Buffalo Bill und die Indianer (1976) – Filmkritik & Review zum Mediabook

„Die Wiege des Showbusiness“

Der Name Buffalo Bill wird hierzulande bei den wenigsten geschichtliche Details aufrufen. Es ist ein Name, der für den Wilden Westen steht, den Kampf gegen die Indianer und bei manchem wird noch die Schlacht bei Little Big Horn zusammen mit General Custer im Gedächtnis aufglimmen. Warum wir so wenig über diesen amerikanischen Helden wissen, liegt einfach daran, dass er sich nicht wirklich durch Ruhmestaten in die Geschichtsbücher geschrieben hat. William F. Cody, so sein bürgerlicher Name, war einer der ersten Entertainer im Wilden Westen. Er wusste seinen Namen und die übertriebenen Legenden, die damit einhergingen, noch zu Lebzeiten zu nutzen und stellte bereits 1883 eine der ersten Wild West Shows auf die Beine. Mit hunderten Statisten als Indianer (viele waren sogar Indianer), Cowboys und Soldaten, bot er Shows unter freiem Himmel an, welche seine Heldentaten im Wilden Westen darboten und sogar weiter förderten. Jedoch war Buffalo Bill auch ein ziemlicher Aufschneider, Suffkopf und Frauenheld. Robert Altman wischte 1976 mit den Ruhmestaten in BUFFALO BILL UND DIE INDIANER den Boden auf und stellt, fast wie nebenbei, auch noch die gesamte Unterhaltungsbranche in Frage. Leider hat die Parodie ein paar ordentliche dramaturgische Löcher, über die nicht einmal Paul Newman in der Hauptrolle hinwegtäuschen kann.

Buffalo Bill und die Indianer (1976)
© Koch Films

Handlung

The Mayflower präsentiert „Buffalo Bills Wild West“. Wunderschön umrahmt von den Rocky Mountains fügen sich ein paar Koppeln, Zelte und Hütten zu einer kleinen Siedlung zusammen. Hier lebt jeder, der in dieser Show eine Aufgabe hat, in einer Zirkusstadt. Zwischen den Auftritten haben die wichtigsten Funktionäre wenig zu tun und so vertreibt sich vor allem der Star William F. Cody alias Buffalo Bill (Paul Newman) seine Zeit mit Trinken und Opernsängerinnen, die seinen Weg kreuzen. Es fehlt aber an einem neuen Highlight in der Show. Bill gelingt es, die Indianerlegende Sitting Bull (Frank Kaquitts) aus der Gefangenschaft freizukaufen und in seiner Show auftreten zu lassen. Jedoch ist Sitting Bull bereits vom Alter und der Gefangenschaft gezeichnet. Er wird durch seinen imposanten Sprecher William Halsey (Will Sampson) verhandlungssicher vertreten. Der Häuptling will sich so gar nicht den Regeln des Showgeschäfts beugen.

Sitting Bull (Frank Kaquitts) // © Koch Films

Backstage

Man wird direkt hinter die Bühne in den Alltag einer Wild-West-Show hineingeworfen. Die Kamera ist meist auf Abstand und versucht das Geschehen großformatig zu dokumentieren. Nur die namensgebende Hauptfigur ziert sich etwas. Bis Paul Newman als Buffalo Bill auftritt, vergehen gute zehn Filmminuten, in denen sogar ein Indianerstatist bei einer Probe bedeutungslos stirbt. Immer wieder sehen wir Zeichnungen von Buffalo Bill, auf Bannern, Tafeln, Trommeln und Ölgemälden bis der Star auf seinem Schimmel endlich in die Arena reitet. Wir lernen so zuerst das mediale Abbild kennen und dann den echten William F. Cody. Mit vielen Witzen auf seine Kosten wird die Statue des Westernhelden Stein für Stein abgetragen bis ein Lügner und Trunkenbold übrig bleibt. Selbst die strahlenden blauen Augen von Paul Newman können an diesem Abriss nichts ändern.

Buffalo Bill und die Indianer (1976) Paul Newman
William F. Cody alias Buffalo Bill (Paul Newman) // © Koch Films

Diese „Richtigstellung“ wirkt sich jedoch auch auf das Filmvergnügen aus, da die viel interessantere Geschichte um den Indianerhäuptling Sitting Bull zu wenig betrachtet wird. Was natürlich der Aussage zur oberflächlichen Behandlung geschichtlicher Fakten durch die Unterhaltungsindustrie gelegen kommt, aber dem Zuschauer dieses Films dann doch zu sehr langweilen wird.

Buffalo Bill und die Indianer (1976) Burt Lancaster
Ned Buntline (Burt Lancaster) // © Koch Films

Ein abwechslungsreicher Lichtblick in BUFFALO BILL UND DIE INDIANER ist der Erzähler der Geschichte, der noch zu Beginn weise aus dem Off erklingt und dann selbst direkt am Tresen sitzt und Geschichten erzählt: Der Legendenmacher Ned Buntline, gespielt von Burt Lancaster. Ihm ist es auch zu verdanken, dass die Story noch zu einem pointierten Schluss findet, wenn er den denunzierten Bill zurücklässt. Er verlässt den Zirkus und wir verlassen den Film mit dem Abspann.

