Rock and Roll
John Bonham, John Paul Jones, Robert Plant und Jimmy Page: Diese fantastischen Vier, besser bekannt als Led Zeppelin, waren zwischen 1968 und 1980 der Inbegriff der Rockmusik, Prototypen des Hard Rock, basierend auf Bluesrock und Rock ’n’ Roll. Die ikonische Band, alles gebürtige Engländer, schaffte bereits mit ihrer ersten Platte den internationalen Durchbruch, schuf einen Meilenstein der Rockgeschichte. Anschließend knackte sie nur noch Rekorde und gilt nach den Beatles und den Rolling Stones als die größte Band überhaupt. Ihre eigene Geschichte wurde bislang nie verfilmt. Nach Konzertfilmen und Alben-Reissues über die Jahrzehnte entstand nun die erste autorisierte Band-Biografie in Filmformat: BECOMING LED ZEPPELIN (2025) erzählt in vollgepackten zwei Stunden von den entscheidenden ersten beiden Jahren der Gruppe sowie deren musikalischen Wurzeln.

Regisseur Bernard MacMahon schreibt im Grußbrief der hier vorgestellten Collector’s Edition, die große Herausforderung sei es gewesen, einen Film über eine Band zu machen, die kaum für gefilmte Interviews, geschweige denn Dokumentationen zur Verfügung stand. Led Zeppelin überdauert bis heute durch ihre Musik im Albenformat. Gitarrist Jimmy Page, Mastermind und Produzent der Band, ließ kaum Singles veröffentlichen, sondern legte Wert auf ein möglichst breites Erzählformat der Songs in Form von perfekten Alben und virtuosen Konzert-Shows, wobei immer und ausschließlich der Sound im Vordergrund stand. Das Gefüge der Band, die Identität von Led Zeppelin, war außerhalb dieses musikalischen Quartetts nicht denkbar. So war es wenig überraschend, dass kurz nach dem tragischen Tod des Schlagzeugers John Bonham 1980 die Band ihre Auflösung bekanntgab. BECOMING LED ZEPPELIN erzählt davon, wie man dieses einmalige Miteinander schon in der Anfangsphase spürte und fortan mit ungebremster Kreativität festigte. Kraftvoll. Mitreißend.
Your Time Is Gonna Come
Bewusst wird der noch einige Jahre andauernde, populäre Zenit ausgeblendet. Noch kein „Stairway to Heaven“ (1971) und kein „Kashmir“ (1975). Stattdessen erleben wir die rauen Erstlinge, den „Communication Breakdown“, die „Good Times Bad Times“ und natürlich ganz viel Liebe: „Whole Lotta Love“ – die markanten Songs der ersten beiden Alben „Led Zeppelin“ und „Led Zeppelin II“, veröffentlicht Anfang und Ende 1969. Dazwischen lag nicht weniger als die erste monatelange US-Tournee. Das Leben eines Rockstars ist überall, nur nicht Zuhause, auch davon berichtet die Doku. Da werden also genau eineinhalb Jahre – von der Gründung und ersten Session im August 1968 bis zum Konzert in der Royal Albert Hall am 9. Januar 1970 – in zwei Stunden detailliert nachgezeichnet. Ein zugleich vibrierendes wie lehrreiches Stück Musikgeschichte. In den ersten Minuten erleben wir zunächst genau diese Historie: die Vorgeschichte der Band und ihres Namens, ihre Wurzeln.

Nach zwei kurzen stillen Schriftzügen im Vorspann wird bereits lautstark an die Himmelspforten geklopft: Die ersten beiden Vierteltaktschläge von „Good Times Bad Times“ drücken Bonhams wuchtiges Schlagzeug zusammen mit Pages Gitarrenakkord in unseren Gehörgang. Der Sound entfaltet sich in kristallklarem Stereo (alternativ raumfüllendem 5.1) originalgetreu im Wohnzimmer. Parallel dazu Archivaufnahmen in Schwarzweiß, Bilder der Industrie- und Kriegsgeschichte um den Zweiten Weltkrieg, spezifisch Luftaufnahmen der LZ 129 „Hindenburg“, jenes berühmten Passagier-Luftschiffs, das größte und luxuriöseste Zeppelin, das jemals gebaut wurde – beim Anflug in New Jersey 1937 ging es binnen Sekunden in riesigen Flammen auf, kostete 36 Menschen das Leben und besiegelte das Ende der Zeppelin-Luftfahrt. Die historische Aufnahme des brennenden Flugkörpers wurde in grobkörnigem Schwarzweis für das Debütalbum „Led Zeppelin“ verwendet und gab der Band ihren Namen. Was folgt, sind kurze Etappen durch die Kriegszeit, Titelseiten von Tageszeitungen, die Angriffe der Nazis auf England dokumentieren, der letztliche Sieg der Alliierten – aber vor allem die Trümmerstädte danach, die Zerstörung, aber auch: Hoffnung. Page (*1944), Jones (*1946) und Plant (*1948) erzählen von ihrer Kindeszeit nach dem Krieg, von dem „starken Gefühl von Hoffnung“ nach nunmehr zwei Weltkriegen, von Essenscoupons und vom Sehnsuchtsort Amerika.

