Chaos im Netz (2018) Review

Chaos im Netz – Filmkritik

„Ralph und Vanellope erklären das Internet“

Die Welle der Fortsetzungen rollt weiter über die Filmlandschaft hinweg und hat die Kinostart-Termine fest im Griff. Auch Disney ist mit Fortsetzungen immer gut dabei, vom Tochter-Studio Marvel gar nicht zu sprechen. Aber seit wirklich langem, ist hier eine Fortsetzung originell geglückt, aber auch nur, weil sich die Kreativen gerade nicht an die übliche Mustervorlage eines zweiten Teils gehalten haben: Von allem etwas mehr. Das ist auch der Grund dafür, dass dieser neuste Animationsfilm aus dem Hause von Mickey Mouse & Co. eben nicht RALPH REICHTS 2 heißt, sondern CHAOS IM NETZ (im Original: RALPH BREAKS THE INTERNET). Das Regie-Gespann Rich Moore und Phil Johnston geht nicht den langweiligen Sequel-Weg und erweitert die Retro-Gaming-Szenerie einfach mit mehr Games sowie fetter Action. Nein, sie schubsen die beiden Hauptfiguren Ralph und Vanellope in eine für sie unbekannte Welt: Das Internet.

Chaos im Netz (2018) Review
© Walt Disney Studios

Handlung

Der sich wiederholende Alltag ist in der Welt der Videospielautomaten eingekehrt. Tagsüber gehen alle Avatare ihrer Arbeit nach und nachts treiben sich Ralph und Vanellope in den Spielen der anderen herum oder trinken ein paar Rootbier. Eines Tages bricht eine äußerst ambitionierte Spielerin das Lenkrad an der Spielkonsole von Vanellopes Rennspiel ab. Da das Spiel schon antiquarischen Status hat, bekommt Mr. Litwak keine regulären Ersatzteile. Eine Auktion auf ebay für den Lenkerersatz mit über 200 $ will er aus wirtschaftlicher Perspektive nicht zahlen. Somit sind alle Figuren aus dem Rennspiel und auch Vanellope arbeits- und obdachlos. Gut, dass das „Litwak‘s Family Fun Center“ endlich einen Internetzugang bekommen hat. Den nutzen Ralph und Vanellope, um bei diesem unbekannten „ebay“ das Lenkrad zu besorgen. Dass die beiden nostalgischen Figuren in der Welt des World Wide Webs völlig überrannt werden, ist klar, dennoch wird das Chaosteam auch hier seine digitalen Fußspuren hinterlassen.

Chaos im Netz (2018) Review
© Walt Disney Studios

Neues Setting, neuer Plot

Vielleicht ist jetzt manch Retro-Gamer enttäuscht, dass er nichts mehr aus seinem Interessenfeld bekommt. CHAOS IM NETZ ist jedoch ein Familienfilm und der möchte auch ein größeres Publikum ansprechen. Man kann dennoch skeptisch gegenüber dieser neuen Welt bleiben, aber was die kreativen Köpfe bei Disney da wieder aus dem Hut gezaubert haben, lässt einem die Kinnlade herunterfallen. Das www bekommt ein Universum, welches charmant, lustig und auch lehrreich zugleich ist. Es ist eine riesige Stadt voller fliegender Autos und emsigem Treiben. Jeder, der durchs Internet surft, wird durch einen Avatar dargestellt und von einem Ort zum nächsten transportiert. Die passive Art der User ist immer ein Schmunzeln wert. Da wird auch mal einer von ihnen erschlagen, was in der Realität als Fehlermeldung beim Surfenden erscheint.

