Cirque du Freak – Mitternachtszirkus (2009) | Filmkritik

Das Filmmonster mit der längsten Filmografie dürfte zweifellos der Vampir sein. Die untote Kreatur, die Nacht für Nacht nach dem Blut der Lebenden lechzt, um sein eigenes, unheiliges Scheinleben zu verlängern. Jeder von uns hat dazu bestimmte Bilder in seinem Kopf. Doch das können wir hier alles vergessen, den bei CIRQUE DU FREAK handelt es sich um eine Parabel für Schulanfänger. Lebensweisheiten für Kinder, die lernen sollen, für ihre Handlungen einzustehen, ob positiv oder negativ. Der US-Regisseur Paul Weitz (AMERICAN PIE,1999), inszenierte eine Fantasy-Komödie im Stil eines Märchens, gepaart mit der Coolness und Leichtigkeit einer US-Teeniekomödie. Als Kulisse für seine Story nutzte Weitz eine moderne Kopie von Tod Brownings Klassiker FREAKS (1932). Wer jetzt noch TV-Serien wie THE VAMPIRE DIARIES (2009-2017) mag, in dem alle jung und hübsch sind, jeder Beteiligte ein Vampir, ein Werwolf oder gar eine Hexe ist, der wird sich hier pudelwohl fühlen. Normal sein ist hier unerwünscht und den Vampirkrieg gibt es gratis obendrauf. CIRQUE DU FREAK basiert auf den Roman „The Saga of Darren Shan“, der erste von bisher zwölf Romanen des Autors Darren O‘Shaughnessy. Der irische Autor lebt in London, wo er seine Buchreihe für junge Erwachsene verfasst hat, zusammen mit seiner Frau und ihren beiden Kindern.

CIRQUE DU FREAK – Mitternachtszirkus (2009)
© Justbridge Entertainment

Inhalt

Der 16-jährige Darren (Chris Massoglia) führt das normale Leben eines amerikanischen Teenagers. Sein Freund Steve (Josh Hutcherson) ist dagegen aus ganz anderem Holz. Er ist rebellisch und mehr auf der Suche nach Abenteuer. Schule interessiert ihn nicht im Geringsten. Eines Tages gastiert ein ganz besonderer Zirkus im Ort, der CIRQUE DU FREAK und Steve kann Darren zu einer nächtlichen Vorstellung überreden. Beide sind begeistert von der skurrilen Welt der Freaks, doch der Abend hat gerade erst begonnen und beide stecken schon jetzt bis zum Hals in Schwierigkeiten.

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Freaks vs. Vampire

Vergessen sind die Schrecken eines Lestat aus INTERVIEW MIT EINEM VAMPIR (INTERVIEW WITH THE VAMPIRE: THE VAMPIRE CHRONICLES, 1994) oder einer Catherine Deneuve aus BEGIERDE (THE HUNGER, 1983), die die Schöne und das Biest in einer Person verkörpert. Vergessen ist die wunderbare Delphine Seyring in BLUT AN DEN LIPPEN (LES LEVRES ROUGES, 1971) oder der brutale Kindvampir Eli aus SO FINSTER DIE NACHT (LAT DEN RÄTTE KOMMA IN, 2008). Vergessen sind die Vampirhorden aus 30 DAYS OF NIGHT (2007) oder aus NEAR DARK – DIE NACHT HAT IHREN PREIS (NEAR DARK, 1987) oder gar der echte CIRCUS DER VAMPIRE (VAMPIRE CIRCUS, 1972) der Hammer-Studios. Stattdessen sehen wir Kids, die vorgeben, ein Vampir zu sein, wäre das Coolste was es gibt. Dabei folgt der Film dem ein Jahr zuvor entstandenen TWILIGHT – BISS ZUM MORGENGRAUEN (2008). Der blasse, gutaussehende Vampir, dem die Girls nachlaufen. Und alles ist so cool und wunderbar, es hat schon eskapistische Ausmaße. Die üblichen Klischees werden wie immer der Reihe nach abgeklopft und in reichlich dummen Szenen veralbert. Die Reinigung eines Katzenklos ist witziger als die Gags in CIRQUE DU FREAK.

