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„Die Besten der Besten!“ – Die Top 5 Kinofilme 2021

Die Regeln:

  • Meine Top 5, die ich 2021 im Kino gesehen habe.
  • Meine 3 besten Filmerlebnisse 2021.
  • Die Gurke 2021, meine größte Enttäuschung des Jahres.

Die besten Kinofilme 2021 (Christoph)

Es hat ein bisschen gedauert, aber das Kinojahr 2021 ist doch noch in Schwung gekommen. Ich dachte schon, ich müsse wie schon 2020 pandemiebedingt mit dieser kleinen Rückschau und Empfehlung für euch liebe Leserinnen und Leser aussetzen. Ich vermute ich war 2021 ca. 30-mal im Kino und es war wundervoll. Nicht nur die zwingenden Abstände zu anderen Zuschauern brachten Distanz zu nervigen Kinogästen, man war förmlich ausgehungert nach dem Kinoerlebnis. Große Leinwände, bombastischer Sound und konzentriertes Eintauchen in fremde Geschichten ohne heimische Ablenkungen. Insgesamt habe ich es 2021 definitiv mit dem Filmkonsum übertrieben. In meinem Letterboxd Diary finden sich 506 Einträge, wovon knapp 100 Kurzfilme oder Miniserien abgezogen werden können. Dennoch macht das mindestens einen Spielfilm pro Tag und ist eigentlich nicht zu empfehlen, weil doch manch Schwergewicht mehr Zeit zum Verdauen braucht. Genug geredet, hier kommen die Highlights

 

Meine Kino-Highlights aus dem Jahr 2021

Platz 1: Der Schneeleopard

Eine recht bewusste Entscheidung, um eine Brücke vom vergangenen Jahr ins aktuelle Kinojahr aufzubauen. DER SCHNEELEOPARD durfte ich bereits im Dezember in einer Pressevorstellung sehen, der Film startet aber erst am 10.03.2022 in den deutschen Kinos. Platz 1 ist auch ein kleiner Schubs in die Richtung, dass ihr euch den Film im Kino ansehen solltet. Eine Dokumentation im Kino ansehen? Das ist doch eher etwas für die Mediathek der Öffentlich-Rechtlichen! Auf keinen Fall, denn die Bilder von Marie Amiguet und Vincent Munier gehören nicht auf Displays. Sie brauchen das Lebendige einer Projektorlampe, die Dimensionen einer Leinwand und den konzentrierten Blick eines abgedunkelten Kinosaals. Denn erst jetzt entfaltet sich die magische Welt des Schneeleoparden. Es ist eine schöne Reise, die wir hier mit professionellen Reiseleitern unternehmen und in gewisser Weise auch eine Reise zu uns selbst finden. Ich hoffe der Film gibt jedem von euch etwas mit auf den Weg, der über diesen Planeten führt. Mich hat er auf jeden Fall noch lange begleitet. Hier findet ihr meine Lobpreisung in der Filmkritik.

Platz 2: Dune

Science-Fiction fetzt! Da glaubt man, das Genre schon komplett auswendig zu kennen und jede Idee schon einmal gehört zu haben, auf einmal kommt DUNE um die Ecke. In den vertrauensvollen Filmproduktionshänden von Denis Villeneuve las ich noch schnell vor dem Kinobesuch die Buchvorlage von Frank Herbert. In weiter Zukunft, knapp 8.000 Jahre, hat sich die Menschheit weiterentwickelt, nicht die Technik. Künstliche Intelligenzen und Supercomputer wurden verboten und somit muss der Homo sapiens seine ungenutzten Talente entdecken und fördern, wenn er das Weltall erobern will. Das intrigenhafte Adelsgeschwafel mag manchmal nerven, aber dieser Kosmos ist berauschend einfach wie auch neuartig, so dass man gar nicht anders kann als weiterzulesen oder weiterzuschauen. DUNE (2020) ist wunderbar konsequent gefilmt und zeigt, dass Effekte-Feuerwerke vielleicht unterhalten, aber auf Dauer den eigenen Geist nicht satt machen. Meine Lobpreisung könnt ihr hier noch einmal ausführlicher nachlesen.

