Battle of the Sexes - Gegen jede Regel Review

Battle of the Sexes – Gegen jede Regel (2017) | Filmkritik

„Spiel, Satz und Sieg für die King“

Nach dem wunderbaren LITTLE MISS SUNSHINE und dem etwas untergegangenen RUBY SPARKS entführt uns mit BATTLE OF THE SEXES das Regie-Ehepaar Faris Dayton erneut in eine Welt im Geiste des Flower Power. Doch diesmal tauchen wir tatsächlich in die frühen 70er Jahre ein. Eine Zeit im Umbruch.

© 2018 Twentieth Century Fox Home Entertainment, Inc

Die Handlung

1972, laut Film hat die Nummer eins der Damen-Tenniswelt, Billie Jean King (Emma Stone), gerade die US Open und damit in diesem Jahr ein Rekordpreisgeld von 100.000 $ gewonnen. Für eine Frau im Sport eine bis dahin nie erreichte Summe. Doch statt sich als Siegerin zu fühlen, empfindet sie diesen Moment als notwendigen Wendepunkt in ihrem Leben. An dieser Stelle beginnt ihr Kampf gegen ein von Männern dominiertes Sport- und Vermarktungssystem. Ihre männlichen Kollegen verdienen für vergleichbare Leistungen das Achtfache an Preisgeldern bei oft gleichen Zuschauerzahlen. So versucht sie bei Jack Kramer (Bill Pullman), einem der Gründer, der noch heute aktiven ATP, mehr Geld für die Spielerinnen der Tour auszuhandeln. Als dieser mit der Begründung ablehnt, dass Frauen nicht die gleiche Leistung wie Männer erbringen würden, sagt King ihm den Kampf an und droht damit eine parallele Damen-Tour zu gründen. Mithilfe der Zigarettenfirma Virginia Slims als Sponsor, gelingt ihr zusammen mit acht weiteren amerikanischen Spielerinnen, als Teil der Original 9, tatsächlich die erste professionelle Damen-Tennis-Tour. Die kurz danach weiter entwickelte WTA führt ihren Siegeszug bis heute als gleichberechtigte Weltranglisten-Tour der Damen fort.

© 2018 Twentieth Century Fox Home Entertainment, Inc

Parallel dazu versucht der ehemalige Wimbledon Sieger Bobby Riggs (Steve Carell) durch originelle Wetten seinem eher langweiligen Leben als, von seiner reichen Ehefrau (Elizabeth Shue) ausgehaltenem, Privatier zu entfliehen. Von seinen ehemaligen Spielerkollegen, die ebenfalls hohe Funktionäre in der ATP sind, erfährt er von Billie Jean Kings Kampf um Gleichberechtigung und wittert seine Chance auf eine Rückkehr auf die große Sport- und Showbühne. Seine Idee: Ein Match gegen Billie Jean King um zu beweisen, dass Frauen kein Anrecht auf gleiche Behandlung als Profisportler haben. So weist sich Riggs selbst die Rolle des Chauvis zu, um seiner Idee die nötige Würze zu verleihen. Zunächst lehnt King ab. Sie hat genug damit zu tun, ihre Vorherrschaft als beste Spielerin zu behalten. Das wird erschwert durch ihre sich langsam entwickelnde Beziehung zu einer jungen Friseurin. Als verheiratete Frau, in einer immer noch sehr konservativen Sportgemeinschaft, entsteht für sie dadurch ein enormer innerer Konflikt. Darunter leidet ihre Form und ihr Selbstwertgefühl. Doch all das und die von Riggs immer stärker werdenden Provokationen, fordern King schließlich heraus. Sie willigt ein in den: Battle of the Sexes.

Battle of the Sexes - Gegen jede Regel Review
© 2018 Twentieth Century Fox Home Entertainment, Inc

