Das Geheimnis der 5 Gräber (1956) – Filmkritik

Man spricht immer gern von verschwimmenden Grenzen in den Filmgenres. Der Western ist jedoch in dem Fall einer der widerspenstigen und hält seinen Regeln gern die eigene Treue. Diese Loyalität sich selbst gegenüber hat der Western auch seinen vielen treuen Regisseuren in der 1940er-und 1950er-Jahren zu verdanken. Unter ihnen John Sturges, der mit DIE GLORREICHEN SIEBEN (THE MAGNIFICENT SEVEN, 1960) ein Monument aus Wildwest-Staub und Kugelhagel erschuf. Selten verließ er die Pfade seines Lieblingsgenres, aber sein hoch gelobter GESPRENGTE KETTEN (THE GREAT ESCAPE, 1963) wollen wir nicht unterschlagen. Bei solch wichtigen Filmklassikern macht es immer wieder Spaß in die vorherigen Werke des Regisseurs hineinzuschauen. DAS GEHEIMNIS DER 5 GRÄBER (BACKLASH, 1956) ist eine gute Fingerübung für den loyalen Studioregisseur. Bis auf ein paar ungewöhnliche Einfälle gibt der Streifen jedoch gerade einmal genug Potenzial für einen lockeren Westernnachmittag vor dem Fernseher frei.

Das Geheimnis der 5 Gräber (1956)

© Koch Films / Explosive Media

Handlung

Im staubtrockenen Arizona ist Jim Slater (Richard Widmark) auf der Suche nach den Gräbern von fünf ehemaligen Soldaten, die einem Apachen-Angriff zum Opfer gefallen sind. Um sie rängt sich eine Legende, dass sie im Besitz von 60.000 Dollar in Gold waren. Der Schatz soll jedoch in den Händen eines unbekannten sechsten Mannes verschwunden sein. Slater trifft bei seiner Suche nach den Namen der Männer auf die reizende und geheimnisvolle Karyl Orton (Donna Reed). Sie ist auch auf der Spur nach Indizien für die Geschichte. Beide glauben, dass der andere nur auf der Suche nach dem Gold ist, jedoch hat jeder eine gänzlich andere Motivation: Liebe und Familienbande.

Das Geheimnis der 5 Gräber (1956)

© Koch Films / Explosive Media

Standard-Munition fürs Genre

Schon der Beginn lässt eine seltsame Version von Recht und Ordnung entstehen. Slater rettet die staubfreie, hübsche Orton vor den Gewehrkugeln eines Mannes. Der entpuppt sich aber als Hilfssheriff von Silver City. Slater sieht sein Handeln in Notwehr und bringt die Leiche zum Sheriff. Der glaubt ihm unbekümmert die Selbstverteidigungsgeschichte, obwohl Slater nicht einmal den Revolver im Sheriffbüro abschnallen will. Er bekommt sogar noch den Tipp, dass der Erschossene zwei Brüder hat, die Jagd auf ihn machen werden, um Rache zu nehmen. Das scheint ihn aber alles nicht weiter zu stören, denn er folgt weiter der Spur, um zu erfahren was damals in Gila Valley mit den sechs Männern und dem Gold geschehen ist. Die Suche nach den Namen der Unbekannten ist auch das Spannendste in DAS GEHEIMNIS DER 5 GRÄBER. Denn insgesamt muss man schon einige angestaubte Zutaten des Genres hinnehmen bzw. ertragen.

Das Geheimnis der 5 Gräber (1956)

© Koch Films / Explosive Media

Auch wenn die schöne Donna Reed zurückhalten und souverän auftritt, zeigt sich im chauvinistischen Umgang mit ihrer Figur die unangenehme Seite des Genres. Im wilden Wechsel zwischen Ohrfeige und pressenden Lippenbekenntnis muss sie dem „Filmhelden“ hörig sein. Kaffeekochen kann sie natürlich auch. Am Ende wird sogar von Liebe gesprochen, aber dafür fehlt eindeutig die Chemie zwischen den Darstellern. Die Indianer verkommen ebenfalls zum gesichtslosen Hindernis in Form von reitenden Stuntmen in Leinenhosen, die vom Pferd fallen oder sogar abends ums Feuer tanzen.

Cover der Blu-ray

Nach komplexen Figuren aus Gut und Böse sucht man vergebens. Jeder zeigt in seiner ersten Szene auf welcher Seite er steht. Mit etwas zu viel Mühe soll diese Differenziertheit in der moralischen Suche von Jim Slater herausgearbeitet werden. Leider reicht das Schauspiel von Richard Widmark dafür kaum. Er wirkt zum Ende fast schon wie ein trotziges Kind und wird sogar vom Drehbuch, vor dem alles entscheidenden Schuss verschont.

© Koch Films / Explosive Media

DAS GEHEIMNIS DER 5 GRÄBER hätte es gut zu Gesicht standen, die Klischees des Western auszulassen und eher eine Art Kriminalgeschichte zu etablieren, die wirklich nach den Personen in den fünf Gräbern sucht. Leider wird meterweise Film für austauschbare Schussgefechte am Tresen mit ein paar stummen Whiskyflaschen als Zeugen verschwendet.

Fazit

DAS GEHEIMNIS DER 5 GRÄBER kann man unter die Kategorie „Geld verdienen“ verbuchen. Regisseur John Sturges erarbeitet sich hiermit weiteres Vertrauen beim Studio Universal Pictures. Leider verlässt der Western kein einziges Mal die eigenen Konventionen, um auch im 21. Jahrhundert noch Interesse zu erzeugen. Für Komplettisten und Genre-Fans ein ruhiger Ausritt auf bekannten Pfaden. Für die großzügigen Drehs in der Landschaft Arizonas und eine Femme-fatale-eske Donna Reed kann sich der gemeine Filmfan eine Sichtung knapp noch als sinnig gutreden.

© Christoph Müller

Titel, Cast und CrewDas Geheimnis der fünf Gräber (1956)
OT: Backlash
Poster
RegisseurJohn Sturges
Releaseab dem 25.03.2021 auf Blu-ray und DVD

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Trailer

Englisch
BesetzungRichard Widmark (Jim Slater)
Donna Reed (Karyl Orton)
William Campbell (Johnny Cool)
John McIntire (Jim Bonniwell / William Slater)
Barton MacLane (Sgt. George Lake)
Harry Morgan (Tony Welker)
Robert J. Wilke (Jeff Welker)
Jack Lambert (Mike Benton)
Roy Roberts (Maj. Carson)
DrehbuchBorden Chase
KameraIrving Glassberg
FilmmusikHerman Stein
SchnittSherman Todd
Filmlänge84 Minuten
FSKab 16 Jahren

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