Die besten Horrorfilme der 30er Jahre

Die besten / wichtigsten Horror-Filme der Jahre 1930-1939

Willkommen zu einer neuen Folge unserer Reise durch die Horror-Filmgeschichte. Dieses Mal gehen wir weit zurück in die 30er Jahre: das goldene Zeitalter der Universal-Monster. Es sind die Jahre, als die Filmwelt noch schwarz-weiß war und gerade der Tonfilm seinen unaufhaltsamen Siegeszug begann. Erneut habe ich die wichtigsten Werke zusammengefasst und in mühevoller Arbeit in Form einer Liste für euch zusammengestellt. Viel Spaß beim lesen und (wieder)entdecken. Doch zuerst gibt es, wie immer, einen kurzen Abriss der wichtigsten weltweiten Ereignisse aus jener Dekade.

Zu Beginn des Jahres 1930 hat die Weltwirtschaftskrise den ganzen Erdball in seinen Krallen. Auslöser war im Oktober 1929 der New-Yorker-Börsencrash. Bankenkrisen und der Rückgang der Industrieproduktionen, sowie des Welthandels waren die Folgen. Eine massenhafte Arbeitslosigkeit und das damit verbundene, soziale Elend der Menschen lies nicht lange auf sich warten. Die Weltwirtschaftskrise zog sich durch dieses komplette Jahrzehnt hindurch und in einigen Ländern war sie selbst noch zu Beginn des Zweiten Weltkrieges präsent. Am 30. Januar 1933 wird Adolf Hitler zum Reichskanzler ernannt. Im Zuge dessen, wurde die Weimarer Republik in eine nach dem nationalsozialistischen Führerprinzip agierende zentralistische Diktatur umgewandelt. Mit dem Überfall der deutschen Streitmacht auf Polen begann der Zweite Weltkrieg am 1. September 1939 in Europa. Ein Jahr zuvor war der deutsche Verbündete Japan in einem Grenzkrieg mit der Sowjetunion verwickelt. Am 7. Juli 1937 starteten die Japaner eine umfassende Invasion in China, die bis zum 9. September 1945 anhielt. In Spanien begann zwischen Juli 1936 und April 1939 der spanische Bürgerkrieg. Die demokratische Regierung kämpfte damals gegen die rechtsgerichteten Putschisten unter der Führung von General Francisco Franco. Am 17. Dezember 1938 entdeckte der deutsche Otto Hahn die Kernspaltung des Uran-Atoms, die Grundlage zur Nutzung der Kernenergie, die in den kommenden Jahren die Welt verändern wird.

Trotz all der negativen Ereignisse und Krisen hatte der Film auch in diesem Jahrzehnt einiges zu bieten. Allerdings konzentrierte sich diese Entwicklung hauptsächlich auf die Maschinerie Hollywood. Die Fox führt 1930 in Deutschland die WOCHENSCHAU ein. Im selben Jahr startet Marlene Dietrich mit DER BLAUE ENGEL (DER BLAUE ENGEL) in Deutschland durch. Luis Buñuels surrealistischer Tonfilm DAS GOLDENE ZEITALTER (L‘AGE D‘OR, 1930) bekommt in Frankreich ein Aufführungsverbot, das bis 1981 Bestand hatte. Einer der ganz großen Anti-Kriegsfilme, ausgezeichnet mit Dutzenden von Preisen, kommt ebenfalls 1930 in den USA in die Kinos: IM WESTEN NICHTS NEUES (ALL QUIET ON THE WEST FRONT).

Selbst in Deutschland entstanden immer noch Klassiker, doch sollte diese Entwicklung bald ein abruptes Ende nehmen und viele Filmschaffende aus dem Land in Richtung Hollywood vertreiben. Filme wie M-EINE STADT SUCHT EINEN MÖRDER (M, 1931) oder auch DAS TESTAMENT DES DR. MABUSE (DAS TESTAMENT DES DR. MABUSE, 1933) füllten die Kinosäle, waren aber den Nationalsozialisten ein Dorn im Auge. Nach und nach kehrte der Phantastische Film, mit dem deutschen Expressionismus im Gepäck, in Hollywood ein und begeisterte das Publikum. Werke wie DR. JEKYLL AND MR. HYDE (DR. JEKYLL AND MR. HYDE, 1932), KING KONG UND DIE WEISE FRAU (KING KONG, 1933) oder DER UNSICHTBARE (THE INVISIBLE MAN, 1933) waren echte Kassenschlager. Aber auch Komödien und Krimis kamen immer mehr in Mode, Stellvertretend sei hier DER DÜNNE MANN (THE THIN MAN, 1934) erwähnt. Im Dezember 1937 veröffentlichen die Disney Studios ihren ersten abendfüllenden Zeichentrickfilm mit SCHNEEWITTCHEN UND DIE SIEBEN ZWERGE (SNOW WHITE AND THE SEVEN DWARFS). Zum Ende des Jahrzehntes veröffentlichte Hollywood noch einen weiteren, ganz wunderbaren Film, der bis heute Jung und Alt begeistert: DER ZAUBERER VON OZ (THE WIZARD OF OZ, 1939) von Victor Fleming mit der bezaubernden Judy Garland.

© 1939 Warner Home Video

Wie immer so auch diesmal: Die nachfolgende Liste erhebt keinerlei Anspruch auf Vollständigkeit, sie soll lediglich anhand der wichtigsten Filme die Entwicklung des Horrorfilmes verdeutlichen. Zudem ist die Reihenfolge nicht zwingend als „in Stein gemeißelt“ zu verstehen.

Platz 20: MURDERS IN THE ZOO (MURDERS IN THE ZOO, 1933)

Beginnen wollen wir mit einem Horrorfilm der eigentlich kein echter Horrorfilm ist, sondern ein böser Thriller. Nichts von all dem gotischen Horror-Brimborium, der in jenen Jahren durch Hollywood waberte, ist hier präsent. Die Story ist recht simpel gehalten und schnell erzählt: Die Ehe des Großwildjäger Eric Gorman (Lionell Atwill) mit seiner Frau Evelyn (Kathleen Burke) läuft nicht ganz so wie erhofft. Immer wieder hat Frau Gorman Liebhaber oder macht den Männern schöne Augen. Doch der gehörnte Ehemann, er ist Jäger und Zoologe, nutzt sein Wissen über exotische Tiere und Gifte, um sich die lästigen Liebhaber, auch die eingebildeten, kurzerhand vom Hals zu schaffen.

Das Großartige an diesem Film ist die Darstellung von Lionell Atwill, der hier eine unglaubliche Performance an den Tag legt. Seine elegante Boshaftigkeit, die meisterhafte Tücke seiner Pläne, aber auch der Genuss, den er mit jeder Nuance seiner Dialoge auskostet. Er suggeriert einen Hang zur Verdorbenheit, wie man es nur selten zu sehen bekommt. Der Wahnsinn steht ihm mitten ins Gesicht geschrieben, einfach köstlich. Schon der Beginn des Filmes zeigt uns was wir von Atwill zu erwarten haben. Mitten im Dschungel bindet er einen Liebhaber seiner Frau an einen Baum und näht ihm den Mund zu, wie bei einem Schrumpfkopf. Ungerührt geht er von dannen und überlässt den armen Teufel den wilden Tieren. Regisseur Edward Sutherland, der mehr auf Komödien spezialisiert war und Kameramann Ernest Haller schaffen es, die dünne Story in prächtige Bilder zu verpacken und den Zuschauer ständig neu zu überraschen. Sehr schade, dass bis heute keine deutsche Veröffentlichung des Filmes auf dem Markt erschienen ist. MURDERS IN THE ZOO ist ein sehr außergewöhnlicher Film mit einem überragenden Lionell Atwill.

Platz 19: DER MANN, DER SEIN GEHIRN AUSTAUSCHTE (THE MAN WHO CHANGED HIS MIND, 1936)

Auch bekannt unter dem Titel: DER MANN, DER ES SICH ANDERS ÜBERLEGTE und THE MAN WHO LIVED AGAIN. Diese sehr ansehnliche Gaumont-British-Produktion, mit Boris Karloff als Zugpferd, gehört eindeutig zu seinen besseren Filmen.

