Die besten Horrorfilme der 80er Jahre | Platz 16 – 30

Die besten/wichtigsten Horror-Filme der Jahre 1980 – 1989:

Willkommen zu einer neuen Folge unserer immer größer werdenden „Best-of-Reihe“ der Horrorfilme. Diesmal hat es ein wenig länger gedauert, aber, ihr werdet es beim Lesen sicher bemerken, der Umfang ist noch gewaltiger geworden. Die 1980er-Jahre halten eine gigantische Auswahl an Filmen aller Art bereit, was etwas mehr an Zeit erforderte diese Unmengen zu sichten, zu bewerten und natürlich auch zu verarbeiten. Erneut ist mein Kollege Stefan Jung (SJ) mit an Bord und bereichert dieses Projekt mit seinen präzisen Diagnosen und spannenden, wie auch unterhaltsamen Texten. Außerdem begrüßen wir Andreas Ullrich (AU), ebenfalls aus unserer Fluxkompensator-Redaktion.

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Geschichtliches

Die Jahre 1980 bis 1989 waren ein Jahrzehnt der Konflikte, aber auch des Fortschritts. Vor allem prägte dieses Jahrzehnt die rasante Entwicklung in der Computertechnologie, die nach und nach immer größeren Einfluss auf alle Bereiche unseres täglichen Lebens erlangte. Sowjetische Truppen sind Ende Dezember 1979 in Afghanistan einmarschiert und der erste Golfkrieg zwischen Iran und Irak beginnt 1980. Das steigende Umweltbewusstsein der Bevölkerung, vor allem in Europa, hat zur Folge, dass grüne Parteien wie Pilze aus dem Boden schießen und ab sofort in der Politik mitmischen.

Am 12. April 1981 startet das Space-Shuttle-Programm der NASA mit dem Flug der USS Columbia. Vom 2. April bis zum 20. Juni 1982 findet der Falklandkrieg statt. 1980 wird Ronald Reagan zum US-Präsidenten gewählt, während 1985 Michail Gorbatschow Generalsekretär der KPdSU wird. Er wird im Laufe der nächsten Jahre einen Wandlungsprozess in der Sowjetunion einleiten, an dessen Ende ihr Zerfall steht. 1986 wird die USA von dem Challenger-Unglück erschüttert. Nur 73 Sekunden nach dem Start explodiert die Raumfähre USS Challenger und alle sieben Besatzungsmitglieder sterben. Die Tragödie war auch gleichzeitig das Ende des ehrgeizigen NASA-Shuttle-Programms. 1989 wird George H. W. Bush zum neuen Präsidenten der USA gewählt, in China finden Studentenproteste statt, die im Massaker auf dem Platz des Himmlischen Friedens enden. Im September öffnet Ungarn den Eisernen Vorhang und tausende DDR-Bürger strömen in den Westen, bis am 9. November die Berliner Mauer fällt. Computerspiele und Spielkonsolen kommen auf den Markt, wie z. B. der Atari 2600 oder auch der Nintendo Game Boy. Plötzlich gibt es Anrufbeantworter, Mikrowellenherde und sogar Videorekorder. Aber auch McDonald’s und Burger King starteten durch, ebenso die BMX-Räder oder auch Rubiks Zauberwürfel.

Film und Fernsehen der 1980er-Jahre

Was hatte aber der Film in diesen Jahren zu bieten? Beginnen wollen wir mit dem Fernsehen, das sich in erneut merklich veränderte. 1983 kamen DIE DORNENVÖGEL (THE DORN BIRDS), 1987 FACKELN IM STURM (NORTH AND SOUTH) im Programm und auch die deutsche Seifenoper LINDENSTRASSE startete in diesem Jahr. 1988 begann die Serie ALF, während DAS A-TEAM schon 1987 über die Bildschirme flackerte. 1983 startete EIN COLT FÜR ALLE FÄLLE (THE FALL GUY) und ein Jahr später kam MAGNUM hinzu. Ebenfalls erwähnen muss ich wohl die Seifenoper DALLAS, die waren zwar schon seit 1978 unterwegs, aber nur in den USA. Erst drei Jahre später schafften die Serie den Sprung auf die deutschen TVs. Ab 1985 wurde der KNIGHT RIDER in Deutschland aktiv. Aber es gab noch viele weitere Kult-Serien, die bis heute nichts von ihrem Charme und ihrer Faszination verloren haben.

Ebenso florierte das Kino mit zahlreichen großartigen Filmen und sorgte für reichlich Abwechslung, was ich hier jedoch leider nicht alle erwähnen kann. Daher möchte ich mich nur auf ein paar der wichtigsten Spielfilme beschränken: Starten wir mit 1980, denn da kam die lang erwartete Fortsetzung von STAR WARS in die Kinos: DAS IMPERIUM SCHLÄGT ZURÜCK (STAR WARS: EPISODE V – THE EMPIRE STRIKES BACK). Im selben Jahr wurde auch die actionreiche Musical-Komödie BLUES BROTHERS von John Landis gezeigt, die schnell zu Kultfilm avancierte. Ein Jahr darauf begannen Harrison Ford und Steven Spielberg ihre Indiana-Jones-Reihe mit JÄGER DES VERLORENEN SCHATZES (RAIDERS OF THE LOST ARK). Doch auch in Deutschland gab es einen herausragenden Film: Wolfgang Petersens DAS BOOT.

1982 schaffte Sylvester Stallone den endgültigen Durchbruch mit RAMBO (FIRST BLOOD), im selben Jahr kehrte auch die Besatzung der USS Enterprise mit STAR TREK II: DER ZORN DES KHAN (STAR TREK II: THE WRATH OF KHAN) zurück in die Kinos. Ebenfalls 1982, floppte ein Film an den Kinokassen, der heute zum ganz großen Klassiker gereift ist und aus dem Science-Fiction-Genre nicht mehr wegzudenken: Ridley Scotts BLADE RUNNER. Der Grund für den Flop war zum einen, dass viele einen Actionfilm erwartet haben und kein existenzphilosophisches Werk und zum anderen der Start von Steven Spielbergs E.T. – DER AUSSERIRDISCHE (E.T. THE EXTRA-TERRESTRIAL). Die Kinozuschauer waren auf nette Außerirdische programmiert.

© 1982 – Warner Bros. Entertainment

Ebenfalls 1982 erschien mit TRON der erste Spielfilm, der längere computergenerierte Passagen zu bieten hatte. 1983 war auch das Jahr der Tänzer mit FLASHDANCE, etwas später, 1987, sollte DIRTY DANCING in die Geschichtsbücher folgen. 1983 gab es einen weiteren sehenswerten und sehr außergewöhnlichen Science-Fiction-Film zu sehen, der auf den Namen PROJEKT BRAINSTORM (BRAINSTORM) hört. Ein Jahr später packten die Kiwis in Neuseeland eine Dystopie aus, die es in sich hatte: THE QUIET EARTH – DAS LETZTE EXPERIMENT. Ein absolutes Meisterwerk legte James Cameron 1989 mit ABYSS – ABGRUND DES TODES (THE ABYSS) vor. Cameron hatte ja bereits 1984 mit „I’ll be back“ TERMINATOR einen Mega-Hit, der Arnold Schwarzenegger zum Durchbruch in Hollywood verhalf. Überhaupt waren die 1980er für Schwarzenegger sehr lukrativ, weitere Hits sind bis heute z. B. PHANTOM KOMMANDO (COMMANDO, 1985), RUNNING MAN (1987), RED HEAT (1988) und natürlich nicht zu vergessen PREDATOR (1987).