Platz 3: Spider-Man: No Way Home

Eben noch über zu viel digitale Effekte gemeckert und schon wird SPIDER-MAN: NO WAY HOME empfohlen? Das liegt einfach daran, dass ich hiermit ein wunderbares Kinoerlebnis verbinde. Jede Art von Information zum Filminhalt hatte ich vorm Kinobesuch gemieden und an so viel Willen von Sony Pictures dem Tom-Holland-Spider-Man ein fulminantes Finale zu setzen, hätte ich nicht einmal zu träumen gewagt. Doch es kam alles zusammen, jede Überraschung jagte die nächste und dennoch ließ das Filmerlebnis genug Platz, um auch mal emotional zu werden. Eine tolle Zeitreise in die Gefühle, wieder jung zu sein, als alles möglich schien. Zu Recht wird im Abspann der Agentur/Kanzlei gedankt, die es möglich machte, dieses Ensemble zusammenzuführen. Bravo! Meine Filmkritik findet ihr hier.

Platz 4: The French Dispatch

Es ist wohl der unzugänglichste Wes-Anderson-Film, aber ich war vorgewarnt und so hieß es wieder: einfach treiben lassen. Der Drehbuchprozess von Jason Schwartzman, Roman Coppola und Wes Anderson ist wie eine Kettenreaktion der Einfälle. Sie beginnen mit ein paar Ideen, haben stets noch eine Liste mit anderen parat und denken oder fühlen eher alles Stück für Stück zusammen. Das Szenenbild ist wieder vortrefflich minutiös gestaltet und mit dem Hauch einer Bastelstraße versehen. Die Stars geben sich förmlich die Klinke in die Hand. Auch wenn mein Kollege Fynn nicht so ganz von THE FRENCH DISPATCH angetan war, lohnt es sich hier seine zweite Meinung einzuholen. Ach ja, Tipp von meiner einer: Kauft euch eine inhaltsstarke Zeitung oder Zeitschrift und vertrödelt den Nachmittag bei zu viel Kaffee und Gebäck. Vivre sa journée!

Platz 5: Keine Zeit zu Sterben

Bei der James-Bond-Daniel-Craig-Saga schwimme ich etwas gegen den Strom. EIN QUANTUM TROST mochte ich sehr, SKYFALL war mir zu lächerlich und SPECTRE unerträglich langweilig. Die Meinungen zu KEINE ZEIT ZU STERBEN sind auch eher gemischt, wie Kollege Eric es in seiner Review auf den Punkt bringt, aber für mich ging das Konzept voll auf. Ein schierer Wahnsinn sich eine solche Story in Pre-Covid-Zeiten auszudenken, die dann selbst mit 18 Monaten Verschiebung passt wie die Olive in den Martini. Zudem gibt es geheimnisvolle, aber unbekannte minimalistische Orte. Die Szene im skandinavischen Urwald ist eine fast schon mystische Jagd-Legende: James Bond gegen die mörderischen dunklen Geländewagen. Zudem bekam 007 ein Happy End. Ein Agent mit der Lizenz zu Töten geht nie in den Ruhestand, sein Tod ist unausweichlich, aber ihm dann noch den kurzen Moment einer Familie zu gewähren, macht selbst den Actionfans ein paar feuchte Augen.

 

Meine drei besten Filmerlebnisse im Jahr 2021

Platz 1: Die Ausgrabung (2021)

Wer hätte gedacht, dass mein persönlicher Lieblingsfilm aus diesem Jahr eine Netflix-Produktion eines Regie-Neulings ist? DIE AUSGRABUNG traf mich vielleicht genau deswegen genau ins ungeschützte Herz, weil ich nichts über den Film vorher wusste. Der Film und ich lagen nach wenigen Minuten zusammen auf einer Wellenlänge, die Musik, die Schauspieler, der Wille etwas zu erschaffen, auch wenn alle anderen sagen, es fehlt an Expertise. Wenn ich mich jetzt noch an den Film mit Carey Mulligan und Ralph Fiennes zurückerinnere, kehrt vor allem die Ruhe zurück, die diese schöne südenglische Landschaft verströmt. Tief einatmen und ansehen oder noch einmal meine umfangreiche Filmvorstellung lesen.

