Big Fish & Begonia (2016)

Big Fish & Begonia (2016) – Filmkritik

„Die Liebe des Märtyrers“

Legenden und Sagen haben schon immer die Fantasie der Animationskünstler angeregt. Geschichten aus 1001 Nacht, die Märchen der Brüder Grimm oder die vielen Prosa-Texte der asiatischen Geschichte, wie bei diesem Animationsfilm. Die Volksrepublik China hat bei Filmproduktionen in Vergangenheit eher mit großen historischen Dramen auf sich aufmerksam gemacht. In opulenten Kostümfilmen wurden Liebesschwüre ausgetauscht und Ländereien mit riesigen Armeen eingenommen. Aber im Bereich der Animationsfilme konnte China den japanischen Kollegen nie das Wasser reichen. Durch die Öffnung des Filmmarkts für große ausländische Produktionen wie STAR-WARS-, MARVEL- oder die TRANSFORMER-Filme kommt Schwung ins Gewerbe. Mit BIG FISH & BEGONIA versucht die chinesische Produktionsfirma „Beijing Enlight Media“ und das Animationsstudio „B&T Studio“ nun asiatische Sagen kindergerecht zu exportieren. Märchenhafte Erzählungen gibt es in der chinesischen Historie ausreichend, zum Beispiel diese:

Big Fish & Begonia (2016)
Chun // © 2016 Bi An Tian (Beijing) Culture Co. Ltd. / B&T Studio

Handlung

In einer Parallelwelt leben Wesen mit fast göttlichen Fähigkeiten. Es gibt haarige, befederte oder welche, die aussehen wie Menschen. Alle können mir ihren besonderen Talenten die Naturgesetze kontrollieren. Mit der Vollendung des 17. Lebensjahrs muss jeder ein Ritual ablegen und für sieben Tage in unsere Welt reisen. Als rote Delphine sollen sie dort das Verständnis für eine Umgebung ohne ihre Fähigkeiten bekommen. Das Mädchen Chun landet in Fischform in der Region, wo der der Junge Kun lebt, der das Meer und dessen Bewohner liebt. Chun schwimmt an ihrem letzten Tag in ein Schleppnetz. Kun befreit sie, wird von einem Strudel erfasst und ertrinkt dabei. Chun will ihre Schuld begleichen und ihren Retter wieder ins Leben zurückholen. In ihrer Welt der Mythologie und Magie, schließt sie einen Handel mit dem Herrn der Seelen. Leider geht die Wiederbelebung nur in Fischform und Chun muss die Hälfte ihrer Lebenszeit dafür eintauschen. Chun und Kuns Seelen sind jetzt miteinander verknüpft. Liebe ist auch noch im Spiel und die Frage, ob es ein gemeinsames Leben für beide geben kann.

Big Fish & Begonia (2016)
© 2016 Bi An Tian (Beijing) Culture Co. Ltd. / B&T Studio

Die Fantasie dreht durch

Man muss schon mit einer hohen Bereitschaft für Fantasie in BIG FISH & BEGONIA hineingehen. Vor allem die unglückliche Übersetzung mit dem Wort „Fisch“ stört anfangs, denn es sind eindeutig Wale zu sehen und auch Chun und Kun verwandeln sich in einen Delphin bzw. einen Narwal. In der Schule wird vielfach gelehrt: Das sind keine Fische, sondern Säugetiere. Die Ablenkung von diesem biologischen Fauxpas gelingt aber sofort mit aufwändigen und leidenschaftlichen Bildern. Außerdem gibt es gleich zu Beginn viele seltsame Wesen zu entdecken, die die Welt der Anderen beleben.

Big Fish & Begonia (2016)
© 2016 Bi An Tian (Beijing) Culture Co. Ltd. / B&T Studio

Die jungen Liebenden – es wird nie direkt darüber gesprochen und man kann nur annehmen, dass es mehr als Dankbarkeit von Chun ist, Kun aufzuziehen – bekommen viel gesellschaftlichen Gegenwind. Die Eltern verstoßen Chun sofort, weil sie sich mit einem Menschen eingelassen hat und der Rest der Gemeinschaft trachtet nach dem Leben des flossigen Kun. Es hätte hier zumindest einmal die Begründung fallen können, dass man den Kreislauf des Lebens nicht austricksen soll oder ähnliches. Nein, gleich mit Feuerbällen schießen, dann darüber nachdenken. So wirkt die Erwachsenenwelt nicht nur auf die Heldin völlig irrational, sondern auch auf uns Zuschauer.

Big Fish & Begonia (2016)
© 2016 Bi An Tian (Beijing) Culture Co. Ltd. / B&T Studio

Gebrochene Liebe

Eine besondere Rolle wird Chuns Jugendfreund Qui zuteil: Er ist über beide Ohren in sie verliebt, obwohl sie ihr Leben in Gefahr bringt und sich auch noch in einen Fisch verknallt hat. Man möchte annehmen, dass die Autoren Liang Xuan und Zhang Chun ähnliches in ihrer Schulzeit erlebt haben. Denn Quis Verhalten und auch die Länge der Thematik des gebrochenen Herzens scheinen ihnen wichtig gewesen zu sein. Durch seine positive Einstellung und die tragische Liebe, zieht Qui die Sympathie des Zuschauers auf sich und wird zur heimlichen Hauptfigur. Die Frage kommt auf, was er an der passiven Chun nur findet. Von der Liebe zwischen Chun (Begonia) und Kun (Big Fish) wird wenig in die Animationen transportiert. Die Mimik wirkt recht steif und emotionslos. Wenn die Geschichte nicht immer wieder die Liebenden auf eine harte Probe stellen würde, fragt man sich, was beide aneinander finden.

Big Fish & Begonia (2016)
© 2016 Bi An Tian (Beijing) Culture Co. Ltd. / B&T Studio

Fazit

Mit spektakulären Bildern und dramatischen Momenten kann BIG FISH & BEGONIA auf jeden Fall glänzen. Der Sound, die Filmmusik und auch die Synchronisation zeigt einen Animationsfilm der Oberliga. Leider fiebert man nur mit einer Nebenfigur mit und eine moralische Grundaussage will gar nicht in den Vordergrund rücken. Dennoch für Fans von asiatischen Geschichten mit viel Fantasie ist BIG FISH & BEGONIA einen Hingucker wert.

Big Fish & Begonia (2016)
© 2016 Bi An Tian (Beijing) Culture Co. Ltd. / B&T Studio
Titel, Cast und CrewBig Fish & Begonia (2016)
OT: Dayu haitang
Poster
Releaseab dem 24.05.2019 in einer Collector's Edition, auf Blu-ray und DVD
Bei Amazon bestellen:
Regisseur Xuan Liang
Chun Zhang
Trailer
DrehbuchXuan Liang
KameraXuan Liang
MusikKiyoshi Yoshida
Filmlänge105 Minuten
FSKab 6 Jahren
Keinen Beitrag verpassen
error20

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.