Die besten Horrorfilme der 60er Jahre

Die besten/wichtigsten Horror-Filme der Jahre 1960-1969

Willkommen zum zweiten Teil unserer „Best-of Horror-Film-Reihe“. Dieses Mal geht es in die sechziger Jahre, ein Jahrzehnt der Umbrüche und Veränderungen, aber auch des Aufbruchs in neue Welten. Der erste Raumflug eines Menschen, Juri A. Gagarin, im Jahre 1961 sowie die Mondlandung der Amerikaner (1969), lies alle unmöglichen Utopien schlagartig in greifbare Nähe rücken, alles schien plötzlich möglich. Aber auch viele Konflikte ließen die Welt erschüttern. Der Bau der Berliner Mauer (1961), die Kubakrise (1962) und der Einmarsch der US-Armee nach Vietnam (1965). Dazu kamen noch die Ermordungen von John F. Kennedy (1963) und Robert F. Kennedy (1968), wie die auch von Malcolm X 1965 und dem Attentat auf Martin Luther King 1968. Die latente Angst vor der Unterwanderung durch den Kommunismus schwelte noch immer in den Vereinigten Staaten, wenn auch nicht mehr so heftig wie im Jahrzehnt zuvor. Über allem schwebte stets das Damoklesschwert des Kalten Krieges.

2001 Odyssee im Weltraum 70 mm unrestored
© 1968 Warner Bros. Entertainment Inc. All rights reserved.

Das größte Film-Highlight für mich, kam Ende des Jahrzehntes, aus dem Science-Fiction-Genre: 2001 – ODYSSEE IM WELTRAUM (1968), bis heute der SF-Film. Nicht unterschlagen will ich Hitchcocks Klassiker PSYCHO und DIE VÖGEL. Vor allem PSYCHO hatte einen großen Einfluss auf die weitere Entwicklung des Horrorfilmes, welcher praktisch dem Slasher-Film den blutigen Weg ebnete. Aber auch andere einmalige Filme wie EASY RIDER, AUßER ATEM, SPIEL MIR DAS LIED VOM TOD oder ZWEI BANDITEN und auch das Original PLANET DER AFFEN entstanden in dieser Zeit. Im Fernsehen überraschten uns neue Serien, z.B. MIT SCHIRM, CHARME UND MELONE und BONANZA. Die Science-Fiction-Serie RAUMSCHIFF ENTERPRISE faszinierte die Massen, genauso wie die deutsche Produktion RAUMPATROUILLE ORION. Auf Hochtouren liefen ebenfalls in diesem Jahrzehnt die Produktionen der Film-Serien WINNETOU, JAMES BOND und vor allem auch die deutschen EDGAR WALLACE-Streifen. Ebenso starteten, in denselben deutschen Studios, eine Reihe von Fortsetzungen der legendären DR. MABUSE-Filme von Fritz Lang und noch ein weiterer Superganove betrat in diesen Jahren die große Bühne: FANTOMAS. All diese Strömungen und Entwicklungen brachten eine massive Veränderung und Neuausrichtung des Horror-Filmes.

Vera Miles in PSYCHO © Paramount Pictures

Schon im letzten Jahrzehnt hatten wir über den beginnenden Bruch des Horrors mit der gotischen Tradition der Universal-Studios gesprochen, welcher in den 60er Jahren nun noch deutlichen wurde. Der Horror kommt nicht mehr ausschließlich aus fernen Ländern wie z. Bsp. Osteuropa zu uns nach Hause und nicht mehr in Form von exotischen Grafen oder verrückten Wissenschaftlern. Nein, der Horror ist schon längst in unserer Stadt Zuhause, er wohnt in der Nachbarschaft und verborgen in uns selbst, tief im dunklen Inneren, wie z. Bsp. bei PSYCHO, DIE MÜHLE DER VERSTEINERTEN FRAUEN oder AUGEN DER ANGST in Form von ganz normalen Menschen. Die Einzigen die diesem Trend noch nicht folgten waren die Hammer-Studios aus England, wie auch der italienische Horror-Film. Sie setzten weiterhin auf das gotische Elemente und das immer(noch) mit großem Erfolg. Sie blieben ihrer Linie treu und erlebten in diesem Jahrzehnt ihre Blütezeit. Es entstanden in den Hammer-Studios Klassiker wie DRACULA UND SEINE BRÄUTE (THE BRIDES OF DRACULA, 1960), HAUS DES GRAUENS (PARANOIC, 1962), DER KUSS DES VAMPIRS (THE KISS OF THE VAMPIRE, 1962), DER SATAN MIT DEN LANGEN WIMPERN (NIGHTMARE, 1963), SIE SIND VERDAMMT (THE DAMNED, 1963), BLUT FÜR DRACULA (DRACULA: PRINCE OF DARKNESS, 1965), DAS GRÜNE BLUT DER DÄMONEN (QUATERMASS AND THE PIT, 1967) und noch weitere sehenswerte Streifen. Ein wichtiger Film wie ich finde ist NÄCHTE DES GRAUENS (THE PLAGUE OF THE ZOMBIES, 1965) den ich als Bindeglied zwischen den alten Zombies wie bei ICH FOLGTE EINEM ZOMBIE und IM BANN DES WEISEN ZOMBIES und den modernen Zombies aus DIE NACHT DER LEBENDEN TOTEN von George A. Romero sehe. Die Zombies der Briten sind zwar noch keine Fleischfresser, aber sie haben schon das Aussehen der von Romero und kommen auch mal gerne aus den Gräbern gekrochen. Eine erste Ahnung was da noch so alles an Zombies auf uns zu gewankt kommt.