CIRQUE DU FREAK – Mitternachtszirkus (2009)
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Gute Besetzung in den Nebenrollen

Der Protagonist des Films ist Daren, der Spinnenfreund. Der Antagonist ist sein Kumpel Steve, der sich nichts sehnlicher wünscht, als ein Vampir zu sein. Dass die beiden am Ende einen Kampf ausfechten müssen, ist von Beginn an klar wie Kloßbrühe. Daren verwandelt sich vom langweiligen Streber zum pathetischen Vampir, während Steves aggressive Art noch verstärkt wird und er sich der dunklen Seite anschließt. Die Abgrenzungen zwischen schwarz und weiß, zwischen Gut und Böse sind messerscharf gezogen, ein Grau ist nicht vorhanden und auch nicht erwünscht. All das nur, um einigen Kids ein paar Grundlagen für das kommende Leben näher zu bringen wie etwa der Wert von Freundschaft und die schwere Suche nach dem eigenen Platz im Leben. Auch gerne benutzt in solch einem Zusammenhang ist die elterliche Warnung: Die Welt dort draußen ist gefährlich mein Sohn.

CIRQUE DU FREAK – Mitternachtszirkus (2009)
© Justbridge Entertainment
Blu-ray im Steel-Futurepak

Gelungen dagegen sind die Kulissen. Vor allem die des Cirque du Freak, wie auch die Kostüme der einzelnen Charaktere. Tricktechnisch gibt es nicht ganz so viel zu bewundern, doch das, was dem Zuschauer geboten wird, ist für solch einen Film durchaus akzeptabel. Als Eyecatcher für die erwachsenen Zuschauer gibt es Salma Hayek ab und an mit Vollbart. Leider hat sie hier nur eine kleine Nebenrolle, obwohl sie mit dem Dekolleté eher die Hauptrolle verdient hätte, auch mit Vollbart. Bis auf die beiden Teenies Josh Hutcherson und Chris Massoglia, die unauffällig agieren, zeigen die restlichen Darsteller gute Leistungen, allen voran Ken Watanabe (INCEPTION, 2010) als übergroßer Mr. Tall. An seiner Seite darf John C. Reilly nicht vergessen werden, der in unzähligen Filmen seine ganze Klasse unter Beweis gestellt hat wie z. B. in Roman Polanskis DER GOTT DES GEMETZELS (CARNAGE, 2011). Gelegentlich erscheint noch ein Willem Dafoe (DER LEUCHTTURM (THE LIGHTHOUSE, 2019)) auf der Bildfläche und, wie schon erwähnt, die bezaubernde Salma Hayek (FROM DUSK TILL DAWN, 1996).

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Fazit

Wer sich für kindgerechte Versionen von Horrormonstern begeistern kann, der wird sich hier ganz sicher wohlfühlen. Alle anderen sollten lieber einen großen Bogen um diesen Zirkus machen.

© Stefan F.

Titel, Cast und CrewCirque du Freak – Mitternachtszirkus (2009)
OT: Cirque du Freak: The Vampire`s Assistant
Poster
RegisseurPaul Weitz
Releaseab dem 23.10.2020 auf Blu-ray (Steelbook)

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Trailer
BesetzungJohn C. Reilly (Crepsley)
Josh Hutcherson (Steve)
Chris Massoglia (Darren)
Jessica Carlson (Rebecca)
Ken Watanabe (Mr. Tall)
Salma Hayek (Madame Truska)
Michael Cerveris (Mr. Tiny)
Willem Dafoe (Gavner Purl)
Ray Stevenson (Murlaugh)
DrehbuchPaul Weitz
Brian Helgeland
KameraJames M. Muro
FilmmusikStephen Trask
SchnittLeslie Jones
Filmlänge109 Minuten
FSKab 12 Jahren

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