Dr. Laurience (Boris Karloff) experimentiert mit einer Maschine, die Materie auflöst und an einem anderen Ort wieder zusammen setzt. Wem das jetzt bekannt vorkommt, der hat natürlich vollkommen Recht: Dr. Laurience hat hier den gleichen Typ Maschine, den etwas später Andrè Delambre in DIE FLIEGE (THE FLY, 1958) benutzte, entwickelt. (Vermutlich haben die beiden zusammen in ihrem dunklen Keller gearbeitet, oder sie hatten eine Brieffreundschaft am Laufen.) Während Delambre komplette Menschen transportieren möchte, will Dr. Laurience „nur“ lebende Gehirne austauschen. Das Ganze soll besonders schöpferischen und kreativen Menschen zu einem längeren Leben verhelfen, wenn der Zahn der Zeit an ihren altersschwachen Körpern nagt. Nach einigen Versuchen mit Affen, tauscht Dr. Laurience das Gehirn seines gelähmten Assistenten Clayton (Donald Calthrop) in den jungen Körper seines miesen Geldgebers Lord Haslewood (Frank Cellier). Haslewoods Sohn Dick (John Loder) stellt Nachforschungen über seinen veränderten Vater an und landet schließlich bei Dr. Lauriences attraktiver Assistentin Dr. Clare Wyatt (Anna Lee), in die er sich verliebt. Am Ende gibt es das übliche Durcheinander. Da jedoch verrückte Wissenschaftler nur eine sehr kurze Halbwertszeit im Film haben, bleibt für Dr. Laurience auch hier nichts anderes übrig als geläutert abzutreten.

Ein gelungener Mix von dramatischen Szenen mit ironischen Einlagen und dazwischen zum Teil sehr bissigen Dialogen. Durch die üblichen Horror-Topos, nur leicht abgewandelt, bekommt der Film seine ganz eigene Note verliehen. Sidney Gilliat und John L. Balderston schafften mit ihrem Drehbuch diesen herrlichen Mix, der vom ersten Moment an zu überzeugen weiß. Dazu kommen feine Kulissen, vor allem das Laboratorium und eine perfekte Ausleuchtung. Regisseur Robert Stevenson und sein Star Boris Karloff schaffen es, den Mad-Scientist nicht nur als den üblichen Bösewicht darzustellen, sondern geben ihm eine bis dahin unbekannte Tiefe. Leider drehte Stevenson nur diesen einen Horrorfilm.

Platz 18: DRACULA (DRACULA, 1931)

Ich bin mir bewusst, dass mich jetzt viele Leser gern dafür foltern oder gar töten möchten, dass ich diesen großen Klassiker so weit hinten platziert habe. Aber ich habe meine Gründe und stehe auch dazu. Ja, DRACULA war und ist für die folgenden Jahrzehnte des Vampir-Films ein wegweisender Film. Auch das sich an Bela Lugosis Performance des blutdürstigen Grafen, viele der nach ihm kommende Mimen orientierten, ist mir bekannt. Aber für mich ist das alles zu sehr Theater und zu wenig Horror. Damit wir uns nicht falsch verstehen, ich liebe die alten Filme, vor allem alles, was in schwarz-weiß daher kommt. Doch das ist mir dann doch „too much“. Da greif ich lieber zu Christoper Lee‘s DRACULA, der das ganze Gezappel ignoriert und den Vampir auf das reduziert, was ihn ausmacht. Oder auch der unschlagbare Klassiker NOSFERATU, in dem Max Schreck jedem nach ihm kommenden Dracula-Darsteller innerhalb weniger Minuten zeigt, wo der Frosch die Locken hat.

Die Universal-Verfilmung von DRACULA gilt als erste offiziell zugelassene filmische Bearbeitung des bekannten Romans von Bram Stoker. Das Drehbuch basiert auf dem Bühnenstück von Hamilton Deane und John L. Balderston, was besonders im mittleren Teil des Films sehr schnell auffällt. Viele dialoglastige Szenen wie eben im Theater üblich und nur wenige Kulissenwechsel, dazu das theatralische Gebaren von Lugosi.

Renfield (Dwight Frye) reist nach Transsilvanien, um dem Grafen Dracula (Bela Lugosi) eine Immobilie in London zu verkaufen. In den folgenden Nächten wird Renfield von den blutgierigen Bräuten des Grafen angezapft und etwas später auch von Dracula höchst persönlich, der ihn dann auch zum Vampir macht. Als Sklave Draculas beginnt Renfield die Heimreise. In seinem Handgepäck befindet sich der Graf. Kaum sind sie in London angekommen, beziehen sie sofort ihr neues Domizil Carfax Abbey, von wo aus der Graf sein Unwesen in der Stadt treibt. Sein erstes Opfer wird Lucy Weston (Frances Dade), die Freundin von Mina Seward (Helen Chandler).

1936 folgte eine direkte Fortsetzung, die auf den Titel DRACULA‘S TOCHTER (DRACULAS DAUGHTER) hört, aber ohne Bela Lugosi, der weiterhin tot in seinem Sarg liegt. Regisseur Lambert Hillyer inszenierte eine interessante Story und schickte Gloria Holden als Vampirin in den Ring, die mit ihrer unheimlichen Präsenz zu überzeugen weiß. Spannend finde ich auch den Punkt, dass Professor Van Helsing gleich zu Beginn wegen Mordes an Graf Dracula verhaftet wir. Nette Idee. Weitere Fortsetzungen sind DRACULAS SOHN (SON OF DRACULA, 1943), FRANKENSTEINS HAUS (HOUSE OF FRANKENSTEIN, 1944) und DRACULAS HAUS (HOUSE OF DRACULA, 1945). Das endgültige Ende wurde mit dem albernen ABBOTT & COSTELLO TREFFEN FRANKENSTEIN (ABBOTT AND COSTELLO MEET FRANKENSTEIN, 1948) eingeläutet. Das sehr erfolgreiche Remake, auch in Amerika, der Hammer-Studios ist DRACULA (HORROR OF DRACULA) von 1958, dem noch weitere mehr oder weniger grandiose Werke folgten.

Platz 17: IM BANN DES WEISEN ZOMBIES (WHITE ZOMBIE, 1932)

Regisseur Victor Halperin drehte 1936 noch einen weiteren Zombie-Film mit dem Titel DIE REVOLTE DER ZOMBIES (REVOLT OF THE ZOMBIES), der aber weder von der Qualität noch von der Story mit dem hier besprochenen Zombie-Streifen mithalten kann.

Madeline Short Parker (Madge Bellamy) und ihr verlobter Neil Parker (John Harron) reisen nach Haiti, zur Plantage des reichen Charles Beaumont (Robert Frazer), der sie dazu überredet in seinem Haus die Trauung zu vollziehen. Nicht ohne Hintergedanken, den Beaumont hat selber ein Auge auf Madeline geworfen. Während ihrer Fahrt zu Beaumont treffen sie auf den mysteriösen Murder Legendre (Bela Lugosi). Dr. Brunner (Joseph Cawthorn), ein Priester, warnt das verliebte Pärchen davor zu lange auf der Insel zu bleiben und vor allem Murder Legendre aus dem Weg zu gehen. Als sich Madeline schließlich weigert auf die Annäherungsversuche von Beaumont einzugehen, wendet dieser sich wütend an Legendre. Jener verwandelt daraufhin Madeline in einen willenlosen Zombie. Kurz darauf ist auch Beaumont selber Teil von Legendres Zombie-Sammlung. Nun bleibt nur noch Neil, der verzweifelt versucht, seine Frau den Klauen des Todes zu entreißen.

In vielen Szenen wirkt der Film unfreiwillig komisch und veraltet. Gerade wenn man IM BANN DES WEISEN ZOMBIES mit DAS ALTE FINSTERE HAUS vergleicht, der im selben Jahr entstand. Heute sagt man ja auch zu solchen Filmen „er ist nicht zu seinem Vorteil gealtert“. Aber, dass der Film auch seine Momente hat, gerade wenn die Zombies auftauchen, zusammen mit den stimmungsvollen Landschaftsaufnahmen im Studio wird von Beginn an deutlich. Eine fantastische Ausleuchtung und zum Teil sehr interessante Aufnahmen sind Victor Halperin und seinem Team gelungen. Man kann durchaus sagen, dass WHITE ZOMBIE, so der englische Titel, etwas vom Flair der britischen Hammer-Studios vorwegnimmt. Durch Großaufnahmen der schrecklichen Zombie-Körper, manche von Kugeln zerfetzt, versuchte man schon damals das Publikum zu schockieren. Wie es auch später die britischen Studios, nur eben in Farbe, etwas überzeugender machten. Vergleiche mit Jaques Tourneurs Film ICH FOLGTE EINEM ZOMBIE (I WALKED WITH A ZOMBIE, 1943) schlagen unweigerlich fehl, weil Tourneurs Streifen viel subtiler und mit wesentlich mehr Realismus an die Sache herangeht. Die Story von IM BANN DES WEISEN ZOMBIES kommt in Märchenform daher, alles ist verspielter und theatralischer. Das Ganze wird von einer elegischen Ruhe durchzogen, die sich auch in den knappen Dialogen wiederspiegelt. Die britischen Hammer-Studios beschäftigten sich nur einmal mit den lebenden Toten, und zwar in: NÄCHTE DES GRAUENS (THE PLAGUE OF THE ZOMBIES, 1965) der schon vieles von Romeros späteren Aussehen der Zombies in DIE NACHT DER LEBENDEN TOTEN (NIGHT OF THE LIVING DEAD,  1968) und ZOMBIE (DAWN OF THE DEAD, 1978) vorwegnimmt . Dazwischen rangiert DIE NACHT DER REITENDEN LEICHEN (TOMBS OF THE BLIND DEAD, 1971) der wohl von allem ein Bisschen hat, nur keine vernünftige Story und aber dafür viele absolut talentfreie Schauspieler.