Im Jahre 1968 erreichten die Hammer-Studios mit dem Film DRACULAS RÜCKKEHR (DRACULA HAS RISEN FROM THE GRAVE, 1968) ihren inoffiziellen Höhepunkt. Ab diesem Zeitpunkt ging es dann nur noch bergab. 1960 betrat zudem der größte Konkurrent der Hammer-Studios die Bühne: Amicus. Die ebenfalls britische Firma wurde von zwei Amerikanern Milton Subotsky und Max. J. Rosenberg gegründet. Im selben Jahr starteten sie mit dem Film STADT DER TOTEN, bei dem auch Christopher Lee mitspielte. Amicus holte sich in der Folgezeit immer mehr der bekannten Hammer-Stars vor und hinter die Kamera und waren auch für die Neubelebung des sogenannten Anthologie-Filmes verantwortlich. Ein Film der mehrere kleinere Geschichten in Kurzform präsentierte, die von einem größeren, alles umfassenden Plot getragen wurden.

Wie immer gilt auch hier folgendes: Die nachfolgende Liste erhebt keinerlei Anspruch auf Vollständigkeit, sie soll lediglich anhand der wichtigsten Filme die Entwicklung des Horrorfilmes verdeutlichen. Zudem ist die Reihenfolge nicht zwingend als „in Stein gemeißelt“ zu verstehen.

Hier könnt ihr direkt in die TOP-10 springen.
 

Platz 20: Die Mühle der versteinerten Frauen (Il mulino delle donne di pietra, 1960)

Die italienisch-französische Koproduktion, geleitet von Giorgio Ferroni, beruht auf einer Erzählung von Pieter van Weigen. Lange Zeit hält die Story sich bedeckt und verrät dem Zuschauer mit keiner Silbe in welche Richtung es gehen soll. Sehr behutsam werden die Charaktere eingeführt und eine Atmosphäre des Unheimlichen legt sich über das Ganze, bevor dann endlich in der zweiten Hälfte das Tempo merklich angezogen wird und die recht simple, aber logische Lösung präsentiert wird.

Der Architekturstudent Hans von Arnim (Pierre Brice) besucht Amsterdam, weil er über das „Carillon der versteinerten Frauen“, eine Mühle, die im Inneren viele historische Frauenstatuen für Besucher bereit hält, einen Bericht schreiben soll. Professor Wahl (Herbert A. E. Böhme), der derzeitige Mühlenbesitzer, verschafft dem Studenten ein kleines Zimmer vor Ort, um seine Forschungen durchzuführen. Bei einem seiner Streifzüge lernt Hans die junge Elfy (Scilla Gabel), die Tochter des Professors kennen. Natürlich verliebt er sich sofort in sie. Tags darauf erhält Hans von seiner Verlobten Liselotte (Dany Carrel) Besuch und die Situation droht zu eskalieren. Der Film spielt mit mehreren klassischen Motiven, zum einen mit der Kulisse des Gotik-Horrors und zum anderen mit dem Mad-Scientist-Thema, dazu gibt es noch einen Schuss Vampirismus.

 

Platz 19: … und vor Lust zu sterben (Et mourir de plaisir, 1960)

Der Film wird in langsamen, fast schon schwülstigen, traumhaften Bildern von Roger Vadim präsentiert. Eine wunderbare Farbgebung, unterlegt mit einer stimmungsvollen Musik, durchzieht jede Szene. Von der ersten Sekunde an schwingt ein leicht erotisch-lesbischer Unterton in der Handlung mit, der aber nie so richtig konkret wird. Ebenso die Annahme, dass wir es hier mit Vampiren zu tun haben. Nicht die bekannten Vampire der Hammer-Studios, die gerne die Hälse ihrer Opfer zerfetzen. Nein, hier sind höchstens mal zwei kleine Punkte am Hals zu finden. Viel mehr haben wir hier eine tragisch-mystische Liebesgeschichte, die dann auch äußerst tragisch enden wird.

Etwa 200 Jahre nach der fast kompletten Auslöschung der Familie Karnstein durch einen Mob, der glaubte, dass die Familie nur aus Vampiren besteht, feiert Baron Leopold von Karnstein (Mel Ferrer) ein Fest für seine Verlobte Georgina Monteverdi (Elsa Martinelli). Unter den Gästen befindet sich auch die österreichische Cousine Carmilla von Karnstein (Annette Vadim), die ebenfalls in Leopold verliebt ist. Zum Abschluss des Festes findet ein Feuerwerk statt, dabei ereignet sich eine Explosion in der Abtei. Dabei wird zufällig das Grab der nie gefundenen Millarca von Karnstein geöffnet. Millarca‘s Geist, endlich befreit, ruft nun, die ihr absolut ähnlich sehende, Carmilla zu sich. … UND VOR LUST ZU STERBEN ist eine Poesie des Grauens oder vielleicht auch ein Märchenliebesfilm, der nur bei Zuschauern funktioniert, die im Geiste noch Kind geblieben sind und sich von Übernatürlichem verzaubern lassen ohne in Blut baden zu müssen.

 

Platz 18: Das schreckliche Geheimnis des Dr. Hichcock (L‘orribile segreto del Dr. Hichcock, 1962)

Der Name Hichcock ist eine Referenz von Regisseur Riccardo Freda an den großen Meister Alfred Hitchcock und keine Werbeidee der deutschen Verleihfirmen. Einige Szenen erinnern auch stark an Hitchcocks Arbeiten. Der Film selber wurde in nur zwölf Drehtagen realisiert und ist ein Musterbeispiel des italienischen Gotik-Horrors. Jedoch erst im Jahre 2018 fand er seinen Weg in Form einer Auswertung auf DVD und Blu-ray nach Deutschland.

