Blob – Schrecken ohne Namen (1958) vs. Der Blob (1988)

Blob – Schrecken ohne Namen (1958)

Eine außerirdische Lebensform landet auf unserem Planeten: nach dem Krieg ein sehr beliebtes Filmthema in den Vereinigten Staaten. Besonders gerne benutzt als Metapher für eine mögliche Unterwanderung oder gar einen Einmarsch der Kommunisten in die USA. Das Ganze ist heute in den Geschichtsbüchern zu finden unter dem Begriff „McCarthy-Ära“, die von ca. 1947 bis ungefähr 1956 andauerte. Die Außerirdischen mussten als Buhmann herhalten, um die Bevölkerung dafür zu sensibilisieren, nach Fremden Ausschau zu halten und bei Kontakt dementsprechend zu handeln, zum Wohle des Landes. Der Science-Fiction-Film nahm eben diese Angst auf und setzte sie entsprechend um, bekannteste Beispiele aus dieser Ära sind: DAS DING AUS EINER ANDEREN WELT (THE THING FROM ANOTHER WORLD) wie auch DER TAG, AN DEM DIE ERDE STILLSTAND (THE DAY THE EARTH STOOD STILL) beide 1951, INVASION VOM MARS (INVADERS FROM MARS, 1953), und vor allem DIE DÄMONISCHEN (INVASION OF THE BODY SNATCHERS) aus dem Jahre 1956. BLOB gehört auch zu diesen Filmen, obwohl er am Ende dieser Epoche entstanden ist. Die rote Farbe und der hochinfektiöse Körper des Blob sind im Film ein zusätzlicher Hinweis auf den Kommunismus. Ebenso seine Art, jeden US-Bürger in sich zu integrieren und jede Entscheidungsfreiheit sowie Individualität zu nehmen. Deutlicher kann man nicht mehr auf den angeblich alles verschlingenden Kommunismus hinweisen.

© Capelight Pictures

Mit ganz kleinem Budget und einer Handvoll Amateuren, sowohl vor wie auch hinter der Kamera, inszenierte Irvin S. Yeaworth diesen kleinen Film. Yeaworth, 1926 in Berlin geboren, drehte hauptsächlich religiöse Filme, ehe er zum Phantastischen Film wechselte. Von ihm stammte auch DER 4-D MANN (4D MAN, 1959) und MÖRDERSAURIER (DINOSAURUS!, 1960), doch zuerst kam BLOB. Der ganze Plot ist äußerst einfach und simpel gestrickt, ebenso die Dialoge der Protagonisten, tiefgreifende Gespräche oder Fragen sind hier nicht zu erwarten. Yeaworth lässt seinen Film sehr stringent ablaufen, ohne jede unnötige Abzweigung oder Verstrickung. Unter den Figuren findet man alle Stereotypen, die so ein Film aus den 1950ern zu bieten hat.

Ebenso typisch für das Patriarchat jener Tage ist die hilflose Frau, die, wenn es gut läuft, nur hysterisch herumschreit, doch wenn es schlecht läuft, in Ohnmacht fällt und der Mann als Retter eingreifen muss. Die Frau diente in solchen und ähnlichen Film seit jeher nur als Staffage, als nette Dekoration und natürlich als Objekt der Begierde für den strahlenden Held.

© Capelight Pictures

Bei einigen Aufnahmen sind die Gesichter von handelnden Personen leicht unscharf, während alles andere im Hintergrund knackscharf erscheint. Dass Kameramann Thomas E. Spalding mit BLOB seinen ersten Eintrag in seiner kurzen Filmografie eingefügte verwundert somit nicht. Auch die Effekte sind selbst für diese Zeit simple und äußerst billig gemacht. Dass gerade bei einem Science-Fiction-Film dieser Art die Effekte das A und O sind, dürfte klar sein. Verantwortlich hierfür ist ein gewisser Bart Sloane. Seine Filmografie umfasst genau zwei Titel, zum einen eben BLOB – SCHRECKEN OHNE NAMEN und den ein Jahr später entstandenen DER 4-D MANN. Vielmehr ist über diesen Mann auch nicht bekannt, außer dass er zuvor Religionsfilme drehte, wie schon Regisseur Yeaworth.