Der Film

In sehr stimmigen 35-mm-Film-Bildern von Oscarpreisträger Linus Sandgren (LA LA LAND) werden wir ganz Teil der frühen 70er Jahre. Mit detailverliebten Kostümen in authentischer Ausstattung werden Figuren zu echten Menschen, denen wir neugierig bei ihren Handlungen zuschauen. In vielen kleinen Momenten erleben wir zudem den ganz natürlich vorherrschenden Chauvinismus dieser Zeit. Das Frauenbild ist ein deutlich anderes. Umso beeindruckender was die weiblichen Figuren, allen voran Billie Jean King, auf die Beine und die Tennisplätze der Welt gestellt haben. Die Regie findet dafür einige sehr sensible Momente, in denen sie ganz auf Augenhöhe mit den Hauptfiguren ist. Und doch geht der Film in einigen Dingen nicht weit genug. Wir erfahren leider wenig über die sportlichen Fakten und Hintergründe der Zeit. Bill Pullmans Figur z. B. als Kings Gegenpart in Sachen Gleichberechtigung, war ebenfalls ein innovativer Topspieler, übrigens der erste, der bei Turnieren in kurzen Hosen auflief. Durch sein Engagement für den Sport hatte er das Turniertennis weiter professionalisiert und so erst den Weg für seine spätere Widersacherin gelegt. In BATTLE OF THE SEXES bleibt Pullmans Figur leider nur ein schmieriger Chauvinist.

Battle of the Sexes - Gegen jede Regel Review
Das Regisseur-Paar Valerie Faris & Jonathan Dayton // © 2018 Twentieth Century Fox Home Entertainment, Inc

Auch erfahren wir sehr wenig über die spielerischen Qualitäten der übrigen Spielerinnen, die wir fast nie in Aktion erleben dürfen. Ein sehr kurz gezeigtes Duell zwischen King und ihrer engsten Widersacherin um die Tenniskrone, Margaret Court (Jessica Mc Namee), gibt einen kurzen Einblick in die Fähigkeiten der Spielerinnen. Hier blitzt schon einmal kurz eine der Hauptqualitäten des Films auf: die Authentizität des Spiels. Den Regisseuren war wichtig, dass der Zuschauer ihres Films Profitennis genau aus der Perspektive erlebt wie die meisten es tun: aus der des Fernsehzuschauers, aus einer meist totalen Einstellung auf den ganzen Platz. Das setzt natürlich voraus, dass die Darsteller auch wirklich spielen können. Es ist wirklich beeindruckend wie gut sie das tun, bzw. wie glaubhaft es aussieht, dass sie es tun. Tatsächlich wurden die beiden größtenteils von echten Tennisspielern gedoubelt und ihre Gesichter via Visual-EffectsTechnology dem umgangssprachlichen Winklevii (wurde nach dem perfekten Verfahren in THE SOCIAL NETWORK von David Fincher benannt, in dem Armie Hammer mithilfe dieses speziellen Prozesses zu perfekten Winklevoss Zwillingen gemorpht wurde) in die Köpfe der perfekt choreographiert agierenden Stunt Doubles gesetzt. Dies hat die darauf spezialisierte Special-Effect-Firma LOLA sensationell umgesetzt.

Battle of the Sexes - Gegen jede Regel Review
© 2018 Twentieth Century Fox Home Entertainment, Inc

Das finale Match zwischen King und Riggs wird so zu einer perfekten Kopie des tatsächlichen Spiels von 1973. Das ist wirklich beeindruckend gemacht. Hier braucht es keine schnellen Schnitte oder Zeitlupen, um Spannung zu erzeugen. Emma Stone, Steve Carrell und ihre Body Doubles tragen durch ihre bloße körperliche Präsenz und die perfekte Nachahmung der Originale diese kurzen Szenen komplett. Auch Sandgrens souveräner Umgang mit unterschiedlichen Kamera- und Linsenformaten verleiht hier diese beeindruckende Authentizität. Leider sehen wir von solchen Highlights zu wenig. Dafür beschenken uns die beiden Hauptdarsteller mit ihrem sehr natürlichen Spiel in den übrigen Szenen des Films. Emma Stone zeigt uns eine sehr vielschichtige Billie Jean King, die einen gerade in den Momenten ihrer neu entdeckten Liebe zu einer Frau besonders berührt. Da ist sehr viel Unsicherheit und aufkeimendes Verlangen unter einer kontrollierten Hülle.  Es ist eine gerade durch ihre introvertierte Interpretation dieser beeindruckenden Frau, eine sehr überzeugende schauspielerische Leistung. Nach ihrem Oscargewinn für LA LA LAND zeigt sie hier erneut, welche Bandbreite sie bedienen kann.