London im Jahre 1885: Der bekannte Arzt Dr. Bernard Hichcock (Robert Flemyng) hat ein Problem, er kann nur Sex mit Frauen haben, die tot sind. Deshalb muss er seine Frau Margaret (Teresa Fitzgerald) vor jedem Beischlaf mit seiner speziellen Chloroform-Mischung betäuben. Eines Abends ist die Dosis etwas zu hoch geraten und seine Frau stirbt. Nach diesem Vorfall verlässt Hichcock London und kehrt erst fünfzehn Jahre später mit seiner neuen Frau Cynthia (Barbara Steele) zurück. Sie ziehen in sein altes Anwesen, welches seit jener Zeit nur von seiner Haushälterin Martha (Harriet Medin) gehütet wurde. Doch schon kurz nach ihrer Ankunft geschehen merkwürdige Dinge, und Cynthia hat das Gefühl vom Geist der toten Ex-Frau verfolgt zu werden.

So explizit wie hier, wurde zur damaligen Zeit noch nie das Thema Nekrophilie behandelt.

 

Platz 17: Necronomicon – Geträumte Sünden (1968)

Ich hab schon viele Gurken von Jess Franco gesehen, die einem an dem Verstand aller Beteiligten zweifeln lassen. Mit NECRONOMICON, seiner ersten deutschen Inszenierung, zeigt uns Franco jedoch eine andere Seite seines Schaffens. Es geht um die junge Lorna, gespielt von Janine Reynaud, die Unheimliches erlebt. Es ist nie ganz klar, ob Traum, Wahnsinn oder Realität zu sehen ist. Ausgefallene Bildkompositionen, die teilweise wie Gemälde wirken, Traumsequenzen von sadomasochistischen Liebesszenen und jeder Menge nackter Körper. Franco zeigt uns seine künstlerische Ader und verknüpft es mit einer sehr undurchsichtigen Story. Der Film ist auch unter dem Titel SUCCUBUS vertrieben worden. Und wenn wir schon bei deutschen Horror-Filmen sind, wäre da noch DIE SCHLANGENGRUBE UND DAS PENDEL (THE TORTURE CHAMBER OF DR. SADISM, 1967) mit Lex Barker, Karin Dor und Christopher Lee zu erwähnen.

Aber Achtung, der Film ist Trash pur, jedoch dennoch sehenswert und äußerst originell, wie ich finde.

 

Platz 16: Die Vergewaltigung des Vampirs (Le viol du vampire, 1968)

DIE VERGEWALTIGUNG DES VAMPIRS ist der erste französische Vampir-Film und auch einer der Besten und zusammen mit dem 1975 entstanden LÈVRES DE SANG und DIE EISERNE ROSE (LA ROSE DE FER, 1973) das Beste was Jean Rollin erschaffen hat. Wie bei Rollins Filmen üblich, laufen hier jede Menge nackter Frauen über die Leinwand, in zum Teil absurden und skurrilen Situationen.

Der Psychologe Thomas (Bernard Letrou) soll vier jungen Frauen, die sich einbilden Vampire zu sein, von ihrem Wahn befreien. Ihn begleiten sein Freund Mark (Marquis Polho) und seine Freundin Brigitte (Solange Pradle). Als Brigitte stirbt, schafft Mark es eine der Vampirfrauen, Caroline, davon zu überzeugen, dass sie kein Vampir ist. In diesem Moment erreicht der Pöbel aus dem nahegelegenen Dorf den Schauplatz und die Situation eskaliert. Die Filmhandlung besteht eigentlich aus zwei Storys, die miteinander verknüpft sind. Die erste Hälfte ist der hier beschriebene THE RAPE OF THE VAMPIRE und der zweite Teil QUEEN OF THE VAMPIRES. Klingt verwirrend, ist aber sehr sehenswert.

 

Platz 15: Hypno (Night of the Eagle, 1962)

HYPNO, der in den USA unter dem Titel BURN, WITCH, BURN! vertrieben wurde, lässt sich am ehesten mit Jacques Tourneurs NIGHT OF THE DEMON von 1957 und den Filmen von Val Lewton vergleichen. Hier wird Hexerei, schwarze Magie, das Übersinnliche, von augenscheinlich ganz normalen Menschen, im alltäglichen Umfeld dargestellt und einem rationalen, wissenschaftlichen Weltbild gegenüber gestellt.

Als Norman Taylor (Peter Wyngarde) Professor für Psychologie entdeckt, dass seine Frau Tansy Taylor (Janet Blair) Hexerei betreibt, ist er fassungslos. Er zwingt sie sofort mit dem „Theater“ aufzuhören und Taylor verbrennt umgehend alle Kultgegenstände, die sich im Haus befinden. Tansy erklärt ihm, dass sie mit Magie nur seine berufliche Karriere voranbringen wollte und zudem Schutz Konkurrenten bietet. Norman lässt sich jedoch nicht im Geringsten überzeugen und nach kurzer Zeit beginnt das Schicksal plötzlich sich gegen ihn zu wenden. Der britische Schwarz-Weiß-Film basiert auf den Roman CONJURE WIFE von Fritz Leiber aus dem Jahre 1943. Die Drehbuchautoren Charles Beaumont und vor allem Richard Matheson (sein bekanntester, mehrfach verfilmter Roman ist: I AM LEGEND, 1954) hatten schon öfter Horror- und Science-Fiction-Stoffe für das Kino entwickelt.

