DIE AUGEN DES SATANS (1957)

Die Augen des Satans (1957) – Filmkritik

Abseits der großen Hollywood Studios gab es zu Zeiten des vorliegenden Films sehr viel kleinere Studios, die für ganz wenig Geld Filme produzierten, sogenannte Low-Budget-Filme oder auch B-Movies genannt. Sehr oft war für diese Studios nach einigen Produktionen gleich wieder Schluss und der Laden wurde dichtgemacht. „Poverty Row“ (Armutsviertel) wurde die Gegend, in der diese Produktionsstätten standen, abwertend genannt. Schon zu Zeiten der Stummfilme etablierte sich der Name wie auch die unzähligen Studios rund um die heutige Gower Street in L. A. Hollywood. Innerhalb weniger Drehtage mussten zumeist haarsträubende Storys auf die Kino-Leinwand gepresst werden, um dann möglichst viel Gewinn an den Kinokassen einzufahren. DIE AUGEN DES SATANS ist solch ein Produkt aus den ungeliebten Mülltonnen der Hinterhöfe Hollywoods. Wenn man die Namen der Crew durchgeht werden dem geneigten Leser besonders drei ins Auge springen: John Agar, Nathan Juran und Jack P. Pierce. Während der umtriebige John Agar in allen möglichen B-Movies auftaucht, unter anderem auch bei Jack Arnolds DIE RACHE DES UNGEHEUERS (REVENGE OF THE CREATURE, 1955) oder dem bekannteren TARANTULA (TARANTULA, 1955), glänzte Nathan Juran als Regisseur von Filmen wie DAS SCHWARZE SCHLOSS (THE BLACK CASTLE, 1952), DIE BESTIE AUS DEM WELTRAUM (20 MILLION MILES TO EARTH, 1957) oder ein Jahr später in SINDBADS SIEBENTE REISE (THE 7TH VOYAGE OF SINBAD, 1958). Die Filmografie des Jack P. Pierce hingegen würde allerdings den Rahmen sprengen. Die bekanntesten Arbeiten des Make-Up-Künstlers entstanden in den 1930er-Jahren bei Universal und haben solch klangvolle Namen wie Dracula, Frankenstein, der Unsichtbare oder auch der Werwolf.

DIE AUGEN DES SATANS (1957)
© Studio Hamburg

Inhalt

Der Physiker Steve March (John Agar) und sein Kollege Dan Murphy (Robert Fuller) entdecken eine seltsame radioaktive Strahlung in den Bergen, nahe ihrer Behausung. Sie entschließen sich, das Gebiet genauer zu untersuchen und entdecken dabei eine bisher unbekannte Höhle. Im Inneren werden sie von dem Außerirdischen Verbrecher Gor überrascht, der sich auf der Flucht befindet. Hier auf der Erde will Gor mithilfe der Menschen eine Armee aufbauen, um anschließend seinen Heimatplaneten zu unterwerfen. Steves Geist wird von Gor übernommen und er bemächtigt sich auch seines Körpers, während Dan weniger Glück hat, denn er wird von dem Alien getötet. Sicher in Steves hilflosen Körper verborgen, macht sich Gor auf den Weg die Weltherrschaft zu übernehmen und kein Erdenbewohner ist in der Lage, sich seinem mächtigen Geist zu widersetzen.

DIE AUGEN DES SATANS (1957)
© Studio Hamburg

Angriff der Gehirnwesen

Selbst für damalige Verhältnisse ist dem Film jederzeit anzumerken, dass er mit einem sehr kleinen Budget auskommen musste, laut IMDb lag es bei nur 58.000 $. Selbst ein solider Regisseur wie Nathan Juran konnte daran nichts ändern. Nach Sichtung der Endfassung von DIE AUGEN DES SATANS bestand Juran sogar darauf, nur als Nathan Hertz in den Credits benannt zu werden. Das sagt eigentlich schon alles über den Film. An allen Ecken und Enden wurde gespart, auch bei den wenigen Effekten. Allein die Darstellung der Außerirdischen, bemalte Luftballons, die später in den Film kopiert wurden, ist schon mehr als lächerlich. Es gibt einige Szenen im Film, in denen die Protagonisten mit einem der Aliens kommunizieren müssen, aber der Außerirdische ist nicht im Bild zu sehen. Das sind dann die Momente, wo aus Kostengründen einfach auf das Alien verzichtet wurde. Selbst ein so begnadetes Genie wie Jack P. Pierce kann ohne Geld keine Wunder vollbringen. Hinzu kommt, dass das Drehbuch von Ray Buffum, der sonst nur für billige Western-Produktionen arbeitete, alles andere als gelungen ist, denn es strotzt nur so vor Logikfehlern und ist äußerst zäh erzählt. Keine Ahnung mit welchen Drogen Buffum experimentierte, als er sich diese Story ausdachte.

