Becoming (2020) – Filmkritik

„Das Böse in ihm“

Was würde passieren, wenn wir die Filme DER FEIND IN MEINEM BETT (SLEEPING WITH THE ENEMY, 1991), SPUR IN DEN TOD 2 (THE STEPFATHER, 1987) und THE HIDDEN – DAS UNSAGBAR BÖSE (1987) in einen Topf werfen, das Ganze gut umrühren und etwas ziehen lassen? Ganz einfach, es würde BECOMING heraus gekrochen kommen, ein undefinierbares etwas. Irgendwo zwischen Familiendrama mit häuslicher Gewalt, Thriller, Science-Fiction und Horrorfilm angesiedelt. Am Ende jedoch nicht Fisch und nicht Fleisch. Ein Wort noch zum Cover, das sehr atmosphärisch daherkommt, doch leider absolut nichts mit dem Film gemein hat.

© LEONINE GmbH

Inhalt

Die frisch verlobten Lisa (Penelope Mitchell) und Alex (Toby Kebbell) sind auf einem Roadtrip quer durch Amerika unterwegs. Auf ihrer Reise besuchen sie unter anderem auch den letzten lebenden Verwandten von Alex, einen gewissen Glen Hemming (Jeff Daniel Phillips) und dessen Familie. Von Anfang an ist das Auftreten der Hemming‘s mehr als nur merkwürdig und unheimlich. Glen hat zudem die uneingeschränkte Kontrolle über alles und jeden in seinem Haus. Am späten Abend setzen sich die beiden Männer zusammen, um über alte Zeiten zu plaudern. Durch einige seltsame Erlebnisse in der Nacht beunruhigt, flüchtet Lisa früh am Morgen mit einem benommenen Alex aus dem merkwürdigen Haus. Doch Alex ist nicht mehr der, der er noch vor einer Nacht war. Zuerst sind es nur kleine Anzeichen, doch jeden weiteren Tag wird Alex immer furchterregender und gewalttätiger gegenüber Lisa. Sein Gebaren, seine Art und auch sein Benehmen, sogar sein Geruch sind verändert. Was passierte in der Nacht bei Glen und was hat es mit der seltsamen Zeichnung dieser Hütte auf sich?

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Anklage oder Horrorfilm?

Etwas Altes, Böses und äußerst Brutales wandert ungehindert seit Anbeginn der Zeit durch unsere Welt. Ein etwas, dass sich immer wieder in Familien einnistet, um diese dann auf äußerst brutale Art und Weise zu vernichten. Das Ganze könnte auch als eine umfassende Anklage gelesen werden, an der immer noch vorherrschenden, weltweiten Gewalt gegenüber Frauen. Bezeichnend dabei ist, dass „das Ur-Böse tief im Mann“ verankert wurde. Viele „Männer“ können diesem Impuls widerstehen, doch einige wenige geben diesem Verlangen ungehindert nach, die Nachrichten sind voll davon. Die erste Hälfte von BECOMING kann durchaus noch überzeugen und das Geheimnis um die einsame Hütte im Wald treibt alles zügig voran. Dass diese Hütte etwas mit dem unbekannten Ding zu schaffen hat, wird sehr schnell deutlich. Auch dass sie der Dreh- und Angelpunkt all der Gewalt darstellt, denn mehrmals wird sie in tiefstem Rot dargestellt. Doch leider fehlt es dem Ganzen an Substanz und Tiefe, was sich dann äußerst fatal in der zweiten Hälfte des Films auswirkt. Regisseur Omar Naim verliert sich in unnützen Szenen und Einstellungen, und somit auch in seiner eigenen Story. So reiht sich bald eine absurde Szene an die nächste, ohne am Ende einen Sinn zu ergeben. Es muss nicht immer alles erklärt werden, keineswegs, doch ein wenig mehr hätte in diesem Fall der schwachen Story ganz sicher gutgetan.