 

Platz 14: Die toten Augen des Dr. Dracula (Operazione paura, 1966)

Und wieder einmal haben die deutschen Titelmacher einen absoluten Bock geschossen. Es gibt hier weder einen Dracula noch Vampire oder etwas Ähnliches. Vermutlich wieder mal ein lausiger Versuch den Titel an die damals aktuellen Hammer-Filme anzulehnen.

Stattdessen haben wir hier eine Schauergeschichte mit einer unheimliche Mordserie, gepaart mit Elementen des Grusel- und Gotik-Horrors in einem atmosphärisch dichten Alptraum. Der Arzt Paul Eswai (Giacomo Rossi-Stuart) muss in ein kleines Dorf reisen, in dem es eine Serie von unheimlichen Mordfällen gibt. Inspektor Kroger (Piero lulli) der ihn im Gasthaus empfängt, berichtet von bisher zwölf Todesopfern. Die Dorfbewohner jedoch glauben, dass für den Tod der Menschen der Geist eines kleinen Mädchens verantwortlich ist. Immer mehr Spuren führen die beiden zum Schloss der Baronessa Graps (Giana Vivaldi). Als auch Kroger sterben muss, ist Eswai sich endlich sicher im Inneren des Schlosses dem Geheimnis auf die Spur zu kommen. Jedoch ist dieses noch viel schrecklicher als Eswai es sich vorstellen kann.

Regisseur Mario Bava hat hier jede Menge Story-Elemente eingebaut, die uns schon reichlich in anderen Filmen begegnet sind. Zum Beispiel ist da der Kutscher, der nicht bis ganz ans Ziel fahren will und auch die verschwiegenen Dorfbewohner oder gar der verfallene dunkle Friedhof bestimmen die Szenerie. Mit hypnotischen Kamerafahrten und einer exzellenten Beleuchtung von Gemäuern, Gassen, Spinnenweben und Nebelschwaden, erzeugt Bava eine Schauerromantik, die seinesgleichen sucht. Außerdem bringt Bava hier das erste Mal Elemente ins Spiel, die später zum Standard von Geisterfilmen werden sollten, wie zum Beispiel den, von allein durchs Zimmer rollende, Kinderball.

 

Platz 13: Die schwarze 13 (Eye of the Devil, 1966)

Der britische Film basiert auf den gleichnamigen Roman von Philip Loraine. DIE SCHWARZE 13 ist ein wunderbares Beispiel für eine grandiose Schnittfolge, Dramaturgie und Montagetechnik, die die besondere Schwarz-Weiß-Ästhetik der sechziger Jahre hervor gebracht hatte. Ein Mystery-Epos, das durch seine zeitlose Brillanz, der unheimlichen Atmosphäre und der eleganten audiovisuellen Momente zu überzeugen weiß.

Ich will hier nicht zu viel verraten, deshalb nur eine kurze Zusammenfassung: Philippe de Montfaucon (David Niven) lebt mit seiner Frau Catherine (Deborah Kerr) und seinen Kindern in Paris. Eines Tages taucht ein alter Mann bei ihm auf und befiehlt ihm zu seinem Anwesen auf dem Land zurückzukehren. Zum dritten Mal hintereinander wurde das Dorf Opfer einer Missernte. Ein alter Brauch für die Götter der Fruchtbarkeit, muss nun durch den Schlossherren Philippe durchgeführt werden. Philippe zögert nicht uns reist ins Dorf. Seine besorgte Frau folgt ihm kurz darauf mit den Kindern, ohne zu ahnen was sie dort erwartet. Es geht um Aberglauben, schwarze Magie und Menschenopfer, die Hauptthemen für einen Horror-Film aus der damaligen Zeit. Neben den hervorragenden Schauspielern David Niven und Deborah Kerr spielten außerdem Donald Pleasence, Edward Mulhare, Flora Robson, David Hemmings und eine bis dahin unbekannte junge Schönheit namens Sharon Tate mit. Leider gibt es bis heute keine DVD auf dem Markt, die mit einer deutschen Synchronisation des Films punkten könnte.

 

Platz 12: Die Stunde des Wolfs (Vargtimmen, 1968)

Es ist schwer diesen Film in ein bestimmtes Genre zu packen. Der schwedische Schwarz-Weiß-Film von Ingmar Bergmann spielt mit Elementen des Horror-Filmes wie des surrealen Filmes und des Psycho-Dramas.

Alma Borg (Liv Ullmann) erzählt einem Filmteam über das Verschwinden ihres Mannes Johan Borg (Max von Sydow). In Rückblenden sehen wir wie Johan Borg sich nach einer Krise zusammen mit seiner schwangeren Frau auf die Insel Baltrum zurückzieht. Johan fühlt sich von merkwürdigen Personen verfolgt. Die beiden erhalten eines Tages eine Einladung des Barons von Merkens (Erland Josephson) zu einem Essen. Beim Dinner wird Johan von den Anwesenden über seine Person und Vergangenheit befragt, wie auch zu seiner früheren Geliebten Veronica Vogler (Ingrid Thulin). Bei einem zweiten Essen ist diese sogar persönlich anwesend. Johans Verstand verliert immer mehr seinen Halt und es kommt zur Katastrophe.

Die Schwangerschaft im Film von Liv Ullmann war nicht gespielt, sie war tatsächlich zu der Zeit von Regisseur Bergmann schwanger. Die gemeinsame Tochter wurde während der Dreharbeiten geboren. DIE STUNDE DES WOLFES ist nicht leicht zu konsumieren, aber welcher Bergmann Film ist das schon? Eine (Horror)Geschichte in unvergesslichen Bildern, ein Künstler-Wahnsinn und ein Psychogramm in Einem. Der Film wird mit Sicherheit den einen oder anderen Zuschauer hilflos nach der Erstsichtung zurücklassen.

