Cody (2019) – Filmkritik

Für die einen ist der Hund ein Accessoire, während sie sich beim Spaziergang lieber mit dem Smartphone beschäftigen. Mit reichlich Futter, einem gemütlichen Platz auf der Couch und der Gewissheit ein sicheres Leben zu führen, geht es deren Hunden sicher nicht schlecht. Dann gibt es noch die Herrchen und Frauchen vor denen auf einmal ungeplant ein Vierbeiner steht und deren Leben auf den Kopf stellt. Diese müssen sich auf einmal ganz viel Wissen über Hunde aneignen und versuchen intensiv ihren neuen treuen Freund zu verstehen. Es entsteht eine Vertrautheit, die sich so manche Partnerschaft hart erarbeiten muss. Martin Skalsky ist so auf den Hund gekommen. Als er für eine Reportage in Rumänien unterwegs ist, setzt sich Cody in einem Heim für gerettete Straßenhunde vor seine Füße, als ob er wüsste, dass er es bei diesem Schweizer guthaben würde. Martin wollte eigentlich nie einen Hund, aber Cody hatte sich wohl entschieden.

© Buzzinho Codestar Productions & Playground Media Productions

Cody verändert das Leben von Martin und seiner Frau Selina. Sie ziehen aufs Land und entwickeln eine Leidenschaft für Bergwanderungen. Martin beginnt sich zu fragen, was sein vierbeiniger Freund in seinen ersten vier Lebensjahren auf den Straßen Rumäniens wohl erlebt hat. War er da vielleicht freier als jetzt? So kehrt Martin für dieses Filmprojekt zurück nach Rumänien zu Cristina Paun. Sie rettete Cody damals vor dem Tötungsgesetz für Straßenhunde. Von ihr erfahren wir, dass Cody damals eine Weggefährtin namens Blanche hatte, die fast zeitgleich in London adoptiert wurde. Ob Cody und Blanche sich nach drei Jahren wiedererkennen und vielleicht zusammen in ihre alte Freiheit durchbrennen werden?

Martin Skalsky besucht eine Hundeauffangstation in Rumänien. // © Buzzinho Codestar Productions & Playground Media Productions

Martin Skalsky hat die Geschichte seines Hundes gewählt, um ein paar Antworten auf die Fragen in der Beziehung Mensch und Hund zu erhalten. Der Ansatz schmeichelt, aber ein Aufruf Straßenhunde zu adoptieren ist CODY nicht. Skalsky versucht sich eher mit der Liebe zu seinem Hund an das Thema Tierrechte heranzupirschen, um uns Zuschauern einige Denkanstöße zu geben. Es läuft nach dem Konzept: „Ich zeige euch bestimmte Orte und Meinungen und ihr entscheidet, was ihr euch davon in eure Welt mitnehmen wollt.“ Das funktioniert leider nur bedingt, denn eine gute Dokumentation nimmt seinen meist ungebildeten Zuschauer erst einmal an die Hand und füttert ihn mit Daten. CODY versteht sich jedoch eher als Portrait, nicht als Lehrfilm. So muss man sich zu Beginn ein paar Informationen, was Straßenhunde in Rumänien betrifft, in den Interviews fürs Verständnis zusammenklauben.

Mark Rowlands ist Tierrechts-Philosoph und Professor für Philosophie an der Universität Miami. // © Buzzinho Codestar Productions & Playground Media Productions

CODY lässt aber auch die intellektuellen Denker zu Wort kommen, wie die Bestsellerautorin für Hunde-Sachbücher Maike Maja Nowak und den Schriftsteller und Professor für Philosophie Mark Rowlands. Vor allem Rowlands bleibt trotz Videomeeting mit seinen Analysen zum Thema Tierrechtsphilosphie am besten in Erinnerung. Es geht aber auch zu Rettern auf Costa Rica, die Straßenhunde in einer Art Wildreservat in „Freiheit“ leben lassen. Bei diesem Kapitel wird man vom Erzähler allein gelassen. Vielleicht hat er sich nicht getraut hier noch ein weiteres Thema zu öffnen: Sind Hunde überhaupt als Tiere in Freiheit geschaffen?

Cody mit seiner neuen Familie // © Buzzinho Codestar Productions & Playground Media Productions

Man hat leider immer das Gefühl mit angezogener Handbremse mit CODY unterwegs zu. Es kommt ein tiefgreifendes Thema zur Diskussion und wird wieder fallen gelassen. Vielleicht scheitern hier auch die eigenen Ansprüche an das Seherlebnis. Am Ende hat man einfach Zeit mit Martin und seinem Hund Cody verbracht. Neue Blickwinkel haben sich leider nicht eröffnet. Was nehmen sich Menschen mit und ohne Hund nach dem Abspann mit nach Hause? Bei der Menge von Problemen unserer Zivilisation auf ihrem aktuellen evolutionären Höhepunkt, wird es schwer seine Energie für Hunde aufzubringen, die schlecht behandelt werden. Sie sind ein weiteres Zahnrad in einer überaus komplexen Maschinerie in der Ausbeutung der Natur durch den Menschen. Das Wort Empathie wurde in CODY immer wieder genannt und man wird das Gefühl nicht los, dass Empathieverlust doch eher ein soziales Problem ist als eins zwischen Hund und Mensch.

© Christoph Müller

Titel, Cast und CrewCody - Wie ein Hund die Welt verändert (2019)
Poster
ReleaseKinostart: 30.07.2020
RegisseurMartin Skalsky
Trailer
Protagonist/innenMaike Maja Nowak
Christina Paun
Mark Rowlands
Martin Skalsky
Selina Skalsky
Marsha Hickmott
Lya Battle
DrehbuchMartin Skalsky
KameraNjazi Nivokazi
Patrick Salama
FilmmusikMartin Skalsky
Christian Schlumpf
Filmlänge87 Minuten
FSKab 6 Jahren

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