Dämonisch (2001)

Dämonisch (2001) – Filmkritik

Wie aus Glaube Wahn wird und aus Wahn Fanatik: besessene Menschen, die auch vor den schlimmsten Taten nicht mehr zurückschrecken. Sie bewegen sich mit ihrem ganzen Handeln und Denken innerhalb der Grenzen ihres absurden Glaubens und sind der festen Überzeugung, das Werk eines dubiosen Blutgottes zu vollbringen. Oder ist es doch nur der nackte Wahnsinn, der sich langsam aber sicher seinen Weg bahnt? Besteht ein Unterschied zwischen Glauben und Wahnsinn? Was unterscheidet die Überzeugung des Serienkillers vom Glauben eines religiösen Fanatikers an seinen Gott? Macht Religion geisteskrank? Diesen und anderen Fragen haben sich Regieneuling Bill Paxton und sein Drehbuchautor Brent Hanley gestellt. In DÄMONISCH suchen sie nach Antworten. Der englische Titel FRAILTY (zu Deutsch übersetzt: Schwäche, moralisch schwach oder gebrechlich) gibt uns schon einen Hinweis darauf.

Dämonisch (2001)
© Koch Films

Inhalt

Seit Jahren ist FBI-Agent Wesley Doyle (Powers Boothe) auf der Jagd nach dem Serienkiller „Die Hand Gottes“. Wie aus dem Nichts betritt ein junger Mann (Matthew McConaughey) sein Büro und erzählt ihm die fantastische Geschichte seiner Familie. Darin geht es um seinen Vater Meiks (Bill Paxton), der zusammen mit den beiden Söhnen Fenton Meiks (Matt O’Leary) und Adam (Jeremy Sumpter) alleine lebt. Eines Morgens berichtet ihr Vater von einer Erscheinung, die er in der Nacht hatte: Ein Engel kam vorbei geflogen. Dieser Engel hätte ihm fantastische Fähigkeiten verliehen, mit denen er den Kampf gegen die Dämonen auf der Erde, natürlich alles im Namen Gottes, führen soll. Gemeinsam mit seinen beiden Söhnen macht sich der Vater auf den langen und blutigen Weg, diese Dämonen in Menschengestalt zu finden. Nach und nach setzt Agent Doyle das Bild aus den Fragmenten der Erzählung des Unbekannten zusammen. Der junge Mann hat sich mittlerweile als Fenton Meiks zu erkennen gegeben und verspricht Doyle, „Die Hand Gottes“ noch in der folgenden Nacht dem FBI auszuliefern. Denn laut Fenton ist niemand Geringeres als sein Bruder Adam der wahnsinnige Killer. Zusammen macht das ungleiche Paar sich auf den Weg, doch der letzte entscheidende Kampf liegt noch vor ihnen.

Dämonisch (2001)
© Koch Films

Erleuchtung oder reif für die Klapse

In spannenden Rückblenden erleben wir die Kindheit von Fenton und Adam hautnah, den beginnenden Wahn ihres Vaters und den unentrinnbaren Strudel, dem beide hilflos ausgeliefert sind. In diesem packenden Psycho-Horror-Thriller überzeugt das Zusammenspiel aller Akteure, die punktgenau ihre Charaktere zur Geltung bringen. Besonders faszinierte mich Bill Paxton (ALIENS, APOLLO 13) in seiner Rolle als gestörter Fanatiker, der glaubt, das Wort Gottes zu verbreiten. Die unvorhersehbaren Sprünge seiner Psyche zwischen Normalität und Wahnsinn sind beeindruckend und erschreckend zugleich. Ebenso bravourös und vielschichtig sind Powers Boothe (TOMBSTONE, SIN CITY) und Matthew McConaughey (INTERSTELLAR, GOLD) in ihrer Rahmenhandlung der Story. Aber das Hauptlob gebührt den beiden Jungdarstellern Matt O’Leary und Jeremy Sumpter, die als junger Fenton und Adam Meiks auftreten. Sie bilden den Mittelpunkt des Ganzen und sorgen dafür, dass der Betrachter mit in den Strudel des Wahnsinns der Familie Meiks gezogen wird.