Platz 16: DOKTOR X (DOCTOR X, 1932)

DOKTOR X, oder auch DR. X und DER GEHEIMNISVOLLE DOKTOR X, ist einer dieser Filme, die für eine sehr lange Zeit verschwunden waren und es lediglich nur ein paar Fotos zu bewundern gab. Regisseur Michael Curtiz’ (CASABLANCA, 1942) Film ist voll mit den üblichen Stereotypen jener Jahre: Ein Geisterhaus mit dunklen Korridoren, zupackende Hände, Geheimtüren und unglaubliche Laboratorien, einen Killer mit Maske und, und, und. Wie das bei solchen Storys üblich ist, wenn man einen geheimnisvollen Mörder jagt, ist selbstverständlich jeder der Anwesenden verdächtig. Oh, den Helden in der Gestalt des tollpatschigen Reporter, damals Standard in vielen Produktionen, hätte ich beinah vergessen.

Eben jener Reporter, der auf den Namen Lee Taylor (Lee Tracy) hört, wird auf den sogenannten „Mond-Mörder-Fall“ angesetzt. Eine Reihe von Frauenmorden, bei der die Polizei von Kannibalismus ausgeht, da die Opfer Wunden solcher Art aufweisen. Taylor folgt den ermittelnden Beamten und kommt so zu Doktor Xaviers (Lionell Atwill) Institut. Dort erfährt die Polizei, dass mehrere Mitarbeiter des Doktors schon mit Kannibalismus Kontakt hatten. Einer sticht besonders hervor, der mysteriöse Doktor Wells (Preston Foster), eine führende Kapazität auf dem Gebiet des Menschenfleisch-Fresser. Die Polizei vermutet prompt den Mörder unter Doktor Xaviers Angestellten und auch der Reporter Taylor macht sich daran, das Institut näher zu untersuchen.

Lionel Atwill ist hier wieder einmal in Hochform und spielt alle seine Kollegen locker an die Wand. Seine Mimik und Gestik, diese außerordentliche Klasse wie er jede Silbe seiner Dialoge bis ins letzte hinein betont und seinem Spiel anpasst. Einfach wunderbar diesem großen Schauspieler bei der Arbeit zuzusehen. Besonders beeindruckend ist Doktor Xaviers Laboratorium. Da wäre sogar Baron Frankenstein vor Neid erblasst.

Sieben Jahre später erscheint eine sinnlose Fortsetzung mit dem Titel: DAS ZWEITE LEBEN DES DOKTOR X (THE RETURN OF DOCTOR X). Regie führte diesmal Vincent Sherman, allerdings musste die Produktion ohne Lionel Atwill und Fay Wray auskommen. Und das Atwill hier vom ersten Moment an schmerzlich vermisst wurde, war unweigerlich in jeder Szene des Filmes zu spüren.

Platz 15: FRANKENSTEINS SOHN (SON OF FRANKENSTEIN, 1939)

FRANKENSTEINS SOHN wird immer wieder als langweilige Fortsetzung der großen Klassiker FRANKENSTEIN (FRANKENSTEIN, 1931) und FRANKENSTEINS BRAUT (THE BRIDE OF FRANKENSTEIN, 1935) abgetan, vollkommen zu Unrecht. OK, die Story ist nicht der Überflieger, aber sie ist durchaus Solide und weiß zu gefallen. Zudem ist er einer der längsten Universal-Monster-Filme mit gut 95 Minuten, die englische Fassung hat sogar 99 Minuten. Regisseur Rowland V. Lee schafft hier kein neues Meisterwerk, aber fast. Die unglaublich intensive und düstere Atmosphäre, wie auch die fantastischen Bauten, die einen unwillkürlich an DAS KABINETT DES DR. CALIGARI von 1920 erinnern, überzeugen auf ganzer Linie. Sie sind auch der heimliche Star des Filmes. Besonders hervorheben möchte ich zudem die Arbeit des Kameramannes George Robinson, der hier eine Meisterleistung abliefert. Es ist ein Genuss dieses Zusammenspiel der Kulissen mit dem Einsatz von Licht und Schatten zu verfolgen. Alles hat überdimensionale Formen, alptraumartige Proportionen. Fantastisch!

Frankensteins Sohn, Baron Wolf (Basil Rathbone, im Gespräch für die Rolle waren auch Claude Rains, sowie Peter Lorre), kehrt mit seiner Familie in die alte Heimatstadt zurück, hier ein Ort namens Frankenstein. In den beiden Vorläufern hieß der Ort noch Goldstadt. Nach FRANKENSTEINS SOHN bekam der Ort dann den Namen Vasaria. Die Bewohner sind verständlicherweise nicht sehr begeistert von der Rückkehr der Familie, umso weniger, da nach Ankunft der Familie eine unheimliche Mordserie beginnt. Eines Tages trifft der Baron auf den buckligen Gehilfen seines toten Vaters Ygor (Bela Lugosi) in dessen altem, zerstörten Labor. Ygor zeigt dem Baron den leblosen Leib von Frankensteins Kreatur (Boris Karloff) der angeblich von einem Blitz getroffen wurde und seitdem im Koma liegt. Baron Wolf entschließt sich, den Weg seines Vaters zu beschreiten (was auch sonst) und die Kreatur zu heilen.

Ein kleines Kuriosum am Rande: Die Rolle des Ygor wurde von Rowland V. Lee extra ins Drehbuch eingefügt, (er war ein großer Fan von Lugosi, der zu dieser Zeit schon enorme finanzielle Probleme hatte) um ihn zu unterstützen. Beim Nachfolger THE GHOST OF FRANKENSTEIN schlüpfte Lon Chaney Jr. in die Rolle des Monsters, Lugosi war erneut als Ygor dabei. Jedoch nahm die Qualität der weiteren Filme nun stetig ab und kündete das Ende der Frankenstein-Reihe frühzeitig an.

Platz 14: THE GHOUL (THE GHOUL, 1933)

Kurz nach seinem Erscheinen verschwand dieser britische Horrorfilm von der Bildfläche. Alle Versuche ihn wieder zu finden blieben erfolglos. Wilde Gerüchte bildeten sich um das Werk. Boris Karloff selber sagte in Interviews immer wieder, das wäre das Beste, was dem Film passieren konnte. Unverhofft, kommt oft und eines Tages tauchte eine abgenutzte Kopie in einem osteuropäischen Archiv auf und somit ist der verschollen geglaubte Streifen seit Ende der 1960 Jahre wieder verfügbar. Regisseur T. Hayes Hunter inszenierte THE GHOUL nach einem Roman von Frank King mit den Horror-Stars Boris Karloff und Ernest Thesiger.

Der englische Ägyptologe Henry Morlant (Boris Karloff) leidet an einer schweren Krankheit. Er hat sich über einen Dieb das Juwel „Das ewige Licht“ besorgt, das ihm angeblich die Rückkehr ins Leben nach seinem Ende ermöglichen soll. Er trägt seinem Diener Laing (Ernest Thesiger) genau auf, was nach seinem Tode zu geschehen hat, damit er auch wieder unter den Lebenden verweilen kann. Doch kurz bevor der Sarg mit dem verstorbenen Morlant und dem Leben bringenden Diamanten geschlossen wird, stiehlt der Diener den wertvollen Stein.

Gerade durch seine kolossalen Bauten und der gelungenen Lichtführung erinnert der Film stellenweise an dem ein Jahr zuvor gedrehten DAS ALTE FINSTERE HAUS (THE OLD DARK HOUSE) von James Whale. Leider hat Karloff nur wenige Auftritte, die haben es dann aber in sich. Dazwischen gibt es die üblichen Spielereien und teilweise komische Elemente. Hier mit der Komikerin Kathleen Harrison, die aber nicht mehr so recht zünden wollen. Trotz der vermeintlich komödiantischen Einschübe und den teilweise recht überspielten Charakteren, der handelnden Personen, schafft der Film eine unheimliche Atmosphäre, besonders wegen Karloffs und Thesigers Leistung. An einigen Stellen ist die Unerfahrenheit des Regisseurs T. Hayes Hunter zum Thema Horrorfilme deutlich zu erkennen. Er war zwar ein sehr viel beschäftigter Mann, jedoch mit seiner Qualität weit hinter den Größen des Business, wie zum Beispiel James Whale, abgeschlagen. Im Jahre 1975 drehte Hammer-Legende Freddie Francis einen Film mit dem gleichen Titel: DER GHUL (THE GHOUL), der aber keinerlei Ähnlichkeit mit dem hier besprochenen Film hat.

