Cryptid – Staffel 1 (2020) | Serienkritik

Cryptid, zu Deutsch Kryptid, befasst sich mit Lebewesen, für deren Existenz es nur widersprüchliche Belege gibt, wie Augenzeugen, verschwommene Fotos oder alte Legenden. Die Rede ist von Geschöpfen wie Bigfoot, dem Yeti und das Monster von Loch Ness. Das Ganze fällt unter den Begriff der Kryptozoologie [1]. Bitte Kryptid nicht mit dem fiktiven Supermineral Kryptonit aus dem bekannten DC-Universum verwechseln, das bekanntlich aus Superman einen harmlosen Freak in Strumpfhosen macht. Ein Hauch von H.P. Lovecraft liegt in der Handlung der neuen skandinavischen Mysterie-Serie, sowie ein Spritzer MIDSOMMAR (2019) mit dem nordischen Feeling, seinen Sagen und Mythen. Daneben fällt ein weiteres Mal der Blick hinüber zu solch bekannten Serien wie STRANGER THINGS (2016-) oder der deutschen TV-Serie DARK (2017–2020). Regie bei allen zehn Folgen der ersten Staffel von CRYPTID führt David Berron. Seinen Einstieg in die Filmbranche vollführte Berron als Cutter, daneben drehte er diverse Werbe- und Musikspots. Außerdem produzierte er zwei erfolgreiche Dokumentarfilme und schreibt auch gern das ein oder andere Drehbuch. Seit 2016 führte er Regie bei mehreren erfolgreichen Mysterie-Serien, darunter BLACK LAKE (SVARTSJÖN, 2016-), BLACK WIDOWS (2016-) oder ADVOKATEN (2018-).

CRYPTID – Staffel 1 (2020)
© Pandastorm Pictures

Handlung

Mysteriöse Todesfälle erschüttern die schwedische Kleinstadt Mörkstad. Die Schüler der örtlichen Schule sind verstört und der 18-jährige Niklas (Julius Fleischanderl) wird von allen verdächtigt am Tod seines Mitschülers Sebastian (Oscar Zia) schuld zu sein. Plötzlich taucht Niklas Schwester Lisa (Astrid Morberg) wieder auf, nachdem sie für Jahre dem kleinen Ort den Rücken zukehrte. Gleichzeitig werden beide Geschwister von mysteriösen Visionen heimgesucht, die scheinbar mit dem Selbstmord ihrer Mutter vor vielen Jahren zusammenhängen. Gemeinsam mit Freunden versuchen Niklas und Lisa hinter das dunkle Geheimnis zu kommen, das ihre Stadt in den feuchten Klauen hält.

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Coole Boys und taffe Girls

Alles was Recht ist, aber der Start in die Serie ist der Hammer: Sebastian und Ester vergnügen sich in der Umkleide ihrer Schule, ein paar Minuten später, am Getränkeautomat, zerplatzt Sebastian vor den Augen von Esters Freund Niklas, im wahrsten Sinne des Wortes. Ob es sich nun um einen Virus oder Fluch handelt, bleibt unklar. Die Auswirkungen auf den menschlichen Körper sind jedenfalls heftig. Die Art der Verbreitung und die Auswahl der Opfer ist ebenfalls mysteriös und erinnert im Ergebnis ein wenig an Filme wie CABIN FEVER (2002) oder auch TANZ DER TEUFEL (THE EVIL DEAD, 1981). Das der See ein tierisches Geheimnis verbirgt, wird gleich in der ersten Folge deutlich. Wer nun aber auf Monsteraction hofft, liegt komplett falsch. Über das, was dort im See haust, wird lediglich gesprochen. Abgesehen von wenigen bruchstückhaften Szenen, die minimale Sicht auf das Ding im See freigeben. Der echte See liegt übrigens in Finnland, am Stadtrand von Turku.

