DESTROYER 2018 Kritik zum Film

Destroyer (2018) – Filmkritik

„Destroy her“

Die 1970er Filmjahre waren geprägt von Kriminalfilmen. Aber nicht von der Sorte eines COLUMBO, sondern von den kantigen Detectives, die sich einen Dreck um Vorschriften scherten und ihr eigenes Gesetz sprachen. Diese Rechtssprechung wurde gleich mit den Schüssen ihrer Waffen besiegelt. Es war die Zeit von Clint Eastwood als DIRTY HARRY und Gene Hackman als Jimmy Doyle in BRENNPUNKT BROOKLYN. Wenn man diese Filme kennt und immer wieder gesehen hat, muss man den Flair dieses Jahrzehnts im neusten Kinofilm DESTROYER unweigerlich wiedererkennen und das liegt nicht nur an dem Ledersakko im Charles-Bronson-Stil, welches die Hauptdarstellerin Nicole Kidman trägt. Aber alles Quatsch, denn vieles ist so gar nicht wie erwartet und das verdanken wir der weiblichen Perspektive auf dieses Genre mit einer Geschichte, die wir alle sicherlich schon einmal gesehen haben.

DESTROYER 2018 Kritik zum Film
© 2018 Concorde Filmverleih GmbH

Inhalt

Erin Bell (Nicole Kidman) wird vom Morgenlicht in ihrem Auto geweckt. Die Lippen sind ausgetrocknet, Altersflecken zeichnen ihr Gesicht und die Frisur versteckt kaum noch die ergraute Mähne. Wenn da nicht dieser stechende Blick eines LAPD-Detectives in ihre Augen liegen würde, könnte man sie als Junkie abtun. Aber auch diese stahlblauen Pupillen scheinen trübe zu werden. Erin ist eine Außenseiterin, Alkoholikerin und Mutter. Aber dies spielt nur eine Nebenrolle, denn ihre Vergangenheit als Undercovercop vor 17 Jahren kehrt in ihr Leben zurück. Silas (Toby Kebbell) erinnert sie an ihre begangenen Taten mit einem Dollarschein, der von einer Sicherheits-Farbpatrone markiert wurde. Sie beginnt die Suche nach der alten Bankräuber-Gang und will mit den belastenden Fehlern vergangene Tage endlich abschließen.

DESTROYER 2018 Kritik zum Film
© 2018 Concorde Filmverleih GmbH

Altes mit Neuem

Die Grundzüge der Geschichte haben wir alle sicherlich schon einmal gesehen oder gelesen. Jedoch hat das Drehbuchteam Phil Hay und Matt Manfredi (INVITATION, R.I.P.D.) jegliche Art von Ikonenbildung der Hauptfigur entfernt. Erin Bell schleicht nur so durch die Geschichte und muss mehr Prügel beziehen als sie austeilen kann. Sie kommt sogar gleich zu Beginn nicht drumherum als Frau für eine Information „genutzt“ zu werden. Nach dem ersten Filmdrittel wird jedem Zuschauer klar sein, sie hat viel erlebt, die Süchte haben ihre Reflexe gelähmt und ihre Weitsicht ist völlig verloren gegangen. Spätestens jetzt, muss man sich als Mitreisender auf diesem Rachetrip auf andere Aspekte von DESTROYER konzentrieren, sonst wird der Filmabend zu einer langwierigen Angelegenheit. Die Geschichte springt jedoch immer wieder in die Vergangenheit zurück, wo wir auch Nicole Kidman wiedersehen, so wie wir und die Promifotografen sie kennen. Beeindruckend was das Make-up in diesem Film geleistet hat. Der Gedanke, dass Kidman und ihr Schönheitschirurg es sicherlich niemals zulassen werden, dass sie irgendwann so verbraucht aussehen wird, kommt einem für kurze Zeit in den Sinn. Aber die Schauspielleistung Kidmans übertrifft das Make-up noch bei Weitem. Wie eine Eidechse, wartet die von ihr geschaffene Bell in ihrem auffällig-unauffälligen Dienstwagen auf jeden kleinsten Fehler ihrer Verdächtigen. Der Film ist in dieser Hinsicht eine One-Woman-Show, wenn da nicht noch die Regie und die Kamera wären.

