DEATH MACHINE (1994)

Death Machine (1994) – Filmkritik und Review zum Mediabook

„Monster aus Stahl“

Die nahe Zukunft, wieder einmal, aber für uns jetzt schon Vergangenheit. DEATH MACHINE von 1994 macht zumindest nicht den Fehler vieler anderer Science-Fiction-Kollegen und nennt eine Jahreszahl. Die Zukunft kommt dann doch nicht so schnell wie es zum Beispiel in BLADE RUNNER prophezeit wurde. Wenn man die technischen Geräte in DEATH MACHINE sieht, wirkt der Streifen doch eher wie ein Kind seiner popkulturellen Zeit, den 90ern. Schade, dass sich früher keiner von dem Gedanken lösen konnte, dass Bildschirme nicht würfelartig gebaut sein müssen. Um den Sinn einer älteren Zukunftsvision soll es hier aber gar nicht gehen. Die Frage stellt sich, warum DEATH MACHINE einen recht unbekannten Status in Filmkreisen hat. Das hat vor allem den Grund eines sehr macheteartigen Neuschnitts für die deutschen Kinos und das darauffolgende Verbot einer Verbreitung auf VHS bzw. DVD. Viele Actionfilme erlebten damals erst ihre Blütezeit in den Regalen der Videotheken. Erst 2017 gab die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien Stephen Norringtons Regiedebüt zum Verkauf ungeschnitten frei, sogar ab 16 jugendlichen Jahren.

© Turbine Medien

Handlung

Die CHAANK Cooperation hat sich längt vom allgemein verständlichen Begriff der Rüstungsindustrie entfernt. Maschinell verbessert sie sogar Kriegsveteranen nach der Löschung ihres Hirns zu Cyborgs. Diese moralisch fragwürdigen, ultimativen Kämpfer laufen aber noch nicht wirklich zuverlässig, wie ein Massaker an einem Rasthof im Nirgendwo gleich zu Beginn des Films belegt. Trotz artiger Zusicherung der Sheriffs, nichts von dem mit Leichen gespickten Tatort einer durchgedrehten Cyborg-Einheit zu verraten, erfahren die Medien davon. Der Presserummel ist groß. Als Akt guten Willens, setzt die Firma eine neue Chefin an den Tisch des Vorstands: Hayden Cale (Ely Puget). Doch sie muss bald feststellen, dass CHAANK noch wesentlich mehr Leichen im Keller hat bzw. mechanische Bestien. Hinzu kommt noch der geniale wie auch verrückte Jack Dante (Brad Dourif), dem keiner freiwillig in der Firmenzentrale über den Weg laufen möchte.

DEATH MACHINE (1994)
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„Ich mag kluge Menschen, deswegen mag ich auch Sie.“

Man ist gleich zu Beginn auf B-Movie-Qualität eingestellt, denn DEATH MACHINE hat nicht wirklich große Bekanntheit erlangt, aber der Prolog mit dem Massaker im Rasthof hat höchstens Kinoleinwand-Niveau. Die Kamera fährt sanft einen mysteriösen Tatort des Schreckens ab. Leider werden die ersten Erwartungen dann doch wieder bestätigt, wenn der erste Schauspieler seinen Mund aufmacht. Es gelingt nicht allen Darstellern auf hohem Niveau zu überzeugen. Von der Besetzung wird den meisten am wahrscheinlichsten das Gesicht von Brad Dourif (EINER FLOG ÜBER DAS KUCKUCKSNEST, HERR DER RINGE) als ewiger Nebendarsteller etwas sagen. Er darf auch die anspruchsvollste Rolle des durchgeknallten Genies mit Punk-Attitüde geben, den Bösewicht und Erschaffer der DEATH MACHINE. Sein Wahn kommt durchaus zum Zuge und den Beweis von Intelligenz bleibt er uns bis zum Ende schuldig.

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Aber dafür wird eine alleinige weibliche Hauptfigur gezeigt, was trotz einer Clarice Starling im Jahr 1991 immer noch ungewöhnlich war. Vor allem scheint Hayden Cale in dieser ganzen Testosteron-Besetzung die Cleverste und Mutigste von allen zu sein. Was soll man auch von einer Frau anderes erwarten, die zwei Fitnessgeräte in ihrem Schlafzimmer stehen hat. Vor allem ist es auch mal schön im Film zu sehen, in welcher Kleidung Frauen in Wirklichkeit schlafen: Jogginghose und weißes T-Shirt. Man erinnere sich an Maria Conchita Alonso in RUNNING MAN (1987), die zum Feierabend in Satin-Spitze noch ein paar Bauchmuskelübungen gemacht hat. Nein, unsere Hayden Cale ist die Taffste von allen, was sicherlich auch an ihrer Inspirationsquelle des Regisseurs liegt: Lt. Ripley aus der Alien-Filmreihe.

