Das darf man nur als Erwachsener (1984) – Filmkritik

„Die Blaupause der modernen Teenie-Komödie“

John Hughes war in den 1980ern eine ziemlich große Nummer, vielleicht der wichtigste US-Komödienregisseur der Dekade. Heute besitzt der Name des viel zu früh verstorbenen Filmemachers (1950-2009) Kultstatus. Seinem Regiedebüt, dem hier besprochenen DAS DARF MAN NUR ALS ERWACHSENER (OT: SIXTEEN CANDLES) anno 1984, folgten sogleich weitere Hits wie THE BREAKFAST CLUB (1984), L.I.S.A. – DER HELLE WAHNSINN (1985) und FERRIS MACHT BLAU (1986). Vor allem auch als Drehbuchautor, Ideengeber und Produzent fuhr er große Erfolge ein: die ersten drei NATIONAL LAMPOON’S-Filme (1983-1989), KEVIN – ALLEIN ZU HAUS (1990) oder EIN HUND NAMENS BEETHOVEN (1992). Es gibt wohl kein Kind, das Ende der 1980er/Anfang der 1990er aufwuchs und nicht mehrere seiner Filme bei Familiennachmittagen und Festivitäten konsumiert hat. Da waren u. a. noch DENNIS (1993) mit Walter Matthau, JUNIORS FREIER TAG (1994) und DAS WUNDER VON MANHATTAN (1994), die Neuverfilmung des Weihnachtsfilmklassikers aus dem Jahr 1947. Rückblickend fand ich schon damals, und heute erst recht, die meisten dieser Filme relativ doof. Was aber nicht heißt, dass ich John Hughes’ gar nicht schätze. Ich schätze ihn sehr für THE BREAKFAST CLUB, ein großartiger Film aus seiner starken Anfangsphase. Der zweite Film ist dieser hier aus ebendieser Zeit: DAS DARF MAN NUR ALS ERWACHSENER – vermutlich eine der besten Teenie-Komödien, die je gedreht wurden.

Das darf man nur als Erwachsener (1984)
© Capelight Pictures

Jeder kennt AMERICAN PIE samt den Fortsetzungen und weiteren Ablegern in den 2000er Jahren. Diese Filme, die noch einmal Massen an jungen Leuten zur relativ harmlosen Unterhaltung in die Kinos lockten, sind als Phänomen ohne die Filme von John Hughes nicht denkbar. Mit DAS DARF MAN NUR ALS ERWACHSENER entwarf dieser sozusagen die Blaupause für die moderne Teenie-Komödie. Die Handlung soll nur grob umrissen werden, denn dieser Film ist wie auch die anderen Komödien eine Gefühlssache, etwas, was man entsprechend eines guten Kinofilms einfach selbst erfahren und erleben sollte, um sich nicht den Spaß zu verderben. Die seit diesem Film als Schauspielikone verehrte Molly Ringwald (PRETTY IN PINK, 1986) ist Samantha Baker. An Samanthas 16. Geburtstag sollte sich für die Teenagerin eigentlich alles zum Guten wenden. Doch wie das Leben so spielt: Ihre Eltern vergessen ihren Geburtstag und ihr Schwarm Jake (Michael Schoeffling) scheint nicht einmal zu wissen, dass sie existiert. Zu allem Überfluss wird sie zunehmend von dem jungen Geek Farmer Ted (Anthony Michael Hall) durch peinliche Annäherungsversuche bedrängt. Doch allmählich bricht die Schlechtwetterfront auf und ein paar Sonnenstrahlen erhellen die Kerzen auf Samanthas Geburtstagskuchen.

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Das Besondere an SIXTEEN CANDLES – und damit seine Befähigung, eine gelungene Vorlage für weitere Filme dieser Art zu bilden – ist sein Anspruch, gehaltvoll zu sein. Die provokanten Albernheiten und zeitweiligen Übertreibungen hin zum frech-pubertären Humor samt sexuellen Eskapaden überschatten in ihrer Derbheit nicht die zutiefst gefühlvolle Story, die in ihrer Dramaturgie durch und durch an große Coming-of-Age-Filme erinnert. Nicht der permanente Einsatz von Dopamin steht im Vordergrund, das kurzfristige Befriedigen simpler Gelüste (wie es bei den AMERICAN-PIE-Filmen verstärkt der Fall war), sondern die filmische Perspektive auf den Platz einer Sechzehnjährigen in ihrem unsteten und aufregenden Leben. DAS DARF MAN NUR ALS ERWACHSENER entwirft ein glaubhaftes Lebens- und Liebesbild von Jugendlichen und jungen Erwachsenen, die nach einer Richtung suchen. Anspruch und kurzweiliger Spaß halten sich dabei gekonnt die Waage und lassen den Film im positiven Sinne sehr homogen erscheinen.

