Die Wikinger (1958) Mediabook Review

Die Wikinger (1958) – Filmkritik & Review zum Mediabook

Gewissenlos, gnadenlos und erbarmungslos haben sich diese Krieger aus dem hohen Norden in die Geschichtsbücher geschrieben. Ihre Kämpfe waren von dem Wunsch geprägt mit dem Schwert in den Händen zu sterben und so ins Jenseits überzugehen, das Walhalla. Im Mittelalter haben sie es durch ihre Fähigkeiten als Seefahrer weit über die Meere und Ozeane geschafft, immer auf der Suche nach Beute. Ihnen ging es nicht darum Land einzunehmen, sondern sich das zu nehmen, was sie plündern konnten. Vielleicht zeugten sie noch ein paar Nachkommen im Land ihres Sieges und kehrten in die Heimat der Fjorde zurück. Trotz moralischer Fragwürdigkeit, erfreut sich dieses Volk einer gewissen Beliebtheit in den Geschichten, Romanen und auch Filmen. 1958 war es dann soweit und Hollywood, in Form des legendären United-Artists-Studios, nahm sich in den Zeiten der großen Monumentalfilme der Nachkriegszeit dem Stoff an. Das Epos DIE WIKINGER enstand. Eine gute Wahl bewiesen sie bei dem damaligen Auftragsregisseur Richard Fleischer, der sich vor allem mit DAS GESETZ BIN ICH, SOYLENT GREEN und MANDINGO in den 70er Jahren auf dem Höhepunkt seiner Regiekarriere befinden wird. DIE WIKINGER spielt im Jahr seiner Veröffentlichung kaum Gewinn ein (6 Millionen Dollar bei 5 Millionen Budget), erhält keine großen Filmpreise und taucht recht selten in den Besten-Filme-Listen auf. Warum hat Capelight nun ausgerechnet diesem Film ein wunderschön gestaltetes Mediabook gewidmet und dem Bild und Ton ein Qualitäts-Upgrade verpasst, das sich sehen lassen kann? Weil sie es verdammt nochmal können und weil Kirk Douglas und Tony Curtis auf großer Bühne, um eine schöne Prinzessin kämpfen.

Die Wikinger (1958) Mediabook Review
Tony Curtis als Eric und Janet Leigh als Morgana // © Capelight Pictures

Handlung

Wir befinden uns im 9. Jahrhundert und Wikinger-Häuptling Ragnar (Ernest Borgnine) zieht mit seinen glorreichen Kämpfern über die Küsten von Northumbria, dem heutigen Norden Englands. Nachdem er und seine Mannen wieder ein paar unbewegliche Inselbewohner ins Jenseits geschickt haben, vergewaltigt er die damalige Königin Enid (Maxine Audley), die immer noch keinen leiblichen Nachfolger geboren hatte. Bis jetzt, denn die Wikinger-Gene scheinen diesen Umstand geändert zu haben und das Resultat, Bastard Eric (Tony Curtis), muss zu seiner eigenen Sicherheit das Land verlassen. Schicksalsträchtig oder Odin-trächtig landet er nach einem Überfall seines Schiffes als Sklave bei den Nordmannen und in den Händen seines Halbbruders Einar (Kirk Douglas). Die Beiden können sich vom ersten Moment nicht ausstehen, was auch der Umstand nicht besser macht, dass sie sich in die bildhübsche Morgana (Janet Leigh), ihres Zeichens Prinzessin der angelsächsischen Feinde, verliebt haben. Es wird Zeit, den Bizeps anzuspannen.

Die Wikinger (1958) Mediabook Review
Einar (Kurt Douglas) // © Capelight Pictures

Die große Bühne

Welch ein Spaß, einfach in die 50er Filmjahre zurückzureisen mit einem Film, der eine fast schon opernhafte 1000 Jahre alte Geschichte erzählt. Hier werden noch Pferde zu Fall gebracht, unmotiviert Speere geworfen und Schiffe mit offensichtlichem Antrieb bei Flaute übers Wasser gezogen. Die Effekte sind ihrem damaligen Entwicklungsstand angemessen und zum Schmunzeln gut. Dafür werden aber noch über 100 kostümierte Statisten über die Felder gejagt, Frauen tief in die Augen bzw. durch die hauchdünne Kleidung geschaut und noch richtige Heldengeschichten erzählt. Wenn man über das doch eher ruhige Erzähltempo, bei dem des Öfteren die Nordmänner schnell mal um die Ecke nach England rudern, hinwegsehen kann, macht DIE WIKINGER unglaublich viel Spaß. Das liegt vor allem an Kirk Douglas und Tony Curtis. Douglas, der sogar über einen Monat älter als sein Filmvater ist, spielt einen leichtsinnigen Machowikinger, dem seine Schönheit in den ersten Minuten von einem Falken entfernt wird und als Snake-Plissken-Vorlage den Film stolz beendet. Er nimmt sich, seines Erbes als Wikingerhäuptling sicher, was er will: Frauen, Bier, Grillfleisch und Frauen. Diesem blonden Muskelprotz traut man alles zu, sogar seinen Bruder als Konkurrenten zu vernichten. Der ist Tony Curtis mit dunklem kurzem Haar, durch seine Jahre als Sklave zur Schweigsamkeit erzogen und somit ein spannender Konterfei. Auch er kann problemlos ohne Ärmel vor die Kamera treten und setzt mit seinen strammen Schenkeln noch einen drauf. Für wen sich die holde Morgana entscheidet, ist bereits vielen klar, aber die Augen kann sie dennoch nicht von der wilden, blonde Mähne lassen. Im 21. Jahrhundert muss man zugestehen, dass man für eine Frau wie Janet Leigh (PSYCHO, THE FOG, IM ZEICHEN DES BÖSEN) auch ohne Grübeln übers Meer gerudert wäre.

