„Die Besten der Besten!“ – Die Top 5 Kinofilme 2019

Die Regeln:

  • Meine Top 5, die 2019 in den deutschen Kinos lief. ->
  • Meine 3 besten Filmerlebnisse 2019. ->
  • Die Gurke 2019, meine größte Enttäuschung des Jahres? ->

Die besten Kinofilme 2019 (Christoph)

Für mich war dieses Kinojahr vor allem ein emotionales. Ob ich nun feinfühliger gegenüber dramatischen Geschichten geworden bin oder ob die Filmemacher besonders in diesem Jahr mein Herz stark berührt haben, vermag ich nicht sagen. Mein artig geführtes IMDb-Filmtagebuch berichtet von 113 neuen Filmen und ein paar Serien, die ich 2019 genossen habe, wovon ich ca. 50 Filme im Kino geschaut habe. Leider waren bei öffentlichen Vorstellungen ein paar beschämende Erlebnisse dabei, nicht in Hinsicht auf die Filme, sondern auf die Zuschauer im Saal. Vielleicht bin ich durch die Pressevorstellung etwas verwöhnt, aber bitte liebe Kinofans, habt Respekt vor diesem Ereignis. Kino ist nicht dazu da, sinnlose Kommentare von sich zu geben oder wie ein Schwein Essen in sich reinzustopfen. Klar soll man sich wohlfühlen, aber die Reise in eine fremde Welt gelingt am besten, wenn der Saal, in dem man sitzt, nicht auffällt.

Eine weitere traurige Angelegenheit ist die Schließung eines meiner Lieblingskinos in Berlin: Das Cinestar Original im Sony Center. Dieses Multiplexkino war nicht nur technisch eines der Besten in Berlin, sondern konnte mit dem IMAX immer wieder unter Beweis stellen, dass sich das Kino zu einem Erlebnis entwickeln sollte, um gegen die immer besseren Heimanlagen zu bestehen. Ich hoffe, die raffgierigen Strippenzieher in dieser Peinlichkeit bekamen zu Weihnachten Besuch von drei Geistern, so dass zumindest das IMAX mit seiner beeindruckenden Leinwand und brillanten Laserprojektion wieder in Betrieb genommen wird. Hollywood ist nicht müde auf dieses Format zu setzen, nicht nur in Bezug auf Action-Blockbuster wie meine Nummer 1 in dieser Liste beweist.

Meine Kinofilm-Highlights aus dem Jahr 2019

Platz 1: Le Mans 66

Der Film und ich hatten quasi einen Fehlstart. Durch ein Missgeschick bin ich zur Pressevorstellung 20 Minuten zu spät gekommen. Das Röhren der Motoren hat mich im Foyer auf magische Weise angezogen und ich habe mich überwunden, trotzdem noch in den Kinosaal zu gehen. Im Glauben eine gut erzählte Motorsportgeschichte erzählt zu bekommen, hat mich LE MANS 66 mit über 300 km/h in den Sitz gedrückt und gezeigt, was für ein Geschenk es ist, etwas gefunden zu haben, für das man sich zu 100 Prozent begeistern kann. Ken Milles wollte die perfekte Runde fahren und ich bekam den perfekten Film zu sehen. Ich schaute den Film noch ein zweites Mal im IMAX, konnte förmlich die Fliehkräfte in den Kurven spüren und diese charakterstarken Persönlichkeiten noch einmal auf der großen Leinwand sehen. LE MANS 66 ist deswegen auf Platz 1, weil er beweist, dass Filmfiguren auch Vorbilder sein können. In diesem Fall sind es zwei Männer, die ehrenhaft alles gaben, um ihren Traum wahr werden zu lassen. Meine Liebeserklärung in Langform könnt ihr in meiner Review nachlesen.

