Criminal Squad Filmkritik Pablo Schreiber 50 cent

Criminal Squad (2018) – Filmkritik

„Ein Vertreter seines Genres“

L.A. ist die Stadt mit der höchsten Kriminalitätsrate der USA. Dass in der „Stadt der Engel“ auch alle 48 Stunden ein Banküberfall stattfindet, ist schwer vorstellbar, selbst bei einer Einwohnerzahl von 4 Millionen im Ballungsraum. Das Entscheidende ist aber die Umgebung von L.A., dort leben nämlich noch einmal 10 Millionen weitere Menschen, meist mit Migrationshintergrund, hoher Arbeitslosenquote und schlechter Infrastruktur. Die Gang-Mentalität und das organisierte Verbrechen aus Mexiko haben direkten Einfluss auf die dortige Kriminalität ausgeübt. Wer hier als Polizist das Gesetz vertritt, wird seine Persönlichkeit unweigerlich verändert sehen und Moral wie auch Regeln als dehnbare Begriffe verstehen.

Also, die perfekte, spannende Umgebung für eine Kriminalgeschichte, in der ethisch-moralische Fragen diskutiert werden, welche von Personen auf beiden Seiten des Gesetzes beantwortet werden. Action und geniale Banküberfälle dürfen bei einer solchen Story nicht fehlen. Der hierzulande als CRIMINAL SQUAD veröffentlichte Film, im Original heißt das Crime-Drama „Den of Thieves“ (übersetzt Räuberhöhle), will diese Aspekte erfüllen und einen aktuellen Milieublick auf die Stadt an der Westküste geben. Hier stellen aber Filme wie END OF WATCH, DIE ÜBLICHEN VERDÄCHTIGEN, COLORS und das Meisterwerk HEAT als Klassiker, die ebenfalls Los Angeles als Handlungsort haben und die Verbrecherjagd als Plot nutzen, einen gnadenlosen Referenzwert dar. Ob CRIMINAL SQUAD da mithalten kann? Leider nur auf den ersten paar Filmmetern und im Finalsprint.


© Concorde Home Entertainment

Inhalt CRIMINAL SQUAD

Ein Geldtransporter fährt mitten in der Nacht auf den Parkplatz eines Doughnuts-Ladens. Aus zwei anderen Wagen steigen maskierte und stark gepanzerte Männer aus und zwingen die Wachleute mit automatischen Waffen das gesicherte Fahrzeug zu verlassen. Der Alarm wird ausgelöst und innerhalb von einem Sekundenbruchteil ist die Polizei zur Stelle, es folgt ein packendes Feuergefecht, die Räuber können fliehen, es gibt Verluste auf beiden Seiten. Da sich das Verbrechen in besagtem Umland von L.A. ereignet, ist es ein Fall für das Sheriff-Department mit Big Nick (Gerald Butler) und seinem Team. Er und seine aufpumpten, bis an die Zähne tätowierten Kollegen, vertreiben das FBI vom Tatort und nehmen den Fall selbst in die Hand, aber ohne Berichte zu schreiben, Zeugen anzuhören oder nach Fingerabdrücken zu suchen. Stutzig wird Nick jedoch über den Fakt, dass der Geldtransporter bereits vor dem Überfall leer war und seine Intuition sagt ihm, dass ein noch größeres Ding in Planung ist. Er soll recht behalten.


© Concorde Home Entertainment

Scheitern auf wichtigen Ebenen

Was für mich ein großer Verlust in CRIMINAL SQUAD ist, ist das Fehlen einer Sympathiefigur. Gerald Butler spielt hier eine dermaßen widerwärtige, aufgedunsene Hauptfigur bei der es einem schwer fällt, sie als Identitätshilfe zu nehmen. Absurderweise sind die Verbrecher viel leichter zugänglich, so dass man sich wünscht, mehr aus ihrer Perspektive zu sehen und kaum noch Lust hat zuzusehen, wie Big Nick ein Indiz nach dem anderen in die Hände fällt. Die Räuberbande, rund um Ray Merrimen, gespielt von Pablo Schreiber (SKYSCRAPER), mit erfolgreichen Beutezügen und Militärvergangenheit, wirkt insgesamt viel besser dargestellt als Nick mit seiner „Elite-Einheit  des L.A. County Sheriff’s Dept.“. Diese laufen nämlich alle nur ihrem Chef nach, wohingegen bei den Bankräubern jeder Einzelne von ihnen Persönlichkeit bekommt.