Die Wikinger (1958) Mediabook Review
Vater Godwin (Alexander Knox) und Morgana (Janet Leigh) // © Capelight Pictures

Alt aber fein

Auch wenn dieser Film der 50er Jahre zu jeder Minute nach Hollywood-Studio-Produktion aussieht, macht es dennoch Freude, die vielen kleinen, kreativen Akzente der Schauspieler, aber auch des Regisseurs zu erkennen. Vor allem das Motiv des Falken wird konsequent bis zum Ende der Geschichte erzählt. Die Halbbrüder treffen bei ihrer Falkenjagd aufeinander, Einars Kampfhelm ist einer Falkenhaube nicht unähnlich und auch der Kampf auf der Turmspitze der Burg, wirkt wie ein Kampf der Greifvögel auf einem Baumwipfel. Die Interpretation liegt nahe, dass Einar den Falken von Eric darstellt und zur Beizjagd von ihm genutzt wird, um seine holde Morgana aus den Fängen des Bösewichts zu befreien. Einar ist es schließlich, der es als Erster in die exponierte Burg schafft. Die Kameraeinstellungen und Bildausschnitte können sich sehen lassen und das Gefühl kommt auf, dass den Schauspielern viel Raum bei der Darstellung ihrer Figuren gelassen wurde. Geschichtlich korrekt ist hier vieles nicht. Warum sprechen eigentlich alle dieselbe Sprache? Aber das muss es nicht sein, denn hier wird ein Tragödie auf Monumentalfilm fotografiert.

Die Wikinger (1958) Mediabook Review
Eric (Tony Curtis) und Strandläufer (Edric Connor) // © Capelight Pictures

Das Mediabook

Die Wikinger (1958) Mediabook Review
Das Cover vom Mediabook © Capelight

Allein schon die Haptik des Mediabooks lässt Sammlern von Filmklassikern die Scheine aus dem Geldbeutel schweben. Das Cover, vorn wie hinten, zeigt alte gemalte Kinoposter auf einem mattem Einband. Die Angst Fingerabdrücke zu hinterlassen ist bei Erstkontakt hinfort und ein liebevoll gestaltetes Booklet mit alten Promofotos und einem lesenswerten Text von Nicolai Bühnemann verlängert den Filmabend unweigerlich. Die Tonqualität der deutschen Synchronisation ist hervorragend und nur in einer Szene wird einem, bei sicherlich sehr schlechten Quelldaten, bewusst, dass der Film 60 Jahre alt ist. Die Restauration des Bilds ist kontrastreich, scharf und lässt die Landschaftsaufnahmen des Hardangerfjord in Norwegen und Lim Fjord in Kroatien im eigenen Wohnzimmer erstrahlen. Besonders schön findet man als ehemaliger Filmvorführer, dass die Akt-Markierungen, alle haben bei FIGHT CLUB sicherlich gut aufgepasst, belassen wurden. Somit ist immer für etwas Nostalgie-Flair gesorgt. Eine halbstündige Doku mit Bildern vom Dreh als Bonusmaterial runden dieses Paket perfekt ab. Man wird einfach nicht müde Capelight mal wieder Bestnoten für diese Veröffentlichung zu geben.

Fazit

DIE WIKINGER macht trotz seines Alters von 60 Jahren immer noch Spaß. Vielleicht schläft mancher bei dem etwas zähen Sturm auf die Burg zum Ende hin doch ein, aber jener wird hoffentlich zum spektakulären Endkampf wieder wach werden, denn dieser kann sich sehen lassen. Monumentalfilm in feinster Konzentration mit Starbesetzung.

TitelDie Wikinger (1958)
OT: The Vikings
RegisseurRichard Fleischer
Poster
Releaseab dem 01.03.19 im Mediabook (2-Disc Limited Collector's Edition)
Bei Amazon kaufen:
Trailer
BesetzungKirk Douglas (Einar)
Tony Curtis (Eric)
Ernest Borgnine (Ragnar)
Janet Leigh (Morgana)
James Donald (Egbert)
Alexander Knox (Vater Godwin)
Maxine Audley (Enid)
Frank Thring (Aella)
LiteraturvorlageNach dem gleichnamigen Roman von Edison Marshall
DrehbuchCalder Willingham
MusikMario Nascimbene
KameraJack Cardiff
SchnittElmo Williams
Technische DatenBlu-ray und DVD
Bildformat: 2,39:1 (HD 1080p)
Tonformat: Deutsch & Englisch (PCM 2.0 Mono)
Filmlänge116 min
AltersfreigabeAb 16 Jahren freigegeben

 

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.