Platz 13: DER RABE (THE RAVEN, 1935)

DER RABE lehnt sich zwar im Titel sowie einigen Objekten im Film, wie einem Pendel an Edgar Allan Poes Geschichte an, die Story hat jedoch nichts mit dem genialen amerikanischen Autor zu tun. Viele Jahre wurde DER RABE als billiges und kindisches C-Movie abgewertet. Erst in letzter Zeit bekommt er mehr und mehr eine positive Rezeption und das zu Recht. Auch wenn er, wie schon gesagt, nichts mit Poe zu schaffen hat, ist DER RABE ein sehr kurzweiliger, spannender und atmosphärisch hervorragendes Horror-Movie. Zudem ist er einer der wenigen, in denen die Stars Bela Lugosi und Boris Karloff erfolgreich zusammen vor der Kamera agierten.

Der im Ruhestand lebende Chirurg Dr. Vollin (Bela Lugosi) ist ein leidenschaftlicher Edgar Allen Poe Fan, was unter anderem an vielen seltenen Büchern und Artefakten in seiner Wohnung deutlich wird. Eines Tages bittet ihn Richter Thatcher (Samuel S. Hinds) seine Tochter Jean (Irene Ware) zu operieren, die bei einem Unfall schwer verletzt wurde. Vollin verliebt sich in Jean, doch Geoffrey (Ian Wolfe), Jeans Verlobter und ihr Vater stellen sich dem liebes-trunkenen Vollin in den Weg. Gleichzeitig wendet sich der kriminelle Edmond Bateman (Boris Karloff) an Vollin und bittet mittels einer Operation ihm ein neues Gesicht zu verschaffen. Der mittlerweile kurz vor dem Wahnsinn stehende Vollin entstellt Bateman und zwingt ihn, Jeans Vater aus dem Weg zu räumen. Nur wenn Bateman das macht was Vollin wünscht, bekommt er sein neues Gesicht. Daraufhin ladet er seine Widersacher zu einer Party ein, bei der alle, die ihm im Weg stehen, endgültig sterben sollen.

Regisseur Lew Landers war ein sehr eifriger B-Movie-Regisseur. Sein bekanntestes Werk dürfte der hier besprochene DER RABE sein. 1942 drehte er mit Karloff noch die Horrorkomödie THE BOOGIE MAN WILL GET YOU und mit Lugosi 1943 THE RETURN OF THE VAMPIRE den wir in unserer 40er Liste besprochen haben. Achtung, diesen Film bitte nicht verwechseln mit dem Film DER RABE – DUELL DER ZAUBERER (THE RAVEN, 1963) von Roger Corman. Beiden Filme haben nur den gleichen Titel.

Platz 12: DIE RACHE DES TOTEN (THE WALKING DEAD, 1936)

Nein, das ist kein Film über Zombies oder dergleichen. Wir haben hier einen lang unterschätzten Karloff-Thriller, der durch seine intelligente Story, der hervorragenden Kamera und einem betörenden Stil zu überzeugen weiß.

John Ellman (Boris Karloff), frisch entlassen aus dem Gefängnis, erhält von Rechtsanwalt Nolan (Ricardo Cortez) einen Job. Er soll Richter Roger Shaw (Joe King) beschatten, der Ellmann damals verurteilt hatte. Doch Nolan lässt den Richter töten und alle Beweise sprechen dafür, dass der Mörder John Ellman war. Ellmann wird zum Tode durch den elektrischen Stuhl verurteilt. Der Wissenschaftler Dr. Evan Beaumont (Edmund Gwenn) pflanzt Ellman ein neues Herz ein und holt ihn zurück zu den Lebenden. Doch Ellman hat alles vergessen, was vor seinem Tode geschehen ist. Erst nach und nach, kehren die Erinnerungen zurück und der lebende Tote macht sich auf die Jagd nach seinen wahren Mördern.

Ein sehr interessanter Moment ist die Laboratorium- Szene, in der Dr. Beaumont John Ellman dem Reich der Toten entreißt. Nicht nur, dass alles sehr stark an FRANKENSTEIN erinnert, wie das Wiederbeleben eines toten Körpers., sondern auch der besondere Winkel, in dem Kameramann Hal Mohr das Ganze aufnimmt. Für einen Moment scheint es so, als wäre Karloff wieder in seine Paraderolle des bekannten Monsters geschlüpft. Regisseur Michael Curtiz (unter anderem CASABLANCA 1942, DER GEHEIMNISVOLLE DR. X (DOCTOR X,1932)) schafft es wieder einmal, aus einem einfachen und billigen Horrorfilm, etwas Besonderes zu machen. Mit allerlei typischen Horror-Elementen wie dem Laboratorium, Friedhöfen, Blitz und Donner erzeugt er eine sehr subtile und bedrohliche Stimmung. Geprägt von seinem unverwechselbaren Stil für Rhythmus und der ausgezeichneten Zusammenarbeit mit Hal Mohr wird DIE RACHE DES TOTEN zu einem von Karloffs interessantesten Filmen.

Platz 11: FREAKS (FREAKS, 1932)

Was haben FREAKS und HEXENSABBAT (THE SENTINEL, 1977) gemeinsam? In beiden Filmen spielen echte, missgebildete Menschen mit, was zu einem Aufschrei in der Gesellschaft führte. Über viele Jahre hinweg wurde FREAKS mit Kürzungen und Zensurstreitereien bestraft. Immer wieder wurde er als der unangenehmste Horrorfilm verleumdet, als geschmacklos und brutal abgetan. Bis heute gibt es einige Bundesstaaten der USA, wo dieser Film weiterhin verboten ist. Tod Browning, der Regisseur, besorgte sich seine speziellen Schauspieler weltweit auf Rummelplätzen und aus Zirkusarenen. Browning sollte im Auftrag der MGM einen Horrorfilm drehen, der die Konkurrenz von Universal als billig und harmlos darstellen sollte. Man kann sagen, dass ist ihm gelungen.

Vor der ersten Sichtung von FREAKS hat man durch all die negativen und schrecklichen Berichte schon eine innere, sehr abwehrende Haltung eingenommen. Man ist auf alles gefasst, egal was da nun kommen mag. Doch ehe man sich versieht, ist alles vorbei und man kann konstatieren, das war gar nicht so schlimm, wie man es sich ausgemalt hatte. Wir lernen die Welt der anderen kennen, der Freaks. Wir sehen, wie sie zusammenhalten, durch dick und dünn gehen und wie sie Menschlichkeit ausstrahlen. In FREAKS sind nicht die missgebildeten Menschen die Außenseiter. Es sind die angeblich so normalen Menschen, die tief in ihrem Inneren böse und verdorben sind, zerfressen von Neid und Missgunst. FREAKS hält der Gesellschaft einen Spiegel vor die Nase und was wir darin zu sehen bekommen, ist nicht sehr angenehm. Erst am Ende als das Verbrechen aufgedeckt ist, bricht der eigentliche Horror hervor. Ein Verrat innerhalb der Gruppe, der nicht geduldet werden kann. Erst hier haben wir einige wirklich unheimliche Bilder: alptraumhafte Aufnahmen der Freaks mitten in einem Gewitter. Browning lässt sie im Schlamm durch einen Wald kriechen und nur für Bruchteile von zuckenden Blitzen beleuchtet werden. Erst hier, erscheinen sie uns wie eine Ausgeburt der Hölle. Aber spätestens jetzt bemerken wir eine Wandlung in uns als Zuschauer und unserer Sympathie gegenüber den Freaks. Wir teilen ihren Hass auf die normalen, verdorbenen Menschen.

Brownings Karriere hatte gerade mit DRACULA seinen Höhepunkt erreicht und war mit seinem nächsten Film, eben FREAKS, auch gleich wieder am Ende. Zum einen durch den finanziellen Misserfolg den MGM erlitt und zum anderen durch die zahllosen Verbote und Eingriffe der Zensur, die sein Werk weltweit an den Pranger stellten. Die ursprünglich ca. 90 Minuten Laufzeit sind bis zum heutigen Tage nur noch in einer ca. 60-minütigen kastrierten Fassung erhältlich. Trotz allem, gehört FREAKS bis heute zu den Klassikern des Horrorfilmes.

