Crime Game (2021) – Filmkritik

In vertraut regelmäßigen Zeiträumen bekommen wir Filmfreunde einen neuen Heist-Film präsentiert. Ähnlich dem Malen-Nach-Zahlen-Prinzip funktionieren diese Filme alle mehr oder weniger gleich. Wirkliche Unterschiede gibt es nur im Setting und der zur lösenden Aufgabe: Mal spielt es in einem Casino in Las Vegas (Die OCEANS-Trilogie), das andere Mal eine Rennstrecke in Texas (LOGAN LUCKY, 2017) oder ein paar alte Herren wollen es nochmal wissen (EIN LETZTER JOB, 2018). Wir haben hier auf dem Fluxkompensator schon so einige Heist-Filme besprochen. Für Kenner muss ein neuer Vertreter das Genre schon ordentlich umkrempeln oder die gewohnten Eckpunkte gekonnt ausspielen, sei es mit guten Charakteren oder einer neuen Idee. Seit dem 11.06.2021 möchte sich nun CRIME GAME mit den Größen des Genres messen. Die Grundvoraussetzungen für Regisseur Jaume Balagueró ([REC]) sind mit einem bekannten Cast und einem unverbrauchten Setting jedenfalls vielversprechend.

Walter (Liam Cunningham) // © SquareOne Entertainment

Inhalt

Bereits kurz nachdem der Bergungsexperte Walter (Liam Cunningham) die letzten Hinweise zu einem der größten Schätze in der spanischen Geschichte vom Meeresboden geboren hat, wird ihm sein Fund von der Regierung Spaniens auch schon wieder genommen. Doch nach 30 Jahren Suche lässt sich Walter nicht so einfach abschütteln. Blöd nur, dass sein Fund in der Bank von Spanien eingelagert wurde. Das Gebäude verfügt nicht nur über einen eigenen Sicherheitsdienst und Militärunterstützung, es ist gleichzeitig ein seit 100 Jahren gehütetes mechanisches Geheimnis, das es zu entschlüsseln gilt. Genau für diesen Job rekrutiert Walter das junge Genie Thom (Freddie Highmore). Es soll nicht nur hinter das Geheimnis der Bank blicken, sondern auch eine Lösung für den Einbruch finden.

© SquareOne Entertainment

Am besten erst nach dem Film googeln

Ich würde allen Lesern jetzt davon abraten die Bank von Spanien und Tresor zu googeln. Ansonsten nimmt man sich einen der spannendsten Eckpfeiler von CRIME GAME. Regisseur Balagueró versucht zwar mit vielen Nebenhandlungen Abwechslung in die überschaubare Rahmenhandlung zu bringen, aber am Ende bleibt das große Geheimnis der Bank die einzig wichtige Frage. Fußball-WM 2010 in Spanien, ein Freibeuteschatz und eine geheime Beteiligung der englischen Krone alles da und alles unwichtig. Was bleibt sind die üblichen Eckpunkte eines Raubs ohne großen Überraschungen. Na wenigstens gibt es noch die beeindruckende Stadt Madrid mit seinem historischen Gebäude. Obwohl, viel sieht man hiervon leider nicht. Bleibt also noch das Team um Walter und die einzigartigen Charaktere die so einen Raub möglich machen.

Thom (Freddie Highmore) // © SquareOne Entertainment

Warum bist du nochmal hier?

Wie schon anfangs erwähnt, machen die Charaktere des Teams und auch die Gegenspieler den großen Reiz eines jeden Heist-Films aus. Ich würde nun gern schreiben, dass der sympathische Cast hier glänzen kann. Kann er aber nicht. Alle Figuren sind lieblos und kantenlos. Eine Verbindung kann der Zuschauer hier zu niemanden aufbauen. Bis auf Walter, der nach einem Drittel des Films in den Hintergrund verbannt wird, hat niemand im Team einen glaubwürdigen Grund bei dem Unterfangen mitzumachen. Eine Motivation, die mit mehr als einem Nebensatz erklärt wird, hat niemand.  Die Geschichten hinter den Persönlichkeiten möchte ich als Zuschauer allerdings sehen. Wer sind diese Menschen die eine unlösbare Aufgabe mit ihrem Wissen herausfordern und bei einem Scheitern für immer hinter Gittern zu laden?