© Capelight Pictures

Die berührendste Szene ist für mich die, wenn nach all dem Trubel um Samantha, ihren Verehrer Farmer Ted, ihren Verehrten Jake und dieser ganzen Schulfeier- und Geburtstagssache plötzlich dieser Moment der absoluten Ruhe einkehrt und der zuvor unscheinbare Vater Mr. Jim Baker (Paul Dooley) – seinem Äußeren und dem anfänglich verplanten Verhalten nach zunächst mehr Schema als Figur – sehr rücksichtsvoll aber doch sehr präsent auf die Gefühle seiner Tochter eingeht, zu einem wahrlich großen und helfenden Gesprächspartner heranwächst. Samantha, die sich entlang der Handlung bisher alles andere als verstanden fühlte, sieht sich plötzlich bestätigt, dass das, was sie tun will und was sie fühlt, das einzig Richtige ist. Ihr Vater bestärkt sie in ihrem Glauben, ihrem Herzen zu folgen. Im Rahmen des komödiantischen Anteils des Films, der bisweilen Anarcho-Qualitäten erreicht, wird somit auch das generationenübergreifende Miteinander in seiner tieferen Bedeutsamkeit betont und nicht etwa zur abstrakten Sex-Phantasie stilisiert, wie es – erneut der Vergleich – bei den AMERICAN-PIE-Filmen der Fall war (Stichwort „Stiffler’s Mom“). Dadurch wirkt Hughes’ Regiedebüt bei allem zugestandenen Quatsch sehr reif und glaubwürdig, der Film erscheint noch heute genießbar. DAS DARF MAN NUR ALS ERWACHSENER ist und bleibt ein Werk von nicht zu verkennender zwischenmenschlicher Qualität.

Das darf man nur als Erwachsener (1984)
© Capelight Pictures

Zuletzt noch ein paar Worte zu Samanthas Schwarm Jake. Er wird gespielt von Michael Shoeffling, der nach diesem Film noch in den 1980ern aktiv war, sich aber 1991 mit gerade einmal 30 Jahren aus dem Schauspielgeschäft zurückzog. In DAS DARF MAN NUR ALS ERWACHSENER war er knackige 23 Jahre jung und schaffte mit seiner Darstellung als Schwarm etwas, worüber die Washington Post noch im Jahr 2004 schrieb, die Figur Jake Ryan sei bis heute die Definition eines unerreichbaren Traumtyps.[i] Diese ikonische Wirkung – athletischer Körper, dunkelbraune Haare im Sportschnitt, glattrasiertes Gesicht, das die weichen Züge des Lovers samt seiner warmen, braunen Augen betont sowie die ruhige Bariton-Stimme – ist womöglich die Realwerdung von Barbies Ken. Auch Tom Cruise wurde entlang dieses normativen Männerbilds bewertet und erfolgreich. Doch im Gegensatz zu ihm lebt Michael Schoeffling seit bereits 30 Jahren ein außerordentlich unspektakuläres Leben, zurückgezogen, nach spärlichen Informationen als Möbelmacher in Pennsylvania, Vater von zwei Kindern. Einer seiner letzten Kinoauftritte war an der Seite von Cher und Winona Ryder in MEERJUNGFRAUEN KÜSSEN BESSER (MERMAIDS, 1990). Aber vielleicht war es gerade die Form des Typecasting, also in seinem Fall zumeist als Frauenschwarm besetzt zu werden, die Schoeffling letztlich keine weitere Karriere verfolgen ließ. Nach so vielen Frauen braucht man vielleicht einfach mal Ruhe.

Das darf man nur als Erwachsener (1984)
© Capelight Pictures

Das Mediabook

Das MediabookMit der aktuellen Mediabook-Veröffentlichung durch das renommierte Label capelight kann man gar nicht falsch liegen. Die neue Restauration (4K-Scan vom 35mm-Originalnegativ) konnte von Arrow lizenziert werden. Das Bild ist allererste Sahne, kräftig, detailgetreu und ohne seine filmischen Qualitäten wie die samtige Körnung zu verlieren. Beim Ton hat capelight noch einen draufgesetzt: nicht nur die ohnehin bereits durch Arrow bereitgestellte alternative US-Videotonspur (mit anderem Soundtrack) hat es auf die Disc geschafft, zudem wurde auch der deutsche Ton sorgfältig angepasst und steht nun in zwei verschiedenen Tracks zur Verfügung.