Platz 10: DER GLÖCKNER VON NOTRE DAME (THE HUNCHBACK OF NOTRE DAME, 1939)

Regisseur William Dieterle (geb. 1893 als Wilhelm Dieterle in Ludwigshafen) ist einer der vielen Exil-Deutschen, die im aufstrebenden Hollywood großartige Filme für die Ewigkeit inszenierten. Den deutschen Expressionismus im Gepäck, machte er sich auf, Victor Hugos als unverfilmbar geltenden Roman NOTRE DAME für die große Leinwand zu verfilmen. Hugo wollte mit seinem Roman ein genaues Abbild jener brutalen Zeit im spätmittelalterlichen Leben der französischen Gesellschaft aufzeigen, in dem ein Quasimodo niemals als Protagonist vorgesehen war, so wie in vielen weiteren Verfilmungen immer wieder gezeigt wird. Nein, er war nur einer von vielen Figuren in diesem epochalen Roman von 1831. Die Zeit ist im Umbruch zwischen Aberglauben und Wissenschaft. Eine Zeit, in der der Glaube und die Kirche mehr Macht hatten als jeder König und über Leben und Tod entschied. DER GLÖCKNER VON NOTRE DAME ist mehr Drama als Horror.

Ebenso gigantisch wurde Dieterles Film, der wohl bis heute als die beste Adaption des Romanes gilt. RKO legte dafür ein Budget von 2 Millionen Dollar auf den Tisch, was für damalige Zeiten eine gigantische Summe war. Im Vergleich dazu sind die 291.000 Dollar für James Whales FRANKENSTEIN von 1931 eine kleine Nummer. Alleine schon die Bauten, die Set-Designs in denen zum Teil Hunderte von Schauspielern und Komparsen mitspielten und einer Laufzeit von 111 Minuten (üblich war in jenen Jahren zwischen 60-70 Minuten), sowie Massenszenen und Großaufnahmen am laufenden Band. Ein echter Blockbuster, lange bevor der Begriff erfunden wurde. Beeindruckend ist ebenfalls die Maske für Charles Laughton, die jeden Tag mehrere Stunden in Anspruch nahm. Lediglich das Ende wurde typisch Hollywood weichgespült, denn Esmeralda (Maureen O‘Hara) und Quasimodo (Charles Laughton) überleben. In Hugos Roman wurde Esmeralda erhängt und Quasimodo starb an ihrem Grab.

Wer hier den Fehler macht und den Horror in der Person des Quasimodo vermutet, sollte noch einmal in sich gehen. Denn hier ist der Horror, wie schon bei FREAKS, bei den normalen Menschen verankert. Tief in jedem von uns steckt dieser Horror, das Böse, das wir alle fürchten und manchmal bricht es auch hervor und zeigt seine hässliche Fratze.

Platz 9: ISLAND OF LOST SOULS (ISLAND OF LOST SOULS, 1932)

Bei seiner Erstaufführung fiel der Film beim Publikum, den Kritikern und sogar bei H.G. Wells komplett durch. In England wurde ISLAND OF LOST SOULS zusammen mit FREAKS für über dreißig Jahre verboten, ehe er wieder der Öffentlichkeit zugänglich gemacht wurde. Regisseur Erle C. Kenton setzte hier einen Horrorfilm in Szene, der gut und gerne auch von den Hammer-Studios hätte sein können. Kenton, der 1942 auch bei THE GHOST OF FRANKENSTEIN Regie führte, haut hier für damalige Verhältnisse ordentlich übers Ziel hinaus. ISLAND OF LOST SOULS ist an einigen Stellen im Kontext seiner Zeit brutal, jedoch lächerlich harmlos im Vergleich zu heutigen Produktionen.

Charles Laughton spielt einen abgebrühten Dr. Moreau, genial, aber auch eiskalt und gefühllos. Auf diese Art hatte man einen Mad-Scientist noch nie auf der großen Leinwand präsentiert. Sehen wir uns dagegen die anderen Filme dieser Liste an, fällt sofort auf, dass der Horror jener Jahre immer eine wichtige Komponente hatte: Stil. ISLAND OF THE LOST SOULS hingegen fehlt dieser Stil komplett. Aber das macht ihn jetzt nicht schlecht oder uninteressant. Im Gegenteil, die Kulissen sind großartig und tragen enorm zur bedrohlichen Stimmung des Filmes bei. Bela Lugosi in einer kleinen Rolle sticht ebenso hervor, wie der schon erwähnte Charles Laughton. Alles zusammen genommen, kann man sagen, dass ISLAND OF LOST SOULS seiner Zeit weit voraus war und auch eine der besten, wenn nicht sogar die beste Verfilmung des Stoffes von H.G. Wells ist.

Für die zweite Jahreshälfte 2019 gibt es Bestrebungen, den Film endlich zum ersten Mal mit deutschem Ton zu veröffentlichen. 1977 versuchte sich Don Taylor bei einem Remake zu H.G. Wells Stoff. DIE INSEL DES DR. MOREAU (THE ISLAND OF DR. MOREAU) mit Burt Lancaster und Michael York, wobei der Film niemals das Niveau von Kentons Arbeit erreicht. Ebenso ergeht es dem 1996 gedrehten D.N.A. – EXPERIMENT DES WAHNSINNS (THE ISLAND OF DR. MOREAU) von John Frankenheimer, der ein weiteres Remake mit den Stars Marlon Brando und Val Kilmer versuchte, aber mehr als kläglich scheiterte.

Platz 8: FRANKENSTEINS BRAUT (THE BRIDE OF FRANKENSTEIN, 1935)

Ob nun FRANKENSTEIN oder FRANKENSTEINS BRAUT der bessere Film ist, das mag jeder für sich entscheiden. Jedenfalls gehört FRANKENSTEINS BRAUT mit zum Besten, was der klassische Horrorfilm zu bieten hat, ebenso wie sein Vorgänger von 1931. Zu Beginn sehen wir Mary Shelly (Elsa Lanchester), ihren Mann Percy (Douglas Walton) und Lord Byron (Gavin Gordon) vor einem Kamin sitzen. Byron bedauert sehr, dass die Geschichte von FRANKENSTEIN so plötzlich geendet hatte. Daraufhin beginnt Mary mit einer Fortsetzung. Nun startet der eigentliche Film, genau dort, wo der Vorgänger aufgehört hatte: Bei der verbrannten Mühle, in der die Kreatur (Boris Karloff) verbrannte, wie alle glauben. Doch kurz darauf sehen wir, dass dem nicht so ist und das Monster noch am Leben ist. Schon gibt es die ersten Opfer zu beklagen und schnell ist das Monster in Ketten gelegt. Erneut gelingt ihm die Flucht in die nahen Wälder, wo es auf einen blinden Eremiten (O. P. Heggie) trifft. Dort lernt das Geschöpf unter anderem zu sprechen. Als ein paar verirrte Jäger an der Hütte eintreffen, eskaliert die Situation und das Monster muss erneut fliehen. Diesmal in eine verlassene Gruft, wo sie auf den wahnsinnigen Dr. Prätorius (Ernest Thesiger) treffen. Prätorius, ehemaliger Lehrer von Frankenstein, ist von dem gleichen Gedanken besessen wie sein Schüler. Er verspricht dem Monster, eine Gefährtin zu erschaffen, wozu er allerdings die Hilfe vom Baron Frankenstein (Colin Clive) benötigt. Mithilfe eines Tricks erpresst er den Baron und zwingt ihn zur Mitarbeit.

Leider bekommt die fantastische Elsa Lanchester nur wenige Minuten Screentime. Ich hätte mir da viel mehr gewünscht. Ohne Frage ist ihr Auftritt als Monsterbraut der Höhepunkt eines Filmes, der voll von Highlights ist. Dem ein oder anderen ist sicherlich auch aufgefallen, dass der Auftritt von Elsa Lanchester, ihr Aussehen und auch ihre Bewegungen, doch sehr an Brigitte Helm als Roboter aus Fritz Langs METROPOLIS von 1928 erinnern. So wundert es auch nicht, dass James Whale tatsächlich Brigitte Helm auf seiner Liste als Wunschkandidaten für die Rolle hatte. Lanchester, die am 26.12.1986 gestorben ist, spielte viele Jahre später auch in der fantastischen Komödie EINE LEICHE ZUM DESSERT (MURDER BY DEATH, 1976) Jessica Marbles. Ebenso fasziniert Ernest Thesiger in der Rolle des Dr. Praetorius, der Dr. Frankenstein hilfreich zur Seite steht.

Platz 7: DAS GEHEIMNIS DES WACHSFIGURENKABINETTS (MYSTERY OF THE WAX MUSEUM, 1933)

Auch bekannt unter dem Titel DAS WACHSFIGURENKABINETT, ist es einer der letzten Filme, der im Zwei-Farben-Technicolor (ein Vorläufer des Farbfilmes) gedreht worden ist. Das Drehbuch basiert auf dem Stück THE WAX WORKS von Charles Belden.