Dämonisch (2001)
© Koch Films

Unterschlagen möchte ich auch nicht die fantastische Arbeit der Leute hinter der Kamera. Die Soundkulisse von Brian Tyler (IRON MAN 3, DIE MUMIE) ist genial und trägt maßgeblich zur Spannung und Dramatik bei. Bill Butler, verantwortlich für die Kamera, leistete hier ausgezeichnete Arbeit. Die Sets sind perfekt ausgeleuchtet und erschaffen in Verbindung mit dem Sound eine beständige Kulisse aus Angst und Bedrohung. Je weiter die Story voranschreitet, desto dunkler wird das Ganze optisch in Szene gesetzt und unterstützt kongenial die bedrohliche Atmosphäre. Die Regie von Schauspieler Bill Paxton macht DÄMONISCH zu ganz großem Kino. Zusammen mit Drehbuchautor Brent Hanley hat er den nicht gerade leichten Stoff glaubhaft auf die Leinwand transportiert. Lediglich das Ende wird nicht jeden überzeugen – mich eingeschlossen.

Dämonisch (2001)
© Koch Films

Das Mediabook

Dämonisch (2001)
Das Mediabook von © Koch Films

Mit DÄMONISCH liefert Koch-Films wieder einmal ein qualitativ hochwertiges Mediabook ab. Die Verpackung, aber auch deren Inhalt, besticht durch hochwertige Qualität. Der Film erstrahlt in einer Schärfe und Reinheit, dass es eine wahre Pracht ist (auf DVD in 16:9 auf Blu-ray als HD 1080p 24fps). Die fantastische Soundkulisse ist in Dolby Digital 5.1 wie auch in DTS-HD Master Audio 5.1 in den Sprachen Deutsch und Englisch verfügbar. Als Extras gibt es ein 20-seitiges Booklet, einen deutschen und englischen Trailer, Audiokommentare von Regisseur Bill Paxton, Drehbuchautor Brent Hanley und Editor Arnold Glassman, Produzent David Kirschner, sowie dem Komponisten Brian Tyler. Dazu ein Making-of, ein „Hinter den Kulissen“, ein Featurette, geschnittene Szenen und Interviews mit Bill Paxton, Matt O’Leary und Matthew McConaughey, was alles auf einer Extra-DVD Platz findet.

Dämonisch (2001)
© Koch Films

Fazit

Wer auf leisen Horror steht, wird hier fündig werden. Das Blut fließt in harmloser Dosis und die Morde finden größtenteils im Off der Kamera statt. DÄMONISCH ist bis zum Schluss super spannend und die Story lässt viele Fragen offen. Überraschungen gibt es auch so einige und der finale Twist reißt das Ruder komplett herum. Das ewige „Gott hat mich auserwählt!“ wird überstrapaziert, verdeutlicht aber den Wahnsinn, wie man mit Überzeugung alles rechtfertigen kann. Filmtipp für anspruchsvolle Horrorfans.

Titel, Cast und CrewDämonisch (2001)
OT: Frailty
PosterDämonisch (2001)
Releaseab dem 23.05.2019 Mediabook (Blu-ray & DVD).
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RegisseurBill Paxton
Trailer
BesetzungBill Paxton (Dad Meiks)
Matthew McConaughey (Adam Meiks)
Powers Boothe (FBI Agent Wesley Doyle)
Matt O‘Leary (Junger Fenton)
Jeremy Sumpter (Junger Adam)
Luke Askew (Sheriff Smalls)
DrehbuchBrent Hanley
KameraBill Butler
MusikBrian Tyler
SchnittArnold Glassman
Filmlänge100 Minuten
FSKab 18 Jahren

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