Aber auch Komödien hatten in den 80ern Hochkonjunktur, wie z. B. DER SINN DES LEBENS (THE MEANING OF LIFE, 1983) der britischen Komikertruppe Monthy Python. Ein Jahr darauf stürmten die GHOSTBUSTERS – DIE GEISTERJÄGER das Kino. 1985 begann eine weitere Kult-Reihe mit ZURÜCK IN DIE ZUKUNFT (BACK TO THE FUTURE), aus der ein ganz besonderes Gerät unseren Chefredakteur Christoph zum Namen dieses Blogs inspirierte. Noch ein Jahr weiter kam ein kleiner Kerl ganz groß raus: Tom Cruise mit TOP GUN – SIE FÜRCHTEN WEDER TOD NOCH TEUFEL. Im gleichen Jahr landete Christopher Lambert einen Kult-Hit mit dem Fantasyfilm HIGHLANDER – ES KANN NUR EINEN GEBEN und einem überragenden Sean Connery an seiner Seite. David Lynch legte im selben Jahr mit BLUE VELVET sein neuestes Meisterwerk vor, ebenso punktete Oliver Stone mit seinem PLATOON an den Kinokassen. Wo wir gerade bei Vietnam-Kriegsfilmen sind: Stanley Kubrick präsentierte 1987 sein Antikriegsdrama FULL METAL JACKET, der wie bei jedem seiner Filme, für ordentlich Wirbel bei Kritikern und Publikum sorgte. Im selben Jahr begann mit dem Buddy-Action-Film LETHAL WEAPON – ZWEI STAHLHARTE PROFIS für Mel Gibson und seinem Partner Danny Glover eine sehr erfolgreiche wie auch beliebte Film-Reihe, die es auf insgesamt vier Teile brachte. Die Geburt eines neuen Action-Helden konnten wir schlussendlich im Jahre 1988 mit STIRB LANGSAM (DIE HARD) erleben, die es bis jetzt auf ganze fünf Filme brachte, ein Ende ist noch nicht in Sicht. Über Nacht wurde der bis dahin unbekannte Bruce Willis ein gefeierter Star neben den berühmten Helden des Fachs wie Arnold Schwarzenegger, Sylvester Stallone oder auch Chuck Norris.

Italien und der Horrorfilm

Nun lasst uns zu unseren Nachbarn aus dem Stiefelland blicken, denn dort tat sich auch einiges in der Filmlandschaft: Nachdem in Amerika die beiden sehr erfolgreichen Vietnam-Dramen DIE DURCH DIE HÖLLE GEHEN (THE DEER HUNTER, 1978) und APOCALYPSE NOW (1979) hohe Gewinne einfuhren, hatten unsere italienischen Freunde ihr neuestes Spielfeld gefunden: Der Vietnamkrieg. Den Startschuss setzte Antonio Margheriti mit JÄGER DER APOKALYPSE (L’ULTIMO CACCAIATORE, 1980). Das besondere an diesen Produktionen war, dass Italien politisch nichts mit dem Krieg in dem asiatischen Land zu schaffen hatte. Somit mussten die Drehbuchschreiber und Regisseure alle Informationen für ihre Filme über die offiziellen Medien, wie Zeitungen und Nachrichtensendungen oder den amerikanischen Produktionen, einholen.

Ein weiteres Genre öffnete sich Anfang der 80er für unsere kopierfreudigen Nachbarn mit dem amerikanischen Mega-Fantasy-Action-Spektakel CONAN (CONAN THE BARBARIAN, 1982) und einem grandiosen Arnold Schwarzenegger. Eigentlich war es eher ein Wiederbeleben, denn in Italien war der Sandalenfilm schon länger zu Hause, nur war er in den letzten Jahren in einen Dornröschen-Schlaf gefallen. Doch Arnie weckte nicht nur das Bodybuilding-Fieber weltweit, sondern auch die alten Sandalenkrieger in ihren Gräbern mit einer massiven Explosion aus Stahl und Muskeln. Das hatte zur Folge, dass Filme wie ATOR – HERR DES FEUEERS (ATOR L’INVINCIBILE, 1982), CONQUEST (1983), DER TODESJÄGER (DEATHSTALKER, 1983) oder auch DIE BARBAREN (THE BARBARIANS, 1987) erneut die Kinos und Videotheken überschwemmte.

Dagegen war der Horror-Film in Italien am Ende der Fahnenstange angelangt. Die letzten Zombies torkelten zum Ende des Jahrzehnts verzweifelt über die Leinwände, doch ihre Opfer wurden immer spärlicher. Zu Beginn der 80er kamen trotz alledem noch einige wichtige Werke wie Lucio Fulcis EIN ZOMBIE HING AM GLOCKENSEIL (PAURA NELLA CITTÀ DEI MORTI VIVENTI, 1980) oder dessen visionärer ÜBER DEM JENSEITS (L’ALDILÀ, 1981), unserem Platz 6 in der vorliegenden Liste. Ebenso erwischte es den Kannibalen-Film, dem ebenfalls die Luft ausging. Die Abschiedstournee der italienischen Zombies ist am besten an ZOMBIE 3 (BANNED, 1988), wie auch ZOMBIE IV – DAS BÖSE IST WIEDER DA (OLTRE LA MORTE) zu bestaunen, die in keiner Minute mehr an die vorherigen Highlights anknüpfen konnten oder den äußerst skurrilen DR. PORNO UND SEIN SATANSZOMBIE (LA BIMBA DI SATANA) von 1982. Nicht nur der Titel ist schräg, der Film noch schräger. Aber wie das immer so ist, selbst am Ende erscheinen noch einige echte Perlen. Einer davon ist der 1986 veröffentlichte Film von Lamberto Bava, DÄMONEN 2 (DÈMONI), mit Produktions-Unterstützung von Dario Argento. Der Film vereint noch einmal all das, was in den letzten Jahren Italien so berühmt und beliebt gemacht hatte.

ZEDER (1983)

Gerade in diesen schlechten Zeiten inszenierte ein weiterer interessanter Regisseur einen sehr außergewöhnlichen Zombie-Film, der eigentlich kein echter Zombie ist: Der Name des Regisseurs ist Pupi Avati, der Film ZEDER – DENN TOTE KEHREN WIEDER (ZEDER, 1983). Das Auffallende an der Produktion ist, dass der Film fast gänzlich auf Blut und Splatter, verzichtet und das bei einer italienischen Produktion wohlgemerkt. Regisseur Pupi Avati schafft es, in stimmungsvollen Bildern eine unheimliche Atmosphäre zu erzeugen, die einen selbst nach dem Ende nicht so schnell loslässt. Das Thema sind die sogenannten K-Zonen. Ein Toter, der in diesen speziellen K-Zonen vergraben wird, kommt nach kurzer Zeit als lebender Toter, Zombie (!), zurück. Nur viel stärker, äußerst zornig und vor allem sehr blutdurstig gegenüber seinen lebenden Kollegen. Warum erzähle ich das jetzt alles? Weil sich sofort einige Leser an Mary Lamberts Stephen King Verfilmung FRIEDHOF DER KUSCHELTIERE (PET SEMATARY, 1989) erinnern werden. Wobei die beiden Filme auch vom Inhalt noch einige weitere Gemeinsamkeiten haben. Wer jetzt bei wem abgeguckt hat und ob überhaupt, ist nicht überliefert.

AQUARIUS (1987)

Ein weiterer interessanter Regisseur ist Michele Soavi, Schüler von Dario Argento, der leider erst zum Ende der 1980er-Jahre auf der Bühne erschien und mit seinem Giallo-Slasher AQUARIUS – THEATER DES TODES (DELIRIA, 1987) aufhorchen ließ. Man merkte dem Streifen zwar noch die Handschrift seines Meisters an, doch auch viel Neues und Innovatives war darin zu entdecken. Doch schon sein nächstes Werk zeigte welche Qualitäten wirklich in diesem jungen Regisseur steckten: THE CHURCH (LA CHIESA, 1989). In einigen Ländern wurde er auch als DÄMONEN 3 vertrieben, hat jedoch nicht das geringste mit den beiden Filmen zu tun. Soavi zeigt uns hier einen bösen Ort, eine Kirche. Dass eine Kirche einem Herrn gehört ist klar, doch die Frage ist, welchem Herrn? Wie auch schon in seinem Erstling AQUARIUS lässt Soavi erneut seine Darsteller einschließen und mit grauenhaften Geschehnissen konfrontieren. Hier habe ich noch einen letzten sehr kuriosen Beitrag aus Frankreich zum Thema Zombies: Die RACHE DER ZOMBIES (LA REVANCHE DES MORTES VIVANTES, 1987) auch bekannt unter dem Titel DIE RACHE DER LEBENDEN TOTEN. Erst vor kurzem ist mir der Film durch Zufall in die Hände gefallen. Regisseur Pierre B. Reinhard feuerte mit diesem Teil einen sehr abgedrehten und verrückten Film in den sterbenden Zombie-Markt. Wer schon immer mal Zombies (sind eigentlich nur drei) sehen wollte, die mit Auto fahren, Menschen entführen, Frauen vergewaltigen und sich auch verstecken, ist hier genau richtig. Viel nackte Haut zwischen Friedhöfen und Tod, einfach ansehen und staunen.