Für den Bildhauer Ivan Igor (Lionel Atwill) und seinem Geschäftspartner Joe Worth (Edwin Maxwell) laufen die Geschäfte schlecht. Ihr Wachsfigurenkabinett kommt nicht bei den Menschen in London an. Darum plant Worth alles in Brand zu stecken und die Versicherungssumme zu kassieren. Igor will das natürlich verhindern. Es kommt zum Kampf bei dem Igor bewusstlos zu Boden geht, während das Wachsfigurenkabinett abbrennt. Zwölf Jahre später – Igor hat schwer verletzt überlebt – möchte er ein neues Wachsfigurenkabinett errichten, diesmal jedoch in New York. Da er wegen seiner verbrannten Hände und seinem Rollstuhl auf Hilfe angewiesen ist, heuert er Studierende und angehende Bildhauer an. Unterdessen untersucht die Reporterin Florence Dempsey (Glenda Farrell) den Selbstmord eines Models. Allerdings wurde deren Körper aus dem Leichenschauhaus entwendet, wie einige andere Körper zuvor auch schon. Zusammen mit ihrer Freundin Charlotte Duncan (Fay Wray) finden sie eine Spur, die sie in den Dunstkreis von Igor und seinem neuen Kabinett führen.

Lionel Atwill zeigt hier als Mad-Scientist sein ganzes Können, Er dominiert den Film und seine Schauspielkollegen ganz nach Belieben. Sein diabolisches Auftreten, die geschliffene Dialogführung, innerhalb der fantastischen Kulissen ist phänomenal. Vor allem wenn man bedenkt, dass er die meiste Zeit im Rollstuhl verbringt. Dazu gibt es großartige Kulissen und eine hervorragende Kameraführung. Im Jahre 1953 gab es ein Remake mit dem Titel DAS KABINETT DES PROFESSOR BONDI (HOUSE OF WAX, 1953). Darin schlüpft Vincent Price in die Rolle des Professors Jarrod (in der deutschen Synchro wurde der Name auf Bondi geändert, warum auch immer). Mehr dazu findet ihr in unserem 50er Best-of. Weitere Remakes sind WAX MASK (M.D.C. – MASCHERA DI CERA, 1997) von Sergio Stivaletti und der nur noch thematisch ähnliche HOUSE OF WAX (HOUSE OF WAX, 2005) von Jaume Collet-Serra. Beide spielen nicht annähernd in derselben Liga wie die Filmversionen mit Lionell Atwill oder Vincent Price.

Platz 6: DIE MUMIE (THE MUMMY, 1932)

DIE MUMIE ist der einzige aus Universals-Klassischer-Horror-Familie, der nicht auf einem Theaterstück oder einem anderen literarischen Werk basiert.

Im Jahr 1921 entdeckt eine Gruppe von Archäologen unter der Führung von Sir Joseph Whemple (Arthur Byron) das Grab des Hohepriesters Imothep (Boris Karloff). In der Grabkammer wird auch die „Schriftrolle des Lebens“ gefunden, mit der es möglich sein soll, Tote zu erwecken. Ralph Norton (Bramwell Fletcher), der Assistent von Whemple, macht sich an die Übersetzung und erweckt dabei zufällig die Mumie zu neuem Leben. Die Mumie und die Schriftrolle verschwinden daraufhin spurlos. Zehn Jahre später hilft ein gewisser Ardath Bey (Boris Karloff) Professor Pearson bei der Entdeckung der Grabkammer der altägyptischen Prinzessin Anck-es-en-Amun (Zita Johann), die ehemalige Geliebte von Imothep. Erfolglos versucht er nun, in seiner neuen Gestalt als Ardath Bey, die tote Geliebte, mithilfe der Schriftrolle, ins Leben zurückzubringen. Doch als Ardath Bey zufällig die junge Helen Grosvenor (Zita Johann) kennenlernt, glaubt er nun in ihr die Wiedergeburt seiner geliebten Prinzessin zu erkennen.

Nach seiner Rolle als Monster im Film FRANKENSTEIN (FRANKENSTEIN, 1931) und später als zwielichtiger Magier in THE BLACK CAT (THE BLACK CAT, 1934) liefert hier Boris Karloff eine seiner besten schauspielerischen Leistungen ab. Viele Anleihen aus dem deutschen Expressionismus finden ihre Verwendung und verleihen dem Film eine unheimliche Märchenstimmung, die einfach nur verzaubert. Bedauerlich, dass den damaligen deutschen Kinogängern, die bisherigen Fortsetzungen vorenthalten wurden: THE MUMMY‘S HAND 1940, THE MUMMY‘S TOMB 1942, THE MUMMY‘S GHOST 1944, THE MUMMY‘S CURSE 1944. Von der Qualität konnten die einzelnen Teile allerdings nicht mit dem Original mithalten. Als Abschluss der Peinlichkeiten, wie üblich, folgte ABBOTT UND COSTELLO ALS MUMIENRÄUBER (ABBOT AND COSTELLO MEET THE MUMMY, 1955). Boris Karloff spielte nur im Original die Mumie, danach übernahmen erst Tom Tyler, später dann Lon Chaney Jr. die Rolle des bandagierten Zombies. Das Pendant der britischen Hammer-Studios ist DIE RACHE DER PHARAONEN (THE MUMMY, 1959), in dem Christopher Lee die Mumie und Peter Cushing den Professor darstellen, dem noch drei weitere Hammer-Mumien folgten.

Platz 5: FRANKENSTEIN (FRANKENSTEIN, 1931)

Was wurde nicht schon alles über FRANKENSTEIN geschrieben. Bevor ich mich nur wiederhole, fasse ich mich kurz und bündig. Wer das Original nicht kennt, dem ist einfach nicht mehr zu helfen. Wie auch schon bei DRACULA aus demselben Jahr beruht das Drehbuch zu FRANKENSTEIN ebenfalls auf einem Bühnenstück, geschrieben von Peggy Webling. FRANKENSTEIN ist auch die erste Tonverfilmung von Mary Shelleys berühmten Roman. Neben dem umhang-tragenden Vampir aus Osteuropa, schuf Universal im selben Jahr einen weiteren Archetypen des Horrorfilmes – Eben das Monster, welches aus Leichenteilen zusammengesetzt, Angst und Schrecken über das Land bringt.

Anfang des 19. Jahrhundert versucht der junge Wissenschaftler Dr. Henry Frankenstein (Colin Clive) Leben aus toter Materie zu erschaffen. Dazu richtet er sich in einem abgelegenen Wachturm sein Labor ein. An Frankensteins Seite ist nur sein Gehilfe Fritz (Dwight Frye). Kurz vor Vollendung seiner Arbeit schickt Frankenstein Fritz los, ein Gehirn für den fertigen Körper zu besorgen. Doch der begeht einen schweren Fehler, denn er entwendet nicht das Gehirn eines gesunden Menschen aus der Universität, sondern das eines Mörders. Tage später zieht ein heftiges Gewitter auf, mit dem Frankenstein seinem Geschöpf wieder Leben einhauchen will. Doch dann tauchen unerwünschte Besucher auf: Elizabeth (Mae Clarke) die Verlobte von Henry, sowie ihre beiden Begleiter Victor (John Boles) und Professor Waldmann (Edward Van Sloan). Da Frankenstein sie nicht mehr abweisen kann, werden die Besucher zu Zeugen seines wahnsinnigen Experimentes.

Dieser Film, ein Meilenstein der Filmgeschichte, prägt bis heute das Bild der Kreatur, die Frankenstein durch seine Experimente ins Leben rief. Obwohl die Produktion versucht, dass Monster als bösartig und schrecklich darzustellen, schafft Boris Karloff – geboren als William Henry Pratt – es nur durch seine Mimik und seine Blicke, dass der Zuschauer dem Monster Mitleid und Bedauern entgegenbringt. Denn die eigentlich Bösen sind hier zum wiederholten Male die normalen Menschen, welche aus Furcht vor dem Unbekannten das Monster töten wollen. Die Kreatur selber reagiert nur auf das, was ihr widerfährt. Ebenso sehen wir hier den Prototyp des Mad-Scientist, der sich auf einer Stufe mit Göttern sieht. Er wird in den folgenden Jahren die Kinoleinwand bevölkern, wie auch weitere Topos des künftigen Horrorfilms: unheimliche Gebäude, Gewitter, missgestaltete Assistenten, ein Monster und noch vieles mehr. Es folgten bekannterweise weitere Filme: FRANKENSTEINS BRAUT (THE BRIDE OF FRANKENSTEIN, 1935) sowie FRANKENSTEINS SOHN (SON OF FRANKENSTEIN, 1939). Dann kamen die eher schwachen FRANKENSTEIN KEHRT WIEDER (THE GHOST OF FRANKENSTEIN, 1942), FRANKENSTEIN TRIFFT DEN WOLFSMENSCHEN (FRANKENSTEIN MEETS THE WOLF MAN, 1943), FRANKENSTEINS HAUS (HOUSE OF FRANKENSTEIN, 1944) und DRACULAS HAUS (HOUSE OF DRACULA, 1945). Wie auch schon bei der DRACULA-Reihe ist auch hier der lächerliche Schlusspunkt ABBOTT & COSTELLO TREFFEN FRANKENSTEIN (ABBOTT AND COSTELLO MEET FRANKENSTEIN, 1948). Im Jahre 1957 starteten die britischen Hammer-Studios eine eigene Frankenstein-Serie mit FRANKENSTEINS FLUCH (THE CURSE OF FRANKENSTEIN). Dort wurde aber mehr Wert auf eine differenzierte Darstellung des Baron Dr. Frankenstein gelegt. Ein weiterer Film aus jenen Jahren, auch mit Boris Karloff in der Hauptrolle, der sich des Themas annimmt, ist THE MAN THEY COULD NOT HANG von 1939,welcher immer noch ein Geheimtipp ist.