 

Platz 11: Blutige Seide (Sei donne per l‘assassino, 1964)

Der zweite Film von Mario Bava in unserer Liste: 1962 hatte er mit LA RAGAZZA CHE SAPEVA TROPPO quasi den Ur-Giallo erschaffen. Und in BLUTIGE SEIDE wurden die Regeln für den italienischen Giallo in den kommenden Jahrzehnten endgültig in Stein gemeißelt. Der schwarze Regenmantel, die Lederhandschuhe, der gestörte Mörder, bizarre sexualisierte Morde wie auch das farbenfrohe Setting und eine expressive Lichtsetzung sind nur ein paar Beispiele dafür. Hier ist all das in höchster Vollendung perfekt zur Schau gestellt.

In der Modelagentur von Christina (Eva Bartok) wird eine der Damen, Isabella (Francesca Ungaro), ermordet. Während Inspektor Silvestri (Thomas Reiner) erfolglos ermittelt, entdeckt ein weiteres Model, Nicole (Ariana Gorini), das Tagebuch von Isabella. Noch bevor sie es der Polizei übergeben kann, wird auch sie ermordet und das Tagebuch ist verschwunden. Silvestri verdächtig jeden in der Agentur, aber ihm fehlen die nötigen Beweise und der Mörder hat noch so einige weitere Opfer auf seiner Liste. Bava zeigt sich hier von seiner besten Seite, denn alleine schon die wunderbare Farbgebung des Filmes und die gelungene Kameraführung machen den Film zu einem absoluten Highlight. Hier wird nicht einfach nur gemordet, die Morde werden wie ein Ritual zelebriert. Trotz der etwas langsamen Erzählweise und dem typischen Whodunit-Prinzip, kommt keine Sekunde Langeweile auf. Die Schauspieler, die bis in die Nebenrollen überzeugen, leisten hervorragende und überzeugende Arbeit.

 

Platz 10: Der Fluch von Siniestro (The Curse of the Werwolf, 1961)

Auch wenn es mir sichtlich schwer gefallen ist, aber ich habe nur diesen einen besonderen Film der Hammer-Studios ausgesucht. Außerdem, und dass war der ausschlaggebende Punkt, gibt es nicht wirklich viele gute Werwolf-Filme bis zum heutigen Tage (DER WOLFSMENSCH (THE WOLF MAN, 1941), AMERICAN WEREWOLF IN LONDON (AN AMERICAN WEREWOLF IN LONDON, 1981), DAS TIER (THE HOWLING, 1981) und WOLFMAN (THE WOLFMAN, 2010).

Spanien im 18. Jahrhundert: Im Verlies des Schlosses Siniestro vergewaltigt ein wahnsinniger Häftling eine taubstumme Frau. Sie wird Schwanger und stirbt bei der Geburt des Jungen. Auf Waisen liegt nun der Fluch der Lykanthropie und dieser kann nur mit einer Silberkugel beseitigt werden. Eine alte Geschichte, aber dafür in einem neuen und prächtigen Gewand. Unter der gekonnten Regie von Terence Fisher zeigt uns Oliver Reed den zerrissenen Charakter eines jungen Mannes, der eindrucksvoll gegen sein Schicksal kämpft. Ein stimmungsvoller und farbenprächtiger Film mit außergewöhnlichen Charakteren aus dem Hause Hammer. Leider wurde ein weiterer Werwolf-Film aufgrund der vielen Streitereien zwischen dem Studio und der Zensurbehörden verworfen.

 

Platz 9: Augen der Angst (Peeping Tom, 1960)

Bewusst habe ich Hitchcocks Klassiker PSYCHO hier nicht mit aufgenommen. Der Gründe sind ganz einfach: Jeder kennt ihn, es wurde schon alles über PSYCHO gesagt und geschrieben. Viel lieber wenden wir uns AUGEN DER ANGST zu, der immer wieder zu Gunsten von PSYCHO in solchen Aufzählungen unterschlagen wird. Sehr zu Unrecht wie ich finde.

Tagsüber arbeitet Mark Lewis (Karlheinz Böhm) in einem Filmstudio, nachts dreht er seine eigenen, sehr speziellen Filme. Er sucht sich Frauen aus, egal ob Prostituierte oder Statistin aus dem Studio und spricht sie unter einem lapidaren Grund an, nur um dann ihre Todesangst und die entsetzen Blicke im Augenblick ihres Todes aufzunehmen.

Der Film löste bei seiner Veröffentlichung einen Skandal aus, weil das Kinopublikum zum ersten Mal so richtig mit der Lust an nackter Gewalt konfrontiert wurde. Die Karriere von Karlheinz Böhm erlitt durch den Film einen heftigen Knick, denn niemand wollte Sissis Traumprinzen als psychopathischen Mörder sehen. Zudem wurde der Film stark vom britischen Zensor BBFC in seiner Ursprungsfassung gekürzt. Heute kann man nur vermuten, welche Stellen und wie Viel der Schere zum Opfer gefallen sind. Regisseur Michael Powell fand lange Zeit nach AUGEN DER ANGST keine Geldgeber für weitere Projekte, aber heute gilt er zu Recht als sein Meisterwerk.

 

Platz 8: Die Stunde wenn Dracula kommt (La maschera del demonio, 1960)

Hier nun der dritte und letzte Film von Mario Bava in unserer kleinen Sammlung: Bavas frühes Meisterwerk in wunderbaren, stimmungsvollen Schwarz-Weiß-Aufnahmen aus dem Jahre 1960. Ein Gemälde in gotischem Horror, gewürzt mit einigen sadistischen Darstellungen und wunderbaren Schauspielern. Der Film war Bavas erste Arbeit als allein verantwortlicher Regisseur und für die damals 22-jährige Hauptdarstellerin Barbara Steele der Durchbruch als Horror-Queen.