Platz 2: Free Solo

Free Solo Dokumentation Review

Man merkt, ich werde magisch von starken Persönlichkeiten angezogen, die voll und ganz in einer Leidenschaft aufgehen. Als Kletterer kenne ich Alex Honnolds beeindruckende Begehungen ohne Seil schon ein paar Jahre, aber der El Capitan ist damit nicht zu vergleichen. FREE SOLO hat mir zum ersten Mal begreiflich gemacht, warum sich Honnold in diese lebensgefährliche Situation bringt. Für ihn ist es nicht nur die perfekte Art zu klettern, sondern auch der Konflikt mit sich selbst und der Angst. Alex Honnold ist ebenfalls ein Mensch, der in der heutigen Zeit viel verstanden hat: Ein minimaler Lebensstil, volle Passion für seine Berufung und die Verantwortung an die zu denken, die nicht so viel Glück haben wie er. Honnold spendet jährlich 30 % seines Einkommens an seine Stiftung, welche Menschen ohne Strom und Wasser mit smarter Technologie unter die Arme greift. Ein feiner Kerl in einem unbeschreiblichen Dokumentarfilm, welcher einfach auf der großen Leinwand gesehen werden muss. Ich versuche dennoch die Genialität dieses Dokumentarfilms hier in Worte zu fassen.

Platz 3: Parasite

Andreas hat bereits auf dem Fluxkompensator raffiniert die Komplexität von PARASITE in Worte gegossen. Zum Glück gelang es mir den Film noch im Kino zu sehen. Nach einem verhaltenen Start zog PARASITE mich in eine vielfältige Welt voller schräger Persönlichkeiten und Themen, denen sich unsere Gesellschaft derzeit stellen muss. Bong Joon-ho ist allein mit diesem Drehbuch als Genie anzuerkennen. Mit welcher Leichtigkeit er die Arm-Reich-Problematik unserer Zeit mit Klimafragen, Familienzwängen und Arbeitsproblematiken in einer packenden, glaubhaften Geschichte erzählt, begeistert mich selbst jetzt noch. Aber auch die Schauspieler, die Kameraführung, dieses wunderschöne Haus und die Filmmusik bringen PARASITE zu wahrer Perfektion. Ich freue mich schon auf die Veröffentlichung auf Blu-ray, um noch einmal in dieses Anwesen zu dürfen. Vielleicht gelingt es mir ja selbst dort eine Anstellung zu bekommen. Ich kann übrigens sehr gut Lampen an- und ausschalten.

Platz 4: Once Upon a Time in Hollywood

Ach, was gehen die Meinungen bei diesem Film auseinander. Ich habe mich jedoch in der Welt der 60er-Jahre-Stars pudelwohl gefühlt. Obwohl man nur mit zwei Hauptfiguren unterwegs ist, fühlt es sich an als ob man das bunte Hollywood komplett kennenlernt. Tarantino ist ein Cinemaniac mit so unglaublich viel Leidenschaft für die Welt, die er kreiert, dass man nicht anders kann als davon mitgerissen zu werden. Da sieht man auch über die Veränderung von wahren Begebenheiten gern hinweg. Vor allem die Kinovorstellung mit einer 70-mm-Kopie im Zoo Palast war genau die richtige Art diesen Film zu sehen. Ich höre schon das Rattern der Projektion, wenn 2020 TENET von Christopher Nolan auf analoge Werkschau geht. Eine umfangreiche Review zu ONCE UPON A TIME IN HOLLYWOOD findet ihr hier zum Nachlesen.

Platz 5: Green Book

Wenn ich in fremden Städten bin, gehört mindestens ein Kinobesuch dazu. In Bordeaux konnte ich im Utopia GREEN BOOK nachholen. Das Utopia ist eine ehemalige Kirche, die zu einem Kino mit einem ausgezeichnet kuratierten Spielprogramm umgebaut wurde. Da saßen wir nun, unter dem Dachstuhl in einem von Steinmauern gefassten Kinosaal und sahen eine Freundschaft wie sie nur das Leben schreiben kann. Wer sagt, dass ihm das Ende zu positiv war, dem kann man auch nicht weiterhelfen. Was mir besonders gefallen hat, ist die Erkenntnis des einfachen Tony Lip im talentierten Klavierspiel von Donald Shirley. Man muss keine Musikwissenschaften studiert haben, um wahrzunehmen, dass er ein begnadeter Künstler ist. Gute Musik kann mit jedem Bildungsgrad erkannt werden. GREEN BOOK ist Kino zum Wohlfühlen, zum Lachen und mit einer wichtigen Moral. Dafür geht man gern ins Kino, egal wo.