DIE AUGEN DES SATANS (1957)
© Studio Hamburg

Ein lustiges Beispiel ist Steves Labor, denn es befindet sich an unterschiedlichen Orten im Verlauf der Story. Vermutlich ist es in einem Wurmloch oder etwas Ähnlichem gefangen, kann ja mal vorkommen bei einem Physiker. Zu Beginn ist es ganz nah, denn Steves „Love Interest“ Sally Fallon holt ihn und Dan zum Essen ab und nach dem durchschreiten der magischen Labortür sitzen sie in ihrem Haus in den Bergen. Soweit so gut, doch etwas später, ist genau dieses Labor soweit vom Haus entfernt, dass Steve nur mit dem Auto dorthin kommt. Ebenso lustig sind die Szenen, wenn der böse Gor sich an Steves Verlobte Sally heranmacht. Da Gor die Gebräuche der Erdlinge fremd sind, weiß er wohl auch nicht, dass Sex erst nach der Ehe möglich ist, zumindest in der gesellschaftlichen Etikette der 1950er-Jahre. An dieses Ehe-Gesetz mussten sich damals sogar die Aliens halten. Ein strenges Wort der biederen Sally genügt und Gor hält sich zurück.

DIE AUGEN DES SATANS (1957)
© Studio Hamburg

Aber alle anderen ungehorsamen Einwohner des Planeten Erde bearbeitet er gnadenlos mit seiner gewaltigen Geisteskraft. Für den Plot ein paar telepathische Kräfte mehr, wären auch nicht verkehrt gewesen. Das Bemühen der Darsteller will ich hier gar nicht absprechen, aber Wunder sollte man an dieser Stelle lieber nicht erwarten. Denn mit den teilweise sinnfreien Dialogen und Szenen fällt es selbst den erfahrensten Recken schwer, ihr bescheidenes Können auf die Leinwand zu bringen. So wie der böse Gor von dem guten Vol verfolgt wird, erinnert mich das Ganze in Grundzügen an die RAUMSCHIFF ENTERPRISE (STAR TREK) Folge „Bele jagt Lokai“ aus der dritten und letzten Staffel.

Die DVD

DIE AUGEN DES SATANS erschien bereits im Jahre 2010 als DVD in der bekannten Galerie des Grauens. Laut Studio Hamburg wurde für diese Neuauflage der Film erneut von einer der letzten erhaltenen 35-mm-Kopien abgetastet. Das Bild ist dem Alter des Films entsprechend gut und sehr kontrastreich. Die Tonspur liegt in Deutsch und Englisch vor und kommt in Dolby Digital 2.0 Stereo aus den Boxen. Als Untertitel gibt es nur eine deutsche Übersetzung auf der DVD. Kleinere Fehler oder Aussetzer in Ton und Bild sind vorhanden, halten sich aber in Grenzen und stören nicht weiter. Als Extras befindet sich nur der Original-Kinotrailer und die deutsche Titelkarte (Werbevorspann) auf der Scheibe. Außerdem gibt es noch ein kleines, 4-seitiges Stück Papier, das nicht der Rede wert ist. Es enthält einige Infos über Regisseur Nathan Juran und erzählt noch einmal, etwas fehlerhaft, die Story des Filmes. Alles in allem erwartet den Käufer ein schwacher Film, sowie eine spärlich ausgestattete DVD.

Fazit

Wer ein Faible für diese Art von Filmen hat, greift auf jeden Fall zu. Man sollte allerdings seine Erwartungen nach unten schrauben. Es gibt wesentlich bessere Filme aus jenen Jahren, wie beispielsweise die oben erwähnten Jack Arnold Produktionen. DIE AUGEN DES SATANS gehört definitiv nicht in diesen illustren Kreis.

© Stefan F.

Titel, Cast und CrewDie Augen des Satans (1957)
OT: The Brain From Planet Arous
PosterDIE AUGEN DES SATANS (1957)
Releaseab dem 30.08.2019 auf DVD

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RegisseurNathan Juran als Nathan Hertz
Trailer
BesetzungJohn Agar (Steve March)
Joyce Meadows (Sally Fallon)
Robert Fuller (Dan Murphy)
Thomas Browne Henry (John Fallon)
Henry Travis (Colonel Frogley)
DrehbuchRay Buffum
KameraJacques R. Marquette
MusikWalter Greene
SchnittIrving M. Schoenberg
Filmlänge71 Minuten
FSKab 16 Jahren

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