Der schmale Grat – Filmkritik & Review zum Mediabook

„Das Kaleidoskop des Krieges“

Wenn ich einmal grob überschlage, war ich bis jetzt in meinem Leben knapp 1.000 Mal im Kino. Film ist für mich eine Leidenschaft fürs Kino, auch wenn man den Saal manchmal mit Menschen teilt, denen der Film nicht so wichtig ist. 1.000 Besuche machen ca. 80 Tage, die ich im Dunkeln verbracht habe. Und ich bin bis jetzt nur ein einziges Mal für ca. 30 Minuten während eines Films eingeschlafen und das war bei „Der schmale Grat“ (Originaltitel: „The Thin Red Line“). Abgesehen davon, dass mir noch ein paar Monate für die Altersfreigabe gefehlt hatten, wollte ich diesen Film sehen. Vor allem wegen der vielen bekannten Schauspieler und auch das Kinoposter hatte mich beeindruckt. Filmtrailer sah man Ende der 90er Jahre ja nur im Kino. Also bin ich mit meinem damaligen besten Freund und Kino-Buddy gleich am Starttag ins Kleinstadt-Kino. Wow, was hat mich dieser Film beeindruckt! Terrence Malick zeigte mir einen Kriegsfilm, wie ich ihn noch nie gesehen hatte. Abgesehen von dem für mich unbekannten Schlachtfeld im Pazifik des Zweiten Weltkriegs, nämlich den Salomoninseln, wo das US-Militär versuchte eine von den Japanern besetzte Insel einzunehmen, war es eine ganze andere Art von Film. Mir wurden die Gedanken, Ängste und philosophischen Ansichten der Soldaten nähergebracht, die im Angesicht ihrer Situation, dem Tod, standen. Auch die Bilder hatten für einen Kriegsfilm viel Schönheit und Eleganz mit einem Blick für die Natur. Die Erzählweise hatte sich ebenfalls den üblichen dramaturgischen Richtlinien stets verweigert. Ich bekam einfach nicht die Kriegs-Action, die ich als Teenager erwartet hatte und war trotzdem von diesem Film sehr begeistert nach Hause gegangen.
Eine paar Tage später wollten Freunde sich „Der schmale Grat“ in der Spätvorstellung ansehen. Ich hatte nichts gegen einen zweiten Kinobesuch, der Film war ja eindrucksvoll gewesen. Schon früh merkte ich, dass ich wohl etwas zu wenig Schlaf in jener Woche bekomme hatte und nach dem großen Kriegsgefecht, wenn Gefreiter Witt durch die Wälder streift, hat es mich im Kinosessel dahingerafft und mir eine halbe Stunde seligen Schlaf beschert. „Der schmale Grat“ (1999) gehört trotzdem zu meinen Top 3 von Kriegsfilmen, neben „Platoon“ und „Apocalypse Now“, weil er mir die Augen für eine völlig andere Sichtweise des Krieges geöffnet hatte und auch für die Welt der Kinofilme.


© 1998 Twentieth Century Fox

Inhalt „Der schmale Grat“

Die US-Streitkräfte versuchen ihre militärische Stellung im Pazifischen Ozean auszubauen. Wenn die feindlichen japanischen Truppen die Salomoninseln im Pazifik beherrschen, würde der Zweite Weltkrieg für die USA schnell zu einem Konflikt auf dem eigenem Grund und Boden werden. Das Bataillon unter der Führung von General Quintard (John Travolta) gibt den Befehl an Lt. Col. Tall, gespielt von Nick Nolte, eine hügelige Insel im Pazifik einzunehmen, inklusive dem japanischen Flugzeugstützpunkt, um einen strategisch wichtigen Punkt für den weiteren Kriegsverlauf innezuhaben. Ein Strafregiment, unter der Führung von Captain Staros (Elias Koteas), soll als erste Infanterie-Einheit einen exponierten Hügel einnehmen. Als Zuschauer ist man somit beim ersten Feindkontakt in einer wunderschönen Landschaft dabei und sieht Mann für Mann auf dem Schlachtfeld dahinsterben. Sie wird als Schlacht um den Guadalcanal in die Geschichtsbücher eingehen.

