Entertainment

Dagegen hatte die Fassung von Fede Alvarez eine nachvollziehbare Story, sinnvolle Handlungen aller Akteure und durchaus seriöse Charaktere zu bieten. Die Veränderungen werden auch im Setting überdeutlich. Das Original war ein düsteres und unheimliches Kammerspiel mit einer sehr dichten Atmosphäre. In DON‘T BREATHE 2 wird alles größer und bombastischer, der Plot breitet sich über mehrere Straßenzüge aus, in denen sich die üblichen langweiligen Charaktere bewegen, denen wir schon in unzähligen anderen Filmbeiträgen über den Weg gelaufen sind. Ein weiterer Unterschied findet sich in der Rollenverteilung, die jedoch logisch begründet werden kann. Während unser blinder Held in der ersten Fassung noch den Part einer wichtigen Nebenrolle innehatte und der Focus auf den drei Kleinkriminellen liegt, genießt er in der Fortsetzung die volle Aufmerksamkeit des Zuschauers, was nicht negativ zu werten ist, sondern sinnvoll im Angesicht der Umstände.

© 2021 DB2 Productions, LLC & Sony Pictures Entertainment

Nicht das wir uns falsch verstehen, handwerklich ist hier alles auf einem soliden Niveau. Gerade die Action ist überzeugend in Szene gesetzt. Aber das Besondere, das die 2016er-Fassung auszeichnete und sie weit über den Standard erhob, ist auf Kosten plumper Daueraction verdrängt worden. Auch bietet die Fortsetzung nicht das Maß an Überraschung und Wendung, die im Original für so viel Spannung gesorgt haben. Stattdessen ist die Richtung schon nach wenigen Minuten klar. Der einzige überraschende Moment ist, als Brendan Sexton III in der Rolle des psychotischen Anführers Raylan, sich Phoenix offenbarte und seine grauen Haarsträhnen Stolz präsentierte. Ab diesem Augenblick war nur noch Toecutter (Hugh Keays-Burne) aus dem Endzeitklassiker MAD MAX (1979) auf dem Bildschirm präsent, und die Ähnlichkeit ist durchaus verblüffend.

© 2021 DB2 Productions, LLC. & Sony Pictures Entertainment

Wie nicht anders zu erwarten wurde die Hauptrolle erneut mit dem charismatischen US-Amerikaner Stephen Lang (VFW, 2019 und AVATAR – AUFBRUCH NACH PANDORA, 2009) besetzt. Er schlüpft erneut in die Rolle des blinden Kriegsveteranen, der sich trotz seiner Behinderung durchaus zu wehren weiß. An seiner Seite überzeugt junge Madelyn Grace, die schon einige Jahre im Filmgeschäft tätig ist. Ihr Debüt hatte sie in der TV-Serie Z NATION (2014 – 2018). Seitdem bekam sie weitere Auftritte in Dutzenden bekannter TV-Serien. DON‘T BREATHE 2 ist ihr erster großer Spielfilm und ganz sicher nicht der letzte. Wie schon erwähnt, fällt die Rolle des Bösewichtes dem erfahrenen Brendan Sexton III (SESSION 9 ,2001 und BLACK HAWK DOWN, 2001) zu. Auch er hat eine lange und erfolgreiche Filmografie aufzubieten. Die Nebenrollen sind solide besetzt, nicht zu vergessen mit Christian Zagia in der Rolle des Raul, die er schon im ersten Teil innehatte.

Fazit

Alles in allem fällt die Fortsetzung DON‘T BREATHE 2 deutlich gegenüber dem genialen Original ab. Wer auf nonstop Action, Gewalt und ordentlich Blut steht, wird hier auf seine Kosten kommen. Wer jedoch hofft, einen ähnlich tiefgründigen Thriller serviert zu bekommen wie 2016, wird böse auf die Nase fallen. Auch wenn beide Teile ein dünner roter Faden verbindet, bilden sie keine wirkliche Einheit. Dafür sind die Gegensätze einfach zu groß. Es sind eher zwei Filme, die eine Idee unterschiedlich interpretieren und gewisse Ähnlichkeiten in einigen Details aufweisen.

© Stefan F.

Titel, Cast und CrewDon't Breathe 2 (2021)
Poster
Releaseab dem 09.12.2021 auf UHD, Blu-ray bzw. DVD

Ihr wollt den Film bei Amazon kaufen?
Dann geht über unseren Treibstoff-Link:
RegisseurRodo Sayagues
Trailer
BesetzungStephen Lang (Blinder Mann)
Madelyn Grace (Phoenix)
Brendan Sexton III (Raylan)
Adam Young (Jim-Bob)
Rocci Williams (Duke)
Christian Zaiga (Raul)
Fiona O‘Shaughnessy (Mutter)
Stephanie Arcila (Hernandez)
DrehbuchFede Alvarez
Rodo Sayagues
KameraPedro Luque
MusikRoque Banos
SchnittJan Kovac
Filmlänge98 Minuten
FSKab 18 Jahren

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.