Das Testament des Dr. Mabuse – Filmkritik & Review des Mediabooks

„C.S.I. Berlin (1933)“

Fritz Lang ist für viele Filmfans ein Begriff. Allen voran, fällt einem METROPOLIS als einer der ersten großen Science-Fiction-Filme des Filmemachers ein, aber auch M – EINE STADT SUCHT EINEN MÖRDER gilt als Meilenstein von ihm. Lang, der sich in seiner kreativen Hochphase in der Übergangszeit zwischen Stumm- und Tonfilm befand, schaffte es, sein Publikum nicht nur mit besonderen Effekten ins Staunen zu versetzen. Im Mittelpunkt stand auch immer der normale Bürger von nebenan, dem schicksalhafte Dinge passieren und dessen Weltbild dadurch ins Wanken gerät. Ein Mord, ein entführtes Kind oder ein Raubüberfall, alles war in seiner Welt möglich. DAS TESTAMENT DES DR. MABUSE ist nicht nur ein spannender Krimi über ein Verbrechersyndikat von Berlin, sondern auch ein phantastischer Film mit kleiner Horrorkomponente.

Das Testament des Dr. Mabuse Filmkritik Review Mediabook
© Atlas Film

Inhalt

Dr. Mabuse (Rudolf Klein-Rogge) sitzt als Insasse in einer Irrenanstalt unter der Führung von Prof. Dr. Baum (Oscar Beregi). Nachdem er in seinem lethargischen Zustand anfängt Schreibbewegungen mit seinen Händen zu vollführen, gibt man ihm Stift und Papier. Nach anfänglichem undeutlichem Gekrakel, werden seine Aufsätze präzise Beschreibungen von Verbrechen, die dann auch noch in der Realität so eintreten. Inspektor Karl Lohmann (Otto Wernicke) hat kaum eine Ahnung von diesem Mabuse, will jedoch einen Zusammenhang der ganzen Straftaten nicht leugnen.

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Dr. Mabuse (Rudolf Klein-Rogge) // © Atlas Film

Dr. Mabuse, der Superbösewicht

Dr. Mabuse war wohl einer der ersten Superschurken mit Franchise zu jener Zeit. Die Figur wurde 1920 vom Schriftsteller Norbert Jacques als Superverbrecher erfunden und mehrfach verfilmt. Von Fritz Lang erschienen vier Filme zum Bösewicht: Vor diesem Film erschien bereits DR. MABUSE, DER SPIELER Teil 1 & 2 (1922) und nach dem Testament DIE 1000 AUGEN DES DR. MABUSE (1960). Zusammen mit Dr. Caligari und Nosferatu gehört Dr. Mabuse zum großem Triumvirat Superbösewichte des deutschen Stummfilms. Seine hypnotischen Fähigkeiten hat er hier in DAS TESTAMENT DES DR. MABUSE gegen Gedankenkontrolle bis über den Tod hinaus eingetauscht. Vielleicht ist jedoch auch sein Manifest, welches er in der Anstalt schreibt, das mit seinem Geist so stark verbunden ist, dass die unterschiedlichsten Verbrechen in die Tat umgesetzt werden. Denn gegensätzlich zur Romanvorlage steht Inspektor Lohmann als „Sympathiefigur“ im Mittelpunkt der Geschichte und nicht der Bösewicht.

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Prof. Dr. Baum (Oscar Beregi) und Dr. Mabuse (Rudolf Klein-Rogge) // © Atlas Film

Kriminalwissenschaft

Wenn Lohmann, gespielt vom zeternden Rudolf Klein-Rogge, in die Geschichte eingeführt wird, ist er auf den ersten Blick zu borniert. Seinen Assistenten Müller befiehlt er wie einen Diener umher, die Zigarre sitzt im Zigarrenhalter und die Anzüge spannen straff über dem gut gefütterten Körper. So ganz clever will er nicht erscheinen, aber sein guter Ruf eilt ihm voraus und nach 90 Minuten wird auch der letzte Zuschauer seine Hartnäckigkeit bei diesem Fall anerkennen. Für einen über 85 Jahre alten Film gibt es eine erstaunlich logische Beweisführung. Die Ballistik vergleicht abgefeuerte Kugeln und der Fotograf entschlüsselt eingeritzte Botschaften in Fensterscheiben, auch wenn man vielleicht zwischendrin etwas müde die Ganoven in ihrer Schrulligkeit belächelt, die Polizei macht ihren Job. Das Ende mit der berühmten surrealen Autoverfolgungsjagd, ja, ihr habt richtig gelesen, wo sogar ein Platten mit schnellem Reifenwechsel keinerlei Spannung wegnimmt, ist 10-mal fiebriger als der Tatort vom letzten Sonntag.

