Das Rätsel des silbernen Halbmonds (1972) – Filmkritik & Review des Mediabooks

Kein geringer als Umberto Lenzi, der hauptsächlich durch seine Splatter-Filme wie DIE RACHE DER KANNIBALEN (CANNIBAL FEROX, 1981) internationale Berühmtheit erlangte, führte Regie beim letzten offiziellen Edgar-Wallace-Film. Die Serie der legendären deutschen Grusel-Krimi-Reihe startete 1959 mit DER FROSCH MIT DER MASKE und endete 1972 mit dem hier vorliegenden DAS RÄTSEL DES SILBERNEN HALBMONDS. Trotz des Edgar-Wallace-Siegels sind wir Zuschauer das Opfer einer arglistigen Täuschung.

© Koch Films

Inhalt

Zwei Frauen hintereinander brutal ermordet und jedes Mal findet die Polizei nur einen silbernen Anhänger in Form eines Halbmonds bei den Opfern. Vom Mörder fehlt trotz aller Bemühungen jede Spur, die Polizei ist wie immer ratlos. Giulia (Uschi Glas), frisch verheiratet mit Mario (Antonio Sabàto), wird während ihrer Hochzeitsreise ebenfalls von dem geheimnisvollen Killer getötet. Abermals ist nur der silberne Halbmond der einzige Hinweis am Tatort. Aber Giulia hat den Anschlag schwer verletzt überlebt und die Polizei inszeniert ihre Beerdigung, um dem Mörder eine Falle zu stellen, was jedoch misslingt. Zur Sicherheit soll Giulia danach mit Mario die Stadt verlassen, solange der Täter noch nicht gefasst ist. Während der Fahrt erinnert sich Giulia plötzlich daran, wo sie schon einmal den silbernen Halbmond gesehen hat. Anstatt zur Polizei zu gehen, versuchen Mario und Giulia selber hinter das Geheimnis des mysteriösen Mörders zu kommen und begeben sich dadurch erneut ins Visier des wahnsinnigen Killers.

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Etiketten-Schwindel

Wer den Film gesehen hat, wird mir zustimmen, dass dies kein „echter“ Wallace ist. Ganz im Gegenteil, der hier vorliegende Film ist ein lupenreiner Giallo, Made in Italy. Es fängt schon mit dem Ort der Handlung an, der nicht London, sondern Rom ist und endet mit den vielen italienischen Schauspielern und dieser komplett anderen Stimmung, die den ganzen Film durchzieht. Etwas verwirrte mich auch die Aussage von Regisseur Umberto Lenzi in der Featurette „Rendezvous in Giallo“ auf der Blu-ray. Dort spricht er davon, dass er die Story des Films von dem Amerikaner Cornell Woolrich geklaut hat. Zusammen mit seinem Drehbuchautor Roberto Gianviti wurde sie leicht verändert und angepasst, kein Wort von Edgar Wallace. Außerdem sprach Lenzi noch davon, dass der Film in Deutschland lediglich zu Werbezwecken vom Verleiher mit dem Prädikat „Ein Edgar-Wallace-Film“ versehen wurde, um von der beliebten Reihe an den Kinokassen zu profitieren.

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Hintergrund

Also recherchierte ich etwas genauer und siehe da: Lediglich ein kleiner Vermerk ist an einigen Stellen zu finden, dass der Film „auf Motiven von Edgar Wallace“ basiert, was im Grunde genommen alles und nichts bedeuten kann. Trotz allem wird DAS RÄTSEL DES SILBERNEN HALBMONDS bis heute zur Wallace-Serie gezählt.