Hinzu kommt noch eine unnötige Familiengeschichte der Hauptfigur von Gerald Butler inklusive Scheidung und Kinderfragen wie „Wann kommt Daddy nach Hause?“ in dem sich ohnehin schon in die Länge ziehenden Mittelteil des Films. Die Spannung keimt dann aber doch wieder zum letzten Film-Drittel auf, als die Bankräuber Teile ihres Plans verraten, der zum Glück für die Dramaturgie nicht so aufgeht wie geplant und ein actionreiches Finale in den Vordergrund rückt. Vor allem die Bewegung, das Verhalten und das Equipment auf Seiten der Jäger und der Gejagten sind realistisch gedreht worden, bis hin zum echt klingenden Feuergefecht.

Criminal Squad Blu-ray Packshot Cover
Blu-ray Cover © Concorde Home Entertainment

Zum Release auf Doppel-Blu-ray

Wo jedoch keine Wünsche offen bleiben, ist das Release für den Home-Entertainment-Markt. CRIMINAL SQUAD bekommt ein Doppel-DVD und Doppel-Blu-ray Release. Wir empfehlen, auf Grund des Bildes immer die Blu-ray, aber hier noch viel mehr wegen der unterschiedlichen Filmversionen. Denn nur hier findet ihr, neben der deutschen und amerikanischen Kinofassung (124 min) auch die US-Unrated-Fassung (141 min, leider nur in Original mit deutschem Untertitel). Bei dieser sind Szenen in eine andere Reihenfolge gebracht worden und die Charaktere bekommen mehr Screentime. Leider geht das auch auf Kosten der Spannung im Mittelteil, aber für einen Fan des Genres ist diese Verison auf jeden Fall einen Blick wert. Außerdem gibt es noch ein üppiges Bonusmaterial mit Making-of, alternativem Ende, Audiokommentaren und mehreren Featurettes. Diesen Release-Umfang wünscht man sich auch bei den oben genannten Filmen. Da hat Concorde eine sehr guten Job gemacht.

Fazit

Leider ist CRIMINAL SQUAD nur eine Empfehlung für Genre-Fans. Dieser Crime-Action-Thriller mit kleinen dramatischen Elementen ist sicherlich noch einmal in 20 Jahren interessant, um einen Blick in die Vergangenheit dieser Region zu werfen. Mir persönlich hat die Action im Mittelteil gefehlt und auch der Banden/Gang-Aspekt, der eine lange Tradition in L.A. hat, waren schwach ausgearbeitet. Das umfangreiche Blu-ray Release ist aber auf jeden Fall sein Geld wert, was sich ein paar Verleihe als Vorbild nehmen können.

Ihr wollt eine zweite Filmmeinung? Schaut mal zu „Die Nacht der lebenden Texte“

Titel, Cast und CrewCriminal Squad (2018)
PosterKinoposter Review Criminal Squad
Releaseab dem 01.02.2018 im Kino
seit dem 07.06.2018 auf Blu-ray & DVD
Bei Amazon kaufen:
RegisseurChristian Gudegast
Trailer
BesetzungGerald Butler ("Big Nick" O'Brien)
Pablo Schreiber (Ray Merrimen)
O'Shea Jackson Jr. (Donnie Wilson)
50 Cent (Enson Levoux)
Meadow Williams (Holly)
Evan Jones (Bo "Bosco" Ostroman)
DrehbuchChriatian Gudegast
KameraTerry Stacey
MusikCliff Martinez
SchnittDavid S. Cox
Joel Cox
Nathan Godley
FilmlängeKinofassung 121 Minuten
US-Unrated Fassung 141 Minuten
FSKab 16 Jahren

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.