© Capelight Pictures

Unsere beiden Hauptdarsteller Steve McQueen und Aneta Corsaut spielen hier zwei Teenager, obwohl McQueen bereits 27 Jahre alt war und Corsaut 25 Jahre. Nur die Nebendarsteller Olin Howland und Stephen Chase konnten auf eine lange Filmkarriere zurückblicken. Alle anderen Darsteller waren unbekannte Neulinge, von denen wiederum nur Steve McQueen den Durchbruch schaffte, seine Filmpartnerin Aneta Corsaut arbeitete nach dem Blob hauptsächlich in TV-Serien mit. McQueen dagegen ergatterte sich die Hauptrolle in DER KOPFGELDJÄGER (WANTED: DEAD OR ALIVE, 1958-1961), mit seiner Figur des Josh Randall wurde er nun einem größeren TV-Publikum bekannt. Dazwischen durfte er mit einer Handvoll Weltstars und John Sturges als Regisseur DIE GLORREICHEN SIEBEN (THE MAGNIFICENT SEVEN, 1960) drehen, der McQueen endgültig zum Weltstar beförderte. Der flippige BLOB-Titelsong stammt übrigens von Burt Bacharach, der wie McQueen noch ein unbeschriebenes Blatt war und am Anfang seiner Karriere stand. Später wurde er bekannt unter anderem für sein Stück „Raindrops keep Fallin‘ on my Head“ aus dem Film ZWEI BANDITEN (BUTCH CASSIDY AND THE SUNDANCE KID, 1969) und vielen weiteren Titeln, die hier den Rahmen sprengen würden.

© Capelight Pictures

Eine große Ähnlichkeit besteht zwischen unserem BLOB und dem japanischen Film DAS GRAUEN SCHLEICHT DURCH TOKIO (BIJO TO EKITAI NINGEN, 1958) von Ishirô Honda, dem Regisseur von GODZILLA – DAS ORIGINAL (GOJIRA, 1954). Auch wenn bei Hondas Film die Ursache für den lebenden Wackelpudding bei der Atomkraft zu suchen ist, sind gewisse Ähnlichkeiten nicht von der Hand zu weisen. Dass der Blob nicht vernichtet werden kann, sondern nur eingefroren, wird am Ende mehrfach erwähnt. Aber ob Steve McQueen den Klimawandel vorhergesehen hat, bezweifle ich, obwohl seine letzte Dialogzeile sehr danach klingt. Der Blob wird in die Arktis transportiert, wo er für immer sicher aufgehoben ist und Steve meint nur: „Ja, solange die Arktis noch kalt ist.“

Dass BLOB – SCHRECKEN OHNE NAMEN zum Kult avanciert ist, zeigt das alljährliche „Blobfest“, welches in Phoenixville, Pennsylvania seit der Jahrtausendwende dort stattfindet. Das dortige „Colonial Theatre“ dient als Austragungsort der Vorführungen, wie auch schon im Film, in dem sich die Besucher DEMENTIA (DAUGHTER OF HORROR, 1955), Platz 14 bei den besten Horrorfilmen der 50er, von John Parker ansehen, ehe sie vom Blob überrascht werden und in wilder Panik das Kino verlassen. Diese Szene wird auch auf dem „Blobfest“ nachgestellt. Niemand Geringeres als J.R. Larry Hagman (DALLAS, 1978-1991) drehte 1972 die Fortsetzung unter dem Namen BEWARE! THE BLOB. Das dieser Film der einzige Eintrag in Hagmans Filmografie als Film-Regisseur bleiben sollte, neben ein paar TV-Serien, verrät uns schon genug über den Sinn und die Qualität dieser Fortsetzung. Bisher hat der Streifen es nicht geschafft, eine Veröffentlichung in unseren Gefilden zu bekommen, gut so.

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Der unbekannte Star

Steve McQueen, geboren im März 1930 unter seinem richtigen Namen Terrence Stephen McQueen, ist einer der größten Schauspieler, die jemals auf der Leinwand zu sehen waren, wenn nicht sogar der Größte. In jenen Jahren noch ein Neuling in der großen Maschinerie Hollywood, aber mit jeder Menge Ambitionen und einem nie schwindenden, gigantischen Selbstbewusstsein. Bis zu diesem Film fielen lediglich ein paar Mini-Rollen in einigen unbekannten Filmen oder TV-Serien für ihn ab.

© Capelight Pictures

1956 trat er dann in einer Szene in Paul Newman‘s Film DIE HÖLLE IST IN MIR (SOMEBODY UP THERE LIEKS ME) auf. Newman, damals schon 31 Jahre alt, war auf dem steilen Weg zum gefeierten Weltstar. Seit dieser Zeit verband McQueen und Newman eine Art Hassliebe und der Wille McQueen‘s irgendwann einen Film zu machen, bei dem sein Name vor Newman‘s genannt wurde. Denn Steve war sich schon damals sicher nicht nur der bessere Schauspieler zu sein, sondern einfach der Beste von allen. Sein Wunsch ging in Erfüllung. Ganze 18 Jahre später, 1974, war es dann endlich soweit und McQueen und Newman standen erneut vor der Kamera in FLAMMENDES INFERNO (THE TOWERING INFERNO) und im Vorspann flimmerte zuerst McQueens Namen durchs Bild. Dazwischen lag ein langer und mühsamer Weg hinter dem einzigartigen Mimen. Dabei schenkte er uns solch unvergessliche Werke wie DIE GLORREICHEN SIEBEN (THE MAGNIFICENT SEVEN, 1960), GESPRENGTE KETTEN (THE GREAT ESCAPE, 1963), CINCINNATI KID (1965), THOMAS CROWN IST NICHT ZU FASSEN (THE THOMAS CROWN AFFAIR, 1968), BULLITT (1968), GETAWAY (1972), PAPILLON (1973) und noch einige mehr.