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„Harte Technologie für eine harte Welt“

Drehbuchautor und Regisseur Stephen Norrington spickt DEATH MACHINE geradezu mit Filmzitaten und -referenzen. Figuren mit den Namen Jack Dante, John Carpenter, Sam Raimi und Scott Ridley sind nicht zufällig nah dran an den Helden seiner Kinobildung: Joe Dante (THE HOWLING), John Carpenter (THE THING), Sam Raimi (THE EVIL DEAD) und Ridley Scott (BLADE RUNNER). Aus deren Filmografien schöpft Norrington seine Kreativität für seinen ersten Spielfilm. Die Inspiration drängt sich aber nie zu weit in den Vordergrund. Der DEATH MACHINE kann man ein ALIEN-haftes Auftreten nachsagen, aber die Bewegungen sind dann doch zu maschinell hektisch. Der Haupthandlungsort, die CHAANK-Firmenzentrale, ist auch stark von Syd Meads BLADE-RUNNER-Entwürfen inspiriert, kann aber dennoch genug Individualität aufweisen. Man merkt, dass Stepen Norrington einen Handwerker und Künstler im Sinne des Praktischen darstellt als des sinnlosen Kopierens.

DEATH MACHINE (1994)
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In den Special Effekts und auch dem Requisitenbau, die trotz niedrigem Budget niemals billig und schnell zusammengeworfen aussehen, steckt die wahre Qualität des Films. Aber auch das langsame Enthüllen des metallischen Monsters und der wirklich schnelle und flüssige Schnitt – Norrington arbeitete auch viel als Werbe- und Musikvideofilmer – lassen dann doch jegliche Bedenken einen Trashfilm zu sehen verschwinden. Wären da nicht immer wieder ein paar Drehbuchquerschläger, die vielleicht auch Satire sein sollen, aber dafür einfach zu dämlich sind: Wer hat den größten Joint; Sam Raimi muss als Cyborg nicht nur sein Gedächtnis abgeben, sondern auch sein Trommelfell; den Feueralarm mit einer, nein DER einzigen Bombe, die man hat, auslösen; ein Polizist schießt einfach einer Frau, die in Jogginghose aus einem Gebäude flieht, ins Bein. Von der Beute der Räuberbande wollen wir gar nicht erst anfangen oder habt ihr schon einmal etwas von einem „4-fach-Matrix googolplektischen Memory-Code-Prozessor“ und Firmenaktien im Wert von 350 Mrd. Dollar in einem Safe gehört?

DEATH MACHINE (1994)
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Die Blu-ray von Turbine

Das Mediabook von Turbine

DEATH MACHINE wurde nach der Befreiung vom Index mit offenen Armen bei Turbine empfangen. Das HD ist extrem sauber und detailreich. Man könnte denken, die Aufnahmetechnik aus unserer Zeit war im Spiel. Der Ton ist solide abgemischt und auch die deutsche Synchronisation kann sich hören lassen. Turbine öffnet wieder ihre komplette Produktpalette und somit kann jeder Interessierte fündig werden: Mediabook in drei Cover-Varianten, eine Steel-Edition und die handelsübliche Softbox-Version. Wer zum Mediabook greift, wird mit einem Text von Christopher N. Kellerbach belohnt, dem man die Leidenschaft für diesen Film gerne abkauft und Filmgeschichtskunde in Sachen Stephen Norrington betreibt.

Fazit

Für 90er-Action-Science-Fiction-Horrorfans sicherlich einen Kauf wert. Für mehr Aufmerksamkeit ist DEATH MACHINE leider etwas zu langatmig und arm an einer guten Story. Für Filmfans wegen dem detailreichen Setting interessant und für die Behauptung Rachel Weisz in ihrem Spielfilmdebüt gesehen zu haben. Sie ist beim Konzernmeeting am Anfang für zwei Sekunden zu sehen, wie sie eifrig mitschreibt.

© Christoph Müller

Titel, Cast und CrewDeath Machine (1994)
Poster
Releaseab dem 04.11.2019 im Mediabook (Blu-ray+DVD) 3 Cover, limitiert jeweils auf 500 Stück
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RegisseurStephen Norrington
Trailer
BesetzungBrad Dourif (Jack Dante)
Ely Pouget (Hayden Cale)
William Hootkins (John Carpenter)
John Sharian (Sam Raimi)
Martin McDougall (Yutani)
Andreas Wisniewski (Weyland)
Richard Brake (Scott Ridley)
DrehbuchStephen Norrington
MusikCrispin Merrell
KameraJohn de Borman
SchnittPaul Endacott
Filmlänge99 Minuten
FSKab 16 Jahren

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