Geheimtipps

Zwei weitere, ganz besondere Filme dürfen nicht unerwähnt bleiben. Zum einen gehören beide zu den vergessenen Perlen des Horror-Genres, zum anderen haben sie es geschafft, bis in die heutige Zeit Filmemacher zu inspirieren. Der erste Film heißt ANGST aus dem Jahre 1983 und ist aus Österreich. Ein Film, der viele heftige Diskussionen und Verbote auslöste. ANGST schockiert, verstört, entsetzt und am Ende spuckt er den Rezipienten sprachlos aus dem Kino und jagt ihn raus auf die Straße ins grelle Sonnenlicht. Regisseur Gerald Kargl erschuf mit seinem polnischen Kameramann Zbigniew Rybcyǹski und seinem Hauptdarsteller Erwin Leder einen Film, der einem noch lange im Gedächtnis haften bleibt. Gefilmt wie eine Dokumentation, aber die Story ist ein wilder Tanz im Drogenrausch. Eine Mischung aus psychotischem Wahnsinn, brutal sadistischen Morden und Horror-Momenten ohne Atempause. Die Geschichte basiert übrigens lose auf den echten Serienmörder Werner Kniesek aus Salzburg.

Der zweite Film ist die niederländische, französische und deutsche Koproduktion SPURLOS VERSCHWUNDEN aka THE VANISHING (SPOORLOOS, 1988) – ein Film von unglaublicher Konsequenz, Direktheit und Brutalität. Hier mordet kein axtschwingender Psychopath wie Jason Voorhees oder der unheimliche Michael Myers. Nein, hier bekommen wir es mit einem ganz normalen Menschen von nebenan zu tun. Ein Ehemann und Familienvater, aber nicht, weil er psychisch gestört ist. Ganz im Gegenteil, der Mann ist intelligent und lehrt an einer französischen Universität Chemie. Aber warum macht er das, was er macht? Er macht es, weil er davon besessen ist, den perfekten Mord zu begehen, das perfekte Verbrechen. In eindringlichen Bildern zeigt uns Regisseur George Sluizer den Ablauf dieser unglaublichen Tat. Auch wenn der Film sich über weite Strecken in das Gewand eines echten Psychothrillers hüllt, ist die Auflösung in der Schlussszene der blanke Horror.

Die Slasher

Noch ein abschließendes Wort zu den Slashern: Die starteten bekanntlich mit John Carpenters HALLOWEEN (1978) und Sean S. Cunninghams FREITAG DER 13. (FRIDAY THE 13TH, 1980) so richtig durch. Die hier beginnende Slasher-Welle hat dermaßen viele gute, wie auch jede Menge schlechter Filme vorzuweisen und würde einfach den Rahmen sprengen. Nur einige wenige möchte ich noch namentlich erwähnen: PROM NIGHT (1980), MONSTER IM NACHTEXPRESS (TERROR TRAIN, 1980), BRENNENDE RACHE (THE BURNING, 1981), DIE FORKE DES TODES (THE PROWLER, 1981), VOR MORGENGRAUEN (JUST BEFORE DAWN, 1981), MADMAN (1981), HUMONGOUS (1982) oder ANGST – DAS CAMP DES SCHRECKENS (THE FINAL TERROR, 1983). Die SLEEPAWAY-CAMP-Trilogie oder auch der schlechte THE LAST SLUMBER PARTY (1988) wären auch solch zweifelhafte Kandidaten.

PROM NIGHT (1980)

Für eine wohltuende Abwechslung vom ganzen Geschnetzelten sorgten zum Teil kuriose wie auch witzige Produktionen. Als Beispiel möchte ich hier nur zwei Titel aufführen: Zum einen wäre da HELL NIGHT (1981) mit Linda Blair, zum anderen DIE HORROR-PARTY (APRIL FOOL’S DAY, 1986). Beide ziehen den Slasher ordentlich durch den Kakao und lassen auch ein breites Grinsen beim Zuschauer zurück. Vor allem haben sie diesen „Ich dachte mir so etwas, war mir aber nie so ganz sicher“-Twist am Ende.

Eine Mischung aus Slasher und Giallo bietet der italienische DER NEW YORK RIPPER (LO SQUARTATORE DI NEW YORK, 1982) von Lucio Fulci. Eine interessante Alternative zum 08/15-Slasher bringt uns THE BOOGEY MAN (1980). Sehr sehenswert ist auch die Mischung, die uns Brian De Palma mit DRESSED TO KILL (1980) anbietet. Ein mörderisch guter Mix aus Slasher und italienischem Giallo. In der HALLOWEEN-Serie gibt es einen Film, der immer wieder zu heftigen Diskussionen führte und führt: HALLOWEEN 3 – SEASON OF THE WITCH (1982). Grund für die Diskussionen ist, dass hier kein Michael Myers den mörderischen Killer spielt. Es geht um einen Spielzeughersteller, der die Welt ins Chaos stürzen will. Ja, richtig gelesen. HALLOWEEN 3 hat eine packende Story und Spannung von der ersten Minute an, ein Geheimtipp. Hintergrund der komplett anderen Story ist, dass ursprünglich geplant war, die HALLOWEEN-Serie jedes Jahr mit einem neuen Thema zu erweitern. Doch der enorme Erfolg, den der Mörder Michael einfuhr, warf die Planungen der Produzenten komplett über den Haufen. Übrig blieb, zu Unrecht, das von vielen ungeliebte Kind HALLOWEEN 3. (SF)

Wie immer so auch diesmal wieder: Die nachfolgende Liste erhebt keinerlei Anspruch auf Vollständigkeit, sie soll lediglich anhand der wichtigsten Filme die Entwicklung des Horrorfilmes verdeutlichen. Zudem ist die Reihenfolge nicht zwingend als „in Stein gemeißelt“ zu verstehen.

Die Plätze 30 – 16

Platz 30: NIGHTMARE – MÖRDERISCHE TRÄUME (A NIGHTMARE ON ELM STREET, 1984)

Im Jahre 1984 wurde aus dem bekannten Serienmörder-Duo Michael Myers und Jason Voorhees ein Trio, denn Freddy Krueger betrat die große Bühne. Egal was ich von Wes Craven halte oder nicht, ich muss ihm zugutehalten, dass er mit NIGHTMARE einen anderen, einen neuen Typus von Übernatürlichem-Killer in den hart umkämpften Ring schickte, genau zur richtigen Zeit. Die neue coole Generation von Jugendlichen, die gerade heranwuchs, hatte sich von Michael und Jason schon so weit entfernt, dass sie mit den beiden nur noch wenig anfangen konnten. Für sie waren es bereits angestaubte Relikte aus einer vorangangenen Zeit. Es war der Beginn einer neuen Ära und Freddy passte da hinein wie die Faust aufs Auge.

Aber zurück zu NIGHTMARE: Alles beginnt mit dem Alptraum der jungen Tina Grey (Amanda Wyss). Sie befindet sich in einem dunklen Heizungskeller und wird von einer Gestalt gejagt, die an der rechten Hand einen Handschuh mit Klingen an jedem Finger trägt. Am nächsten Tag erzählt ihre beste Freundin, Nancy Thompson (Heather Langenkamp), dass sie den gleichen Traum hatte. Sie beschließen, die nächste Nacht zusammen in Tinas Zimmer zu verbringen, Nancy bringt zusätzlich noch ihren Freund Glen Lantz (Johnny Depp) mit. Tinas Freund Rod Lane (Nick Corri) ist ebenfalls anwesend und überzeugt Tina davon, im Zimmer ihrer Mutter zu übernachten. Rod bleibt bei ihr, um sie zu bewachen, doch als Tina im Traum der unheimlichen Gestalt erneut begegnet, bezahlt sie diese Begegnung mit ihrem Leben. Rod, der weiterhin wach ist, sieht nur einen wilden Kampf von Tina gegen etwas Unsichtbares. Entsetzt flieht er aus dem Haus, wird aber kurz darauf von der Polizei verhaftet. Nancy hat unterdessen weiterhin diese Alpträume, aber niemand will ihr glauben, selbst die Eltern zweifeln an ihre Aussage. Unterdessen kommt der Killer in den Träumen unaufhaltsam näher.