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Adjudant Müller und Inspektor Lohmann (Otto Wernicke) // © Atlas Film

Zensur und Deutung

DAS TESTAMENT DES DR. MABUSE ist zwischen den beiden Weltkriegen in einer französischen und deutschen Version unter der Regie von Fritz Lang entstanden (M, METROPOLIS). Die Premiere am 21. April 1933 in Budapest zeigte die längste Version und lief ausschließlich in Österreich in den Kinos. Im nationalsozialistischen Deutschland zu jener Zeit, fiel der Film bei der Zensur durch. Joseph Goebbels vermerkte in seinem Tagebuch „Sehr aufregend. Aber kann nicht freigegeben werden. Anleitung zum Verbrechen.“ Der wahrscheinlichere Verbotsgrund liegt in der Parallele von Adolf Hitler, der MEIN KAMPF ebenfalls in Gefangenschaft schrieb wie auch Dr. Mabuse sein Verbrecher-Manifest. Auch Hitler baute ein Netzwerk aus unterschiedlichsten Gräueltaten auf, welche im einzelnen wenig Sinn ergaben, aber im Gesamten seinem Machtzuwachs dienten. Den Verbrechern im Film wurden auch ganze Glaubenssätze und Parolen des „Dritten Reichs“ in den Dialog geschrieben, um die „Herrschaft des Verbrechens“ zu bejahen.

Das Testament des Dr. Mabuse Filmkritik Review Mediabook
Hofmeister (Karl Meixner) // © Atlas Film

Fazit

Ein spannender Kriminalfilm, dem man sein enormes Alter kaum ansieht oder anfühlt. Auch die kleinen Elemente, beispielsweise der später in Horrorfilmen immer wieder verwendete „Mad Scientist“, fügen sich nahtlos in die Geschichte ein. Fritz Langs Filme zählen nicht ohne Grund zu den meistgenanntesten Inspirationsquellen für die Regie-Legenden unserer Gegenwart.

Das Mediabook

Das Testament des Dr. Mabuse Mediabook Cover Review
Das Mediabook von Atlas Film. Leider mit aufgedrucktem FSK-Logo

Das Mediabook von Atlas Film umfasst DAS TESTAMENT DES DR. MABUSE auf Blu-ray und DVD. Das Bildformat ist im Verhältnis von 1,19:1 und 1080p auf der Blu-ray. Die Auflösung kann sich sehen lassen und das Bild bietet ein klares Schwarz-Weiß mit ausreichend analogem Filmcharme. Lediglich der Ton übersteuert ab und zu etwas, aber das ist bei diesem Entstehungsjahr völlig zufriedenstellend. Die Filmversion ist die restaurierte 2001er Version, welche für die Fritz-Lang-Retrospektive zur Berlinale im selbigen Jahr angefertigt wurde. 2014 wurde hiervon eine 2K-Abtastung vorgenommen. Details zum Prozess finden sich im 22-seitigem Booklet, welches wieder dank Atlas Film sehr lesenswert ist. Das Cover ist ein grafischer Gaumenschmaus, welcher leider einen bitteren Geschmack hinterlässt: Das FSK-Logo ist tatsächlich Bestandteil des Covers und kein Aufkleber auf der Schutzfolie. Laut Atlas Film ist dies aber nur bei der ersten Auflage irrtümlich geschehen. Wer möchte kann sich an deren Service info(at)atlas-film.de wenden. Dort bekommt man kostenfrei einen Schuber (O-Card) mit Cover ohne FSK-Logo für das Mediabook geliefert. Schön wenn sich Labels um ihre Filmsammler kümmern. Leider gibt es auch keinerlei Bonusmaterial auf den Discs. Ein gefalteter Druck (36 x 17,5 cm) des originalen Postermotivs liegt dem Mediabook bei.

TitelDas Testament des Dr. Mabuse (1933)
RegisseurFritz Lang
PosterDas Testament des Dr. Mabuse Filmkritik Review Mediabook
Releaseab dem 25.01.19 im Mediabook erhältlich
Auf Amazon kaufen
Trailer
LiteraturvorlageNach dem gleichnamigen Roman von Norbert Jacques aus dem Jahr 1932
DrehbuchFritz Lang
Thea von Harbou
BesetzungRudolf Klein-Rogge (Dr. Mabuse)
Theo Lingen (Karetzky)
Otto Wernicke (Inspector Karl Lohmann)
Gustav Diessl (Thomas Kent)
Rudolf Schündler (Hardy)
Oscar Beregi Sr. (Prof. Dr. Baum)
Karl Meixner (Hofmeister)
MusikHans Erdmann
Walter Sieber
SchnittConrad von Molo
Lothar Wolff
Technische DatenBlu-ray und DVD
Bildformat: 1,19:1 (HD 1080p)
Tonformat: Deutsch (DTS-HD Mono 2.0)
Filmlänge121 min
AltersfreigabeAb 16 Jahren freigegeben
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