Ab ZIMMER 13 aus dem Jahre 1964 begann ein Umbruch in den Wallace-Verfilmungen, wie auch die Einführung des Farbfilms einen Bruch darstellte. Mit DAS RÄTSEL DES SILBERNEN HALBMONDS wurde dieser Wandel am extremsten vollzogen. Wie schon Bodo Traber in seinem Kommentar zu den Wallace-Filmen schrieb (DAS GROSSE ALBUM DER EDGAR-WALLACE-FILME, Schwarzkopf & Schwarzkopf Verlag), wurde der Wechsel von Thematik und Zeitalter in der Krimi-Reihe überdeutlich. Weg von den klassischen Motiven und hin zu den Psychothrillern und Gialli aus dem Stiefelland. Viele Filme, vor allem die italienisch-deutschen Koproduktionen, basierten nur noch sehr lose, bis fast gar nicht mehr, auf Motiven von Edgar Wallace. Die Unart, dass die Filme trotzdem mit dem Edgar-Wallace-Label versehen wurden, beschränkte sich jedoch rein auf Deutschland.

Giallo oder Krimi?

Ob jetzt Wallace oder nicht, der Film war und ist nicht der erhoffte Erfolg und das liegt zum großen Teil an dem eher trägen Drehbuch. Regisseur Umberto Lenzi schafft es weder einen durchgehenden Spannungsbogen zu erzeugen, noch eine unheimliche und bedrohliche Stimmung zu etablieren. Die Story wirkt zerfahren, fast schon behäbig schreitet sie voran und es gibt immer wieder unnötige Längen. Die Schauspieler bringen eine durchschnittliche Leistung, lediglich der Soundtrack von Riz Ortolani soll hier noch positiv erwähnt werden.

Das Mediabook

Das Mediabook von © Koch Films

Die Restauration für das HD-Format ist Koch Films abermals hervorragend gelungen. Der Kontrast ist in einer guten Balance und die Farbpalette erscheint in einer ruhigen Natürlichkeit. Die Blu-ray enthält zwei Filmfassungen, einmal die deutsche Kino-Fassung mit einer Laufzeit von 88 Minuten und die internationale Fassung mit 92 Minuten. Die deutsche Kinoversion besitzt nur eine deutsche Tonspur. Die internationale Fassung liegt jedoch mit einer deutschen, italienischen und englischen Tonspur im DTS-HD Master Stereo Format vor. Auf der DVD befindet sich dagegen nur die Kurzversion des Films mit einer Laufzeit von 88 Minuten. Dafür besitzt der aber die deutsche, italienische und englische Tonspur im Dolby Digital 2.0 Format. Die Extras sind sehr üppig ausgefallen mit äußerst spannenden und informativen Berichten: Dokumentation Umberto, Featurette: Uschi Glas – International, Rendezvous in Giallo, Nackt für den Killer und Mino Loy: Memorie di un produttore.

Fazit

DAS RÄTSEL DES SILBERNEN HALBMONDS ist handwerklich gut in Szene gesetzt, aber es kommt niemals echte Spannung auf. Freunden der klassischen Wallace-Serie würde ich eher empfehlen einen großen Bogen um den Film zu machen. Giallo-Fans hingegen können einen vorsichtigen Blick riskieren, sollten aber nicht zu viel erwarten.

Titel, Cast und CrewDas Rätsel des silbernen Halbmonds (1972)
OT: Sette Orchidee Macchiate di Rosso
Poster

Release
ab dem 25.04.2019 im Mediabook (1 Blu-ray und 2 DVDs) erhältlich
Bei Amazon kaufen
RegisseurUmberto Lenzi
Trailer
DarstellerAntonio Sabato (Mario Gerosa)
Uschi Glas (Giulia Torresi)
Pier Paolo Capponi (Inspector Vismara)
Rossella Falk (Elena Marchi)
Marina Malfatti (Kathy Adams)
Renato Romano (Priester)
DrehbuchRoberto Gianviti
Paul Hengge
Umberto Lenzi
Cornell Woolrich
MusikRiz Ortolani
KameraAngelo Lotti
SchnittEugenio Alabiso
Clarissa Ambach
Filmlänge92 Minuten deutsche Kinofassung
87 Minuten internationale Version
FSKab 16 Jahren

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