Die drei noch lebenden Mitglieder der längst aufgelösten Gruppe geben persönliche Einblicke. Alsbald kommt es zur enormen Bedeutung der Musik in ihren jungen Leben: Page, der mit der Gitarre zur Schule ging, Jones, der, obschon nicht religiös, als Organist in der Gemeindekirche Grundlagen lernte (und so auf seinen ersten E-Bass sparte), und Plant, der zeitlebens nach Amerika wollte, jede Musik von dort aufsaugte, um dem grauen Alltag in England zu entfliehen. Ausschnitte jener frühen Inspirationen werden eingespielt, in Bild und Ton: Blues, Folk, RnB, Rock ’n’ roll – Sonny Boy Williamson, Little Richard, Lonnie Donegan… Es werden etliche weitere folgen. Das vierte Mitglied, John Bonham (1948-1980), wird ebenbürtig mittels Archivbilder, auch aus Kindheitstagen, und einem bislang nicht veröffentlichten Interview in die Reihe gestellt. Dank der Filmtechnik sind alle vier wieder vereint. Heartbreaker.

Bernard MacMahon legt besonderen Wert auf authentisch reproduzierte Archivaufnahmen, um das Zeitbild zu vermitteln. Das Bild ist nicht selten aus unvollkommenen Quellen, dabei die bestmöglichen, die man beschaffen konnte und für den großen Bildschirm optimal präsentiert. Insbesondere der Ton, die Musik, ist nach State of the Art restauriert: noch die ältesten Songs klingen kraftvoll, dynamisch, dabei ausbalanciert. Ein Genuss für die Ohren. Diese Präsentation von exzellentem Sound spiegelt den Anspruch der Band an ihre Musik.
Fortan wird die eigene Entwicklung erzählt, die ersten eigenen Bands und Gigs, die Erfahrungen als Session-Musiker: Page und Jones spielten u. a. auf der Aufnahme zu Shirley Basseys „Goldfinger“ (1964). Aber man suchte immer den eigenen, kernigen, unverwechselbaren Sound. Man fand ihn schließlich im Quartett, ab Sommer 1968, im Zusammenspiel mit dem kraftvollen, technisch perfekten Schlagzeug von Bonham, der fortan jedem Song seinen markanten Herzschlag verleihen sollte. Jones formuliert die Wichtigkeit und Sensibilität der Rhythm Section zwischen ihm und Bonham, und Page betont: Alles sollte auf den Aufnahmen zu hören sein, klar erkennbar jeder Schlag und jede Note der einzelnen Musiker. Das war und bleibt die DNS von Led Zeppelin.

In knapp 90 Minuten wird dann akribisch die Produktions- und Vermarktungsgeschichte der ersten beiden Alben durcherzählt. Fast jeder Song der Frühphase wird beleuchtet, sei es in ausführlichen Studioaufnahmen oder Livemitschnitten, die ebenfalls eigens für diese Dokumentation zugänglich gemacht wurden. Eine Handvoll Songs wird in voller Länge ausgespielt, um die Musik in Gänze spürbar zu machen. Die (teils auch irritierten) Reaktionen des Publikums werden offenbart, die besondere Magie innerhalb der Band auf der Bühne dokumentiert. Led Zeppelin wurden über Nacht zu Ikonen, Publikumslieblinge, aber man arbeitete hart für den Erfolg. Manager Peter Grant fokussierte von Beginn an die US-Bühnen als Spielfeld – zentrale Gigs mussten beim ersten Mal einschlagen, um weitermachen zu können. Und die Band schlug ein. Page und Grant landeten beim Label Atlantic Records einen beispiellosen Deal: volle künstlerische Kontrolle der Band, dabei ein Multi-Album-Deal, von dem andere Musiker nur träumen konnten. Das noch erfolgreichere Album „Led Zeppelin II“ wurde während der ausgiebigen Reise durch die USA an verschiedenen Orten geschrieben und aufgenommen. Ein Reisealbum, insbesondere das knackige „Ramble On“ mit Plants persönlichen Lyrics zeugt davon, einer der tollsten Songs der Band, der auch mystische Elemente (etwa aus „Der Herr der Ringe“) mit einwebt.