Im Jahre 1630 wird Asa (Barbara Steele) und ihr Geliebter Javutich (Arturo Dominici) unter der Führung von Asas Bruder der Hexerei angeklagt und hingerichtet. Vor ihrem Tode verflucht Asa ihn und seine Nachkommen. 200 Jahre später kommen bei einem Unfall mit ihrer Kutsche, Professor Krubajan (Andrea Checchi) und sein Assistent Gorobec (John Richardson) an Asas Grabstätte zum Halten. Die beiden neugierigen Ärzte begutachten die Gruft und erwecken, ohne es zu merken, Asa wieder zum Leben. Eine Spirale des Todes greift nun um sich, denn Asa möchte jeden noch lebenden Nachfahren ihres Bruders den Tod bringen.

Wie üblich hat die deutsche Titelschmiede den Namen Dracula nur aus reinen Marketing-Gründen aufgenommen (zwei Jahre zuvor war DRACULA von den britischen Hammer-Studios erschienen). Um das zu rechtfertigen, wurde in der deutschen Synchronisation in der Eingangsszene Javutich zwei Mal als Dracula bezeichnet, was jedoch im Original gar nicht vorkommt. Gemessen für die damalige Zeit, hat der Film einige heftige Gewaltdarstellungen, die auch dazu führten, dass er in England bis 1968 komplett verboten war und in anderen Ländern nur stark gekürzt erschienen ist. Trotzdem alledem war DIE STUNDE WENN DRACULA KOMMT ein voller Erfolg für Bava und das Studio.

 

Platz 7: Die Nacht der lebenden Toten (Night of the Living Dead, 1968)

Der Beginn des „neuen“ Zombie-Films: Was die Hammer-Studios mit ihrem NÄCHTE DES GRAUENS (THE PLAGUE OF THE ZOMBIES, 1965) optisch angedeutet haben, wird hier nun zum ersten Mal meisterhaft von George A. Romero in Szene gesetzt. Dieser Film, mit dem geringen Budget von ca. 114.000 US-Dollar, setzte eine bis dahin ungeahnte Welle von Zombie-Filmen in Gang, die bis heute anhält. Zum ersten Mal erscheinen die Zombies nicht durch einen obskuren Voodoo-Zauber, wie in den Klassikern IM BANN DES WEISEN ZOMBIES (WIHITE ZOMBIE, 1932) oder ICH FOLGTE EINEM ZOMBIE (I WALKED WITH A ZOMBIE, 1943), sondern weil sie es einfach können und nach Menschenfleisch lechzen.

Barbara (Judith O‘Dea) und Johnny (Russell Streiner) besuchen das Grab ihres Vaters als sie plötzlich ein blasser Mann angreift und Johnny tötet. Barbara flüchtet, den Fremden im Nacken, in ein nahegelegenes Farmerhaus. Verängstigt versteckt sie sich darin, als kurz darauf eine weitere Person in dem Haus Schutz sucht: Der Afroamerikaner Ben (Duane Jones). Ben schafft es die verstörte Barbara halbwegs zu beruhigen und zusammen sichern sie das Haus ab, wobei sie weitere fünf Personen im Keller entdecken. Mittlerweile haben sich immer mehr Untote um das Haus versammelt und ein Entkommen ist unmöglich. Ein letzter verzweifelter Kampf ums Überleben beginnt.
Seit den 80er Jahren gilt DIE NACHT DER LEBENDEN TOTEN als Kultfilm und Meilenstein des amerikanischen Kinos. Zwei Remakes (1990 von Tom Savini und 2006 von Jeff Broadstreet) entstanden in den letzten Jahren, die aber niemals an die Klasse des Originals heranreichten. Romero drehte in der Folgezeit noch fünf weitere Zombie-Filme von unterschiedlicher Qualität.

Platz 6: Tanz der toten Seelen (Carnival of Souls, 1962)

Er ist ein Low-Budget-Film von Herk Harvey, welcher auch sein einziger Film blieb, dem man jede Minute ansieht, dass er sehr billig war. Jedoch entfaltet er eine solche Dynamik und Kraft, dass dieser Billig-Look aufgesogen wird und einen surrealen unheimlichen Horrorfilm wieder ausspuckt, der Seinesgleichen sucht.

Mary Henry (Candace Hilligoss) überlebt einen Autounfall bei dem ihre zwei Freundinnen sterben. Auf dem Weg nach Salt Lake City, wo sie eine Stelle als Organistin in einer Kirche angenommen hat, erscheint ihr im Fenster des Wagens das Gesicht eines ihr unbekannten Mannes. Die Erscheinungen häufen sich und nehmen immer mehr an Intensität zu. Der verlassene Rummelplatz in der Nähe übt zudem eine seltsame Faszination auf Mary aus, etwas ist dort und ruft nach ihr. Sie muss das Rätsel lösen, das dort im Dunkel auf ihre Ankunft wartet.

In traumatischen, teils verstörenden Bildern, wird das Leben der Mary Henry langsam auf den Kopf gestellt. Der Film wurde in nur wenigen Tagen gedreht, zudem waren die meisten Schauspieler reine Amateure. Lediglich Candace Hilligoss hatte eine professionelle Schauspieler-Ausbildung genossen. Sie schafft es auch den Film zu tragen und mit aller Überzeugung das Grauen, das sie umringt, glaubhaft darzustellen. In Deutschland wurde der Film erst in den 90ern vom ZDF gezeigt. Regie-Legenden George A. Romero wie auch David Lynch zählen TANZ DER TOTEN SEELEN zu ihren Lieblingsfilmen. Es existieren mehrere Schnittfassungen, wobei die Längste ca. 84 Minuten lang ist.