Das faszinierende Element des Filmes ist der Punkt, dass die Morde im Schlaf geschehen. Bisher war der Schlaf immer Tabu, höchstens mal ein kleiner Alptraum, aber nichts Lebensgefährliches. Doch plötzlich ist auch der Schlaf infiziert vom Angriff des Killers, oder anders gesagt: Der Traum ist das Medium, mit dem der Killer sich den Zutritt zu seinen Opfern verschafft. Freddy Krueger als Inkarnation all unserer schlimmsten Alpträume, die jetzt zur echten Gefahr werden. Jede Verletzung, jeder Tod, ist gleichbedeutend mit dem Tod oder einer Verletzung in der realen Welt. Irgendwann muss jeder mal schlafen, das war das Beängstigende an der Sache. Ansonsten schafft es der Film nicht, die kleinen Hürden des Standard-Slashers zu überspringen, lediglich die Inszenierung von Freddy zeugt noch von Inspiration. Der Film verliert sich in der Präsentation von nervigen und verwöhnten Teenagern aus der üblichen US-Vorstadt, also nichts Revolutionäres oder außergewöhnlich Neues. Mit NIGHTMARE schaffte Robert Englund als Freddy Krueger seinen späten Durchbruch und Johnny Depp hatte einen ersten Eintrag im großen Buch der Hollywood-Filme. Wie das bei erfolgreichen Filmen mittlerweile so üblich ist, gab es im Anschluss zahlreiche Fortsetzungen von zum Teil doch unterirdischer Qualität. Alle Teile der Filmreihe. (SF)

Platz 29: TOT & BEGRABEN (DEAD & BURIED, 1981)

Gary Sherman, der Regisseur des Films, inszenierte mit TOT & BEGRABEN einen kleinen aber äußerst kurzweiligen Film, der mit seiner verrückten Story und einigen spannenden Twists zu überzeugen weiß. Der komplette Film wurde in Mendocino, nördlich von San Francisco, gedreht. Es liegt direkt an der Pazifikküste und ist heute als Künstlerkolonie bekannt. Darüber hinaus wurde hier im Jahre 1955 der Film JENSEITS VON EDEN (EAST OF EDEN) mit James Dean gedreht.

Sheriff Dan Gillis (James Farentino) sorgt in der Kleinstadt Potters Bluff für Ruhe und Ordnung. Doch plötzlich werden einige Neuankömmlinge in dem kleinen Ort tot aufgefunden und die Art und Weise der Todesfälle sind äußerst grausam wie auch mysteriös. Während Gillis die Morde untersucht, verschwindet auch seine Frau Janet (Melody Anderson) Nacht für Nacht aus ihrem Haus. Kurz darauf kollidiert der Sheriff bei einer Autofahrt mit einer ihm unbekannten Person, die aber schwerverletzt vom Unfallort flüchten kann. Trotz intensiver Suche ist der Unbekannte nicht mehr aufzufinden. Daraufhin lässt Gillis einige Hautreste, die sich noch am Unfallwagen befanden, untersuchen und macht eine schreckliche Entdeckung. Je weiter der Sheriff die seltsamen Fälle untersucht, desto unglaublicher wird das Ganze. Die Lösung dieses Rätsels scheint beim ortsansässigen Bestatter William G. Dobbs (Jack Albertson) zu liegen, aber auch Gillis eigene Frau Janet ist mit darin verwickelt.

Immer wieder wurde TOT & BEGRABEN vorgeworfen, dass seine Tötungsszenen unnötig grausam und äußerst sadistisch präsentiert sind. Wenn ich jedoch die Morde mit anderen Filmen aus der gleichen Zeit betrachte, wie etwas bei MANIAC, TANZ DER TEUFEL oder auch ÜBER DEM JENSEITS, kann ich diese Aussagen in keiner Weise nachvollziehen. Dan O’Bannon verfasste zusammen mit seinem langjährigen Freund Ronald Shusett das Drehbuch zu dem originellen Streifen. Bei dem Namen Dan O’Bannon, Freund und Studienkollege von John Carpenter, wird den meisten Lesern gleich ein Licht aufgehen, denn er verfasste unter anderem auch das Drehbuch zu Ridley Scotts Klassiker ALIEN – DAS UNHEIMLICHE WESEN AUS EINER FREMDEN WELT (1979), ebenfalls mit Ronald Shusett. Die beiden schrieben auch für Paul Verhoevens Science-Fiction Film DIE TOTALE ERINNERUNG (TOTAL RECALL, 1990) mit Arnold Schwarzenegger, das Drehbuch. (SF)

Platz 28: LAURIN (LAURIN, 1989)

Robert Sigls Schauer-Drama aus dem abschließenden Jahr der Dekade sei Euch lieben Lesern als subtile, stille Variante des Genres nahegelegt. Gedreht außerhalb von Studiokulissen und in auserlesenen Originalschauplätzen in Deutschland und Ungarn, umgarnt LAURIN den Zuschauer mit einem bemerkenswerten Gefühl von Authentizität. Ähnlich dem zwanzig Jahre jüngeren HAGAZUSSA (2017) ist das Herunterbrechen auf das Wesentliche essenzieller erzählerischer Bestandteil dieses Films.

Wir reisen zurück in eine erzählte Zeit (anno 1901), in der ein grundlegender Konflikt des Menschen mit seiner eigenen dunklen Seite formuliert wird, wobei die Natur und die Einfachheit der Dinge eine beeindruckende Ernsthaftigkeit des Erzählten vermitteln. Die junge Laurin (Dóra Szinetár) muss wiederholt miterleben, wie ihr Vater monatelang für die Arbeit auf See von zu Hause wegbleibt. Ein baldiges Unglück im engsten Familienkreis lässt die Gefühle des Mädchens für die dunkle Seite des Seins aufblühen. Den patriarchalen Strukturen trotzend, gibt sich Laurin den Stimmen des Jenseits hin, um gegen Ende hin die lange ersehnte Rache zu finden.

Dazwischen werden wir unaufgeregt und mit viel Gespür für das Alltägliche Zeugen der Zeit, die lange vergangen und bereits vergessen scheint, die jedoch erst zu Beginn des 20. Jahrhunderts spielt. Diese in gefühlvolle Bilder gefasste Zeitlosigkeit ist zuletzt das Bemerkenswerteste an Sigls Film. LAURIN ist somit gerade noch rechtzeitig einer der schönsten Horrorfilme der Dekade geworden. (SJ)

Platz 27: BLUTIGER VALENTINSTAG (MY BLOODY VALENTINE, 1981)

FREITAG DER 13. (FRIDAY THE 13th) hob den Teenie-Slasher anno 1980 auf eine ganz neue Stufe. Die offene, genüsslich zelebrierte Gewalt der Mordszenen brachte zwar keine neuen Erkenntnisse – dies wurde in diesem Ausmaß bereits in Filmen der 1970er durchexerziert – stellte sich aber als enorm publikumswirksam heraus, wodurch jährlich Fortsetzungen, Ableger und ähnlich gelagerte Titel erschienen. Das Credo „grausames Töten an (amerikanischen) Feiertagen“ durchzog die gesamten 1980er-Jahre. Carpenters HALLOWEEN etwa entstand ja noch im Herbst des New Hollywood, doch auch dessen Fortsetzungen nahmen erst ab 1981 ihren blutigen Lauf. So auch dieser Film – in der ungekürzten Version vielleicht der beste Vertreter seiner Zunft überhaupt.

20 Jahre nach einem Grubenunglück in der Kleinstadt Valentine Bluffs (sic!) traut man sich erstmals wieder, den Abend des Valentinstags feuchtfröhlich zu feiern. Bereits Tage zuvor werden Geschenke verteilt, herzförmige Pralinenschachteln versprechen Süßes. Doch auch ein unbekannter Gast mischt im Hintergrund mit – statt Schokolade packt er frisch geschlachtete Menschenherzen in die Packungen. Die Leute, auch die örtliche Polizei, geraten in Schockstarre. Vor 20 Jahren konnte bekanntlich nur einer die Gasexplosion im Grubenschacht überleben: es war Harry Warden, der sich sechs Wochen lang untertage von Menschenfleisch ernährte. Das Vergessen früherer Ereignisse scheint die Bewohner von Valentine Bluffs nun grausame Rache zu strafen.

MY BLOODY VALENTINE wurde, ähnlich wie die meisten Horrorfilme der 1980er, in den letzten Jahren neu verfilmt (2009, in 3D, auch recht brutal). Neben dem unstrittigen Qualitätsunterschied zwischen Original und Remake schaffte es MY BLOODY VALENTINE jedoch nie zu Fortsetzungen im eigentlichen Sinne. Das verwundert angesichts der Stärken des Originals etwas, doch hebt es diese – konzentriert in einem Film – umso deutlicher hervor. Zuletzt bleibt noch einmal der konkrete Verweis auf die unzensierte US-Fassung (unrated, 93 Min.), die für die damalige Kinoauswertung und das nötige R-Rating um ganze drei Minuten reiner Gewaltszenen zerhäckselt wurde. Die Morde ziehen sich entlang sehr gut gemachter Effekte durch den gesamten Film, alle zehn Minuten löscht der Spitzhacken-Schwinger jemandem das Lebenslicht auf bestialische Art und Weise aus. In dieser Form stellt MY BLOODY VALENTINE tatsächlich noch die frühen Auftritte eines Jason Voorhees in den Schatten. (SJ)

Platz 26: FREITAG, DER 13. TEIL 4 – DAS LETZTE KAPITEL (FRIDAY THE 13TH: THE FINAL CHAPTER, 1984)

Vorbemerkung: Dieser Teil wird als einziger der Reihe in unserer Liste genannt, dabei hätte man stellvertretend auch einen der ersten drei Teile nehmen können. Trotz des immer gleichbleibenden Zehn-kleine-Zappelmänner-Prinzips bezüglich der Mordopfer hat tatsächlich jeder Teil eine dezent eigene Richtung. So begeht im Original noch Jasons Mutter die Taten, während ihr verfluchter Spross ab Teil 2 selbst zur Tat schreiten darf. Während dieser in seinem ersten Auftritt noch eine Papiertüte über dem Kopf trägt, bedeckt erst ab Teil 3 die stilsichere Hockeymaske sein Antlitz. Die Morde (und Mordwaffen) waren schon im ersten Film sehr expressiv, aber mit seiner Machete im dritten Teil hatte sich Jason Voorhees endgültig zur Ikone des Horrorfilms emporgeschlagen. Auch wirkte Jason mit jedem Teil – auch später noch – physisch gewachsen, immer hünenhafter. Teil 4, der Abschluss der ursprünglichen Geschichte um den Killer am Crystal Lake, bietet eine Kulmination und interessante Reflexion seiner Ikonologie.