Platz 4: GRAF ZAROFF – GENIE DES BÖSEN (THE MOST DANGEROUS GAME, 1932)

Die Vorlage für das Drehbuch, von James Ashmore Creelman, lieferte Richard Connell mit seiner Kurzgeschichte „Das grausamste Spiel“. Parallel zu GRAF ZAROFF entstand KING KONG UND DIE WEISE FRAU (KING KONG, 1933). Es wurden einige der Dschungelkulissen für beide Filme verwendet, wie auch Regisseur Ernest B. Schoedsack und einige der Schauspieler für beide RKO Filme zur Verfügung standen.

Durch einen Schiffbruch endet die Seereise von Robert Rainsford (Joel McCrea) vorzeitig und er landet auf einer kleiner Insel. Dort herrscht Graf Zaroff (Leslie Banks) über alles und jeden. Am ersten Tag seiner Ankunft lernt Rainsford außerdem Eve Trowbridge (Fay Wray) und ihren Bruder Martin (Robert Armstrong) kennen, die ebenfalls Schiffbruch erlitten. Nach und nach erfährt Rainsford, was hier eigentlich gespielt wird und dass der Graf eine sehr ausgefallene Art der Jagd frönt: Die Menschenjagd.

Nicht nur die Story macht GRAF ZAROFF zu einem der besonderen Filme seiner Zeit, sondern auch die damals unglaublichen Kulissen und die leidenschaftliche Darstellung des sadistischen Grafen Zaroff durch den Engländer Leslie Banks beeindrucken noch heute. Messerscharfe Dialoge, die Lust am Spiel und eine ausdrucksstarke Körpersprache zeigen die ganze Bandbreite von Banks Repertoire. Für Banks, der davor am Broadway und im Theater unter Vertrag stand, markiert dieser Film die erste große Filmrolle und gleichzeitig das Ende seines Engagements in Amerika. Nach dem Ende von GRAF ZAROFF verlies er die USA und ging zurück nach England, wo er weiter vor der Kamera arbeitete. Zudem hatte Banks im Ersten Weltkrieg eine schwere Gesichtsverletzung erlitten, welche seine gesamte linke Seite paralysierte. Das machte ihn aber umso interessanter für die schwierige Rolle des Grafen Zaroff, wie Schoedsack in einem Interview erklärte. Während des Films ist das in einigen Einstellungen sehr gut zu erkennen. Das fügt der eh schon düsteren Gestalt des Grafen Zaroff noch ein weiteres finsteres Element hinzu und erschafft einen Jekyll-und-Hyde-Effekt, ohne zusätzliche Maske. Ein weiterer faszinierender Aspekt bei GRAF ZAROFF ist die Kameraführung von Henry W. Gerrard. Vor allem bei der finalen Jagd gibt es schnelle Fahrten und Perspektiven, die man bis dahin so noch nicht gesehen hat.

Eine lustige Geschichte von den Dreharbeiten gibt es auch noch: Eines Tages rannte Banks lautstark durch das Set und hielt sich seinen Hintern: „Einer der Hunde hat mich gebissen!“, skandierte er. Er sprach in dem Fall von den 20 Dänischen Doggen, die Extra für den Film besorgt wurden. Die Frau von der Hundeschule, die für die Aufsicht der Hunde zuständig war, meinte, das sei nicht möglich, so etwas würden die Hunde niemals machen. Darauf Banks: „Vielleicht war‘s ja auch nur ein Kameramann, aber etwas hat mich mit Sicherheit in den Arsch gebissen!“. Die Wunde blutete stark und musste sogar mit mehreren Stichen genäht werden.

Nach GRAF ZAROFF geistert die Thematik der Menschenjagd immer wieder durch die Filmwelt und natürlich gab es so einige Remakes dieses außergewöhnlichen Streifens: A GAME OF DEATH (1945) von Robert Wise, 1956 DER SONNE ENTGEGEN (RUN FOR THE SUN) von Roy Boulting, NIGHT HUNTER (AVENGING FORCE, 1986) von Sam Firstenberg oder auch SURVIVING THE GAME – HETZJAGD DURCH DIE HÖLLE (SURVIVING THE GAME, 1994) von Ernest B. Dickerson. Die Meisten behandeln zwar das Thema der Menschenjagd durch eine elitäre Gruppe von Jägern, aber mit dem Original GRAF ZAROFF haben sie nur noch wenig bis gar nichts gemeinsam. Lediglich Roy Boulting‘s DER SONNE ENTGEGEN und Robert Wise‘s A GAME OF DEATH können als Remake bezeichnet werden. Zudem sind beides auch noch sehr sehenswerte Filme. Dort spielt aber kein böser Russe den Jäger, sondern deutsche Nazis machen hier Jagd auf ahnungslose Amerikaner.

Platz 3: THE BLACK CAT (THE BLACK CAT, 1934)

In einem separaten Beitrag habe ich vor einiger Zeit THE BLACK CAT vorgestellt, daher gibt es hier nur die Kurzversion: Der Film ist einer jener Horror-Klassiker, den viele nur durch Standfotos kennen, aber die wenigsten haben ihn auch wirklich gesehen. Die besondere Atmosphäre, die in den außergewöhnlichen und modernen Kulissen entsteht, mit den darin agierenden Horror-Ikonen, hat seinen ganz eigenen Reiz. Hinzu kommt eine Story, die eigentlich mehr wie ein Thriller daherkommt und von der ersten Minute an einem in seinen Bann zieht. Zudem werden sehr moderne Themen angesprochen oder angedeutet, die aber damals für viel Aufsehen sorgten, wie etwa Nekrophilie, Satanismus, Inzest und auch Kriegsverbrechen – der Erste Weltkrieg endete 1918 und ist hier ebenfalls ein Thema. Karloff und Lugosi spielen ihre Rollen wie immer hervorragend und sehr eindringlich, weit weg von ihren Welterfolgen FRANKENSTEIN (FRANKENSTEIN, 1931) und DRACULA (DRACULA, 1931). Kamera und Schnitt machen durchweg einen guten Job, vor allem der Lichtaufbau innerhalb des Hauses ist sehr gelungen. Für Universal bedeutete THE BLACK CAT der größte Erfolg des Jahres, er spielte 236.000 Dollar ein, bei nur ca. 95.000 Dollar Produktionskosten.

Auf einer Reise durch Ungarn treffen die frisch Vermählten Peter Alison (David Manners) und Joan (Julie Bishop) auf den Arzt Dr. Werdegast (Bela Lugosi). Als es zu einem Unfall kommt führt Dr. Werdegast das Paar zu einem Haus in der Nähe, das seinem Kriegskameraden Hjalmar Poelzig (Boris Karloff) gehört. Der hat auf den Ruinen einer alten Festung, deren Kommandant er im Krieg war, sein Haus erbaut. Werdegast musste damals, nach dem Fall der Festung, in eine fünfzehnjährige russische Gefangenschaft gehen. Durch einen Verrat an der Truppe entgeht Poelzig der Inhaftierung und nahm Frau und Tochter von Werdegast bei sich auf. Dieser hat jedoch in der Zwischenzeit Werdegasts Tochter zu seiner Geliebten gemacht. Ihre Mutter, die längst gestorben ist, wurde in einer Kammer im Keller einbalsamiert. Doch Werdegast sinnt noch immer auf Rache gegen seinen alten „Freund“.

Platz 2: DAS ALTE FINSTERE HAUS (THE OLD DARK HOUSE, 1932)

Alternativtitel sind unter anderem DAS HAUS DES GRAUENS und DAS HAUS DES SCHRECKENS. (1963 drehte William Castle in Zusammenarbeit mit den britischen Hammer-Studios ein komödiantisches Remake, über das wir besser schweigen sollten.) Das Drehbuch basiert auf den Roman „Von der Nacht überrascht“ von John Boynton Priestley. Mit DAS ALTE FINSTERE HAUS (THE OLD DARK HOUSE, 1932) und SPUK IM SCHLOSS (THE CAT AND THE CANARY, 1927) begann das Genre des Dark-House-Thriller, aus dem etwas später dann die Geisterhäuser-Filme entstanden. Damals war es wegen der beschränkten technischen Möglichkeiten noch nicht machbar mit Geistern den Zuschauer zu schockieren. Daher beschränkten sich die ersten Gehversuche lediglich auf dunkle Häuser und skurrile Charaktere.