Meine 3 besten Filmerlebnisse im Jahr 2019

Platz 1: Vivarium

Man fragt sich immer, warum so viele zu den Filmfestivals pilgern und sich in ausverkaufte Vorstellungen zwängen. Ich dachte immer, um vor anderen Filmenthusiasten angeberisch zu behaupten: „Ach den Streifen, den habe ich schon letztes Jahr in Cannes gesehen.“ Nein, es geht vielen mehr darum Filme zu sehen, die man vielleicht sonst nie zu Gesicht bekommt. Für VIVARIUM musste ich nicht weit reisen, denn das Fantasy Filmfest in Berlin spielte dieses surreale und kafkaeske Fantasydrama. Während der Rest des Programms munter Blutfontänen über die Leinwand ergoss, zeigte dieser Film eine viel grausamere Sicht auf uns Menschen: Der nüchterne biologische Blick auf unseren Lebenszyklus. Einer der vielseitigsten und ausdrucksstärksten Filme, die ich in diesem Jahr gesehen habe. Es bleibt zu hoffen, dass sich ein deutscher Verleih für eine Veröffentlichung findet. Hier meine Filmkritik dazu.

Platz 2: Léon

Nach 25 Jahren konnte man das Meisterwerk LÉON – DER PROFI wieder im Kino sehen. Ich war schon immer begeistert von der Idee Meilensteine der Filmgeschichte wieder im Kino zu zeigen. Leider sprechen die Ticketverkäufe eine andere Sprache. Dennoch, Jean Reno und Natalie Portman in die Zeitmaschine Filmprojektor zu stecken, hat ganz wunderbar funktioniert. Und ganz nebenbei bekommt man die Stadt New York gezeigt wie es sie nicht mehr gibt. Es lohnt sich stets, seine Lieblingsfilme noch einmal zu sehen, denn meist blickt man auch in den Spiegel zu seinem früheren Ich zurück. Vielleicht wollte ich damals kein Profikiller werden, aber mindestens so cool wie Léon und Matilda sein. Meine Reise in die Kindheit könnt ihr noch einmal nachlesen.

Platz 3: Unbelievable

Ja, ich weiß, kein Film, sondern eine Miniserie, aber Ausnahmen bestätigen bekanntlich die Regel. Netflix ist man zu Dank verpflichtet, dass die spannende Jagd zweier weiblicher Detectives nach einem Serienvergewaltiger verfilmt wurde. Denn meistens müssen schon ein paar Leichen den Weg säumen, damit Interesse von Produzenten an einer Geschichte gezeigt wird. Aber dennoch möchte ich darauf hinweisen, wie ich auf die Serie aufmerksam geworden bin. Nicht etwa durch die Empfehlung des vielgelobten Netflix-Algorithmus auf meinem Profil, sondern durch den Wunsch meiner Freundin, die Serie zu sehen. Denn auf ihrem Profil wurde UNBELIEVABLE empfohlen. Hoffen wir, dass solche Programmierungen einmal die geschlechtsbezogenen Profile verlassen, bis dahin vertraut auf die Empfehlung anderer. Nichtsdestotrotz, die Serie ist eine der besten und spannendsten Krimiserien, die ich kenne. Wer sie noch nicht gesehen hat, sollte es dringend nachholen.

Die Enttäuschung des Jahres 2019

Das war schon nicht leicht, mich mit meinen niedrigen Erwartungen an diesen Film so vor den Kopf zu stoßen. HELLBOY, die Neuauflage des Wächters der Unterwelt war an sich eine gute Idee, auch die Besetzung konnte sich durchaus sehen lassen, aber es fehlte die zusammenhaltende Vision für eine spannende Geschichte. Leider ist die Verfilmung der Beweis, dass nicht jeder Comic eins zu eins umgesetzt werde sollte und schon gar nicht, wenn man Effekte auf Sparflamme bietet. HELLBOY (2019) ist leider unbefriedigende Ware aus der Videotheken-Grabbelkiste. Meinen Verriss könnt ihr nachlesen.

Meine besten Kinofilme von 2018 gibt es hier –>

© Christoph Müller

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