© 2018 Twentieth Century Fox Home Entertainment, Inc

Auch Steve Carrell gelingt es erneut einen sehr komplexen Charakter wie im Vorbeigehen zu erschaffen. Wie selbstverständlich gibt er diesem spielverrückten Klassenclown zwischen Kartenspiel und Tennisplatz eine natürliche Würde. Diesen Reichtum traut das Drehbuch seinem Bobby Riggs leider kaum zu. In zu wenigen Momenten darf der echte Mensch hinter dem Showman erscheinen. Um so höher ist die Leistung von Carrell zu werten. In den wenigen Momenten, in denen er Unsicherheit erkennen lässt, nutzt Carrell sehr souverän. Mit Andrea Riseborough (OBLIVION, HAPPY GO LUCKY) als Kings Geliebte Marilyn, erhält der Film eine sehr private und fast unschuldig reine Figur. Durch ihre sehr unaufdringliche Art der Verführung, öffnet sie auf ganz natürliche Weise den Weg für King zu ihrer wahren Natur. Auch durch sie kann King zu der Frau werden, die wir heute kennen. Das liegt vor allem an Riseboroughs Spiel. Ähnlich wie im aktuellen Film über Freddie Mercury, BOHEMIAN RHAPSODY, sind die jeweiligen Heteropartner der Hauptfigur zwar auch Betrogene, aber in erster Linie auf der Seite ihrer großen Liebe. Sie verbinden sich auch ihrerseits auf eine respektvoll freundschaftliche Ebene, um ihre Liebe nicht vollends als Mensch zu verlieren. In BATTLE OF THE SEXES erhält dieser Aspekt eine noch stärkere Note. Kings Ehemann wird von Austin Stowel sehr sensibel, vielleicht ein bisschen zu nett dargestellt. Aber vielleicht war er das auch in Wirklichkeit.

Battle of the Sexes - Gegen jede Regel Review
© 2018 Twentieth Century Fox Home Entertainment, Inc

Mit Sarah Silverman als toughe, kettenrauchende Promoterin und Mitbegründerin der Virginia-Slims-Tour, Gladys Heldman, erhält der Film eine weitere schillernde Figur. Zum Teil ein wenig zu sehr als scene stealer inszeniert, gibt sie dieser Figur auf jeden Fall ein sehr unterhaltsames Profil. Leider erfahren wir im Film wenig über ihre sonstigen Verdienste für den Tennissport. Auch kommt für mich die Ehe von Riggs zu seiner Frau ein wenig zu kurz und wirkt teilweise etwas zu schablonenhaft. Begleitet von einem unaufdringlichen und kompositorisch wieder sehr feinen Score des talentierten Filmkomponisten Nicholas Britell (MOONLIGHT), macht dieser Film im Grunde nichts wirklich falsch. Das Drehbuch ist für meinen Geschmack etwas zu glatt, wird aber von der sehr feinfühligen Regie und den durchweg hervorragenden Darstellern sehr gut ausgeglichen. Die perfekte Filmkunst der einzelnen Beteiligten macht den Film zwar nicht zu einem Meisterwerk, der es durchaus hätte werden können, macht ihn aber wirklich sehenswert. Sehenswert auch und gerade wegen der Wichtigkeit seines Themas: Gleichberechtigung in Bezug auf Job, Liebe und das Miteinander.

© 2018 Twentieth Century Fox Home Entertainment, Inc

Die Blu-ray

Blu-ray-Cover

BATTLE OF THE SEXES kommt technisch einwandfrei daher. Das Bild ist hervorragend, ebenso der Ton. Zwei Dokus geben einen kleinen Einblick in die Hintergründe der Geschichte. In einer kommentiert Billie Jean King selbst die Geschehnisse aus ihrer Sicht und punktet durch ihre sehr versöhnende Art noch einmal in echt als große Sportsfrau und Aktivistin. Leider gehen die Extras überhaupt nicht auf die Umsetzung der Tennisszenen ein. Es wäre sehr interessant gewesen, zu sehen wie die perfekt inszenierten Matches mit Hilfe der Darsteller, ihrer Doubles und der Spezial-Effekte umgesetzt wurden. Eine Bildergalerie zeigt noch einmal sehr schön die authentischen Sets und Requisiten aus dem Film.

© Andreas Ullrich

Titel, Cast und CrewBattle of the Sexes (2017)
Poster

Release
ab dem 29.03.2018 auf Blu-ray erhältlich
Bei Amazon kaufen (Affiliate Link)
RegisseurJonathan Dayton
Valerie Faris
Trailer
DarstellerEmma Stone (Billie Jean King)
Steve Carell (Bobby Riggs)
Andrea Riseborough (Marilyn Barnett)
Natalie Morales (Rosie Casals)
Sarah Silverman (Gladys Heldman)
Bill Pullman (Jack Kramer)
DrehbuchSimon Beaufoy
MusikNicholas Britell
KameraLinus Sandgren
SchnittPamela Martin
Filmlänge121 Minuten
FSKab 0 Jahren

 

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