DESTROYER 2018 Kritik zum Film
Chris (Sebastian Stan) und Erin Bell (Nicole Kidman) // © 2018 Concorde Filmverleih GmbH

Inszenierung

Die Regie übernahm Karyn Kusama (AEON FLUX, GIRLFIGHT). Ihr gelingt es, die handlungsarme Geschichte dennoch spannend zu gestalten. Auch die Konzentration auf die Perspektive einer Mutter, die ihre Tochter vernachlässigt und nun ansehen muss, wie diese auf dem direkten Weg zu einer umfangreichen Polizeiakte ist, bekommt ausreichend Raum ohne die Kriminalgeschichte aus den Fugen geraten zu lassen. Kommen wir jedoch zum stärksten weiblichen Einfluss auf diesen Rachefilm: Die Kamerafrau Julie Kirkwood. Sie vermag es nicht nur, der zur Genüge fotografierten Stadt L.A. interessante Perspektiven abzugewinnen, sondern zieht auch die Farbe aus den Bildern wie Kidman das Leben aus Bell. Wenn es darauf ankommt, wird die Aufnahme durch Julie Kirkwood zu einer dynamischen Berg- und Talfahrt und wenn die Gedanken treiben sollen, findet sie poetische Bilder in einer gefühlsarmen Stadt. Ein neues Talent am cinematographischen Horizont, von der wir hoffentlich noch häufiger etwas zu sehen bekommen werden.

DESTROYER 2018 Kritik zum Film
© 2018 Concorde Filmverleih GmbH

Das Ganze wird durch eine starke, vielschichtige und manchmal sehr emotionale Filmmusik von Theodore Shapiro begleitet. Nicole Kidman hält die Mauer der Erbarmungslosigkeit von Erin Bell aufrecht und die Score von Shapiro gibt einen akustischen Einblick in das seelische Innenleben der Protagonistin.

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Auch wenn die Besetzung mit Nebendarstellern wie Tatiana Maslany (STRONGER, ORPHAN BLACK) und Sebastian San (Bucky Barnes aus dem Marvel-Universum) gelungen ist, will sich der Wunsch nach einem Meisterwerk, wie es die „Presse-Zitate“ auf dem Kinoplakat einen glauben lassen wollen, nicht einstellen. Aber dies liegt auch an der Aussage des Films bzw. der Abrechnung mit den Männer-Idolen der Dirty-Harry-Sorte. Eine blutige Rache, welche einen wirklich von den Fehlern der Vergangenheit befreit, gibt es leider nicht und somit bleibt man als Zuschauer „gewollt“ unzufrieden nach dem Abspann sitzen.

Fazit

Auch wenn DESTROYER noch ein ungewöhnliches Aha-Erlebnis zum Schluss bieten kann, bleibt er dennoch hinter den Erwartungen des Trailers und den positiven Kritiken zurück. Nicole Kidman zeigt trotz alledem wieder einmal, warum sie zur Schauspiel-Oberliga gehört. Aber als gestander Filmfan, weiß man dies ja bereits und lässt sich durch Projekte wie AQUAMAN nicht von ihren Fähigkeiten ablenken. Mit DESTROYER ist ein wichtiger Grundstein für die feminine Perspektive auf die Männer-Film-Genres gelegt, bleibt zu hoffen, dass die nächsten Projekte weitere Geldgeber finden.

Titel, Cast und CrewDestroyer (2018)
Poster

Release
ab dem 14.03.2019 im Kino
ab dem 18.07.2019 auf Blu-ray
Bei Amazon bestellen:
RegisseurKaryn Kusuma
Trailer
DarstellerNicole Kidman (Erin Bell)
Toby Kebbell (Silas)
Tatiana Maslany (Petra)
Sebastian Stan (Chris)
Scoot McNairy (Ethan)
Bradley Whitford (DiFranco)
DrehbuchPhil Hay
Matt Manfredi
MusikTheodore Shapiro
KameraJulie Kirkwood
SchnittPlummy Tucker
Filmlänge121 Minuten
FSKab 16 Jahren

 

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