Durch seinen lässig-lakonischen Darstellungsstil auf der Leinwand bekam er schnell den Spitznamen Mr. Cool verpasst und ohne übertreiben zu wollen, McQueen „war“ der Coolste von allen. Neben seiner Arbeit als Schauspieler war er ein leidenschaftlicher Rennfahrer, egal ob auf zwei oder vier Rädern, nur schnell musste es sein. Diese Sucht nach Geschwindigkeit lebte er auch in seinem Filmen aus, denn meistens machte er seine Stunts selbst. Ebenso leidenschaftlich war seine Beziehung zu Frauen, er war mehrfach verheiratet. Zu Lebzeiten kamen auch immer wieder Geschichten über Alkohol- und Drogenkonsum auf. Noch heute ist McQueen eine Legende, wie unzählige Bücher und Neuauflagen seiner Filme jedes Jahr aufs Neue beweisen und seine Fangemeinde wächst unaufhörlich. Leider verstarb er viel zu früh im November 1980.

Titel, Cast und CrewBlob – Schrecken ohne Namen (1958)
OT: The Blob
Poster
Releaseab dem 02.10.2015 auf Blu-ray und DVD
seit dem 18.10.2019 in der VHS-Edition

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RegisseurIrvin S. Yeaworth Jr.
Russel S. Doughten Jr.
Trailer
BesetzungSteve McQueen (Steve Andrews)
Aneta Corsaut (Jane Martin)
Earl Rowe (Leutnant Dave)
Olin Howland (Alter Mann)
Stephen Chase (Doktor T. Hallen)
John Benson (Sergant Jim Bert)
Lee Payton (Kate)
DrehbuchTheodore Simonson
Kay Linaker
KameraThomas E. Spalding
FilmmusikRalph Carmichael
SchnittAlfred Hillmann
Filmlänge83 Minuten
FSKab 12 Jahren

 

Der Blob (1988)

Dreißig Jahre nach dem Original starten wir die Neuinterpretation mit einer bezaubernden Szene im All, ein Blick über die nach unten verschwindende Erdkugel, am Horizont geht gerade die Sonne auf, dazu erhabene Musik. Das Ganze erinnert schon fast an Stanley Kubricks Meisterwerk 2001: ODYSSEE IM WELTRAUM (2001: A SPACE ODYSSEY, 1968). Aber das ist nur der Beginn, danach wechseln wir umgehend den Schauplatz und landen in einem verschlafenen Ort namens Abbeville, der irgendwo in Louisiana liegt.

© 1988 TriStar Pictures

Der Film startet zwar im Weltall, um den Betrachter ein wenig an der Nase herum zu führen, doch das Weltall hat hier nur am Rande etwas mit dem kommenden Unheil zu schaffen. Denn diesmal ist der Blob ein hausgemachtes Problem, er stammt aus einem fehlgeschlagenen biologischen Experiment des US-Militärs. Ein Vergleich des Budgets beider Filme zeigt deutlich, dass sie in ganz unterschiedlichen Ligen spielen. Das Original kommt auf geschätzte 240.000 $, während das Remake auf 19.000.000 $ aufgestockt wurde, was sich deutlich auf die Qualität des Films ausgewirkt hat. Gerade die Gestaltung des amoklaufenden Wackelpuddings ist wirklich gelungen. Der Blob ist hier um einiges größer als sein Kollege von 1958, wesentlich agiler und auch sehr viel gewalttätiger. Die Effekte sind beeindruckend, vor allem wenn der Blob seine Opfer angreift und verschlingt. Aber auch der Rest der Geschichte hat von der Neufassung profitiert, alles ist moderner und ausführlicher, vor allem auch was Dialoge und Charakterzeichnung der Protagonisten betrifft.

