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Demon Pond (1979) – Filmkritik

Bühne frei für dieses Kabuki-Drama von Kyōka Izumi, verfilmt von Masahiro Shinoda. DEMON POND (Dämonenteich) ist eine Geschichte in der Geschichte mit noch vielen weiteren kleinen Erzählungen. Es handelt sich hierbei aber nicht um einen Anthologiefilm. Regisseur Shinoda verknüpft die Legende über den schlafenden Drachen auf dem Grund eines Teichs in ein Drama aus Liebe und Freundschaft. Es ist ein Film der Kostüme, bedeutenden Reden und voll von Interpretationspotenzial, vor allem mit Hinblick auf die klimatischen Katastrophen, auf die die Menschheit zusteuert. Wer hätte das gedacht, dass ein solch altes Stück heutige Diskussionen vorhersah? Vielleicht liegt es auch daran, dass wir uns ausschließlich technologisch weiterentwickelt haben, Aberglaube und Vorurteile sind immer noch ungebrochen.

©1979/2021 Shochiku Co. Ltd.

Handlung

1913, der Wissenschaftler und Priester Gakuen Tamazawa (Tsutomo Yamazaki) ist an seinen freien Tagen auf Erkundungsreise durch die Natur. Außerdem sucht er einen alten Freund. Er trifft auf ein Dorf, das unter einer tagelangen Dürre leidet. Ein wenig abseits erreicht er ein kleines Haus mit einer bemerkenswerten Frau namens Yuri (Tamasaburô Bandô). Dort lebt sie mit ihrem Ehemann Akira Hagiwara (Gô Katô) zusammen, dessen Aufgabe es ist, zu bestimmten Tageszeiten eine Glocke zu läuten. Das soll verhindern, dass der Drache, der auf dem Grund des Dämonenteichs schläft, still liegen bleibt und weiterhin keinen Flutwellen auslöst, die das Dorf vernichten würden. Schnell bemerkt Tamazawa, dass es sich hierbei um seinen vermissten Freund handelt. Er will Akira zurück in die Stadt holen, doch die Liebe zu Yuri ist groß und das Dorf hat auch noch ein Wörtchen mitzureden.

 ©1979/2021 Shochiku Co. Ltd.

Neues und Altes

DEMON POND ist kein Film der raffinierten Inszenierung. Die kreative Freiheit aus der New-Wave-Zeit (PALE FLOWER) hat der Regisseur hinter sich gelassen. Alles ordnet sich dem Aufbau eines Theaterstücks unter. Zu Beginn gibt es noch echte Naturaufnahmen, aber dann wechselt die Szenerie in die Studiokulisse. Aber das passt zum Stilmittel und lässt Raum für das Spiel der Darsteller. Wenn wir schon beim Thema Besetzung sind: Die weiblichen Hauptrollen Shirayuki (eine mysteriöse Prinzessin, die mit Fabelwesen sprechen kann) und Yuri werden beide von einem Mann gespielt. Im Kabuki-Theater gehörte dies zur Regel, aber Ende der 1970er erwartet man doch etwas mehr Gleichberechtigung. Die Geschlechterkostümierung hat aber auch einen interessanten Nebeneffekt. Die Ehe von Yuri und Akira in der Abgeschiedenheit und niedrigen Akzeptanz der Gesellschaft bekommt somit etwas Verbotenes.

 ©1979/2021 Shochiku Co. Ltd.

Der Aufstand ist vorprogrammiert. Dies geschieht aber auf Befehl des Abgeordneten („eure Exzellenz“), der mit Sake und Reis die Dorfbewohner in ihrer Meinung beeinflusst. Yuri soll ein Menschenopfer werden, damit es wieder regnet. Das euphorische Verhalten des Dorf-Mobs erinnert an heutige politische Diskussionen. Emotionale Themen lenken von dem Hauptproblem ab. Der Aberglaube geht vor der Wissenschaft und politischen Bildung. Woher kommt das viele Essen und der viele Reisschnaps, die der Abgeordnete mitgebracht hat? Vielleicht sollte lieber über Bewässerungsanlagen nachgedacht werden, als Unschuldigen das Leben zu nehmen.

Das Sehvergnügen kann bisweilen etwas zäh sein. Da es keine deutsche Synchronisation gibt, muss man konstant Untertitel lesen, denn ausschließlich Dialoge bringen die Handlung voran. Der zeitgemäße Synthesizer-Score ist auffällig und untermalt manche Momente eher humorvoll als dramatisch. Richtig beeindruckend wird das Finale im Untergangsmodus voll von praktischen Effekten und Miniaturen, die in Zeitlupe zerstört werden. Eine Flut biblischen Ausmaßes ergießt sich über das Dorf.

 ©1979/2021 Shochiku Co. Ltd.

Fazit

DEMON POND ist voll von japanischer Mystik und Folklore. Manche Szenen sind etwas langwierig, aber das Finale zieht noch einmal kräftig an. Bemerkenswert ist, wie das Stück heutige Gesellschaftsthemen vorwegnimmt. Man hat lieber einen 24-Stunden-Supermarkt um die Ecke als einen schönen Garten mit gekühlten Birnen. Hmm lecker, gekühlte Birnen!

© Christoph Müller

// DEMON POND ist 2024 in Deutschland im Doppel-Pack mit PALE FLOWER (1964), ebenfalls von Masahiro Shinoda, auf Blu-ray vom Label Rapid Eye Movies erschienen.

 

Titel, Cast und CrewDemon Pond (1979)
OT: Yasha-ga-ike
Poster
Releaseseit dem 06.06.2024 auf Blu-ray erhältlich.

Direkt beim Label bestellen.
RegieMasahiro Shinoda
Trailer

Trailer zu ZEITLOS Kinoreihe
BesetzungTamasaburô Bandô (Yuri / Princess Shirayuki)
Gô Katô (Akira Hagiwara)
Tsutomu Yamazaki (Gaukuen Yamazaki)
Kôji Nanbara (Priest Shikami)
DrehbuchHaruhiko Mimura
Tsutomu Tamura
VorlageNach einem Theaterstück von Kyôka Izumi
KameraMasao Kosugi
Noritaka Sakamoto
MusikIsao Tomita
SchnittZen Ikeda
Sachiko Yamachi
Filmlänge124 Minuten
FSKab 12 Jahren

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