Thom (Freddie Highmore), James (Sam Riley), Lorraine (Astrid Bergès-Frisbey) // © SquareOne Entertainment

Und das ist nicht mal so unwahrscheinlich denn so richtig kompetent ist in diesem Team niemand. Dabei wollen wir als Zuschauer doch sehen wie geknobelt, geplant und spontan reagiert wird. Meistens werden die Probleme des Teams sehr banal und etwas an den Haaren herbeigezogen gelöst. Am Ende fragt man sich was das eigentliche Problem war? Und auch sonst kommt der Zufall unseren Helden einmal zu oft zur Hilfe. Die Kernidee eines Heist-Films haben Drehbuchautoren, davon gibt es übrigens ganze sechs an der Zahl, und Regisseur irgendwie verfehlt.

Thom (Freddie Highmore) // © SquareOne Entertainment

Die Konkurrenz ist einfach zu groß

Das klingt jetzt alles sehr negativ und liegt vielleicht auch an meiner Erwartungshaltung die ich an CRIME GAME hatte. Ich freu mich immer über einen guten Heist-Film. Dementsprechend hatte ich auch große Erwartungen an CRIME GAME. Die Grundidee gefällt mir sehr und die Darsteller an sich sind ausgezeichnet. Leider wurde es verpasst diese hervorragenden Grundlagen zu nutzen. CRIME GAME möchte ganz oben mitspielen und muss sich daher auch dem Vergleich mit anderen Genrevertretern stellen. Das Ergebnis hierbei, andere haben es schon besser gemacht. Einzigartige Charaktere bietet die Oceans-Reihe. Schätze und Geheimnisse gibt es mit dem VERMÄCHTNIS DES TEMPELRITTER. Auch im kleinen Rahmen einer Stockcar-Rally bietet LOGAN LUCKY mehr Witz und Abwechslung. Ist CRIME GAME deswegen ein schlechter Film? Nein, denn ich war durchaus für einen Abend unterhalten. Dennoch bleibt die Konkurrenz groß und in zu vielen Punkten deutlich besser.

Klaus (Axel Stein) // © SquareOne Entertainment

Fazit

CRIME GAME startet mit großen Ambitionen und einer guten Idee. Leider fehlt es dem Film an interessanten Charakteren und Spannung die dem Genre Heist-Film Leben einhauchen. Für einen entspannten Nachmittag ist das neue Werk von Regisseur Jaume Balagueró durchaus anschaubar. Für die Hall of Fame der Heist-Movies wird es allerdings nicht reichen.

© Eric

Titel, Cast und CrewCRIME GAME (2021)
OT: The Vault
Poster
ReleaseAb dem 11.06.2021 auf Blu-ray & DVD

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RegisseurJaume Balagueró
Trailer
BesetzungFreddie Highmore (Thom)
Astrid Bergès-Frisbey (Lorraine)
Sam Riley (James)
Liam Cunningham (Walter)
Jose Coronado (Gustavo)
Luis Tosar (Simon)
Emilio Gutiérrez Caba (Bank of Spain Chairman)
Axel Stein (Klaus)
Daniel Holguín (Muñoz)
Famke Janssen (Margaret)
DrehbuchRafa Martínez
Andrés M. Koppel
Borja Glez. Santaolalla
Michel Gaztambide
Rowan Athale
KameraDaniel Aranyó
MusikArnau Bataller
SchnittDavid Gallart
Filmlänge118 Minuten
FSKab 12 Jahren

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