Und dann natürlich die große Granate, das Riff und die ganze Struktur von „Whole Lotta Love“, Led Zeppelins wohl rockigstes Stück bis heute. Page brach selbst diese todsichere Single-Struktur auf und ließ die Band für zwei Minuten einen avantgardistischen Instrumentalteil spielen, experimentierte am Mischpult, fügte Reverbs und Layer ein und nutzte die ganze Bandbreite der Stereo-Tonspur. Noch aus dem kompakten „Whole Lotta Love“ wurde nicht weniger als eine immersive Sound-Erfahrung. Der Film wechselt hier von stimmungsvollen, Trip-ähnlichen Überblendungen der spielenden Band, über das Studiosetting bis zur Pressung und Veröffentlichung der Platte. Sekundengenau abgestimmt auf den Song und den dampfhammermäßigen Drum-Break, der zusammen mit dem E-Bass die Studioboxen zum Qualmen brachte, entfaltet sich das Cover des Rekorde brechenden Albums, unter Fans liebevoll „Brown Bomber“ genannt – der Rest ist Geschichte.
Pure Musik. Durch den Verstärker rauschen Herzschlag, Dampfmaschine und Urschrei gleichermaßen. Nach dem besiegelndem Heimspiel-Konzert in der Londoner Royal Albert Hall am 9. Januar 1970 ist dann auch Schluss. Der Vorhang fällt fürs erste. Ein volles Jahr nach dem ersten Album, mit dem monumentalen Erfolg des zweiten Albums im Rücken, ist diese erste Entwicklung abgeschlossen. Led Zeppelin waren nicht mehr wegzudenken. Mit ihrer Musik begeistern sie bis heute. Thank You.

Fan-Package: die Edition
BECOMING LED ZEPPELIN erschien in Event-Screenings im Kino und IMAX im Frühjahr 2025, ein Jahr später folgt nun die haptische Edition auf Blu-ray und 4K für Zuhause. Die Collector’s Edition vereint beide Disc-Formate in einem schicken Steelbook, das mit einem gleichgroßen Schachtelkuvert in einem breiten stabilen Schuber steckt. Hier geht’s zur Produktseite via Plaion Pictures und Sony Pictures Entertainment. Die Discs bieten inhaltsgleich den Film jeweils mit DTS HD Master Audio Sound (Stereo 2.0 und 5.1 Surround), als Extra gibt es lediglich den anderthalbminütigen Kinotrailer, sonst nichts. Im Schachtelkuvert befinden sich hübsche Goodies, sogenannte „VIP Souvenirs“, das sind vier Postkarten mit ikonischen Fotos der Band, ein Patch, ein Sticker und zwei Plektren für die Gitarrenspieler unter uns. Das einzige Behind-the-Scenes-Extra ist ein gedruckter Brief des Regisseurs, der auf einer Seite kurz erzählt, wie es zum Film kam. Auf tiefergehende audiovisuelle Extras oder zumindest ein Booklet mit einem musikalischen Essay muss man leider gänzlich verzichten. Und eine Soundtrack-CD wäre ohnehin unnötig gewesen: Fans haben natürlich längst alle Alben der Band im Regal. So gesehen ist die Edition mit 45 Euro doch ein wenig teuer, wenn man bedenkt, einzig den Film in einer hübschen Verpackung zu bekommen. Für die harten Anhänger wohl dennoch ein Blindkauf. Oder man hat etwas Glück und liest fleißig beim Fluxkompensator…
Verlosung

So freuen wir uns sehr, in Zusammenarbeit mit Plaion Pictures exklusiv zwei Exemplare der limitierten Collector’s Edition verlosen zu können. Das Einzige, was Ihr dafür tun müsst, ist diesen Artikel zu kommentieren und am besten in einem sozialen Netzwerk Eurer Wahl zu teilen. Schreibt uns einfach in die Kommentarspalte, welches Album von Led Zeppelin Euer liebstes ist. Die Verlosung läuft bis einschließlich 15. Juni 2026. Bring It on Home. (Teilnahmebedingungen, euer Kommentar erscheint nicht sofort, sondern wird manuell freigeschaltet)
Liebt Filme und die Bücher dazu / Liest, erzählt und schreibt gern / Schaltet oft sein Handy aus, nicht nur im Kino / Träumt vom neuen Wohnzimmer / Und davon, mal am Meer zu wohnen


Das im Jahre 1975 publizierte gigantische Doppelalbum Physical Graffiti stellt aufgrund seiner Vielseitigkeit und Perfektion meinen persönlichen Favoriten in der imposanten Diskographie der britischen Legenden dar!
Schwere Frage – ich denke III, weil es noch sehr bluesig ist