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Das Geheimnis der fliegenden Teufel (1980) – Filmkritik

DAS GEHEIMNIS DER FLIEGENDEN TEUFEL (WITHOUT WARNING, 1980, Regie: Greydon Clark) gilt bis heute als unterschätzter Vertreter des Science-Fiction-Horror, obwohl er, nicht zuletzt dank der exzellenten Kameraführung von Dean Cundey, mehrere Motive unterschiedlicher Horror-Subgenres gekonnt miteinander verknüpft: das damalige Filmplakat zeigt eine Gruppe von Jugendlichen vor einem Campingwagen im Wald, umlagert von einer bedrohlichen Gestalt mit Klauen. Deutliche Assoziationen werden an das ähnlich gestaltete Motiv für den kurz zuvor entstandenen FREITAG DER 13. geweckt. Aspekte des Slasher- sowie des Folk-Horrors werden verbunden mit dem lovecraftschen kosmischen Grauen. Der wichtigste Einfluss dürfte Tobe Hoopers BLUTGERICHT IN TEXAS / KETTENSÄGENMASSAKER (THE TEXAS CHAIN SAW MASSACRE, 1974) gewesen sein, was bereits die Wahl der Lokalitäten verdeutlicht: eine Tankstelle sowie ein einsam gelegenes Jagdhaus mit ausgestellten Trophäen. Außerdem wird das Konzept des Final Girls übernommen.

Handlung

Mehrere Menschen verschwinden an einem einsam gelegenen Waldsee spurlos. Der Vietnam-Veteran und Tankwart Taylor (Jack Palance) versucht vergeblich, mehrere Jugendliche zu warnen. Sandy (Tarah Nutter) und Greg (Christopher S. Nelson) finden die schrecklich zugerichteten Leichen ihrer Freunde Tom (David Caruso) und Beth (Lynn Theel) in einer verlassenen Jagdhütte. Ein außerirdischer Vampir (Kevin Peter Hall, der 1987 als titelgebender PREDATOR eine ähnliche Rolle verkörperte) macht Jagd auf Menschen, wobei er quallenartige Gebilde einsetzt, die mit roten Tentakeln Blut aussaugen. Eine weitere Gefahr droht durch den früheren Sergeant Dobbs (Martin Landau), der Sandy und Greg für Außerirdische hält. Die letzten Szenen zeigen eine gewaltige Explosion sowie den Blick in den nächtlichen Sternenhimmel.

„No Chance No Help No Escape“

DAS GEHEIMNIS DER FLIEGENDEN TEUFEL beginnt mit einer Kamerafahrt durch dürres Gestrüpp, unterlegt mit einem verstörenden Score: mitten am Tag werden ein Jäger (Cameron Mitchell) und sein Sohn (Darby Hinton) getötet. Kameramann Dean Cundey war später für die legendäre ZURÜCK-IN-DIE-ZUKUNFT-Trilogie verantwortlich. Außerdem arbeitete er häufig mit John Carpenter zusammen: etwa für die lovecraft-inspirierten Cosmic-Horror-Meisterwerke THE FOG (1980) und DAS DING AUS EINER ANDEREN WELT (THE THING, 1982), aber auch bereits bei HALLOWEEN (1978). Bei PSYCHO II (1983, Regie: Richard Franklin) war er ebenfalls als Kameramann tätig.

Robert Bloch, der 1959 die Vorlage zu Hitchcocks PSYCHO (1960) nach umfangreichen Recherchen zu dem Fall Ed Gein verfasste – auf den sich lose auch Hooper in KETTENSÄGENMASSAKER bezieht -, schrieb bereits im Alter von siebzehn Jahren die H. P. Lovecraft gewidmete Erzählung DAS GRAUEN VON DEN STERNEN (THE SHAMBLER FROM THE STARS, 1935), die einige Motive von DAS GEHEIMNIS DER FLIEGENDEN TEUFEL vorwegnimmt. Der titelgebende außerirdische Vampir bei Bloch, der erst sichtbar wird, wenn er sich mit Blut vollgesaugt hat, wird wie folgt beschrieben: eine scharlachrote „Monstrosität aus pulsierendem, sich bewegendem Aspik; (…) mit tausenden von Tentakeln, die sich unablässig hierhin und dorthin steckten. An den Enden dieser Tentakel waren Saugnäpfe, die sich mit dämonischer Gier öffneten und schlossen … Das Ding war in obszöner Weise aufgedunsen; ein kopfloser, gesichtsloser Koloß mit dem gierigen Maul und den titanischen Klauen eines sternengeborenen Monstrums.“