Chaos im Netz (2018) Review
© Walt Disney Studios

In der virtuellen Welt landen Ralph und Vanellope gleich bei der Searchbar „Knowsmore“ mit einem äußerst hilfreichen Bibliothekar, welcher jedem Suchenden weiterhilft. Eine richtige Metapher für Google ist es nicht, denn die Internetriesen (Google, Amazon, Wikipedia) bekommen alle ihren Platz in dieser Stadt, auch wenn sie in dieser Geschichte nur durch monströse Gebäude symbolisiert werden. Das sind nur einige der vielen product placements im Film der digitalen Art.
Mit jeder Menge ideenreicher Visualisierungen der Komplexität des Netzes, immer mit einer ordentlichen Portion Kritik und kuriosen Trends, wird CHAOS IM NETZ zu einer spannenden wie auch anspruchsvollen Reise. Der Film ist zudem mit vielen Easter Eggs versehen, so dass man im Kinosaal permanent den Wunsch verspürt den Pause-Button zu drücken.

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© Walt Disney Studios

Selbstironisches Disney

Richtig spaßig wird es auch für den Disney-Zyniker, wenn das Studio mit seinen eigenen Lizenzen ein paar Witze reißt. Ein richtiger Drehbuch-Höhepunkt wird das Aufeinandertreffen von Vanellope mit allen Disney-Prinzessinnen. Die geben sich nicht nur permanent die Klinke mit Witzen über die Parallelen ihrer Geschichten in die Hand, sondern ziehen sich gleich erst einmal bequeme Kleidung, wie die von Vanellope an. Dann relaxen die Schönheiten in Hoodies und Jogginghosen. Als ob das nicht schon reichen würde, hat jede auch noch gleich ein passendes Produkt in der Hand. Da wird aus der Lays-Chipstüte geknabbert und aus dem Starbucks-Becher getrunken, alles ohne die Logos zu zeigen.  Es sind eben Medien-Divas durch und durch. So schön hat sich Disney noch nie selbst auf die Schippe genommen.

Chaos im Netz (2018) Review

Bei dieser ganzen rasanten, komplexen Welt, wo blaue Spatzen Katenvideos zwitschern, LKWs mit Emails entgleisen und Vertreter die Leute mit Pop-up-Werbeschildern nerven, geht ein bisschen die Charakterbildung beim guten, alten Ralph verloren. Jedoch gelingt CHAOS IM NETZ noch einmal ein spektakuläres Ende mit einer Mischung aus KING KONG und Salvador Dali sowie eine finale Moral, die man gar nicht so hat kommen sehen.

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© Walt Disney Studios

Fazit

Mögliche Erwartungen von passionierten Gamern an diesen „zweiten Teil“ werden sicherlich enttäuscht. Kinder unter 12 Jahren können dieser actionreichen Achterbahnfahrt auf der Glasfaserleitung mit Witzdauerfeuer bestimmt kaum folgen. Zudem geht die emotionale Verbindung der beiden Hauptfiguren im Mittelteil leider völlig verloren. Jedoch werden alle, die sich etwas mit den Zusammenhängen des Internets auskennen, mit CHAOS IM NETZ auf eine bunte und unterhaltsame Metapher-Tour gehen, die am Ende mehr über Freundschaft verrät als gedacht. So gefällt eine Fortsetzung am besten, wenn sie auch Neues zu erzählen weiß.

Titel, Cast und CrewChaos im Netz (2018)
OT: Ralph Breaks the Internet
Poster
Kinostart/
Veröffentlichung
24.01.2019
RegisseurPhil Johnston
Rich Moore
Trailer
OriginalsprecherJohn C. Reilly (Ralph)
Sarah Silverman (Vanellope)
Gal Gadot (Shank)
Taraji P. Henson (Yess)
Jack McBrayer (Felix)
Jane Lynch (Calhoun)
Alan Tudyk (KnowsMore)
Ed O'Neil (Mr. Litwak)
DrehbuchPhil Johnston
Pamela Ribon
KameraNathan Warner
MusikHenry Jackman
SchnittJeremy Milton
Fabienne Rawley
Filmlänge112 Minuten
FSKab 6 Jahren
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