Platz 2: Tokyo Story (1953)

Immer wieder bin ich um dieses Meisterwerk in diversen Best-Of-Film-Listen herumgeschlichen. Doch in diesem Jahr war es so weit und ich sah, nein, ich reiste nach Tokyo in die 1950er Jahre mit TOKYO STORY von Yasujirō Ozu. Die Kamera bewegt sich im gesamten Film fast gar nicht, die Schwarzweißbilder sind streng im 4:3 Format gestaltet, wobei die Perspektive nah am Boden ist. Als ob man im Fersensitz beobachtend dabei sein darf, wenn ein in die Tage gekommenes Elternpaar für ein paar Wochen vom ländlichen Japan in die Metropole reist, um die Verwandtschaft zu besuchen. Die beiden sind von den Möglichkeiten begeistert, die Kinder, bei denen sie unterkommen sollen, umso weniger von der Last des Bewirtens. Die eigenen Eltern scheinen eher eine Störung der eigenen Freizeit zu sein und auf dem eigenen Geldbeutel zu lasten. Die Schwägerin, des im Krieg verstorbenen Sohns, stellt sich als das liebenswerteste Kind von allen heraus. Es passiert in TOKYO STORY wenig, ist aber von solch emotionaler Tiefe aufgeladen, dass man unweigerlich an seine eigene Familie denken muss. Nach diesem Meisterwerk konnte ich nicht anders und genieße jeden weiteren Film von Ozu, der mir unter die Finger kommt. Der Mann war zum Glück fleißig und büßte nie seine Qualitäten ein.

Platz 3: Palm Springs (2020)

Es gibt unzählige Filme, die sich mit dem Thema Zeitschleifen beschäftigen. Bei PALM SPRINGS wusste ich nicht, dass auch dieser dazugehört. Weder einen Trailer hatte ich gesehen, noch etwas darüber gelesen. Ich erwartete eine entspannte, amerikanische Romantik-Komödie ohne viel Tiefgang. Nachdem sich die temporäre Anomalie entschlüsselte, war ich schon aus dem Sessel in die Wüste auf eine Hochzeit voller Fremde gebeamt und lernte etwas über den Sinn des Lebens. Sogar über die Liebe und wie wir selbst etwas so Schönes gegen einen Nutzen abwägen oder Angst haben, sie irgendwann zu verlieren, wenn die Unendlichkeit möglich scheint. PALM SPRINGS spielt zusätzlich noch sein eigenes Genre geschickt gegen sich selbst aus, denkt weiter, wenn andere Filme schon längst aufgegeben haben und zeigt, wie ein cleveres Drehbuch einen famosen Spaß auf den Fernseher zaubern kann. Der kleine verpuffte Festival-Hype und die pandemisch dünne Kinoauswertung haben der Aufmerksamkeit dieses lebensbejahenden Zauberstücks nicht gerade gutgetan. Hört nicht auf die anderen und schaut euch diesen Film an!

 

Die Enttäuschung des Jahres 2021

Shang-Chi and the Legend of the Ten Rings

Um richtig enttäuscht zu werden, muss man eine gewisse positive Erwartungshaltung mitbringen. Bei SHANG-CHI AND THE LEGEND OF THE TEN RINGS war eigentlich kaum eine solche vorhanden. Ich wollte Unterhaltung, gefüttert mit asiatischen Filmreferenzen und vielleicht noch das übliche Marvel-Versprechen, dass etwas noch Größeres hinter allem lauert. Der Film schafft es, aus einer magischen Liebesgeschichte, über einen Umweg in den USA – na ja eigentlich nur ein Linienbus – einen völlig belanglosen Trip durch China zu veranstalten. Spätestens als mit den „umweltfreundlichen“ Elektro-SUVs durch den Bambuswald gedonnert wurde, um das geheime Dorf zu finden, war es um mich geschehen und ich spürte nur noch Zorn in mir. Irgendwie kippte mein Ying ins Yang und mein persönlicher Darstellerliebling Tony Leung konnte daran auch nichts mehr ändern. Mein Groll über die politische Handhabe Chinas, vor allem gegen Hong Kong, wurde immer größer und ich glaubte in jedem Steinwurf die parteitreue Verachtung der Menschenrechte zu sehen. Keine Sorge, in meinem Verriss umgehe ich das Politische, aber an der Inszenierung lasse ich dennoch kein gutes Haar.

© Christoph Müller

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