Zugegeben, die Morde sind ein Aufguss des dritten Teils, doch gerade gegen Ende hin mindestens so dynamisch inszeniert wie durch Steve Miner drei und zwei Jahre zuvor. Dabei gibt es bemerkenswerte Höhepunkte, die gar die Wesensart des Horrorfilms innerhalb des filmischen Mediums reflektieren. So ersticht Jason in diesem 4. Teil einmal ein Opfer, das sich direkt vor einer kleinen Leinwand befindet und zurück in das Licht des Filmprojektors blickt, der dank Filmriss einzig blendendes Weiß abstrahlt. Die Figur im Film wird so zusätzlich als solche inszeniert, als sie selbst illustriert. Der Stich, brutal und von hinten durch die Leinwand und das Gesicht des Opfers ist nicht weniger als der direkte Verweis darauf, dass das Grauen filmischen Ursprungs ist – und wenn man will auch mit einem gewissen 3D-Effekt (der beim Vorgängerteil auch durchgehend technisch realisiert wurde). Eine zweite Reflexion ist die Lagerfeuerszene als Prolog noch vor dem Vorspann, wenn die Plots der Vorgängerteile in Ausschnitten zusammengefasst werden und Jason durch die Stimme des Erzählers nachhaltig zur mythischen Figur erhoben wird. Doch die wohl entscheidende Nuance vermittelt die Figur des kleinen Tommy, gespielt von einem noch ganz jungen Corey Feldman.

Tommy spielt gerne mit Monstern, vor allem bastelt er sehr talentiert Masken (Maske und Effekte für den Film: Tom Savini). Seine Rolle scheint zunächst nebensächlich. Doch wenn er wenig später die lüsternen Teenager durchs Nachbarfenster beobachtet, wenn da der ganze pubertäre Voyeurismus, der gerade dieser Filmreihe stark anhaftet, derart offenkundig ausgestellt wird, dann identifiziert sich der Zuschauer bereits stärker mit ihm als mit jeglichem Futter für den Fleischwolf. Das ist filmisch tatsächlich gekonnt inszeniert, hinter Tommy als kindlicher Figur verbergen sich Seh(n)süchte, Spieltriebe und zuletzt die Kunst der Maskerade selbst – ein Thema, das bereits die Macher früherer Mörder-Meisterwerke faszinierte und in einigen einschlägigen Killern der 1980er nun seinen Höhepunkt erreichte. Dieser Film ist diesbezüglich sehr relevant und gehört in die Riege der Empfehlungen. (Die ungekürzte Fassung ist seit 2018 nun auch von der FSK mit „keine Jugendfreigabe“ geprüft und offiziell erhältlich.) Regie führte übrigens Joseph Zito, der zuvor bereits mit BLOODRAGE (1979) und DIE FORKE DES TODES (THE PROWLER, 1981) zwei recht zünftige Vertreter inszeniert hatte. (SJ)

Platz 25: HITCHER, DER HIGHWAY KILLER (THE HITCHER, 1985)

Als Kinder werden wir immer gewarnt: sprich nie mit einem Fremden! Später kommt dann noch hinzu: nimm niemals eine dir fremde Person im Auto mit! Doch wie das ebenso ist mit Verboten und gut gemeinten Ratschlägen…

Jim Halsey (C. Thomas Howell) ist mit einem Wagen zwecks Überführung zwischen Chicago und San Diego unterwegs und kämpft schon geraumer Zeit gegen die Müdigkeit an. Als es auch noch zu regnen beginnt und er einen einsamen Anhalter am Straßenrand sieht, entschließt er sich kurzerhand, ihn mitzunehmen. Der Mann stellt sich als John Ryder (Rutger Hauer) vor, ist zu Beginn etwas zurückhaltend und wortkarg. Doch schon nach wenigen Minuten ist die Katze aus dem Sack und Halsey erfährt, warum man wirklich niemals Fremde mitnehmen sollte.

Regie-Neuling Robert Harmon liefert mit HITCHER einen Film ab, der einen zwiespältigen Eindruck bei den Zuschauern wie auch den Kritikern hinterließ. Zum einen ist HITCHER sehr gekonnt in Szene gesetzt und besticht durch atmosphärische Bilder wie auch Szenenfolgen. Auf der anderen Seite werden leider viele psychologisch spannende und interessante Momente für billige Schockeffekte geopfert. Von der ersten Sekunde seines Erscheinens zieht Rutger Hauer diesen Film an sich. Seine Präsenz ist in jeder Szene geradezu gewaltig und faszinierend zugleich. C. Thomas Howell als hoffnungslos überforderter Gegenspieler, bringt keinen Fuß auf den Boden, was in diesem Fall sogar gut zu seiner Rolle passt. Aber auch der Rest vom Cast bleibt relativ blass und spielt eher zurückhaltend. Das Skript von Eric Red ist auch nicht gerade der Weisheit letzter Schluss und krankt an allen Ecken und Enden dahingehend, dass der Plot vorhersehbar ist. Kann man über diese Mängel hinwegsehen, bietet HITCHER alles in allem immer noch recht gute Unterhaltung, allerdings nur in der Uncut-Version.

Robert Harmons Kameramann John Seale drehte im selben Jahr Peter Weirs packenden Thriller DER EINZIGE ZEUGE (WITNESS) mit Harrison Ford und Kelly McGillis. Rutger Hauer, bekannt durch viele herausragende Werke, verstarb leider im Alter von 75 Jahren nach kurzer Krankheit im Juli 2019. Die billige Version von HITCHER ist MIDNIGHT RIDE – DIE JAGD AUF DEN HIGHWAYKILLER (1990) mit dem US-Möchtegern-Ninja Michael Dudikoff als Polizist und dem schmalbrüstigen Jedi-Ritter Mark Hamill als Killer. In einer kleinen Rolle ist auch Altstar Robert Mitchum zu sehen. Aber Achtung: größtenteils kursiert bei uns nur die geschnittene Version, die um gut vier Minuten, gegenüber dem Original mit 93 Minuten, erleichtert wurde. (SF)

Platz 24: NEAR DARK – DIE NACHT HAT IHREN PREIS (NEAR DARK, 1987)

Eine zerbrochene Farmerfamilie im mittleren Westen der 1980er-Jahre. Der jugendliche Sohn entzieht sich seinem alleinerziehenden Vater und seiner kleinen Schwester durch eine Spritzfahrt in die Nacht. Dort landet er in den Armen einer geheimnisvollen jungen Frau und den todbringenden Fängen ihrer Ersatzfamilie. Für kurze Zeit wird er so zum blutdurstigen Mitglied einer mordenden Vampirbande. Doch das Schicksal führt ihn geläutert zum Anfang zurück. Das Blut der Familie ist stärker als das der Straße.