Zum allerersten Mal, nun auch hierzulande, gibt es den um eineinhalb Minuten längeren Extended Cut zu sehen, wobei die Sequenz komplett in HD restauriert und auch auf Deutsch synchronisiert zur Verfügung steht. Die Kinofassung ist zugleich per Seamless Branching auf der Blu-ray-Disc anwählbar – auf die DVD hat man gleich die längere Fassung gepackt.

© Capelight Pictures

Die Extras wurden ebenfalls allesamt von Arrow lizenziert – und man hat wirklich alles von der britischen Scheibe auch für uns zur Verfügung gestellt, ganze zwei Stunden an neuen Featurettes aus dem Jahr 2019, hier eine kompakte Auflistung:

  • Casting Sixteen Candles – Audio-Interview mit Casting-Director Jackie Burch (9:05 Min.)*
  • When Gedde Met Deborah – Gespräch zwischen Gedde Watanabe und Deborah Pollack (19:25 Min.)*
  • Rudy the Bohunk – Im Gespräch mit John Kapelos (6:26 Min.)*
  • The In-Between – Im Gespräch mit Kameramann Gary B. Kibbe (7:38 Min.)*
  • The New Wave Nerd – Im Gespräch mit Filmemacher Adam Rifkin (8:19 Min.)*
  • Music for Geeks – Im Gespräch mit Komponist Ira Newborn (8:19 Min.)*
  • A Very Eighties Fairytale – Ein feministischer Blick zurück (17:20 Min.)*
  • Celebrating Sixteen Candles – 11-teilige Dokumentation mit Anthony Michael Hall, Paul Dooley, Justin Henry u. a. (37:58 Min.)*

* (Englisch, optional mit deutschem Untertitel)

Hinzu kommen noch entfallene Szenen (Englisch) (1:26 Min.) sowie vier verschiedene Trailer bzw. TV-Spots (8 Min. gesamt).

Das schöne Booklet („Das Rezept für den zeitlosen Jugendfilm“) stammt wieder aus der Feder von Jenny Jecke, die schon für das Mediabook zu BLACK CHRISTMAS vorbildlich abgeliefert hat. DAS DARF MAN NUR ALS ERWACHSENER ist ein Film mit Substanz, wie ich oben bereits schrieb, und genau in diese Seele des Werks blickt die Autorin, wenn sie über Hughes als „Philosoph des Erwachsenwerdens“ (nach Roger Ebert), über seine Drehbucharbeit, genauer die Arbeit in und um Stereotypen herum, verschiedene Blickwinkel der Erzählung und weiteres, wie z. B. Anarcho-Humor, schreibt. Sie stellt den Regisseur, den ehemaligen Werbeautor aus Chicago, auch im Kontext seines Schaffens vor, bleibt aber immer nah beim Film selbst. Das vorletzte Kapitel ihres Essays heißt „Grenzüberschreitungen“ und handelt etwa vom „vulgären Unterbau der homogenen Mittelklasse-Welt, in der die Großeltern den Austauschschüler als billige Arbeitskraft ausnutzen“. Damit beleuchtet die Autorin auch die sozialkritischen Töne von Hughes’ Film. Sehr schön.

© Capelight Pictures

Fazit

Für alle halbwegs interessierten Sammler, besonders für Freunde der heiteren aber auch gehaltvollen 1980er-Teeniekomödie, ist das wie ein süßes Geburtstagsgeschenk verpackte Mediabook von DAS DARF MAN NUR ALS ERWACHSENER ein Pflichtkauf. Der Film ist ein Klassiker seiner Zeit, aber eben auch zeitlos und noch heute gut genießbar. Ausstattung und Qualität dieser Edition sind in allen Belangen vorbildlich. Absolut Kult – volle Punktzahl Fluxkompensator-Credits!

© Stefan Jung

Quellen:

(i) Hank Stuever: Reflections on Jake Ryan of the John Hughes Film ʻSixteen Candles.ʼ 14. Februar 2004, ISSN 0190-8286 (washingtonpost.com).

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