Margaret Waverton (Gloria Stuart), Philip Waverton (Raymond Massey) und ihr Freund Roger Penderel (Melvyn Douglas) sind mit dem Auto auf dem Weg nach Shrewsbury in Wales. Weit Abseits von jeder Zivilisation, geraten sie in ein heftiges Unwetter, das sogar die Straßen wegspült. Im letzten Moment erreichen sie das Haus der Femms, in dem sie Unterschlupf finden. Sie werden vom Butler Morgan (Boris Karloff) empfangen und dem sehr bizzaren Hausherren Horace Femm (Ernest Thesiger), sowie seiner bösen Schwester Rebecca (Eva Moore). Im weiteren Verlauf des Abends erreichen noch zwei Personen das Haus, der Millionär Sir William Porterhouse (Charles Laughton) und die Tänzerin Gladys DuCane (Lilian Bond). Innerhalb kürzester Zeit spitzt sich die Lage immer weiter zu, denn jeder von ihnen hat ein dunkles Geheimnis. Als dann noch Morgan, der Butler, betrunken anfängt zu randalieren, eskaliert das Ganze. Eine absolut spannende Situation, die Besucher stehen den Hausbewohnern gegenüber, jeder bekommt quasi sein böses, verzerrtes Spiegelbild vorgehalten.

Hier trifft sich das „Who-is-Who“ der Horror-Schauspieler aus jenen Jahren. In diesem grandiosen Kammerspiel mit fantastischen Kulissen und einer unglaublichen Ausleuchtung von Kammermann Arthur Edeson, agieren die bekannten Mimen unter der meisterhaften Regie eines James Whale. Die packende Story ist voll mit überraschenden Wendung und schwarzem Humor. Überraschender war allerdings, dass der Film in jenen Jahren in den USA gnadenlos bei den Kinobesuchern durchfiel. Lediglich in England fand er etwas Zustimmung. Viele Jahre galt DAS ALTE FINSTERE HAUS als verschollen. Erst 1970 wurden die Original-Filmrollen wiederentdeckt. Es dauerte jedoch bis 1994, ehe er endlich auch im TV ausgestrahlt wurde.

Platz 1: VAMPYR (VAMPYR, 1932)

Ein Film wie ein delirierender Alptraum von Leben und Tod, mit teils surrealen Szenen und Momenten. Ein Werk wie kaum ein anderes, dessen Wirkung bis in die heutige Zeit hineinreicht. „Die lebende Angst“ wie es in einer Einblendung heißt, ist körperlich spürbar, erfasst den Rezipienten mit kalten Toten Händen und umklammert seine Kehle. Besonders die Visionen und Alpträume (Ist der ganze Film vielleicht nur ein Alptraum?) des Allan Gray, welche von einer perfekten Ausleuchtung und einer meisterhaften Kameraführung begleitet werden, erzeugen dieses Gefühl von eiskalter Angst. Ein Ort an dem es lebende Schatten gibt, die ein Eigenleben führen und gefährlich sind. Regisseur Carl Theodor Dreyer erzählt seine Geschichte primär über die Bilder – so wie es ein Stanley Kubrick in späteren Jahren in seinem Meisterwerk SHINING (THE SHINING, 1980) wiederholt. Der sehr knappe Dialog dient lediglich als Brücke zum Verständnis.

Allan Gray (Baron Nicolas de Gunzburg alias Julian West), erreicht eines Abends den Ort Courtempierre. Im Gasthof des Ortes nimmt er sich ein Zimmer für die Nacht. Plötzlich erscheint ein alter Mann (Maurice Schutz) in seinem Zimmer, der ihn beschwört: „Sie darf nicht sterben!“ und ein Päckchen auf seinem Schreibtisch hinterlässt, das erst nach seinem Tod zu öffnen ist. Allan Gray wandert nach dieser seltsamen Begegnung unruhig in der Gegend umher, verfolgt Schatten die ihn bis zu einem fremden Anwesen führen, dessen Besitzer niemand anderes als der alte Mann aus seinem Zimmer ist. Gray kann nur noch den mysteriösen Tod des alten Mannes beobachten, ehe er ins Haus gelangt. Hier erfährt er von den Angestellten, dass der Mann zwei Töchter hat, wovon eine, Léone (Sybille Schmitz), an einer rätselhaften Krankheit dahinsiecht. Gray, mittlerweile von dem Diener und seiner Frau angehalten über Nacht im Haus zu bleiben, findet nun genug Zeit das Päckchen des Toten zu öffnen. Darin entdeckt er ein Buch, was ihm Aufschluss über eine Vampirin (Henriette Gérard) gibt, die in dem Dorf ihr Unwesen treiben soll. Allan Gray versteht nun, dass Léone jede Nacht von der alten Vampirin besucht wird und nimmt, zusammen mit der zweiten Tochter Giséle (Rena Mandel), den Kampf gegen den übermächtigen Gegner auf.

Der Film sprüht vor Symbolik und Hinweisen. Kleines Beispiel gefällig? Allan Gray erreicht die Ortschaft Courtempierre, irgendwo im nirgendwo und weist uns darauf hin, dass hier der Tod das Sagen hat. Ein Bauer mit der Sense über der Schulter (Der Sensenmann / Der Tod / Hades) steht an einem Fluss (Der Styx, den die Toten überqueren müssen um ins Schattenreich / Unterwelt zu kommen) und läutet eine Glocke (Die Todesglocke, die nach dem Dahinscheiden geläutet wird. Das sogenannte Ausläuten) um den Fährmann (Charon bringt die Toten über den Fluss Styx) zu rufen. Mehr Tod-Symbolik geht nicht.

Absurde, schaurige Momente folgen: Allan Grey betritt einen Raum und sieht sich um. Die Kamera nimmt nun die Position des Rezipienten ein und gleichzeitig den von Grey (POV, Point of view, die Ich-Perspektive). Zögerlich schaut die Kamera durch den Raum. Plötzlich bemerken wir, dass Gray schon längst weiter zum nächsten Raum gegangen ist, gruselig! Diese Technik habe ich erst viele Jahre später in dem durchschnittlichen THE BRIDE (NEVESTA, 2017) von dem Russen Svyatoslav Podgaevskiy wiedergesehen. Oder die legendäre Szene, in der Allan sich selber tot in einem Sarg liegen sieht, ein wahrer Alptraum. Als Höhepunkt erwacht er kurz darauf vollkommen bewegungslos in eben jenem Sarg und kann das Geschehen nur durch ein kleines Fenster auf Kopfhöhe beobachten. In der Mitte des Films gibt es eine weitere beeindruckende Szene, als Léone im Park zusammengesunken auf einer Bank liegt. Über ihr beugt sich der Vampir. Allan und Giséle eilen ihr zu Hilfe. Das ist auch der einzige Moment im Film, wo wir den Vampir in Aktion erleben. Viele Jahre später wurde genau dieser Augenblick als Zitat in Francis Ford Coppolas Film BRAM STOKER‘S DRACULA (DRACULA, 1992) verwendet.

Dreyer schafft es mit einer unglaublichen technischen Raffinesse seiner beiden Kameraleute Rudolph Matè und Louis Nèe, sowie durch subtile Lichtregie, ein Klima von unfassbarer Bedrohung zu erschaffen, in dem sich Traum und Wirklichkeit ständig durchdringen. Obwohl VAMPYR Dreyers erster Tonfilm war, gibt es im Film einige Zwischentitel, wie es bei den Stummfilmen damals üblich war. Da es in jenen Jahren noch keine Synchronisation gab, musste der Film in drei Sprachen gedreht werden: Deutsch, Englisch und Französisch. Ein zeitloses Meisterwerk!

 

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4 Gedanken zu “Die besten Horrorfilme der 30er Jahre

  1. Schöne Liste. Mir fällt auf die Schnelle auch kein Film ein, der mir fehlt (mag den einen oder anderen dennoch geben). Die Rangliste hätte auch eine gute Serie über etliche Wochen hergegeben – zwei Filme pro Woche, und die ausführlich rezensiert. Nicht drüber nachgedacht? Womöglich habt Ihr natürlich den einen oder anderen schon drin.

    1. Hallo, vielen Dank für deinen Hinweis. Das ist in der Tat eine Interessante Idee. Ich werde das mal im Hinterkopf behalten, gut möglich das wir mal wieder etwas ähnliches starten werden.

        1. Hallo Torsten P., ja es ist immer wieder Interessant zu sehen wer, wann, welche Idee hatte. Sehr oft sind Filme und ihre Inhalte über 100 Jahre alt, aber sie beeinflussen bis heute die Filmemacher auf der ganzen Welt!

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