Mit ihrem intelligent komponierten Vampir-Trip reitet Regisseurin Kathryn Bigelow (BLUE STEEL, THE HURT LOCKER) auf einem visuell betörenden Neo-Western einem reinigenden Sonnenaufgang entgegen. Am Puls ihrer Zeit erweitert sie zusammen mit Co-Autor Eric Red das Genre um die untoten Beißer allegorisch um sozialpolitisch starke Themen wie Drogenabhängigkeit, HIV-Infektion und eine orientierungslose Jugend. Gleichzeitig durchfließt diese Ode auf die Schatten der Nacht eine sinnliche Liebesgeschichte und die Suche nach einer intakten Familie. Bigelows Vampire können weder fliegen, sich in andere Wesen verwandeln, noch haben sie die für ihre Gattung sonst so typisch prägnanten Fangzähne. Darüber hinaus fällt im Film kein einziges Mal das Wort „Vampir“. Ihre Helden sind eher THE WILD BUNCH (Sam Peckinpahs stilisierter Gewaltwestern von 1969), eine Patchworkfamilie des Todes, die rücksichtslos mordend um ihr Überleben kämpft. Sie sind Außenseiter der Gesellschaft, Schatten aus einem mythisch verschollenen Mitternachts-Western. Nur das Blut ihrer Opfer sichert ihr Überleben. Doch ihre Methoden unterscheiden sich eklatant von denen eines verführenden Grafen DRACULA. Um an den Saft des (untoten) Lebens zu gelangen, werden sie zu entfesselten Maniacs, die mit Messern, Stiefelsporen oder der rohen Gewalt ihrer Hände Haut und Knochen durchtrennen.

Wer ihren Angriff überlebt, muss zu einem der ihren werden. Infiziert von einem namenlosen Virus, erleidet der verlorene Sohn nun ein qualvolles Hinübergleiten in einen Zustand des Untotseins. Verdammt zu ewiger Nacht, wird er nun ebenfalls zu einem aussätzigen Monster, das selbst den Tod bringen muss, um zu überleben. Wer hier nicht sofort an AIDS denkt, bekommt zumindest eine Ahnung davon, wie sich ein Drogenabhängiger auf der Jagd nach dem nächsten Schuss fühlen muss. In beiden Fällen verlässt ein Mensch die Welt der Sonne und wird zu einem Wesen der Nacht. In ihrem Schutz wird er nun selbst zum todbringenden Grauen für die Lebenden. Die Nacht wird zum Sammelbecken für all Jene, denen der Tag nichts mehr zu bieten hat. Doch wie der deutsche Zusatztitel verlautbart: DIE NACHT HAT IHREN PREIS. Zwar geht Kathryn Bigelow am Ende, zugunsten beeindruckender Kernbilder, ein wenig der stimmige Erzählfluss verloren, dennoch ist ihr mit ihrem zweiten Spielfilm ein erfrischend erwachsener Blick auf den Vampirmythos gelungen. Mit ihrem visuell wie auch tonal meisterhaften Stil und einer der sinnlichsten weiblichen Vampire der Filmgeschichte (Jenny Wright) macht sie NEAR DARK zu einem der besten Horrorfilme seiner Art. (AU)

Eine umfangreiche Filmkritik im Zuge des #Horroctober von Andreas.

Platz 23: PIECES (MIL GRITOS TIENE LA NOCHE, 1982)

„It’s exactly what you think it is…“ prangte auf dem englischsprachigen Kinoplakat von Juan Piquer Simóns Horror-Meisterstück. Das lässt auf garstigen Slasher mit Splatter-Einlagen schließen, der sich einer weiterführenden Lesart weitestgehend verschließen könnte. Doch falsch gedacht. PIECES ist nicht nur ein Puzzlespiel der Körperteile, sondern besonders auch eine Irrfahrt in die Seele des Protagonisten. Hier sei sofort auf die integrale spanische Version verwiesen (erhältlich u.a. via Arrow Video), die mit der atmosphärisch passenderen Original-Filmmusik eine gänzlich andere Stimmung aufkommen lässt als die neu geschnittene US-Fassung.

Letztere lässt bereits zu Beginn mit ihren modifizierten Eröffnungstiteln einen reinen Party-Slasher vermuten, der dann gegen Ende hin zu schwermütig erscheint und nicht alle Fans abholen kann. Von der anderen Seite her betrachtet, ist PIECES eher ein äußerst brutales Drama, das sich waghalsig hervorragendem Genrehandwerk bedient. Die Effekte sind rabiat und schockierend und nicht im eher comichaften Stil der FREITAG DER 13.-Reihe gehalten. Mit PIECES wird der Zuschauer noch heute und nicht nur damals anno 1982 so richtig aus der Fassung gebracht. Womit ich sogleich wieder auf die spanische Originalfassung zu sprechen komme. Filme aus dem Horrorsegment, besonders in den 1980ern, waren ja selbst häufig Opfer von Trennungswerkzeugen. Die psychotischen Killer in Spielfilmen waren da oft harmlos im Vergleich zu den Mitgliedern mancher Zensurbehörden, die fröhlich drauf los sezierten und Werke in ihrer Gesamtaussage völlig verstümmelten bzw. veränderten. So ein Opferbeispiel ist eben auch PIECES, doch würden dem reinen Effekte-Fan die 80 Sekunden zusätzlicher Einstellungen und Dialoge wohl eher weniger auffallen. Die länger zu beobachtende Puzzle-Metapher, die anders montierten Sequenzen, der alternative Score (Originalmusik) sowie weitere Dialoge führen letztlich doch zu einem als anders empfundenen Film: eine Parabel über Trauer, Unverständnis, aufgestaute Wut und vollumfängliche Rache. PIECES ist ein wichtiger spanischsprachiger Beitrag des Genres zu Beginn der Dekade und man sollte den Film unbedingt in der Originalversion schauen – das heißt auch: auf keinen Fall in der sinnfreien deutschen Synchronisation! (SJ)

Platz 22: DIE FÜRSTEN DER DUNKELHEIT (PRINCE OF DARKNESS, 1987)

In einer alten Kirche entdeckt ein Priester (Donald Pleasence) einen uralten Behälter mit einer grünlichen Substanz. Eine geheime Gruppe innerhalb der Kirche, die Bruderschaft des Schlafes, hielt ihn dort über 2000 Jahre lang vor der Öffentlichkeit verborgen. Der Priester bittet Professor Birack (Victor Wong) um Hilfe. Der versammelt daraufhin seine besten Studenten um sich, um das Geheimnis des unbekannten Objektes zu entschlüsseln. Bei ihren Untersuchungen entdecken die Forscher, dass das Objekt über sieben Millionen Jahre alt ist. Außerdem gibt es auch noch ein altes Buch zu entschlüsseln, das über viele Jahrhunderte hinweg in mehreren, teils vergessenen Sprachen geschrieben wurde. Daraus erfährt die Gruppe unter anderem, dass der Vater Satans ein dunkler Gott ist, der lange vor den Menschen auf der Erde lebte. Zu allem Überfluss wird die alte Kirche von einer Horde Obdachloser belagert, die bereits unter dem Einfluss des Bösen stehen und jeden töten, der diesen Ort verlassen will.

Was wir hier zu sehen bekommen, ist ein purer Alptraum. Ein Alptraum in einem Alptraum der kein Ende nimmt. Die dunkle Präsenz ist von der ersten Einstellung an spürbar: wie sie sich ausbreitet, alles manipuliert, kontrolliert und präzise auf den alles entscheidenden Moment hinarbeitet. Carpenter schafft es gekonnt mit nur wenigen Worten und Bildern, ein Unbehagen beim Zuschauer zu erzeugen, welches er konsequent durch den Film transportiert. Carpenters Horrorfilm, der nur drei Millionen Dollar kostete, besticht durch seine Einfachheit und Geradlinigkeit, wie so viele seiner anderen Filme davor und danach. Geschickt setzt er die damals möglichen technischen Effekte ein, aber alles auf Sparflamme – zum Teil auch wegen des geringen Budgets. Eine ausführliche Besprechung von DIE FÜRSTEN DER DUNKELHEIT gibt es hier. Neben den hier genannten Filmen von Altmeister Carpenter hatte er in den 1980er Jahren noch einige weitere fantastische Filme für den neugierigen Kinobesucher zu bieten : DIE KLAPPERSCHLANGE (ESCAPE FROM NEW YORK, 1981), CHRISTINE (1983), STARMAN (1984), BIG TROUBLE IN LITTLE CHINA (1986) und SIE LEBEN (THEY LIVE, 1988). (SF)

Platz 21: HORROR INFERNAL (INFERNO, 1980)

Dario Argentos SUSPIRIA (1977) (Platz 3 unserer Best-of der 70er) gehört zu den wohl bekanntesten und auch besten Horrorfilmen überhaupt. Drei Jahre nach diesem Meisterwerk schob Argento den zweiten Teil seiner Mutter-Trilogie mit dem Titel HORROR INFERNAL nach. In SUSPIRA haben wir schon unvergessliche Farbkompositionen und eine wahre Flut an Symbolen zu sehen bekommen, ein berauschendes Erlebnis der Sonderklasse. Doch in HORROR INFERNAL setzt Argento noch einen drauf. Zusätzlich zu den schon bekannten Mustern aus SUSPIRIA kommen nun noch weitere unglaubliche und surreale Bilder hinzu. Ich denke da nur an den Anfang mit der bekannten Unterwasser-Einstellung. HORROR INFERNAL hat seit seinem Erscheinen Kritiker wie Fans gespalten. Die Meinungen gehen weit auseinander, gerade was die doch recht dünne Story angeht.