Joachim Körber beschreibt die von Lovecraft und anderen Weird-Fiction-Autoren verwendete „neue Ästhetik des Schreckens“ als „existenzialistische Form der Horror-Literatur“: Lovecraft stellte „den Menschen als ohnmächtige, winzige Kreatur in ein geschlossenes Universum (…) von monströsen Gottheiten“. Banale Dinge wie Schriftzüge auf der Tankstellentoilette, die suggerieren, dass es keine Hilfe und keine Flucht gebe, erzeugen bereits ein Gefühl der Beklemmung und Ausweglosigkeit. Anders als bei Bloch wird im Film kaum etwas über die Hintergründe des außerirdischen Vampirs angedeutet, obwohl dieser wesentlich anthropomorpher dargestellt wird. Er erinnert ein wenig an die Nosferatu-Hommage aus BRENNEN MUSS SALEM (SALEM’S LOT). Tobe Hooper verfilmte 1979 die gleichnamige Vampirgeschichte von Stephen King, der sich wiederum von Versatzstücken aus den Werken von Lovecraft und vor allem von Bloch inspirieren ließ. Mit LIFEFORCE (1985) nach dem Roman VAMPIRE AUS DEM WELTRAUM (THE SPACE VAMPIRES, 1976) von Colin Wilson und INVASION VOM MARS (INVADERS FROM MARS, 1986) sollte Hooper noch weitere wichtige Beiträge zu diesem Sub-Genre liefern.

Fazit

Obwohl DAS GEHEIMNIS DER FLIEGENDEN TEUFEL keine direkte Verfilmung einer Geschichte von Lovecraft oder Bloch ist, kommt deren pessimistische Intention deutlich zum Vorschein: die Jugendlichen geraten in eine feindselige Welt, in der sie geradezu hilflos der Willkür kosmischer Kräfte ausgesetzt sind. Von den stellenweise unglaubwürdigen Dialogen abgesehen, überzeugt DAS GEHEIMNIS DER FLIEGENDEN TEUFEL als Horrorfilm, der kosmischen Schrecken mit traditionellen Genre-Figuren verbindet: Mythen über mysteriöse Kreaturen in den Wäldern oder Vampire werden ersetzt durch die zeitgenössische Darstellung eines außerirdischen Wesens.

© Stefan Preis

Quellen:

Bloch, Robert (1991): Das Grauen von den Sternen. In: Körber, Joachim (Hrsg.): Das zweite Buch des Horrors. Die Geschichte der unheimlichen Literatur in meisterhaften Erzählungen – 1920 bis 1940. München. S. 241 – 257.

 

Titel, Cast und CrewDas Geheimnis der fliegenden Teufel (1980)
OT: Without Warning
Poster
Release19.09.1980 (USA)
RegieGreydon Clark
Trailer
BesetzungJack Palance (Joe Taylor)
Martin Landau (Fred „Sarge“ Dobbs)
Tarah Nutter (Sandy)
Christopher S. Nelson (Greg)
Cameron Mitchell (Jäger)
Neville Brand (Leo)
Sue Ane Langdon (Aggie)
Ralph Meeker (Dave)
Larry Storch (Pfadfinderführer)
Lynn Theel (Beth)
David Caruso (Tom)
Kevin Hall (Alien)
Darby Hinton (Randy)
DrehbuchLyn Freeman
Daniel Grodnik
Ben Nett
Steve Mathis
MusikDan Wyman
KameraDean Cundey
SchnittCurtis Burch
Filmlänge89 Minuten
FSKab 18 Jahren

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