CRYPTID – Staffel 1 (2020)
© Pandastorm Pictures

Die Optik der einzelnen Szenen erinnert mehr an einen Comic als an die vielen bekannten skandinavischen Krimiserien, die immer sehr düster und trist daher kommen, auch bekannt unter dem Label ‚Nordic Noir‘. Doch davon sind wir in CRYPTID weit entfernt. Das Tempo ist wesentlich höher, schon aufgrund der nur gut 22-minütigen Episoden und wir haben hier viel mehr Farbe als in den gräulich-dunklen Krimi-Dramen bekannter nordischer Produktionen. In den stärksten Momenten erinnern einige Bilder aus CRYPTID an Mario Bavas beste Zeiten, als kräftige Farben erstrahlen und die Szenerie in einen bunten Alptraum verwandeln. Doch auch in Mörkstad, so der Name des kleinen Ortes der Serie, kann es nordisch-trist werden, was bedingt durch das kurze Format der Episoden, jedoch nicht in Langeweile umschlägt.

Zu Beginn hat der Rezipient den Eindruck in einer US-Schule gelandet zu sein, mit all diesen super coolen Kids. Die jungen Darsteller interpretieren ihre Rollen auffällig Amerikanisch, was ungewohnt für eine Produktion aus diesen Breitengraden ist. Und so wie die jugendlichen Charaktere gezeichnet sind, unvollständig und noch im Wachstum, sowie oberflächlich und ungeduldig, so ist die Story von CRYPTID angelegt. Schnell, kurzweilig und ohne besonderen Tiefgang, der bei diesen ganzen Teenie-Horrorfilmen allerdings auch niemals erwünscht ist. Mitdenken wird hier weder verlangt, noch erwartet. Die Überraschungen im Plot halten sich in Grenzen und werden nur die wenigsten wirklich schockieren.

© Pandastorm Pictures

Nach dem explosiven Start schalten wir erst mal ein paar Gänge runter, bis wir schließlich das enttäuschende Ende erreichen. Das knappe Format jeder Episode ist mehr als ausreichend, da der Aufbau der Story nicht wirklich allzu kryptisch ist oder gar nach mehr verlangen würde. Die Handlung schreitet zügig voran und ist äußerst kurzweilig, wenn auch oberflächlich und vorhersehbar. Vermutlich würde sich die Story besser für einen Spielfilm eigenen als eine Serie. Wie es sich für Teenie-Horror gehört, sind alle Hauptakteure im passenden Alter. Das wenige ältere Personal hingegen ist kühl und zurückhaltend, suspekt und äußerst zwielichtig gezeichnet worden, mit einer gewissen Grundangst gegenüber den vermeintlich unkontrollierbaren Teenagern. Was wiederum zur Pubertät der jungen Akteure und deren rebellischer Lebensphase passt. Dazu gibt es auch noch ausreichend Drama und Liebe für das junge Zuschauerherz.

CRYPTID – Staffel 1 (2020)
© Pandastorm Pictures

Fazit

Schnelllebige Unterhaltung, von dem der geneigte Zuschauer nicht allzu viel erwarten sollte. So kurz und funktional die einzelnen Episoden in CRYPTID sind, so anspruchslos ist die Handlung. Verstehen wir uns nicht falsch, die einzelnen Episoden unterhalten, doch am Ende hat der Betrachter das Gefühl, da wäre deutlich mehr möglich gewesen. Wie auch immer, eines ist sicher: Sollte CRYPTID nur halbwegs erfolgreich sein, steht uns eine Fortsetzung ins Haus, denn im Finale sind noch einige Fragen offen geblieben. Ob das nun positiv oder negativ ist, sei dahingestellt.

© Stefan F.

[1] Wikipedia: https://de.wikipedia.org/wiki/Kryptozoologie

Titel, Cast und CrewCryptid (2020)
Poster
RegisseurDavid Berron
Releaseab dem 13.11.2020 auf Blu-ray und DVD

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Trailer
BesetzungJulius Fleischanderl (Niklas)
Maja Johanna Englander (Ester)
Astrid Morberg (Lisa)
Beata Borelius (Tuva)
Johan Hedenberg (Axel)
Angelina Hakansson (Petra)
Oscar Zia (Sebastian)
Arvin Kananian (Aron)
DrehbuchDaniel di Gardo
FilmmusikAnders Niska
Klas Wahl
KameraMatti Eerikänien
SchnittTussilago
Inka Lahti
Otto Ikäheimonen
Harri Ylkönen
Filmlänge220 Minuten
10 Folgen à 22 min
FSKAb 16 Jahren

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