Die Frau, die vorausgeht (2017) Review

Die Frau, die vorausgeht (2017) – Filmkritik

„Die Wiederholung der Ungerechtigkeit“

Inhalt

So gut wie gar keine Rechte hatten Frauen in den USA Ende des 19. Jahrhunderts. Selbst im „liberal-modernen“ New York, verlor frau das gesellschaftliche Ansehen, wenn der Ehemann starb. So erging es auch Catherine Weldon, die sich als Auftragsmalerin für Portraits einen Namen machte. Als ihr Mann starb, wurde sie nur durch das Vermögen ihrer Familie vor dem Identitätsverlust bewahrt. Catherine ruhte sich jedoch nicht darauf aus, sondern sah es als einen Befreiungsschlag und reiste dorthin, wo die Ungerechtigkeit an Menschen noch viel größer war: Der Wilde Westen. Dort kämpften indianische Aufständige gegen die Gier der US-amerikanischen Regierung und die Greuel des Militärs. Mit dem simplen Wunsch, ein Portrait vom Anführer der indianischen Widerstandsbewegung Sitting Bull zu machen, wurde ihre Aufgabe doch größer als gedacht.

Sitting Bull (Michael Greyeyes) und Catherine Weldon (Jessica Chastain) // © Tobis Film

Darsteller

DIE FRAU, DIE VORAUSGEHT ist eine einfache Geschichte über eine moderne Frau, die nur als Randnotiz in den amerikanischen Geschichtsbüchern vorkommt: Catherine Weldon. Sie wird gespielt von Jessica Chastain (MOLLYS GAME, DIE ERFINDUNG DER WAHRHEIT), die ihre Rolle zu Beginn aus einer Mischung naivem Muts und politischem Eifer anlegt. Bei dem Empfang in der Prärie, der ihr hier zuteilwird, hätten die meisten den nächsten Zug zurück in die sichere Großstadt genommen und sich im wohligen Bett verkrochen. Aber nicht Catherine, sie trotzt den herablassenden Blicken der Männer, den Schlägen von Indianerhassern und bietet der Ungerechtigkeit an den amerikanischen Ureinwohnern stets die Stirn.

James McLaughlin (Ciarán Hinds) // © Tobis Film

Symbolisch wird es zu einem simplen Wunsch, ein Portrait von Sitting Bull (Michael Greyeyes) zu malen. Aber dadurch macht sie den Häuptling zu einer wichtigen geschichtsträchtigen Ikone, was die Regierung, die die Reservate der verblieben indianischen Stämme noch weiter verkleinern will, gar nicht gern sieht. Als ihr Konterfei tritt Sam Rockwell (THREE BILLBOARDS OUTSIDE EBBING MISSOURI, VICE) als Silas Groves gegen sie an. Rockwell bringt hier genau die richtige Bipolarität der Figur ins Spiel. Eigentlich um das Wohl von Catherine besorgt, fährt er sämtliche Geschütze auf, um sie zum Rückzug zu bringen. Schwer vorstellbar, dass hier ein anderer als Rockwell es so hätte auf die Spitze treiben können.

Silas Groves (Sam Rockwell) und Catherine Weldon (Jessica Chastain) // © Tobis Film

Geschichte nebenbei

Die Regisseurin Susanna White (PARADE`S END) und der Drehbuchautor Steven Knight (PEAKY BLINDERS, NO TURNING BACK) haben sich ganz bewusst abseits gängiger Western-Klischees gehalten. Die Szenerie und die weiten, bildschönen Landschaftsaufnahmen zeigen klar, dass man sich im Wilden Westen befindet, aber die Geschichte folgt so gar nicht den bekannten Genre-Traditionen. Zuallererst hält sich das Drehbuch kaum an geschichtliche Fakten – die echte Weldon heißt zum Bespiel Caroline mit Vornamen (Wikipedia) – und die großen Schlachten werden nur als Fußnoten genannt. Vielmehr lebt DIE FRAU, DIE VORAUSGEHT von den Erzählungen ihrer Figuren, den Geständnissen von Brutalität und Mord an Frauen und Kindern. In diesen Geschichten entsteht auch die Spannung zwischen den Beteiligten und zeigt den Kreislauf der Rache, welche keine Sieger kennt. Trotz der männlichen Übermacht, bleibt es ein Portrait einer starken Frau, die auch zu ihren Gefühlen steht.

Catherine Weldon (Jessica Chastain) // © Tobis Film

Susanna White bebildert zusammen mit dem Kameramann Mike Eley die Prärie farbenprächtig. Trotz der Dürre wird der Himmel in Landschaftsaufnahmen eingefangen, die einem Aquarell zu Grunde liegen könnten. In fast schon japanischer Anime-Art zeigen sie auch die tierischen Bewohner dieser Welt von dem Zirkuspferd Rico bis zu einer Heuschrecke am Bahnhof. Mit viel Feingefühl öffnen sie dadurch die Tür in eine Welt der noch unberührten Natur, wo der Mensch noch ein Fremdkörper ist.

Chief (Ben Black Bear) und Silas Groves (Sam Rockwell) // © Tobis Film

Fazit

DIE FRAU, DIE VORAUSGEHT ist kein Neo-Western der harten Sorte, sondern ein gefühlvoller Blick auf eine der ersten starken Bürgerrechtlerinnen der USA. Die Besetzung ist treffsicher gewählt und die Dialoge der Figuren weisen immer wieder auch auf aktuelle Gesellschaftsprobleme hin. Vor allem das wegweisende freundschaftliche und partnerschaftliche Verhältnis von Weldon und Sitting Bull wird stimmig herausgearbeitet. Ob dies nun der geschichtlichen Wahrheit entspricht, ist irrelevant, denn dieser Film ist ganz klar an das Publikum des 21. Jahrhunderts gerichtet.  Ein feiner Film, der dem Wilden Westen endlich wieder ein paar liebevolle Momente abgewinnt, auch wenn die Geschichte zum Ende ihre traurigen Fakten offenbart.

Die Blu-ray

Das Cover der Blu-ray © Tobis Film

DIE FRAU, DIE VORAUSGEHT sollte man auf jeden Fall in HD auf Blu-ray sehen. Die Landschaftsaufnahmen kommen hier richtig zur Geltung. Der Ton in 5.1 in Englisch und Deutsch ist stimmig abgemischt. Nur die Extras fallen mit ein paar Mini-Interviews leider sehr kurz aus. Ein paar geschichtliche Informationen hätte so mancher Zuschauer gern nach Filmende noch gesehen, da muss man dann doch zu Wikipedia greifen.

Titel, Cast und CrewDie Frau, die voraus geht (2017)
Poster

Release
ab dem 07.12.2018 auf Blu-ray erhältlich
Bei Amazon kaufen
RegisseurSusanna White
Trailer
DarstellerJessica Chastain (Catherine Weldon)
Sam Rockwell (Silas Groves)
Michael Greyeyes (Sitting Bull)
Ciarán Hinds (James Mc Laughlin)
Bill Camp (General Crook)
DrehbuchSteven Knight
MusikGeorge Fenton
KameraMike Eley
SchnittSteven Rosenblum
Lucia Zucchetti
Filmlänge99 Minuten
FSKab 12 Jahren

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