Nostalgie-Effekt

Auch wenn sich BUFFALO BILL UND DIE INDIANER stellenweise zieht wie ein zähes Stück Leder, kann man als Fan von Filmklassikern einiges entdecken. Zuallererst zwei markante Nebendarsteller: Harvey Keitel als trotteliger Ed Goodman und Geraldine Chaplin als die linkshändige Schützin Annie Oakley. Ihre Nummer in der Show zeigt, wie sie alle möglichen Dinge aus den Händen „der wandelnden Zielscheibe“ Frank Butler (John Considine) schießt.

Annie Oakley (Geraldine Chaplin) // © Koch Films

Aber auch der ein oder andere Witz aus Paul Newsmans Dialog verfehlt nicht sein Ziel, wie:

„Sag Sitting Bull, er soll sich hinsetzen.“

Insgesamt gelingt es der Westernkomödie dennoch eine schlechte Balance zwischen Satire, Kritik und Drama zu erlangen. Manche Szenen sind doch zu improvisiert und im nächsten Moment wieder zu steif oder so von politikgeschichtlichen Details aufgeladen, welche man im 21. Jahrhundert nicht recht versteht.

© Koch Films

Im Kopf bleiben nach dem Abspann zwei Szenen: Bill wacht nachts betrunken auf und wird vom Geist von Sitting Bull im Federschmuck heimgesucht. Ein intensiver Moment zwischen Reue am Tod des Indianerhäuptlings und verzweifelter Suche nach Anerkennung, die nur ein Paul Newman glaubhaft auf die Leinwand zu verbringen mag.

Dann gibt es noch den Gesang einer Opernsängerin, welche THE LAST ROSE OF SUMMER singt (welches auch einen formidablen Platz auf dem Soundtrack von THREE BILLBOARDS OUTSIDE EBBING, MISSOURI gefunden hat) und alle zu Tränen rührt. Bei solch künstlerischer Perfektion geben die Schausteller auf und erstarren selbst zu stummen Zuhörern.

Annie Oakley (Geraldine Chaplin)
Annie Oakley (Geraldine Chaplin) // © Koch Films

Das Mediabook

Robert Altmans BUFFALO BILL UND DIE INDIANER, der im Original BUFFALO BILL AND THE INDIANS, OR SITTING BULL’S HISTORY LESSON heißt, feiert nun seine Blu-ray-Premiere in einem schicken Mediabook. Hingucker ist vor allem das Querformat des kleinen Medien-Büchleins mit seinem Retro-Cover. Das wird perfektionistische Hochformat-Mediabook-Sammler in den Wahnsinn treiben, aber man muss sich auch mal vom Altbekannten lösen. Und Kino ist ja auch schon immer im Querformat. Wenn dies eine Eröffnung künftiger Western-Mediabooks im Querformat sein sollte, möchten wir hierfür ein dickes „Yee-haw!“ aussprechen. Bild und Ton des Films, wie immer auf Blu-ray und DVD, sind gewohnt auf hoher Qualität dank Koch Films. Leider fallen die Extras dünn aus: Making-of (4 min), Trailer und eine Bildergalerie.

Das Mediabook von Koch Films
Das Mediabook von Koch Films

Fazit

In den 1970er-Jahren ist diese Satire auf das Showgeschäft mit dem Idol der Groschenromane Buffalo Bill sicherlich gut angekommen. Auch heute noch gefallen die Reitkünste von Paul Newman und der Schabernack auf Kosten der Wildwest-Show-Akteure. Leider hat BUFFALO BILL UND DIE INDIANER ein paar dramaturgische Lücken zu verzeichnen, die bei einem Robert-Altman-Film schon einmal vorkommen, aber hier zu oft von der Geschichte um den Indianer Sitting Bull ablenken. Das wurde bereits in jüngster Zeit viel menschlicher mit DIE FRAU, DIE VORAUSGEHT (2017) verfilmt.

© Koch Films

© Christoph Müller

Titel, Cast und CrewBuffalo Bill und die Indianer (1976)
OT: Buffalo Bill and the Indians, or Sitting Bull's History Lesson
Poster
Releaseab dem 28.05.2020 im Mediabook (Blu-ray+DVD)

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RegisseurRobert Altman
Trailer
BesetzungPaul Newman (Willam Cody/Buffalo Bill)
Burt Lancaster (Ned Buntline)
Harvey Keitel (Ed Goodman)
Joel Grey (Nate Salisbury)
Kevin McCarthy (John M. Burke)
Geraldine Chaplin (Annie Oakley)
Allan F. Nicholls (Prentiss Ingraham)
Bert Remsen (Crutch)
Frank Kaquitts (Sitting Bull)
Will Sampson (William Halsey)
John Considine: (Frank Butler)
Pat McCormick: (Präsident Cleveland)
Shelley Duvall (Mrs. Cleveland)
DrehbuchRobert Altman,
Alan Rudolph
KameraPaul Lohmann
FilmmusikRichard Baskin
SchnittPeter Appleton
Dennis M. Hill
Filmlänge123 Minuten
FSKab 6 Jahren

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