Rose Elliott (Irene Miracle), die in New York lebt, findet zufällig ein Buch über „Die drei Mütter“. Darin entdeckt sie, dass sie im Haus der „Mater Tenebrarum“ lebt, einer dieser drei Hexen. Aufgebracht schreibt sie ihrem Bruder Mark Elliott (Leigh McCloskey), der in Rom lebt. Kurz entschlossen macht sich Mark auf den Weg nach New York, doch als er ankommt, ist seine Schwester bereits tot. Daraufhin entschließt sich Mark, auf eigene Faust zu recherchieren. Doch alle Menschen die Mark befragt, werden kurz danach brutal ermordet.

Während im ersten Teil die Story mit den fantastischen Bildern Hand in Hand voranschreitet, ist im zweiten Teil der Trilogie die Handlung in den Hintergrund gerückt und Bilder wie auch Farben haben den Part des Erzählens übernommen. Hinzu kommt, dass die Morde sehr blutig und in aller Deutlichkeit zur Schau gestellt werden, was viele Zuschauer damals wie auch heute, vor den Kopf stößt. Um hinter die alptraumhafte Fassade des Films zu schauen, bedarf es schon einiger Mitwirkung des Rezipienten. Der dritte Teil der Trilogie erschien viele Jahre später mit THE MOTHER OF TEARS (LA TERZA MADRE, 2007). (SF)

Platz 20: RE-ANIMATOR (RE-ANIMATOR, 1985)

Bereits im Jahre 1922 veröffentlichte der bekannte Horror-Autor H. P. Lovecraft seine Kurzgeschichte „Herbert West – Der Wiedererwecker“. 1985 inszenierte Regisseur Stuart Gordon seinen Film RE-ANIMATOR, dessen Drehbuch auf der Kurzgeschichte von H. P. Lovecraft basiert. Das Drehbuch zum Film war eine Gemeinschaftsarbeit von Stuart Gordon, Dennis Paoli und William J. Norris. Das Ganze finanzierte Brian Yuzna, der dann bei den beiden Fortsetzungen BRIDE OF RE-ANIMATOR (1990) und BEYOND RE-ANIMATOR (2002) selbst den Regieposten übernahm.

Der Medizinstudent Herbert West (Jeffrey Combs) reist überstürzt nach einem Zwischenfall in der Schweiz zurück in die Vereinigten Staaten, um an der Miskatonic Universität seine Studien fortzuführen. Als Untermieter findet er derweil Platz bei seinem Kollegen Dr. Daniel Cain (Bruce Abbott), wo er sich umgehend in dessen Keller ein kleines Labor einrichtet, um seine geheimen Forschungen voranzutreiben. Gleich am ersten Tag an der neuen Universität macht sich West bei einem dort ansässigen Arzt, dem Gehirnspezialisten Dr. Hill (David Gale), unbeliebt. Auch Daniels Freundin Megan (Barbara Crampton), die Tochter des Dekans, findet Daniels neuen Untermieter sehr unsympathisch. Als Megans Hauskatze stirbt, zeigt West seinem Vermieter Dr. Daniel, an was er tatsächlich im Geheimen arbeitet. Er injiziert dem toten Tier eine leuchtendgrüne Flüssigkeit, die die Katze umgehend ins Lebend zurückbefördert. Allerdings ist sie alles andere als erfreut darüber und attackiert die beiden Mediziner. Der Uni-Professor Dr. Hill ist an dem Serum ebenfalls interessiert und außerdem auch an der hübschen Megan.

Die düstere und zum Teil sehr klaustrophobische Atmosphäre des Films wird durchzogen von harten Splattereffekten und einer großen Portion schwarzem Humor. Hinzu kommt eine parodierte Darstellung des Mad Scientist und des Frankenstein-Motivs. Dies alles verwebt sich gekonnt mit den bösen Zügen eines H. P. Lovecraft-Romans. RE-ANIMATOR ist übrigens Stuart Gordons erste Regiearbeit, davor und auch danach war er hauptsächlich als Drehbuchautor tätig. Unter anderem war er an Abel Ferraras BODY SNATCHERS – ANGRIFF DER KÖRPERFRESSER (1993) beteiligt.

Beim Kauf von RE-ANIMATOR ist darauf zu achten, was man kauft. Es gibt mehrere Fassungen von teilweise deutlichen Unterschieden in der Laufzeit. Vor einigen Jahren wurde der Film endlich vom Index genommen und erschien daraufhin in zahlreiche Neuauflagen mit hervorragender Bild- und Tonqualität, sowie der Uncut-Version. Nach Möglichkeit sollte sich die Interessierten an den Neuauflagen orientieren. (SF)

Platz 19: PHENOMENA (PHENOMENA, 1985)

Für viele gilt eisenhart die diesem Film vorangehende Phase Dario Argentos als des Künstlers entscheidende. Ich bin mal mutig und sage: zusammen mit SUSPIRIA (1977) ist PHENOMENA sein unübertroffenes Meisterwerk. Auch wenn ich PROFONDO ROSSO (1975) sehr schätze und mir die rohen Qualitäten von INFERNO (1980) und TENEBRAE (1982) immer wieder ins Auge stechen – es ist PHENOMENA, wo insbesondere die traumhaften Qualitäten von Argentos Kino ihren Höhepunkt erreichen.

Einige wenige, dafür sehr garstige Blutschleier reichen aus, um noch in der Mitte der Dekade zu zeigen, woher der Filmemacher kommt. Doch dann überschreitet und überwindet Argento die eigenen Grenzen, fängt in Bildern von traumwandlerischer Schönheit eine ganz besondere Stimmung ein, die in ihrer Poesie und Entschlossenheit sein vorangehendes Schaffen noch übersteigt. Es ist nicht wichtig, auf lückenlose Logik oder dergleichen im Phantastischen Kino zu pochen. Man macht sich als Zuschauer selbst viel kaputt, fordere man beständig eine Kohärenz der zu sehenden Bilder ein. Vielmehr macht es Freude, sich völlig hinzugeben und gänzlich einzutauchen in Bilder, die vom Wandel der Welt sprechen.

Wenn die junge Jennifer (Jennifer Connelly) des nachts wiederholt Zeugin von Naturschauspielen in Form von Insektenschwärmen wird, vergisst man als Betrachter immer wieder für Momente den narrativen „roten Faden“, die Suche nach dem Killer mit den schwarzen Handschuhen. Indes ist man völlig fasziniert von den virtuos ausgeleuchteten Bildern, die die Alpenregion – viel wurde in der Schweiz gedreht – als dunkel funkelnde Zwischenwelt erscheinen lassen, in der übernatürliche Kräfte alles möglich erscheinen lassen. Argento geht es in PHENOMENA um die völlige Hingabe innerhalb der Materie und Ästhetik. Das kann und wird einem als Zuschauer, auch seiner eigenen Werke, zuletzt erfrischend vorkommen, ist man nur bereit, sich dieser phänomenalen Stimmung willentlich auszusetzen. Interessant zuletzt: eine um fast 30 (!) Minuten gekürzte Schnittfassung wurde für den US-amerikanischen Markt gesondert angefertigt; getauft auf den Namen CREEPERS, ist sie u. a. auf der Special Edition von Arrow Video enthalten, die auch den vollständigen und erweiterten Score von Goblin enthält. Ein PHENOMENAles Horror-Meisterstück, absolute Empfehlung! (SJ)

Platz 18: MANIAC (MANIAC, 1980)

MANIAC ist wie ein Faustschlag mitten ins Gesicht, aber in Kombination mit einem fetten Schlagring. Seinerzeit, wie auch heute, schockiert der Film durch seine brutale und ausführlich darstellende Gewalt gegenüber Frauen. Zudem brilliert der Mime Joe Spinell in der Rolle des Killers, der selbst schon sehr außergewöhnlich ist. Einerseits durch sein markantes Aussehen, zum anderen durch sein unglaubliches Talent vor der Kamera. Sehr oft wird der Film lediglich auf seine rohe Gewalt reduziert, was sehr schade ist, denn er hat noch viel mehr zu bieten, wie einen ausführlichen Blick in eine gequälte und zerstörte menschliche Seele.