 

Platz 5: Rosemaries Baby (Rosemary‘s Baby, 1968)

Polanski zauberte in diesem Jahrzehnt noch zwei weitere Klassiker auf die große Leinwand; EKEL (Repulsion, 1965), der es leider nicht in diese Liste schaffte und TANZ DER VAMPIRE (The Fearless Vampire Killers, 1967) siehe Platz 2. EKEL ist der erste Film der sogenannten „Mieter-Trilogie“ von Polanski. ROSEMARIES BABY bildete den Mittelteil und DER MIETER (Le locataire) von 1976 den Abschluss. In allen drei Filmen ist eine Wohnung der Schauplatz für den Horror und alle drei Filme sind absolute Meisterwerke des bekannten Regisseurs.

Frisch verheiratet beziehen Rosemary (Mia Farrow) und Guy Woodhouse (John Cassavetes) eine Wohnung im New-Yorker-Bramford-Haus. Dort soll angeblich früher ein Zirkel von Satansanhängern ihre geheimen Riten ausführt haben. Durch den Tod einer jungen Frau bekommen die beiden Kontakt zu einem älteren Ehepaar aus der Nachbarschaft, Minnie (Ruth Gordon) und Roman Castavets (Sidney Blackmer). Guy ist von dem Pärchen sofort begeistert, ganz im Gegensatz zu Rosemary, die den beiden nicht so recht traut und zurückhaltend bleibt. Nach dem Genuss eines Desserts von Minnie fällt Rosemary in einen delirium-ähnlichen Trance-Zustand, in dem sie die alptraumhafte Zeugung ihres Kindes erlebt. Wir erleben durch Rosemarys Augen, wie sich alles um sie herum verändert: Harmloses wird plötzlich bedrohlich, normale Menschen werden zu Teufeln.

Der Film ist ein fiebriger Alptraum, er kombiniert geschickt die traditionellen Formen des Aberglaubens mit modernen psychoanalytischen Motiven. Das Grauen wächst hier langsam aus dem Alltäglichen heraus, dem „normalen“ Leben in der Großstadt, welches einen Nährboden für das unsagbare Grauen bildet. In dieser alltäglichen Umgebung, wie wir sie jeden Tag selber erleben und kennen, gelang es Polanski seine Vision von Bedrohung, schwarzer Magie und Hexerei geschickt zu verankern. Ein weiteres Beispiel für die deutschen Titelmacher: Wieso wurde aus ROSEMARY im Originaltitel ROSEMARIE im deutschen Titel?

 

Platz 4: Schloss des Schreckens (The Innocents, 1961)

Auch in diesem Klassiker des Gruselkinos haben wir es wieder mit jeder Menge Andeutungen und Vermutungen zu tun. Jack Clayton und seine Drehbuchschreiber William Archibald, John Mortimer und schlussendlich auch noch Schriftsteller Truman Capote schafften es in brillanter Art und Weise den Zuschauer immer wieder im Dunkeln zu lassen und nie den Schleier komplett zu lüften. Mit subtilen Mitteln inszeniert Clayton hier eine morbide, ja fast schon alptraumhafte Atmosphäre mit Unterstützung von seinem exzellenten Kameramann Freddie Francis.

Im England des 19. Jahrhunderts tritt Miss Giddens (Deborah Kerr) eine Stelle als Gouvernante auf einem entlegenen Landsitz an, um über die Erziehung der Geschwister Miles (Martin Stephens) und Flora (Pamela Franklin) zu wachen. Nach einiger Zeit erscheinen Miss Giddens wiederholt geisterhafte Erscheinungen von einem Mann und einer Frau. Die Haushälterin Mrs. Grose (Megs Jenkins) identifiziert die beiden als den ehemaligen Diener Peter Quint (Peter Wyngarde) und Miss Jessel (Clytie Jessop), die Vorgängerin von Miss Giddens. Verzweifelt versucht sie hinter die seltsamen Vorgänge zu kommen, in denen auch die beiden Kinder verwickelt sind.

Ein Interessanter, psychologischer Ansatz, bietet das Gebaren von Miss Giddens im Umgang mit Miles, wo man im Verlaufe des Films gerne die eine oder andere Pädophile-Tendenz erkennen kann, vor allem in der Schlussszene. Dass Miss Giddens eine sexuell frustrierte, junge Frau ist, wird in vielen Szenen überdeutlich dargestellt.

 

Platz 3: Die Verfluchten – Der Untergang des Hauses Usher (House of Usher, 1960)

In Amerika ging plötzlich ganz Erstaunliches vor sich. Die Firma American International wollte plötzlich Horrorfilme für Erwachsene produzieren. Man holte sich den bekannten Low-Budget Regisseur Roger Corman ins Boot, gab ihm ein paar Dollar und startete eine Reihe von mehr als gelungenen Edgar-Allan-Poe-Verfilmungen. DIE VERFLUCHTEN war der Erste dieser Serie und für mich, auch der Höhepunkt dieser Zusammenarbeit. Den roten Faden der ganzen Verfilmungen, um den bekannten Horror-Autor bildet Vincent Price, bis auf eine Ausnahme, denn in LEBENDIG BEGRABEN (1962) spielte Ray Milland die Hauptrolle. Mit einem Budget von nur 350.000 $ und in zwei Wochen Drehzeit, zauberte Roger Corman einen diabolischen Film für die Ewigkeit. Die Handlung hat zwar nur noch wenig mit Poes ursprünglicher Geschichte zu tun, aber die drückende und unheimliche Atmosphäre, die auch Poe im Sinn hatte, ist jederzeit spürbar.