© 1988 TriStar Pictures

Die Besetzung

Apropos Darsteller, besonders interessant ist die Art und Weise wie Regisseur Russell sie in seiner Story verwendet. Zu Beginn werden Personen ausführlich eingeführt, von denen man glaubt sie wären die möglichen Hauptdarsteller, Identifikationsfiguren für den Zuschauer. Doch wenn die dann vorzeitig das Zeitliche segnen, ist die Verwirrung groß. Hier passt der Vorsatz „jeder kann jederzeit sterben“ wie die Faust auf das Auge. Der Zuschauer ist genauso verunsichert wie die Protagonisten im Kampf gegen den Blob. Zur Auflockerung der Spannungsspitzen wurden einige wohldosierte komödiantische Momente, sowie ein paar coole Sprüche eingeschoben. Nicht zu viel sondern genau richtig dosiert, um nicht in einen dümmlichen Klamauk zu Enden.

© 1988 TriStar Pictures

Wie die Vorlage, fährt auch das Remake keine großen Stars auf. Das meiste Geld dürfte für die Spezialeffekte drauf gegangen sein. Den bekanntesten Namen hat dann wohl Kevin Dillon, der Bruder von Matt Dillon. Seine Rolle als Bunny in PLATOON (1986) oder sein Auftritt als John Densmore in THE DOORS (1991) dürfte einigen Zuschauern im Gedächtnis geblieben sein. Seine Partnerin Shawnee Smith hat zwar eine sehr umfangreiche Filmografie, aber der große Durchbruch blieb auch bei ihr bisher aus. Sie spielte unter anderem in der Mini-Serie STEPHEN KINGS THE SHINING (1997), ARMAGEDDON-DAS JÜNGSTE GERICHT (ARMAGEDDON, 1998), SAW 1-4 (2004-2009) oder auch in DER FLUCH – THE GRUDGE 2 (THE GRUDGE 3, 2009) mit. Das bekannteste Gesicht von allen dürfte aber Jack Nance gehören. Nance gehörte zu David Lynchs Stammschauspielern und war so ziemlich in jedem seiner Filme mit dabei. Seine bekannteste Rolle dürfte die des Pete Martell in DAS GEHEIMNIS VON TWIN PEAKS (TWIN PEAKS, 1990-1991) sein.

© 1988 TriStar Pictures

Chuck Russell gehört auch eher zur zweiten Garde der bekannteren Hollywoodregisseure. Seine bekanntesten Arbeiten sind NIGHTMARE III – FREDDY KRUEGER LEBT (A NIGHTMARE ON ELM STREET 3: DREAM WARRIORS, 1987) der auch gleichzeitig seine erste Arbeit als Regisseur darstellt. Dass er auch mit großen Stars arbeiten kann, zeigte Russell mit den Filmen DIE MASKE (THE MASK, 1994), wo er mit Jim Carrey drehte und zwei Jahre darauf folgte ERASER (1996), hier war Arnold Schwarzenegger das Zugpferd. Im Jahre 2000 folgte das durchschnittliche Horror-Drama DIE PROPHEZEIUNG (BLESS THE CHILD) der ebenfalls sehr prominent besetzt ist, doch sein großer Durchbruch lässt noch auf sich warten.

2015 wurde ein erneutes Remake des Blob angekündigt, Regisseur sollte diesmal Simon West (CON AIR, 1997, THE EXPENDABLES 2, 2012) werden, doch bis jetzt blieb es nur bei der Ankündigung.

© 1988 TriStar Pictures

Fazit

Chuck Russells Neufassung des beliebten Alienpudding überzeugt auf ganzer Linie. Tolle Effekte, interessante Schauspieler und eine packende Story unterhalten von der ersten bis zur letzten Minute. Das Original aus dem Jahre 1958 ist Kult und begeistert den Zuschauer durch seinen ganz eigenen Charme. Die naive und sehr einfach gehaltene Fassung von Yeaworth kann aber auch heute noch überzeugen, wenn der Betrachter sich für diese Art von Filmen begeistern kann.

Gesehen im Zuge meiner #FluxHorrorfilmRemakes-Filmchallenge

© Stefan F.

Titel, Cast und CrewDer Blob (1988)
OT: The Blob
Poster
Releaseab dem 24.06.2016 auf Blu-ray

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RegisseurChuck Russell
Trailer
BesetzungKevin Dillon (Brian Flagg)
Shawnee Smith (Meg Penny)
Donovan Leitch Jr. (Paul Taylor)
Jeffrey DeMunn (Sheriff Herb Geller)
Candy Clark (Fran Hewitt)
Joe Seneca (Dr. Meddows)
DrehbuchTheodore Simonson
Kay Linaker
Chuck Russell
Frank Darabont
KameraMark Irwin
FilmmusikMichael Hoenig
SchnittTod Feuerman
Terry Stokes
Filmlänge95 Minuten
FSKab 18 Jahren

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