Staraufgebot ohne schillernden Glanz

„Der schmale Grat“ habe ich mittlerweile um die fünf Mal gesehen und jedes Mal fallen mir mehrfach die Schuppen von den Augen, was für ein hochgradig besetzter Cast hier in den unscheinbaren Uniformen versteckt ist: Adrien Brody, Woody Harrelson („Planet der Affen: Survival“), John Cusack, Jared Leto, Sean Penn („Colors“), John C. Reilly und weitere viele charismatische Nebendarsteller, bei denen man permanent denkt: Den kenne ich doch! In Terrence Malicks Film ist aber kein Platz für große Schauspieler, jeder hat hier eine Aufgabe und bekommt, wie auch in jenem Krieg, keine schillernde Heldentat oder Konfetti-Parade gestellt. Es geht um das Erleben dieser traumatischen Situation, bei der keiner einen Grund finden kann, dafür sein Leben zu geben. Die Hauptfigur ist Private Witt, gespielt von Jim Chaviezel („Die Passion Christi“, „Person of Interest“), der von einem Fahnenflüchtigen zu Beginn des Films zu einem mutigen Soldaten wird und zum Ende auf eine fast schon esoterische Reise geht.


© 1998 Twentieth Century Fox

Ein Blick durch die Augen von Terrence Malick

Der Regisseur, der sich hier dem autobiografischen Roman „Insel der Verdammten“ von James Jones annimmt, ist einer der individuellsten Bildästheten des Autorenkinos. „Der Schmale Grat“ bedeutete sein Comeback aus einer 20-jährigen Schaffenspause, wofür nur die Gerüchteküche Gründe gefunden hatte. Malick erklärt seine Filme nie, gibt nur wenige Interviews und scheut die Öffentlichkeit. Seine filmischen Markenzeichen sind Kommentare der Protagonisten aus dem Off, eine gefühlvolle Handkamera, der Blick für die Natur und ein besonderer Einsatz von natürlichem Licht. So erschuf er einen Kriegsfilm, dessen Akteure ihre Gedanken aus dem Off mitteilen und visuell perfekt mit der Natur der salomonischen Landschaft vereint sind. Ihm geht es hierbei auch gar nicht um ein historisch, detailliertes Filmwerk. Er gibt seinen Zuschauern einen philosophischen Blick, dass alles zu einem großen Ganzen gehört und die Natur als verzahntes System ein Paradebeispiel dafür ist. Warum der Mensch und Krieg in dieses Ökosystem hinzugehören, darauf muss sich jeder selbst eine Antwort geben, aber „Der schmale Grat“ gibt viel Substanz dafür.

Das Mediabook und FuturePak von FilmConfect

Bei einem solch intensiven Filmerlebnis empfehlen wir die beste Variante für Cineasten mit Platz im Filmregal. Die Filmpralinen-Abteilung FilmConfect hat „Der schmale Grat“ eine stilvolle Aufmachung beschert. Das Blu-ray-Master von 20th Century Fox ist in Bild und Ton perfekt gelungen. Da es sich bei dem Mediabook und FuturePak „nur“ um eine Neuverpackung der Blu-ray von 2013 handelt, ist keine Kritik nötig, denn das Bonusmaterial war bereits sehr umfangreich. 1,5 Stunden audiovisueller Content ist als Extra mit dabei. Vor allem interessant sind das Interview mit Komponist Hans Zimmer, der hier einen für sich unüblichen Soundtrack geschrieben hat und die Sichten auf die Geschichte der Schauspieler. Ein Kommentar von Malick selbst vermisst man, aber das war klar für den öffentlichkeitsscheuen Künstler. Es gibt derzeit zwei Varianten von FilmConfect. Zum einen ein FuturePak in einer Steel-Edition, um ohne Plagiate angreifen zu wollen, es ist ein Steelbook. Das Artwork der Editon ist das bereits vergriffene und nun doch nicht mehr exklusive Artwork von zavvi als Motiv. Der Unterschied zum zavvi-Modell ist, dass das Cover nicht matt ist, sondern glänzend und es über keine stabile Spine (Buchrücken) verfügt. Wer gern noch etwas Text zum Film haben möchte, greift zum aktuell einen Euro teureren Mediabook. Dieses enthält, neben einem gefalteten Kinoplakat, ein 20-seitiges Booklet mit einem interessanten Text von Filmwissenschaftler Dr. Marcus Stiglegger mit einer philosophischen und religiösen Einordnung des Films. Beides sind gelungene Veröffentlichungen für Fans von Steelbooks bzw. Mediabooks, die ein sehr gutes Preis-Leistungs-Verhältnis haben.