Frank Zito (Joe Spinell) lebt zurückgezogen in einem heruntergekommenen Mietshaus in New York. Immer wieder muss Frank seinem inneren Drang nachgeben und junge, hübsche Frauen töten, anschließend skalpieren und ihrer Kleidung berauben. Zuhause angekommen, dekoriert er mit dem Skalp und den Kleidungsstücken eine neue Schaufensterpuppe in seinem kleinen Zimmer. Zu jeder dieser Puppen hat Frank eine besondere Beziehung. Durch Zufall lernt er die junge Fotografin Anna D’Antoni (Caroline Munro) kennen. Frank spielt sich ihr gegenüber als Künstler auf und sie treffen sich regelmäßig. Der Drang des Tötens scheint von Frank gewichen, seit er Anna kennt. Schafft sie es endlich, den Bann zu durchbrechen und Frank von seinen blutigen Taten zu befreien oder kommt es zu einem erneuten Gewaltausbruch?

MANIAC ist ein Meilenstein für das in jenen Jahren aufblühende Slasher-Genre und heute gilt er mehr denn je als zeitloser Klassiker. Eine ausführliche Besprechung des Films habe ich in meiner Film-Challenge FLUXHorrorfilmRemakes vorgenommen. Im Jahre 2012 drehte Regisseur Franck Khalfoun unter Mithilfe von Alexandre Aja ein Remake. In der Rolle von Frank schlüpfte Elijah Wood. Das Remake schafft jedoch zu keiner Zeit, die Klasse des Originals zu erreichen. Zusätzlich will ich hier noch zwei außergewöhnliche Filme der 1980er-Jahre über Serienkiller und Psychopathen erwähnen, die man gesehen haben sollte: HENRY – PORTRAIT OF A SERIAL KILLER (1986) und ANGEL HEART (1987) mit einem genialen wie finsteren Robert De Niro.

Im Jahr 2019 wurde MANIAC auch etwas juristische Anerkennung zuteil, denn der Film wurde nach vielen Jahren in Deutschland vom Index gestrichen. (SF)

Platz 17: FRIEDHOF DER KUSCHELTIERE (PET SEMETARY, 1989)

Mary Lamberts Film basiert auf dem bekannten Stephen-King-Roman FRIEDHOF DER KUSCHELTIERE von 1983. Auch wenn die US-Produktion kein Meisterwerk ist, kann man sie zu den deutlich besseren King-Adaptionen zählen.

Die Familie Creed, Louis Creed (Dale Midkiff) und Rachel Creed (Denise Crosby), sowie die Kinder Gage (Miko Hughes) und Ellie (Blaze Berdahl), ziehen in die Kleinstadt Ludlow, wo Dr. Louis Creed den Posten als Leiter der Krankenstation an der University of Maine übernimmt. Kurz nach ihrem Einzug lernen sie ihren direkten Nachbarn, den alten Jud Crandall (Fred Gwynne) kennen, der viel über ihr neues Heim zu berichten hat. Kurz darauf sind Rachel und die Kinder für ein paar Tagen zu Besuch bei ihren Eltern. In dieser Zeit wird Winston Churchill, der Kater der Familie, von einem Lastwagen direkt vor ihrem Haus überfahren. Jud berichtet Louis von einem Tierfriedhof ganz in der Nähe, wo er den Kater beerdigen kann. Aber es gibt da noch eine zweite Möglichkeit, von der Jud berichtet, welche weit hinter dem Tierfriedhof liegt und den alten Micmac-Indianern gehört. Wenn man dort einen Toten begräbt, so erklärt Jud weiter, kehren die einstmals Verstorbenen am nächsten Tag quicklebendig zurück. Dass alles jedoch Konsequenzen hat, will Louis nicht hören, denn er möchte seinen Kindern, vor allem Ellie, den Schmerz über den Verlust des geliebten Katers ersparen. Doch Winston wird nie mehr derselbe Hauskater sein wie zuvor.

Während Kings Vorlage deutlich subtiler den Horror in die Welt sendet, fällt der Film in dieser Hinsicht qualitativ etwas ab und konzentriert sich auf sehr krude und blutige Effekte. Aber man muss Regisseurin Lambert zugutehalten, dass eben Stephen King selbst das Drehbuch zum Film beisteuerte. Trotz allem ist FRIEDHOF DER KUSCHELTIERE ein düsterer und spannender Film, auch wenn die Themen wie Verlust eines geliebten Menschen, der Tod und die von Schicksalsschlägen zerrüttete Familie etwas kurz im Film behandelt werden. Mary Lambert inszenierte auch noch eine unnötige Fortsetzung, FRIEDHOF DER KUSCHELTIERE II (PET SEMATARY II, 1992). Im Grunde ist es keine Fortsetzung, sondern ein Remake des ersten Teils, mit einer leicht abgewandelten Handlung, aber alles weitaus blutiger. Im Jahre 2019 brachten dann Kevin Kölsch und Dennis Widmyer ein echtes Remake heraus, FRIEDHOF DER KUSCHELTIERE (PET SEMATARY). Eine der besten Stephen-King-Verfilmungen stammt ebenfalls aus den 1980er-Jahren. 1983 inszenierte David Cronenberg den Film DEAD ZONE – DER ATTENTÄTER mit den Stars Christopher Walken, Brooke Adams, Tom Skerritt, Herbert Lom und Martin Sheen. Ein echter Klassiker. (SF)

Platz 16: DER HÖLLENTRIP (ALTERED STATES, 1980)

Eddie Jessup (William Hurt) ist auf der ganzen Welt unterwegs, um immer wieder neuartige Drogen ausfindig zu machen. Zusammen mit seinem Partner Mason Parrish (Charles Haid) führen sie in den USA Experimente mit einem Isolationstank und den mitgebrachten Drogen durch. Bei einem dieser Experimente verwandelt sich Jessup in einen Urzeitmenschen und wacht nackt erst später im örtlichen Zoo wieder auf. Seine Frau Emily Jessup (Blair Brown) möchte, dass die Experimente aufhören, doch Eddie will noch viel mehr, er will sein Bewusstsein auf eine lange Reise in die Vergangenheit schicken, dorthin, wo noch nie ein Mensch zuvor gewesen ist.

DER HÖLLENTRIP ist ein ganz besonderer Film, der noch lange beim Rezipienten nachwirkt, wenn dieser gewillt ist, sich ein paar Fragen zu dem Gesehenen zu stellen. Kein Film für zwischendurch, denn hier wird viel vom Betrachter verlangt und es werden äußerst philosophische Fragen formuliert. Zudem kann man sagen, wer den vollen Filmgenuss erleben will, sollte sich Ken Russells Werk mehrfach anschauen, denn es gibt so vieles darin zu entdecken. Paddy Chayefsky schrieb das fantastische Drehbuch zu dem Film, das auf seinem eigenen Roman basiert. Der bekannte Kameramann Jordan Cronenweth erschuf unter Russels Regie eindrucksvolle, aber auch verstörende Bilder und Szenen. Zu Cronenweths bekanntesten Werken dürfte gerade Ridley Scotts BLADE RUNNER (1982) gehören. Für William Hurt hingegen markierte DER HÖLLENTRIP seinen ersten großen Auftritt auf der Leinwand, der ihm sogleich eine Nominierung für den Golden Globe Award als bester Nachwuchsdarsteller einbrachte. Im Laufe der Jahre begeisterte er immer wieder in großen und bekannten Filmen und brachte es schließlich bis zu Marvels AVENGERS in die Kinos. Hurts Partnerin Blair Brown war zu dieser Zeit schon etwas länger im Filmgeschäft tätig, aber auch sie blickt bis heute auf eine lange Karriere zurück. Auch der Rest des Casts ist prominent besetzt, unter anderem mit Bob Balaban, Charles Haid, Drew Barrymore sowie Francis X. McCarthy.

Der Brite Ken Russell, TOMMY (1975), CHINA BLUE BEI TAG UND NACHT (CRIMES OF PASSION, 1984), GOTHIC (1986), DER BISS DER SCHLANGENFRAU (THE LAIR OF THE WHITE WORM, 1988), ist bekannt für seine provokanten Filme, in denen er gerne mit Themen wie Sexualität und Religion jongliert, nur um den Zuschauer aus seiner Komfortzone zu locken und zum Nachdenken anzuregen. Russel hat eine sehr starke, symbolhafte Bildsprache, ähnlich wie Stanley Kubrick, jedoch gelegentlich etwas manieristischer. Alles in allem ist DER HÖLLENTRIP einer jener Filme die man nicht nur sehen, sondern erfühlen muss, um ihn in Gänze zu erfassen. (SF)

Die Plätze 1-15 der besten Horrorfilme der 1980er-Jahre gibt es hier ->

<- Die besten Horrorfilme der 1970er-Jahre

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