Darlin‘ (2019) – Filmkritik

Dass Verfilmungen, die auf Büchern des US-Autors Jack Ketchum basieren, regelmäßig kontroverse Diskussionen auslösen, ist nichts Neues. Das war schon bei JACK KETCHUM‘S EVIL (THE GIRL NEXT DOOR, 2007) so und das änderte sich auch nicht bei den nachfolgenden Spielfilmen. Zum einen liegt das an einigen überaus heftigen Gewaltausbrüchen mit einem alles umfassenden Sadismus und zum anderen auch an den zum Teil sehr ungewöhnlichen Geschichten. Brutal und sadistisch waren dann auch die beiden Filme BEUTEGIER (OFFSPRING, 2009) und THE WOMAN (2011), in denen es um die wilde Frau, welche lediglich als „The Woman“ bekannt ist, geht. Mit dem jetzt vorliegenden DARLIN‘ (2019) wird diese Trilogie vervollständigt. Erneut schlüpft Pollyanna McIntosh in diese ungewöhnliche Rolle, zusätzlich übernahm sie auch noch, zum ersten Mal in ihrer Karriere, die Regie bei dem Projekt.

© Capelight Pictures

Inhalt

Eines Tages taucht die vollkommen verwahrloste Darlin‘ (Lauryn Canny) in einem Krankenhaus auf. Ein Arzt und der Pfleger Tony (Cooper Andrews) versuchen in Erfahrung zu bringen, was ihr zugestoßen ist. Doch die junge Frau ist nicht in der Lage sich zu verständigen. Daraufhin kommt es zum Kampf, an dessen Ende Darlin‘ betäubt wird. Nach einer ausgiebigen Untersuchung finden die Ärzte nichts Auffälliges an ihr und übergeben sie in die Obhut eines katholischen Heimes für junge Mädchen. Der örtliche Bischof (Bryan Batt) hofft, mit der erfolgreichen Zähmung des wilden Mädchens die Schließung seiner Institution zu verhindern. Mit allen Mitteln versuchen die Nonnen und der Bischof nun die Wildheit aus dem Kind zu verbannen und sie in ein vorzeigbares Mitglied der Gesellschaft und eine wahrhaft Gläubige umzuformen. Was jedoch niemand ahnt, „The Woman“ ist schon auf der Suche nach ihrer Darlin‘, denn die beiden verbindet ein dunkles Geheimnis.

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Natur vs. Kirche

Dass die zivilisierte Welt und ihre Angehörigen nicht gut in den Storys um „The Woman“ wegkommen, haben wir schon in den Vorgängerfilmen beobachten dürfen. Egoistisch und arrogant präsentiert sich unsere Gesellschaft gegenüber allem was fremd, primitiv und einfältig erscheint. Eine Ausnahme in DARLIN‘ bildet Tony, der Pfleger aus dem Krankenhaus. Er bemüht sich ernsthaft, einen Zugang zu Darlin‘ zu bekommen und es entsteht tatsächlich so etwas wie Vertrauen zwischen beiden. Nach und nach bekommen wir in Rückblicken zu sehen, wie die beiden Frauen, Darlin‘ und The Woman, die letzten Jahre in den Wäldern verbrachten. Wie wilde Tiere lebten sie abseits jeder Zivilisation. Aber ihr Lebensraum wird durch die sich ausbreitenden Städte immer kleiner. So kommt es, wie es kommen muss, sie verlegen ihr Revier, um am Rand der Städte zu jagen.

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Während in den beiden vorangegangenen Teilen der Trilogie noch diese verkommene Zivilisation und ihre darin lebenden Menschen im Fokus standen, ist es hier die Kirche und ihre Prediger, die in der Kritik stehen. Sie bekommen ihre Maske aus Egoismus, Verlogenheit und scheinheiliger Moral vom Gesicht gerissen und werden reduziert auf ihre nackte Angst um den Verlust ihrer Macht gegenüber der gläubigen Anhängerschaft. In DARLIN‘ sind sie nur darauf aus, den Schein des Glaubens zu wahren, ihre Folgschaft zu unterdrücken und auszupressen. Sie geben vor,, die Menschheit von ihren schlechten Taten zu befreien, sind aber selbst die wirklichen Sünder.

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Die Story um die junge Darlin‘ wiederholt den Kampf der Alten Welt gegen das Christentum, der einst über die Welt zog, um mit Schwert, Feuer und Folter ihren Glauben den dort lebenden Menschen aufzuzwingen. Es waren Menschen, die mit der Natur verbunden waren und nicht die Wildnis unterdrücken wollten. Menschen, die in der Natur ihre Götter verehrten und sich nicht freiwillig in mächtige Kathedralen einsperrten, um dort einen rachsüchtigen Gott um Gnade und Erlösung anzuflehen. Das Ganze erinnert dann auch ein wenig an eine Mischung aus WILDLING (2018) und THE EYES OF MY MOTHER (2016), doch Pollyanna McIntosh schafft es zu keiner Zeit, die Qualität zu diesen Filmen zu erreichen.

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Während das erste Drittel sich noch um die oben genannten Themen und moralischen Verwicklungen dreht und auch ganz passabel unterhält, beginnt sich die Story darauf an einem Klischee nach dem anderen abzuarbeiten und verfällt zusehends in Belanglosigkeiten: Entsage dem Teufel und schließe dich unserem Glauben und seinem verlogenen Gefolge an, inklusive Vergewaltigung, Sadismus und Pädophilie. Je länger der Film andauert, umso mehr fühlt es sich wie ein abgedrehtes Musikvideo bei MTV an, vor allem, wegen diverse unpassender Pop-Songs, die im Hintergrund trällern. Da ist nichts mehr von spannender Atmosphäre oder unheimlichen Momenten vorhanden und eine anspruchsvolle Auseinandersetzung mit dem Konflikt Kirche vs. naturverbundenen Menschen bekommt einfach keinen Schwerpunkt. Einige werden jetzt fragen: Und was ist mit Splatter? Nun ja, wir haben eine Freigabe ab 16 Jahren und ja, es gibt einige Splatter-Momente, aber man sollte nicht allzu viel erwarten.

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Fazit

Die beiden Vorgänger der „The-Woman-Trilogie“ waren und wollten nie Meisterwerke sein, boten aber trotz allem ein solides Maß an Unterhaltung. Bei DARLIN‘ jedoch versagt die Story schon nach kürzester Zeit und verliert sich in unsinnigen Handlungen, Klischees und lange vorhersehbaren Wendungen. All das, ist mehr ein langweiliges Drama, in dem die kritischen Untertöne überwiegen wollen, als ein wirklicher Horrorfilm zu sein.

© Stefan F.

Titel, Cast und CrewDarlin' (2019)
Poster
Releaseab dem 29.11.2019 auf DVD und im Steelbook (Blu-ray + UHD)

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RegisseurPollyanna McIntosh
Trailer
BesetzungLauryn Canny (Darlin‘)
Cooper Andrews (Tony)
Mackenzie Bateman (junge Darlin‘)
Bryan Batt (Bischof)
Kristina Arntz (Gina)
Eugenie Bondurant (Mona)
Lauren Ashley Carter (Peggy)
Pollyanna McIntosh („The Woman“)
DrehbuchPollyanna McIntosh
Jack Ketchum
Lucky McKee
MusikAli Elvis Helnwein
KameraNick Remy Matthews
SchnittJulie Garces
Filmlänge101 Minuten
FSKab 16 Jahren

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