Philip Winthorp (Mark Damon) reist zum Haus der Familie Usher um seine Verlobte Madeline Usher (Myrna Fahey) zu besuchen. Doch ihr Bruder Roderick Usher (Vincent Price) verbietet ihm sie zu sehen, da sie schwer krank sei und absolute Ruhe braucht. Zudem erzählt er Winthorp von dem Fluch, welcher auf den Ushers lastet und jeden in den Wahnsinn treibt. Als Winthorp von der geplanten Hochzeit mit Madeline erzählt, befürchtet Roderick, dass der Fluch dadurch weitergetragen wird. Roderick möchte seines und das Leben von Madeline beenden, um damit den Fluch, der auf den Ushers liegt, zu beenden. Er schmiedet einen abartigen Plan. Vincent Price, der bis dahin nur in Amerika bekannt war, wurde durch die Serie mit Poe-Verfilmungen weltberühmt.

 

Platz 2: Tanz der Vampire (The Fearless Vampire Killers aka Dance of the Vampires, 1967)

Eine der besten Horror-Komödien die jemals gedreht worden sind, ist der TANZ DER VAMPIRE. Regisseur Roman Polanski versteht es meisterhaft mit den ganzen Konventionen und Vorurteilen des Genres umzugehen, aber sie niemals der Lächerlichkeit preiszugeben. Leider wurden in der deutschen Synchronisation viele Gags aufgrund von falscher Scham gegenüber dem Judentum aufgegeben. Der Bekannteste ist zweifellos, wenn Shagal als jüdischer Vampir keine Angst vor dem christlichen Kreuz hat. Die meisten Szenen wurden im Studio gedreht und die wenigen Außenaufnahmen wurden in den Dolomiten und im Grödnertal in Südtirol gedreht. Die Inspiration für Graf Krolocks Schloss war Burg Taufers, welche teilweise originalgetreu nachgebaut wurde.

Professor Abronsius (Jack MacGowran) reist mit seinem Adepten Alfred (Roman Polanski) in die Südkarparten um den Vampirismus zu erforschen. Im Gasthof des Wirtes Shagal (Alfie Bass) beziehen sie für ein paar Tage ein Zimmer und entdecken erste Hinweise in Form von Knoblauch. Später erfahren sie, dass es in der Nähe tatsächlich ein Schloss des Grafen Krolock (Fredy Mayne) gibt. Dort lebt er mit seinem Sohn Herbert (Iain Quarrier), dem buckligen Diener Koukol (Terry Downes) und einigen anderen illustren Gestalten. Als eines nachts Graf Krolock Sarah (Sharon Tate), die Tochter des Wirtes entführt, machen sich Prof. Abronsius und Alfred auf den Weg zum Vampirgrafen. Sie wollen den Vampir endgültig vernichten und Sarah retten.

Eine amüsante Persiflage auf das alte Horror-Kino, welches ganz ausgezeichent mit den Handlungsmustern und den vielen Klischees des Vampir-Genres spielt.

 

Platz 1: Bis das Blut gefriert (The Haunting, 1963)

Der Film gehört mit dem SCHLOSS DES SCHRECKENS, Platz Nummer 4, und dem TANZ DER TOTENKÖPFE (1973) zu den bekanntesten und wohl auch effektivsten Geisterfilmen. BIS DAS BLUT GEFRIERT zeigt keine Geister oder andere Erscheinungen. Nein, denn hier ist das Haus selbst die Inkarnation des Bösen. Robert Wiese erzeugt durch Fokus auf die Stimmung, das überall lauernde unsichtbare Böse. Mit dem gekonnten Einsatz von Licht und Schatten, der perfekten Kameraführung und zeitgenauen Schnitten, sowie einer ausgefallenen Tonkulisse, wird die Angst körperlich spürbar.

Dr. John Makway (Richard Johnson) möchte Beweise für die Existenz von übernatürlichen Erscheinungen und Geistern sammeln und ausgerechnet im legendären „Hill House“. Dazu hat er zwei parapsychologisch empfängliche Frauen eingeladen ihm zu helfen. Zum einen ist da, die vom Leben gezeichnete Jungfer Eleanor Lance (Julie Harris), die in dem Auftrag die Chance sieht ihr verkorkstes Leben zu ändern. Zum anderen haben wir das genaue Gegenteil von Eleanor: Theodora (Claire Bloom), die mit bissigen Sprüchen und ihrer lockeren Art nichts ernst zu nehmen scheint. Zusätzlich zu den drei Experten vor Ort, ist noch Luke Sanderson (Russ Tamblyn), der Neffen der Haus-Erbin. Zusammen, wollen sie dem Geheimnis des „Hill House“ zu Leibe rücken.

Der Film lässt jede Menge an spannenden Interpretationen zu: Zum Beispiel, das Eleanor durch ihre sexuelle Frustration, ihr missratenes Leben und den Zorn auf die Gesellschaft, die Erscheinungen selbst hervorruft, unkontrolliert durch ihr Unterbewusstsein. Das Haus selbst, ist nur das Werkzeug zur Visualisierung ihres Schreckens. Die Außenaufnahmen entstanden im englischen Ettington Park, der inzwischen zu einem Hotel umgebaut worden ist. BIS DAS BLUT GEFRIERT ist ein zeitloses Meisterwerk.

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