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Regisseur und Darsteller

Der 1977 in Amman, Jordanien, geborene Omar Naim hat eine sehr übersichtliche Filmografie, in der THE FINAL CUT (2004) mit Robin Williams wohl der bekannteste Eintrag sein dürfte. Daran wird auch BECOMING als sein neustes Werk nichts ändern. Der Cast ist da schon um einiges erfahrener. Allen voran der britische Schauspieler Toby Kebbell, geboren 1982 in Pontefract, Yorkshire, England. Er hat schon eine recht umfangreiche Filmografie, in der klangvolle Filmen enthalten sind, wie etwa PLANET DER AFFEN: SURVIVAL (WAR OF THE PLANET OF THE APES, 2017) KONG: SKULL ISLAND (2017), BEN HUR (2016) oder auch FANTASTIC FOUR (2015). An seiner Seite sehen wir die im Horror-Genre schon recht erfahrene Penelope Mitchell, geboren 1991 in Melbourne, Australien: Sie absolvierte unter anderem Auftritte in THE FEAR OF DARKNESS (2015), der TV-Serie THE VAMPIRE DIARIES (2014-2015), APARTMENT 212 (2017), LOOK AWAY (2018) oder dem Reboot HELLBOY – CALL OF DARKNESS (HELLBOY, 2019). Neben den beiden Hauptakteuren sticht vor allem der US-Amerikaner Jason Patric hervor. Geboren 1966 in Queens, New York, hat er schon in einigen beeindruckenden Produktionen mitgewirkt. Vor allem wären da die TV-Serie WAYWARD PINES (2016) und Filme wie SPEED 2: CRUISE CONTROL (1997), SLEEPERS (1996) oder auch der Kultfilm THE LOST BOYS (1987) zu nennen. Am Cast liegt es jedenfalls nicht, dass der Film in der Schlusshälfte so dermaßen abstürzt, denn alle Akteure leisten durchweg solide Arbeit.

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Fazit

Der ganze Film wirkt halbherzig, nicht ist bis zum Ende durchdacht. BECOMING ist einfach unfertig. Dazu kommt, er ist zehn bis zwanzig Minuten zu lang und mit einigen fetten Logiklöchern behaftet. Vor allem das Ende ist dann auch mehr als enttäuschend. Mit viel Wohlwollen würde ich die erste Hälfte von BECOMING noch als ganz gelungen bezeichnen, der Aufbau der Story, das Böse, was unerkannt zwischen den Menschen wandert und nur Gewalt und Tod über alle bringt. Zur Spannung tragen hier auch immer wieder die kurzen Einschübe der unheimlichen Hütte im Wald bei. Doch wenn sich die zweite Hälfte nur noch in Diskussionen und Streitereien verliert, geht ganz schnell die Motivation und auch das Interesse beim Betrachter verloren. Es scheint fast so, als wollte Regisseur und Drehbuchautor Omar Naim zu viel auf einmal, nur wusste er nicht so genau, wie er alles auf die Leinwand bringen soll. Könnte auch gut sein, dass ihm einfach die Ideen ausgegangen sind.

So oder so wird BECOMING keine langfristigen Spuren im Horror-Genre hinterlassen.

© Stefan F.

Titel, Cast und CrewBecoming (2020)
Poster
Releaseab 10.04.2020 als Blu-ray & DVD erhältlich

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RegisseurOmar Naim
Trailer
BesetzungToby Kebbell (Alex)
Penelope Mitchell (Lisa Corrigan)
Jason Patric (Kevin Lee)
Jeff Daniel Phillips (Glen Hemming)
Beth Broderick (Angela Corrigan)
Stephen Rider (Justin Moore)
DrehbuchOmar Naim
KameraMatthew Irving
FilmmusikJacob Bunton
SchnittMartin Brinkler
Russell Lichter
Filmlänge99 Minuten
FSKab 16 Jahren

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