Fazit

„Im Kino schlafen, heißt dem Film zu vertrauen“. Und deswegen scheue ich mich nicht, bei diesem dreistündigen Meisterwerk im Kinosessel einmal meinen eigenen Träumen gefolgt zu sein. Denn bei Filmen von Terrence Malick, wie auch hier bei „Der schmale Grat“, kann man darauf vertrauen, eine Reise mit einem einzigartigen Blickwinkel auf die Welt und wie sie funktioniert zu erhalten. Also liebe Cineasten da draußen: Vertraut eurem Geldbeutel diesen kleinen Kauf von Filmgeschichte an.

Gewinnspiel (Leider vorbei)

Wir verlosen mit freundlicher Unterstützung von FILMCONFECT 1x die Blu-Ray im FuturePak (Steel-Edition) von „Der schmale Grat”.

Was müsst ihr tun, um am Gewinnspiel teilzunehmen?

Verratet uns, welches eure Top 3-Kriegsfilme sind.

Schreibt es einfach in die Kommentare unter den Artikel.

Der Gewinner wird per Zufall gezogen.
Das Gewinnspiel endet am 22.05.18 um 23:59. Mit eurer Teilnahme akzeptiert ihr die Teilnahmebedingungen.

Wir verlosen ebenfalls ein Exemplar auf unserer Facebookseite.

Titel

Der schmale Grat (1998)
Originaltitel: "The Thin Red Line"

Regisseure

Terrence Malick

Poster

Der schmale Grat Kinoposter

Veröffentlichung

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FuturPak (Steel Edition) von FILMCONFECT bei Amazon kaufen

Besetzung

Jim Chaviezel (Witt)
Kirk Acevedo (Tella)
Sean Penn (Welsh)
Nick Nolte (Tall)
Elias Koteas (Staros)
John Cusack (John Gaff)
John C. Reilly (Mazzi)
Woody Harrelson (Keck)
George Cloony (Bosche)
John Travolta (Quintard)
Jared Leto (Whyte)

Trailer

Drehbuch

Terrence Malick

Buchvorlage

"Insel der Verdammten" von James Jones

Kamera

John Toll

Musik

Hans Zimmer

Schnitt

Leslie Jones
Saar Klein
Billy Weber

Technische Daten der Blu-ray

Ton: DTS 5.1 Deutsch und Englisch
Bild: 2,35:1 (1080p)
Laufzeit: 170 min

Altersfreigabe

ab 16 Jahren

Chefredakteur

Kann bei ZURÜCK IN DIE ZUKUNFT mitsprechen / Liebt das Kino, aber nicht die Gäste / Hat seinen moralischen Kompass von Jean-Luc Picard erhalten / Soundtracks auf Vinyl-Sammler / Stellt sich gern die Regale mit Filmen voll und rahmt nur noch seine Filmposter

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27 Gedanken zu “Der schmale Grat – Filmkritik & Review zum Mediabook

  1. Ach, nehme ich doch auch mal teil:

    1. Apocalypse Now
    2. The Thin Red Line
    3. Full Metal Jacket

    Rang 1 und 2 wechseln auch mal, und für Rang 3 gibt es womöglich auch noch andere Kandidaten (Platoon, Paths of Glory).

  2. Meine Top Three sind:

    Full Metall Jacket
    Der Soldat James Ryan
    Die Brücke von Arnheim ( der erste Kriegsfilm den ich bewußt wahrgenommen habe )

  3. Hallo Christoph,

    da versuche ich doch mal mein Glück 🙂
    Meine 3 Lieblingskriegsfilme sind:

    – BLACK HAWK DOWN
    – DER SOLDAT JAMES RYAN
    – LONE SURVIVOR

    Viele Grüße aus dem schönen Frankenland,

    Michell

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